Eine Frau mittleren Alters sitzt auf einem Sofa.
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Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis)

Fast jede Frau leidet irgendwann im Leben einmal an einer Scheidenentzündung. Typisches Symptom ist der vermehrte Ausfluss, der je nach Erreger unterschiedlich beschaffen ist. Lesen Sie, was hilft und wie Sie der Scheidenentzündung vorbeugen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis)

Eine Scheidenentzündung bezeichnen Ärzte auch als Kolpitis oder Vaginitis. Sie kann relativ leicht entstehen: Wenn die empfindliche Scheidenflora gestört ist, ist der natürliche Schutzmechanismus der Scheide geschwächt. Krankheitserreger können sich leicht ansiedeln und vermehren, sodass sich die Vagina entzündet.

Typisches Anzeichen einer Kolpitis ist Ausfluss aus der Scheide (sog. Fluor vaginalis). Welche weiteren Symptome auftreten, hängt unter anderem vom Erreger ab, der die Entzündung ausgelöst hat.

Häufige Symptome einer Scheidenentzündung sind:

Die Vaginitis kann sich vom Scheideneingang auf die äußeren primären Geschlechtsorgane ausbreiten. Gerade bei Mädchen ist dies oft der Fall. Ärzte sprechen dann von einer Vulvovaginitis.

Eine Scheidenentzündung muss jedoch nicht immer mit Symptomen verbunden sein. Manche Frauen bemerken keine Beschwerden.

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Typisches Symptom einer Vaginitis: Ausfluss aus der Scheide

Bei einer Scheidenentzündung sondert die Scheide vermehrt Flüssigkeit ab, welche häufig übel riecht. Je nach Zusammensetzung kann der Ausfluss wässrig, schleimig, eitrig, schaumig, krümelig oder blutig sein.

Die Beschaffenheit des Ausflusses gibt Hinweise darauf, welcher Erreger für die Kolpitis verantwortlich ist:

  • In den meisten Fällen lösen verschiedene Bakterien im Zusammenspiel die Entzündung aus (sog. Mischinfektion). Typisch ist dann ein gelb-grünlicher Ausfluss.
  • Bei einer durch den Pilz Candida albicans ausgelösten Kolpitis ist der Ausfluss weiß und geruchlos.
  • Ein unangenehmer, fischiger Geruch mit dünnflüssigem Ausfluss kann auf ein bakterielles Ungleichgewicht der Scheidenflora hinweisen. Ärzte sprechen dann von einer Amin-Kolpitis (bakterielle Vaginose, Gardnerella vaginalis-Infektion).

Scheidenentzündung: Ursachen

Bei der Entstehung einer Scheidenentzündung spielen vor allem zwei Faktoren eine Rolle: ein gestörtes Scheidenmmilieu und bestimmte Krankheitserreger.

Ärzte unterscheiden grob zwischen zwei Formen der Vaginitis:

  • Die primäre Vaginitis entsteht, wenn sehr viele Keime von außen eindringen und die zuvor intakte Scheidenflora der Scheide schädigen.
  • Die sekundäre Vaginitis entsteht, wenn das Scheidenmilieu bereits gestört ist und sich auf dieser Basis eine Infektion bildet. Zur sekundären Vaginitis zählen auch Entzündungen, die durch einen Östrogenmangel hervorgerufen werden und insbesondere bei älteren Frauen oder Mädchen vor der Pubertät vorkommen.

Gesundes Scheidenmilieu aus der Balance

Bei einer Scheidenentzündung ist das schützende Scheidenmilieu aus der Balance geraten.

Normalerweise können Krankheitserreger der Scheide nicht so leicht schaden. Allein der Scheideneingang ist durch die Schamhaare und durch die kleinen und großen Schamlippen vor äußeren Einflüssen weitgehend geschützt.

Die Scheide ist von einem mehrschichtigen Gewebe ausgekleidet: dem Epithel. Es schützt unter anderem vor mechanischen Reizen, wie sie beispielsweise beim Geschlechtsverkehr entstehen.

Das Scheideninnere ist von Milchsäurebakterien (Döderleinbakterien, Laktobakterien) besiedelt. Sie bilden aus dem Glykogen (einem Zucker) von abgestoßenen Epithelzellen Milchsäure. Dies führt dazu, dass im Scheideninneren ein saures Milieu mit einem niedrigen pH-Wert herrscht, in dem sich Krankheitserreger normalerweise nicht so leicht ansiedeln können. Dieser Schutz vor Keimen besteht meist sogar, wenn relativ viele Erreger von außen in die Scheide gelangen.

Was bringt das Scheidenmilieu aus dem Gleichgewicht?
Es gibt viele Faktoren, welche die Scheidenflora aus der Balance bringen können, sodass Erreger leichtes Spiel haben. Dazu zählen etwa:

  • Antibiotika, welche die natürliche bakterielle Besiedlung der Scheide beeinträchtigen
  • übertriebene Hygiene (mit alkalischen Seifen), Scheidenspülungen
  • ein Östrogenmangel
  • mechanische Einflüsse, so z.B. durch
    • Tampons,
    • Empfängnisverhütung mit einem Scheidendiaphragma oder
    • andere Fremdkörper in der Scheide
  • starke Menstruationsblutung, was dem sauren Scheidenmilieu entgegenwirkt
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • hohe oder wechselnde Zahl an Sexualpartnern

Welche Krankheitserreger lösen die Vaginitis aus?

Eine Scheidenentzündung kann durch ganz unterschiedliche Erreger ausgelöst werden. Dazu zählen vor allem:

Auch Viren (z.B. Herpesviren) oder Würmer können zu einer Scheidenentzündung führen.

Einige der möglichen Erreger gehören zur normalen Scheidenflora, sind aber in zu hoher Zahl vorhanden. Andere gelangen von außen in die Scheide, meist beim Geschlechtsverkehr. Die Scheidenentzündung ist also eine sexuell übertragbare Krankheit. Aber nicht nur durch Geschlechtsverkehr kann man sich anstecken. Auch gemeinsam genutzte Bade-, Unterwäsche oder Handtücher können zur Scheidenentzündung führen, ebenso wie mangelnde über übertriebene Hygiene.

Mehr wissen: Bakterielle Vaginose
Zu den häufigsten Ursachen der Scheidenentzündung zählt die bakterielle Vaginose. Dabei ist das natürliche bakterielle Gleichgewicht der Scheidenflora aus der Balance geraten. Dadurch siedeln sich Bakterien an, die dort normalerweise nicht vorkommen, vor allem die Bakterienart Gardnerella vaginalis. Der pH-Wert liegt dann bei > 4,5 und ist ins alkalische Milieu verschoben.

>> Mehr zum Thema lesen Sie im Artikel Bakterielle Vaginose.

Scheidenentzündung bei Kindern: Erreger können sich leichter vermehren

Bei noch nicht geschlechtsreifen Mädchen ist der natürliche Schutzmechanismus der Scheide noch nicht ausgeprägt. Vor der Pubertät ist das Scheidenmilieu weniger sauer als im Erwachsenenalter. Dies liegt daran, dass das weibliche Geschlechtshormon Östrogen noch nicht in ausreichendem Maße produziert wird.

Im nicht-sauren Milieu können sich manche Erreger in der Scheide leichter vermehren und so eine Scheidenentzündung auslösen. Meist sind dann auch die äußeren primären Geschlechtsorgane betroffen (sog. Vulvovaginitis). Ärzte bezeichnen die Scheidenentzündung bei Mädchen auch als Vulvovaginitis infantum.

Häufige Ursachen für eine bakterielle Scheidenentzündung bei Kindern sind Schmierinfektionen (z.B. durch Escherichia coli aus dem Analbereich), Harnwegsinfekte oder Fremdkörper in der Scheide.

Scheidenentzündung bei älteren Frauen: Ursache meist Östrogenmangel

Frauen können den natürlichen Schutzmechanismus wieder verlieren, wenn der Körper weniger Hormone bildet, so zum Beispiel in oder nach den Wechseljahren. Dadurch steigt das Risiko für eine Scheidenentzündung. Die durch Östrogenmangel bedingte Scheidenentzündung bei älteren Frauen nennen Medizinerinnen und Mediziner atrophische Kolpitis oder Kolpitis senilis. Durch den Mangel an Östrogen wird die Gewebsschicht in der Scheide dünner, verletzlicher und weniger durchblutet. Außerdem können sich die Milchsäurebakterien in der Scheide nicht mehr ausreichend vermehren, sodass sich andere Bakterien (v.a. aus der Darmflora) leichter ausbreiten.

Scheidenentzündung: Diagnose

Suchen Sie den Arzt auf, wenn Sie

  • vermehrt (übelriechenden) Ausfluss bemerken, der länger als wenige Tage anhält und/oder
  • Symptome wie brennende Schmerzen, Juckreiz oder Blutungen im Vaginalbereich auftreten und/oder
  • die Beschwerden zunehmen.

Normalerweise ist bei möglichen Symptomen einer Scheidenentzündung (auch: Kolpitis, Vaginitis) der Frauenarzt der richtige Ansprechpartner. Er kann relativ leicht feststellen, ob die Scheide tatsächlich entzündet ist: Das Scheideninnere ist bei einer Vaginitis geschwollen und gerötet. Gelegentlich sind Bläschen auf der Schleimhaut zu sehen. Ein weiteres Anzeichen ist der verstärkte Ausfluss. Farbe, Geruch und Konsistenz des Ausflusses geben dem Arzt erste Hinweise darauf, welcher Erreger für die Kolpitis verantwortlich ist.

Den Erreger der Vaginitis bestimmen

Um herauszufinden, welche(r) Erreger die Scheidenentzündung hervorgerufen hat/haben, nimmt der Arzt Abstriche aus der Scheide und vom Gebärmutterhals. Anschließend untersucht er die Proben unter dem Mikroskop und ermittelt den pH-Wert des Scheidenmilieus.

Gegebenenfalls schickt der Arzt Proben der Abstriche an ein mikrobiologisches Labor, um noch genauere Informationen über den Erreger zu bekommen. So kann er die Behandlung optimal auf den Erreger abstimmen.

Begünstigende Faktoren finden

Bei einer Scheidenentzündung ist es nicht nur wichtig, den verursachenden Erreger zu bestimmen. Im Rahmen der Diagnose muss der Frauenarzt auch herausfinden, welche Faktoren die Entzündung begünstigt haben könnten.

Dazu zählen zum Beispiel

Wenn es gelingt, diese Einflüsse auszuschalten, lässt sich einer Entzündung vorbeugen und es lässt sich verhindern, dass die Vaginitis chronisch wird.

Scheidenentzündung: Behandlung

Die Behandlung einer Vaginitis ist vor allem davon ab, welcher Erreger die Entzündung ausgelöst hat:

  • Gegen eine bakterielle Scheidenentzündung helfen Antibiotika, zum Beispiel mit Wirkstoffen wie Metronidazol oder Clindamycin.
  • Bei einer Pilzinfektion helfen spezielle Anti-Pilz-Mittel (Antimykotika) mit Wirkstoffen wie Nystatin, Amphotericin B, Clotrimazol oder Miconazol.
  • Haben Trichomonaden die Kolpitis verursacht, kann der Wirkstoff Metronidazol sinnvoll sein.

Alternativ stehen zur lokalen Therapie sogenannte Antiseptika zur Verfügung. Dies sind Mittel, die sowohl Bakterien und Pilze als auch mikroskopisch kleine einzellige Lebewesen (Protozoen) abtöten.

Je nach Präparat gibt es die Wirkstoffe in Form von

  • Scheidenzäpfchen,
  • Cremes,
  • Tabletten oder
  • Spritzen.

Während der Therapie sollten Sie auf Geschlechtsverkehr verzichten. Solange die Scheidenentzündung durch die Behandlung noch nicht ganz verschwunden ist, verwenden Sie besser auch keine Tampons oder Scheidenspülungen.

Wichtig: Da die Erreger sexuell übertragbar sind, kann es sinnvoll sein, dass sich die Partnerin oder der Partner ebenfalls behandeln lässt.

Natürliches Scheidenmilieu wiederherstellen

Zur Therapie einer Scheidenentzündung gehört nicht nur, den Erreger gezielt zu bekämpfen. Der Arzt wird auch versuchen, Einflüsse, die das Milieu der Scheide beeinträchtigen könnten, zu beseitigen – etwa einen Östrogenmangel.

Um das natürliche Scheidenmilieu wiederherzustellen, wird der Arzt zum Beispiel Produkte mit Milchsäurebakterien (Laktobakterien) oder Östrogenen empfehlen, die direkt in die Scheide eingebracht werden. Ob und in welchem Ausmaß Milchsäurebakterien bei einer Scheidenentzündung tatsächlich helfen, ist bislang allerdings nicht ausreichend untersucht.

Manche schwören ergänzend auf ein Hausmittel: Wenn Sie wiederholt einen mit Joghurt getränkten Tampon in die Scheide einführen, soll dies das Scheidenmilieu unter Umständen verbessern. Allerdings ist noch nicht abschließend untersucht, wie gut diese Methode tatsächlich hilft.

Scheidenentzündung: Verlauf

Wird eine Scheidenentzündung konsequent behandelt, heilt sie meist problemlos ab.

Die Dauer einer Kolpitis hängt unter anderem davon ab,

  • welcher Erreger sie ausgelöst hat,
  • wie stark die Entzündung und
  • wie rasch eine geeignete Therapie beginnt.

Bei frühzeitiger Behandlung dauert eine Scheidenentzündung in der Regel wenige Tage.

Welche Komplikationen sind bei einer Vaginitis möglich?

Bleibt eine Scheidenentzündung unbehandelt, kann sie sich auf den Gebärmutterhals ausbreiten. Zu möglichen Folgen zählen eine Gebärmutterentzündung oder eine Entzündung der Eileiter und Eierstöcke (sog. Adnexitis). Eine solche sogenannte aufsteigende Infektion kann erhebliche Folgen haben, etwa eine ungewollte Kinderlosigkeit. Spätfolge einer aufsteigenden Infektion können verklebte Eileiter und Verwachsungen im Bauchraum sein.

Achtung bei Scheidenentzündung in der Schwangerschaft

Eine Vaginitis in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für vorzeitige Wehen und einen vorzeitigen Blasensprung und somit auch für eine Frühgeburt.

Zudem kann es passieren, dass die Mutter ihr Baby während der Geburt mit den Erregern infiziert. Eine solche Infektion ist besonders dann von Bedeutung, wenn es sich um Herpesviren, Gonokokken oder das Bakterium Chlamydia trachomatis handelt. Diese Erreger können beim Neugeborenen unter anderem Entzündungen auslösen, zum Beispiel eine Bindehautentzündung. Daher kann in diesen Fällen eine Entbindung durch Kaiserschnitt sinnvoll sein.

Scheidenentzündung: Vorbeugen

Einen hundertprozentigen Schutz gibt es zwar nicht, aber Sie können einer Vaginitis ein Stück weit vorbeugen:

  • Schützen Sie sich vor Krankheitserregern. Das Infektionsrisiko sinkt zum Beispiel deutlich, wenn Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome. Wischen Sie sich nach dem Stuhlgang das Gesäß immer nur von vorne nach hinten ab. So verhindern Sie, dass Bakterien aus dem Stuhl in die Scheide gelangen.
  • Vermeiden Sie Irritationen des natürlichen Scheidenmilieus. Dabei spielt die richtige Intimpflege eine große Rolle. Mangelnde Hygiene erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine Vaginitis. Aber auch allzu häufiges Waschen mit Seife, lange Schaumbäder, Intimsprays oder Scheidenspülungen erhöhen das Risiko. Daher gilt: Reinigen Sie sich gründlich, aber nicht übertrieben.