Nahaufnahme menschliches Auge
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Diabetische Retinopathie

Die diabetische Retinopathie ist eine Folgeerkrankung eines Diabetes mellitus. Ursächlich sind Schädigungen an den Blutgefäßen im Auge, welche durch jahrelang erhöhte Blutzuckerwerte begünstigt sein können. Erfahren Sie außerdem mehr zu den verschiedenen Formen der Erkrankung und den Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist die diabetische Retinopathie?

Die Erkrankung Diabetes mellitus führt aufgrund von erhöhten Blutzuckerwerten über mehrere Jahre zu Veränderungen an den Blutgefäßen im ganzen Körper. Diese Schädigungen sind ursächlich für Nieren- und Nervenerkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Probleme.

Auch die Augen sind unter Umständen von den Folgeschäden betroffen – dies nennt man diabetische Retinopathie. Eine zu hohe Blutzuckerkonzentration hat zur Folge, dass sich die kleinen Blutgefäße der Netzhaut (Retina) des Auges verändern. Dadurch können hochgradige Sehbeeinträchtigungen bis hin zur Erblindung entstehen.

Rund 27 Prozent der Menschen mit Typ-1-Diabetes erhalten auch die Diagnose Retinopathie. Bei 15 Prozent der Patient*innen kann zudem ein Makulaödem auftreten. Dabei schwillt der Bereich der Netzhautmitte durch eine Ansammlung von Flüssigkeit an.

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes tritt in neun bis 16 Prozent der Fälle eine diabetische Retinopathie auf. Von einem diabetischen Makulaödem sind sechs Prozent der Erkrankten betroffen.

Verschiedene Formen der diabetischen Retinopathie

Da die Gefäßveränderungen an der Netzhaut diverse Schädigungen am Auge hervorrufen können, wird die diabetische Retinopathie in verschiedenen Formen unterschieden.

  • Nichtproliferative diabetische Retinopathie: Gefäßveränderungen beschränken sich auf die Netzhaut und in der Regel treten noch keine Sehbeeinträchtigungen auf. Es kann zur Bildung von Gefäßerweiterungen (Mikroaneurysmen) und Fettablagerungen (harte Exsudate) sowie Blutungen in der Netzhaut kommen. Diese Form wird weiter in die Stadien mild, mäßig oder schwer unterteilt.
  • Proliferative diabetische Retinopathie: Bei Fortschreiten der Krankheit bilden sich im Auge neue, krankhafte Gefäße. Sie sind undicht, bluten leicht und lassen Flüssigkeit in die Netzhaut eintreten. Die neuen Gefäße breiten sich aus der Netzhaut in den Glaskörper des Auges aus. Bei einer plötzlichen Blutung im Glaskörper wird die Netzhaut massiv gespannt was unter Umständen zu einer starken Sehbehinderung führt. Kommt es dann zur Netzhautablösung, wird diese nicht mehr ausreichend von der darunterliegenden Aderhaut versorgt. Dies kann zur Erblindung führen.
  • Diabetische Makulopathie: Schreitet die proliferative Retinopathie unbehandelt voran, ist der Punkt des schärfsten Sehens in der Mitte der Netzhaut – der gelbe Fleck (Makula) – durch eine Zerstörung der zentralen Sehzellen gefährdet. Die Gefahr der Erblindung ist sehr hoch.

Ein vorliegendes Makulaödem erfährt ebenfalls eine Differenzierung je nach Schweregrad.

Eine Kombination aus diabetischer Makulopathie und proliferativer diabetischer Retinopathie ist möglich.

Symptome der diabetischen Retinopathie

Zunächst bemerken Betroffene die diabetische Retinopathie nicht. Erst, wenn Sehzellen in der Makula geschädigt sind, treten unter Umständen folgende Symptome auf:

  • Plötzlich auftretende Veränderungen des Sehvermögens
  • Brillengläser gleichen die Verschlechterung des Sehvermögens nicht mehr aus
  • Leseschwierigkeiten bis zum Verlust der Lesefähigkeit
  • Störung des Farbsinns
  • Verschwommenes und verzerrtes Sehen
  • Blinde Flecken
  • Vollständiger Sehverlust

Symptome einer diabetischen Retinopathie sind daher immer Zeichen eines fortgeschrittenen Stadiums.

Wie lässt sich diabetische Retinopathie diagnostizieren?

Es ist ratsam, direkt nach Diagnosestellung eines Diabetes mellitus auch einen Augenarzt oder eine Augenärztin aufzusuchen. Die augenärztlichen Kontrollen erfolgen danach in gewissen Intervallen. Die diabetische Retinopathie lässt sich meistens nur im Rahmen dieser Kontrolluntersuchungen feststellen, ohne dass bereits schwerwiegendere Störungen des Auges bestehen und Betroffene Symptome entwickelt haben.

Hinweis: Es kann insbesondere in der Einstellungsphase mit Insulin zu Störungen der Sehschärfe kommen.

Um diabetische Netzhautveränderungen festzustellen, wird die Pupille mit Augentropfen erweitert. Der vordere Augenabschnitt und der Augenhintergrund lassen sich anschließend mithilfe eines Stereomikroskops und einer Lupe untersuchen.

Je nach festgestellter Sehschärfe und unter Umständen Veränderungen des Auges kommen weitere Untersuchungsmöglichkeiten zum Einsatz:

  • Optische Kohärenztomographie (OCT): Darstellung der einzelnen zentralen Netzhautschichten.
  • OCT-Angiographie: Darstellung der kleinen Netzhautgefäße im Bereich der Makula und im benachbarten Bereich der Netzhaut.
  • Fluoreszenzangiographie: Zur Einschätzung der Durchblutung der Netzhaut.

Behandlung der diabetischen Retinopathie

Zu Anfang der Erkrankung bedarf es außer einer optimalen Blutzuckereinstellung keiner Therapie am Auge. Wichtig sind in diesem Stadium regelmäßige Kontrollen.
Zu diesem Zeitpunkt ist es jedoch möglich, das Fortschreiten der Gefäßveränderungen durch Laserbehandlungen an der Netzhaut zu verhindern. Solch eine Laserbehandlung erfolgt ambulant mit Betäubung der Augen durch Tropfen.

Bei einer proliferativen diabetischen Retinopathie besteht dringender Behandlungsbedarf in Form einer Laserkoagulation. Dabei erfährt die gesamte Netzhaut eine Laserbehandlung. Liegt ein Makulaödem vor, kann eine Therapie mit Medikamentengaben in das Auge kombiniert werden. Je nach Stadium der Erkrankung sind Injektionen in das Auge auch als alleinige Behandlung möglich. Dabei finden unter anderem die VEGF-Hemmer Aflibercept und Ranibizumab Anwendung. Der Wachstumsfaktor VEGF (engl. Vascular Endothelial Growth Factor) ist im Körper beispielsweise für die Bildung neuer Blutgefäße verantwortlich.

Besteht bereits eine Einblutung in den Glaskörper oder eine diabetesbedingte Netzhautablösung, bewahrt eine Vitrektomie die Augen möglicherweise vor der vollständigen Erblindung. Bei diesem operativen Eingriff entfernt der Arzt oder die Ärztin den Glaskörper im Auge und ersetzt ihn durch eine Flüssigkeit oder ein Gas.

Neben der augenärztlichen Behandlung ist die optimale Einstellung der Blutzucker- und Blutdruckwerte unerlässlich.

Diabetische Retinopathie: Prognose

Bei einer frühzeitigen Therapie – falls erforderlich – ist die Prognose besser. Daher ist es ratsam, dass Patient*innen mit Diabetes mellitus regelmäßig Kontrolluntersuchungen des Augeninnenhintergrunds wahrnehmen, um mit einer eventuell notwendigen Therapie rechtzeitig beginnen zu können.

Kann man der diabetischen Retinopathie vorbeugen?

Die frühzeitige Erkennung und Behandlung einer diabetischen Retinopathie kann ernsthafte Sehbehinderungen verhindern. Daher sind die augenärztlichen Kontrolluntersuchungen dringend angeraten. Die Empfehlungen der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und des Berufsverbandes der Augenärzte lautet:

  • Erste augenärztliche Untersuchung unmittelbar nach Diagnose eines Diabetes mellitus.
  • Augenärztliche Untersuchungen unter Weitstellung der Pupillen mindestens einmal jährlich, wenn noch keine diabetischen Augenveränderungen bekannt sind.
  • Wenn bereits Veränderungen entstanden sind, wird eine Kontrolle in kürzeren Abständen empfohlen: je nach Stadium alle drei bis sechs Monate.

Ausnahmen von diesen Regeln bilden Kinder mit Typ-1-Diabetes vor dem 11. Lebensjahr. Eine Untersuchung empfiehlt sich erst, wenn der Diabetes bereits fünf Jahre besteht. Für Schwangere, die an Diabetes mellitus erkrankt sind, ist es ratsam, sofort nach Feststellung der Schwangerschaft eine augenärztliche Kontrolle durchführen zu lassen. Danach ist es wichtig, dass alle drei Monate eine Untersuchung der Augen erfolgt.

Eine Anpassung der Kontrollintervalle ist je nach Erkrankungsverlauf jederzeit möglich.

Risikofaktoren kennen

Da über einen längeren Zeitraum schlecht eingestellte Blutzuckerwerte einen Hauptrisikofaktor für die Entstehung einer diabetischen Retinopathie darstellen, ist es wichtig, dem durch regelmäßige Kontrollen entgegenzuwirken. Als weitere, besser zu vermeidende, Risikofaktoren gelten: