Kind mit Masern wird von Arzt untersucht.
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Masern

Die Masern sind nicht nur hoch ansteckend, sie können auch zu verschiedenen Komplikationen führen. Daher ist die Masernimpfung seit dem 1. März 2020 für Kinder und bestimmte Personengruppen Pflicht. Erfahren Sie, wie die Impfung abläuft, welche Symptome bei Masern typisch sind und wie die Erkrankung behandelt wird.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Masern

Masern sind eine durch das Masernvirus verursachte, weltweit verbreitete Infektionskrankheit. Sie treten meist bei Klein- und Schulkindern auf.

Charakteristische Symptome der Masern sind

  • ein dunkelroter, großfleckiger, unregelmäßig begrenzter Ausschlag (Exanthem),
  • weißliche Flecken an der Mundschleimhaut und
  • zweimal hohes Fieber.

Wer einmal Masern hatte, ist lebenslang gegen das Virus immun.

Masern bei Erwachsenen

Die Masern gelten zwar als klassische Kinderkrankheit. Aber auch Erwachsene können daran erkranken. Viele Erwachsene sind nicht gegen die Masern geimpft. Bei ihnen verläuft die Erkrankung jedoch oft schwerer als bei Kindern und das Risiko für Komplikationen ist höher. Daher kann es auch für Erwachsene sinnvoll sein, sich gegen die Masern impfen zu lassen.

Wie häufig sind Masern?

Noch in den 1990er Jahren erkrankten in Deutschland rund 50.000 Personen pro Jahr an Masern. Dank der Masernimpfung ist diese Zahl mittlerweile deutlich zurückgegangen.

Immer wieder kommt es zu regionalen Masernausbrüchen. Die Zahl der Masernerkrankungen schwankt daher von Jahr zu Jahr teils stark:

  • im Jahr 2015 wurden 2.465,
  • im Jahr 2016 325,
  • im Jahr 2017 929,
  • im Jahr 2018 543 und
  • im Jahr 2019 514 Erkrankungsfälle gemeldet.

Weltweit sterben jedes Jahr rund ein Million Kinder an Masern, insbesondere in den Entwicklungsländern.

Masernimpfung

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte das Ziel, die Masern bis zum Jahr 2020 auzusrotten. Um dieses Ziel zu erreichen, hätten 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein müssen. Diese Zahl konnte in Deutschland bislang nicht erreicht werden. Durch die Einführung der Impfpflicht soll sich das ändern.

Masernimpfung in Deutschland Pflicht

Seit dem 1. März 2020 ist die vollständige Masernimpfung in Deutschland verpflichtend für

  • Kinder (und auch Erwachsene) ab dem vollendeten ersten Lebensjahr, die in Gemeinschaftseinrichtungen betreut werden (z.B. in Schulen, Kitas, Behinderteneinrichtungen) sowie
  • Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen oder im medizinischen Bereich arbeiten.

Das bedeutet zum Beispiel: Jedes Kind, das zukünftig eine Kita oder Schule besucht, muss geimpft sein. Eltern müssen nachweisen können, dass ihr Kind geimpft ist, zum Beispiel anhand des Impfausweises.

Ungeimpfte Kinder, die schon vor März 2020 eine Gemeinschaftseinrichtung besucht haben, haben etwas Zeit, um die nötige Impfung nachzuholen: Sie müssen spätestens bis zum 31. Juli 2021 geimpft sein. Diese Frist gilt auch für Erwachsene, die schon in entsprechenden Einrichtungen arbeiten.

Ungeimpfte Personen, die die Masern bereits hatten, sind dagegen in der Regel immun und können das Virus nicht verbreiteten. Sie müssen sich dies jedoch vom Arzt bescheinigen lassen. Wer sich nicht an die Impfpflicht hält, riskiert ein Bußgeld von bis zu 2.500 Euro.

Masernimpfung: Wie läuft sie ab?

Die Masernimpfung zählt zu den Standardimpfungen.

  • Die erste Impfung sollte im Alter von 11 bis 14 Monaten erfolgen.
  • Die empfohlene Zweitimpfung sollte im Alter von 15 bis 23 Monaten durchgeführt werden. Erst nach der zweiten Impfung kann man von einem sehr sicheren Impfschutz ausgehen.

Wenn ein Kind bereits vor dem 11. Lebensmonat eine Gemeinschaftseinrichtung wie eine Kindertagesstätte besuchen wird, kann die Impfung gegebenenfalls vorgezogen werden. Dann ist eine Impfung schon ab 9 Monaten möglich.

Die Masernimpfung wird normalerweise im Rahmen einer Kombinationsimpfung gegen

Säuglinge haben Nestschutz

Bis zu mehrere Monate nach der Geburt sind Säuglinge in der Regel durch die mütterlichen Antikörper geschützt (sog. Nestschutz), sofern die Mutter gegen Masern geimpft ist oder Masern einmal durchgemacht hat.

Masernimpfung für Erwachsene

Unabhängig von der neu eingeführten Impfpflicht empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) bestimmten erwachsenen Personen, sich gegen Masern impfen zu lassen.

Eine einmalige Masernimpfung wird Erwachsenen empfohlen, die nach 1970 geboren sind und

  • bisher keine Impfung erhalten haben.
  • deren Impfstatus unklar ist.
  • die in ihrer Kindheit nur eine Impfung erhalten haben.

Die meisten vor 1970 geborenen Erwachsenen haben Untersuchungen zufolge bereits Masern gehabt. Im Zweifel gilt aber auch bei dieser Altersgruppe, sich impfen zu lassen – vor allem, wenn unklar ist, ob man als Kind die Masern hatte.

Masern trotz Impfung?

Manche Menschen erkranken trotz Impfung an den Masern. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Impfung nicht vollständig war und die Person nur eine statt der empfohlenen zwei Impfungen bekommen hat. Auch kann es sein, dass der Impfstoff falsch gelagert wurde.

Aber auch, wenn beide Impfungen korrekt durchgeführt wurden, ist eine Erkrankung möglich: Es gibt keine Impfung, die einen hundertprozentigen Schutz bietet.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind zwischen 93 und 99 von 100 geimpften Personen gegen das Masernvirus immun. Das bedeutet im Umkehrschluss: Zwischen 1 und 7 von 100 Personen erkranken trotz Impfung an Masern.

Masern: Symptome

Die ersten Symptome der Masern treten etwa zehn Tage nach der Ansteckung auf (sog. Inkubationszeit). Diese Zeitspanne kann jedoch auch kürzer oder länger ausfallen. Etwa 3 bis 4 Tage nach den ersten Beschwerden zeigt sich der typische Ausschlag.

Masern verlaufen in zwei Stadien:

  • Im Anfang- oder Vorläuferstadium (auch: Prodromalstadium) treten grippeähnliche Symptome auf.
  • Im darauffolgenden Hauptstadium zeigt sich unter anderem der charakteristische Ausschlag.

Typisch für Masern sind zudem die beiden Fieberanstiege im Verlauf der Erkrankung (sog. zweigipfliges Fieber):

  • Im Vorläuferstadium steigt das Fieber zum ersten Mal an und sinkt anschließend wieder.
  • Etwa zeitgleich mit Erscheinen des Hautausschlags steigt die Temperatur ein zweites Mal an.

Vorläuferstadium

Typisch für das Vorläuferstadium der Masern sind allgemeine, eher grippeähnliche Symptome wie:

Das Gesicht der Betroffenen kann aufgedunsen sein. Auch eine Bindehautentzündung kann auftreten. Dann reagieren die Erkrankten empfindlich auf Helligkeit (lichtscheu) und ihre Augen tränen.

Weitere charakteristische Symptome sind die sogenannten Koplik-Flecken:

  • Sie treten ab dem zweiten bis dritten Tag an der Mundschleimhaut auf.
  • Es bilden sich dabei weißliche, kalkspritzerähnliche, fest haftende Beläge, umgeben von einem geröteten Hof.
  • Am dritten Erkrankungstag rötet sich die übrige Mund- und Rachenschleimhaut. Das Fieber steigt erstmals stark an.
Das Vorläuferstadium dauert etwa 3 bis 5 Tage. Am Ende dieses Stadiums sinkt die Körpertemperatur wieder auf normale Werte.

Exanthemstadium: Der Masern-Ausschlag wird sichtbar

Mit einem zweiten steilen Fieberanstieg kündigt sich das Hauptstadium der Masern an. Die Symptome des Vorläuferstadiums verstärken sich. Die Lymphknoten im Bereich des Halses können geschwollen sein.

Zusätzlich tritt jetzt ein Hautausschlag (Exanthem) auf. Er entsteht, weil die Viren Blutgefäße schädigen und durchlässiger machen. Der Masern-Ausschlag

  • ist dunkelrot, großfleckig, unregelmäßig begrenzt,
  • beginnt hinter den Ohren und
  • breitet sich über Gesicht und Hals aus.

Nach drei Tagen bedeckt der Masern-Ausschlag auch den Rumpf sowie die Arme und Beine. Handflächen und Fußsohlen sind nicht betroffen.

Wenn der Hautausschlag etwa am vierten Tag die Füße erreicht, sinkt das Fieber in der Regel wieder. Wenn keine Komplikationen auftreten, klingt die Erkrankung mit dem Ausschlag ab. Die Haut schuppt, während der Ausschlag verblasst. Gleichzeitig bilden sich auch die übrigen Masern-Symptome langsam zurück. Diese Phase der Erholung dauert rund zwei Wochen.

Abgeschwächte Masern

Masern können auch in einer abgeschwächten Form in Erscheinung treten (mitigierte Masern). Der Körper hat dann zwar Antikörper gegen das Virus gebildet, die Zahl der Antikörper reicht aber nicht aus, um das Virus komplett zu bekämpfen. Dies kann zum Beispiel bei Säuglingen der Fall sein, die nicht mehr ausreichend durch die mütterlichen Antikörper geschützt werden. In seltenen Fällen treten abgeschwächte Masern auch bei geimpften Kindern auf.

Typisch für die abgeschwächte Form der Masern: Nach der Infektion dauert es länger, bis die Krankheit ausbricht (verlängerte Inkubationszeit) und die Symptome fallen milder aus. Zudem klingen die Beschwerden schneller ab.

Masern: Ansteckung

Auslöser der Masern sind spezielle Viren. Sie befallen bevorzugt Zellen des Immun- und Nervensystems.

Das Masernvirus wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, also zum Beispiel durch

  • Husten,
  • Niesen oder
  • Sprechen.

Es gelangt über die Schleimhäute der Atemwege und die Bindehaut des Auges in den Körper.

Masern sind hochansteckend und breiten sich sehr schnell aus. Anstecken kann man sich schon, bevor der Hautausschlag beim Erkrankten sichtbar wird: Masern-Infizierte sind etwa fünf Tage vor bis vier Tage nach Auftreten des Ausschlags ansteckend.

Masern: Diagnose

Der Arzt erkennt die Masern in der Regel anhand des charakteristischen Hautausschlags (Exanthem) und des typischen Krankheitsverlaufs mit zweimalig hohem Fieber (zweigipflige Fieberkurve).

Ist der Verlauf milder und die Diagnose nicht eindeutig, kann eine Blutuntersuchung Aufschluss geben. Das Immunsystem reagiert auf die Viren, indem es Antikörper gegen sie bildet. Masern-Antikörper lassen sich in der Regel ab Auftreten des Hautausschlags für etwa sechs Wochen nachweisen.

Masern: Behandlung

Es gibt keine speziellen Medikamente, die Masern direkt bekämpfen. Vielmehr zielt die Behandlung darauf ab, die Symptome zu lindern und dem Körper Ruhe zu gönnen, damit er sich gegen das Virus wehren kann.

Behandeln können Sie Masern durch

  • allgemeine Maßnahmen wie Schonung und Bettruhe, solange Sie oder Ihr Kind Fieber haben,
  • Medikamente, die Symptome wie Fieber, Schmerzen und Husten lindern, und
  • abgedunkelte Räume, wenn Sie oder Ihr Kind aufgrund einer Bindehautentzündung sehr lichtempfindlich sind/ist.

Normalerweise reichen diese Maßnahmen aus, um bald wieder gesund zu werden. Kommt es im Rahmen der Masern allerdings zu Komplikationen, ist es nötig, diese gezielt zu behandeln. So wird der Arzt zum Beispiel Antibiotika verschreiben, wenn zusätzlich zu den Viren Bakterien ins Spiel kommen.

Video: Viren und Bakterien – die wichtigsten Unterschiede

Nach Kontakt mit Erkrankten: Ansteckung verhindern

Falls Sie nicht gegen Masern geimpft sind, aber mit Erkrankten in Kontakt kommen, kann Ihr Arzt den Ausbruch der Erkrankung bis zum vierten Tag nach der Ansteckung durch eine Impfung (sog. Postexpositionsprophylaxe, PEP) verhindern beziehungsweise den Verlauf der Erkrankung lindern.

Immunschwache, nicht geimpfte Personen, die mit Erkrankten in Kontakt gekommen sind, können vom Arzt spezielle Antikörper (Immunglobuline) gespritzt bekommen. So lässt sich möglicherweise verhindern, dass die Erkrankung ausbricht. Auch für Schwangere oder Säuglinge kommt diese Behandlung unter Umständen infrage.

Tipps für Eltern

Ist Ihr Kind an Masern erkrankt, sollten Sie folgende Tipps beachten:

  • Lassen Sie Ihr Kind zu Hause. Schicken Sie es nicht in den Kindergarten oder die Schule. Lassen Sie es auch nicht mit Verwandten und Freunden in Kontakt kommen, die nicht gegen Masern geimpft sind. So verhindern Sie, dass sich andere Menschen mit Masern anstecken.
  • Sorgen Sie für Bettruhe.
  • Vor allem bei Fieber sollte Ihr Kind viel trinken. Bei Bedarf können Sie auch Waden- oder Brustwickel machen oder nach Absprache mit dem Arzt Fieberzäpfchen geben.
  • Manche Kinder, die an Masern erkrankt sind, reagieren sehr empfindlich auf Licht. Sie fühlen sich in leicht abgedunkelten Räumen am wohlsten. Direkten Lichteinfall sollten Sie auf jeden Fall vermeiden.
  • Bei starkem Hustenreiz können Sie – ebenfalls nach Absprache mit dem Arzt – hustenstillende Medikamente geben. Feuchte Raumluft kann in der Nacht hilfreich sein. Sie können beispielsweise feuchte Handtücher im Zimmer aufhängen.
  • Bei folgenden Symptomen sollten Sie sofort den Arzt informieren:

Masern: Wann darf mein Kind wieder in die Schule?
Wann ein Patient wieder eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen darf, entscheidet der behandelnde Arzt. Bei einem komplikationslosen Verlauf kann ein Kind in der Regel wieder die Schule oder den Kindergarten besuchen, wenn die Symptome abgeklungen sind – frühestens ab dem fünften Tag nach Beginn des Hautausschlags. Das gilt auch für erkrankte Erwachsene oder Erwachsene mit einem Krankheitsfall in der Familie, die in Gemeinschaftseinrichtungen tätig sind.

Masern: Verlauf & Komplikationen

Masern können sehr unterschiedlich verlaufen. Wie sich die Krankheit entwickelt, hängt vor allem davon ab, wie gut das Immunsystem auf die Infektion reagiert und wie schnell die Symptome behandelt werden. Bei Erwachsenen verlaufen die Masern gewöhnlich schwerer als bei Kindern.

Welche Komplikationen sind möglich?

Es gibt bei Masern verschiedene Formen von Komplikationen. Sie können durch das Virus selbst oder, weil das Immunsystem geschwächt ist, durch zusätzliche bakterielle Infektionen hervorgerufen werden.

Mittelohrentzündung

Die Mittelohrentzündung zählt zu den häufigsten Komplikationen im Rahmen einer Masern-Erkrankung. In der Regel lässt sie sich gut behandeln.

Lungenentzündung

An den Atemwegen kann eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung entstehen. Vor allem in Entwicklungsländern ist eine durch Masern hervorgerufene Lungenentzündung für viele Todesfälle verantwortlich. Dies macht deutlich, wie wichtig eine vorbeugende Impfung ist.

Bei immungeschwächten Personen kann eine schwere Form der Lungenentzündung auftreten, die sogenannte Riesenzellpneumonie. Bei etwa 3 von 10 Erkrankten verläuft sie tödlich.

Entzündung des Gehirns (Enzephalitis)

Etwa 1 von 1.000 Erkrankten entwickelt eine postinfektiöse Enzephalitis. Diese Gehirnentzündung macht sich etwa 4 bis 7 Tage nach dem Hautausschlag bemerkbar. Mögliche Symptome sind Kopfschmerzen, Fieber und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma. Die postinfektiöse Enzephalitis kann tödlich sein. Auch können Schäden am Nervensystem zurückbleiben.

Äußerst selten entwickeln Masernpatienten eine sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE): Diese Form der Gehirnentzündung entwickelt sich erst etwa 6 bis 8 Jahre nach der Maserninfektion und endet immer tödlich. Erst Symptome sind Beeinträchtigungen der kognitiven Fähigkeiten und psychische Veränderungen, im weiteren Verlauf treten immer schwerere neurologische Ausfälle auf.

Ebenfalls selten ist die sogenannte Masern-Einschlusskörper-Enzephalitis (MIBE), die vor allem Personen mit einem schwachen Immunsystem entwickeln können. Diese Form der Gehirnentzündung endet in 3 von 10 Fällen tödlich.