Frau mit Östrogenmangel sitzt auf dem Sofa und leidet unter Symptomen.
© Getty Images/PixelsEffect

Östrogenmangel: Symptome und wie er sich beheben lässt

Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder Hitzewallungen: Ein Östrogenmangel kann mit vielen Symptomen einhergehen, die oft einen starken Leidensdruck verursachen. Welche Beschwerden sind noch möglich und wie können Betroffene einen Östrogenmangel beheben?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist ein Östrogenmangel?

Mit zunehmendem Alter sinkt der Östrogenspiegel natürlicherweise, denn die Eierstöcke der Frau stellen die Östrogenproduktion nach und nach ein – ein normaler körperlicher Prozess. Die Folge sind Symptome wie Menstruationsstörungen, Hitzewallungen oder Scheidentrockenheit. Ein Östrogenmangel kann jedoch auch krankhafte Ursachen haben, etwa eine Niereninsuffizienz, oder aber durch hormonelle Verhütungsmethoden bedingt sein, weshalb auch junge Frauen betroffen sein können. Manchmal ist ein Östrogenmangel auch Ursache eines unerfüllten Kinderwunsches.

Östrogene und ihre Funktion

Eine Frau durchläuft in ihrem Leben verschiedene Stadien: vom Kind über den Teenager zur erwachsenen Frau und weiter über die Wechseljahre (Klimakterium) zur älteren, nicht mehr fruchtbaren Frau.

All diese Stadien werden unter anderem von den Geschlechtshormonen beeinflusst, vorwiegend von Östrogenen und Gestagenen. Kurzfristige Schwankungen im Östrogenspiegel sind normal und zudem nötig, um einen funktionierenden Menstruationszyklus beziehungsweise eine Schwangerschaft zu ermöglichen.

Östrogene haben im Leben einer Frau folgende Funktionen:

  • Reifung der Geschlechtsorgane
  • Eizellreifung (Menstruationszyklus)
  • Einfluss auf Reifung der Spermien in den weiblichen Geschlechtsorganen (sog. Kapazitation) und somit wichtig für die Befruchtung
  • Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft
  • Feuchtigkeit der Schleimhäute aufrechterhalten

In der Pubertät muss sich das monatliche Auf und Ab des Östrogenspiegels erst einspielen, daher sind gewisse abweichende Konzentrationen nicht bedenklich. Während der Wechseljahre stellen die Eierstöcke nach und nach ihre Funktion ein. In dieser Zeit nimmt der Östrogenspiegel altersbedingt immer weiter ab, um sich schließlich nach den Wechseljahren auf einem konstanten, aber niedrigen Niveau einzupendeln.

Östrogenmangel: Welche Symptome sind möglich?

Ein Östrogenmangel kann unterschiedliche Symptome verursachen, die oft als typische Wechseljahrsbeschwerden gelten.

Akute Symptome eines Mangels an Östrogen können zum Beispiel sein:

  • Hitzewallungen
  • Schlafstörungen (vor allem Schlafstörungen in den Wechseljahren)
  • Schweißausbrüche
  • Zyklusstörungen
  • trockene Schleimhäute

Mit der Zeit können folgende Symptome hinzukommen:

Zudem sind hormonmangelbedingte Veränderungen an den Geschlechtsorganen und Harnwegen (urogenitale Atrophie) möglich, wie zum Beispiel:

  • Harndrang und häufiges Wasserlassen
  • Infektionen von Scheide und Harnwegen
  • Inkontinenz
  • Juckreiz im Genitalbereich
  • Scheidentrockenheit (vaginale Atrophie)
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
  • vermehrter Ausfluss aus der Scheide

Ein Östrogenmangel verändert außerdem die Beschaffenheit des Zervixschleims, also des Schleims im Gebärmutterhals. Dieser wird dickflüssiger und für Spermien nahezu undurchdringlich, was wiederum eine Befruchtung erschweren oder unmöglich machen kann.

Östrogenmangel: Mögliche Ursachen

Ein Östrogenmangel tritt beispielsweise auf, wenn die Eierstöcke in ihrer Funktion eingeschränkt sind und somit zu wenig oder gar kein Östrogen mehr produzieren. Die häufigste Ursache hierfür ist der natürliche Alterungsprozess während der Wechseljahre. 
Weitere Ursachen für eine eingeschränkte beziehungsweise eingestellte Funktion der Eierstöcke können sein:

  • Fehlentwicklung der Eierstöcke
  • operative Entfernung der Eierstöcke, etwa aufgrund gutartiger oder bösartiger Tumoren, Ovarialzysten oder Eierstockkrebs

Darüber hinaus kommen diese Ursachen für einen Östrogenmangel infrage: 

  • Gelbkörperschwäche: Hinter einem Östrogenmangel kann außerdem eine sogenannte Gelbkörperschwäche (Corpus-luteum-Insuffizienz) stecken, die wiederum Unfruchtbarkeit nach sich ziehen kann.

  • hormonelle Verhütungsmittel: Auch hormonelle Verhütungsmittel  können einen Östrogenmangel verursachen. Die synthetischen Östrogene der Antibabypille unterdrücken das körpereigene Sexualhormon. In manchen Fällen reicht das synthetische Östrogen jedoch nicht aus, um das körpereigene zu ersetzen – ein Östrogenmangel entsteht.

  • Nebenniereninsuffizienz: Ein Östrogenmangel kann seinen Ursprung auch in anderen Organen als den Eierstöcken haben. Bei einer Nebenniereninsuffizienz produzieren die Nebennieren beispielsweise zu wenig Dehydroepiandrosteron (DHEA), eine Vorstufe von Östrogen. 

Östrogenmangel und Pubertas tarda

Eine besondere Folge des Östrogenmangels ist die sogenannte Pubertas tarda. In diesem Fall verzögert sich die sexuelle Reife durch den Östrogenmangel. Mädchen mit Pubertas tarda bekommen ihre erste Periode meist nicht vor dem 18. Geburtstag und die äußeren Geschlechtsmerkmale reifen später als bei anderen Teenagern. Ursachen für einen Östrogenmangel, der mit einer Pubertas tarda einhergeht, können zum Beispiel sein:

  • Mangelernährung, Unterernährung, etwa bei Magersucht
  • Hochleistungssport
  • Fehlfunktion endokriner Drüsen, zum Beispiel bei Nebenniereninsuffizienz

Therapie: Wie lässt sich ein Östrogenmangel beheben?

Einem Östrogenmangel kann auf unterschiedliche Art und Weise gegengesteuert werden. Leichte Beschwerden lassen sich häufig mit einfachen Mitteln behandeln:

  • Augentropfen gegen trockene Augen
  • Präparate mit Johanniskraut (Johanniskraut setzt den Verhütungsschutz der Pille herab. Wer sichergehen will, sollte daher zusätzlich verhüten.)
  • Ausdauersport (wie Nordic Walking, Schwimmen, Radfahren, Joggen, Aquafitness)

Nach ärztlicher Absprache können auch diese Mittel angewendet werden, um den Östrogenmangel zu beheben: 

Hormonersatztherapie bei Östrogenmangel

Bei stärkeren Beschwerden kann eine Östrogentherapie beziehungsweise Hormonersatztherapie infrage kommen.

Wenn Verhütungsmittel mit Hormonen einen lokalen Östrogenmangel im Scheidenbereich verursachen und Symptome wie Scheidentrockenheit oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verursachen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Ein Wechsel zu einem anderen Präparat kann den Östrogenmangel beheben. Wenn nicht, muss möglicherweise das Präparat abgesetzt werden.
  • Häufig reicht eine lokale Behandlung mit östrogenhaltigen Präparaten aus.

Steckt hinter dem Östrogenmangel eine Gelbkörperhormonschwäche, wird die*der Ärztin*Arzt Präparate mit Progesteron verschreiben. In der Folge sollte sich auch der Östrogenspiegel stabilisieren.