Das Bild zeigt eine Frau im Gespräch mit einer Ärztin.
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Nierenfunktionsszintigraphie

Ein häufig angewandtes Verfahren zur Untersuchung der Niere ist die Nierenfunktionsszintigraphie. Der Arzt überprüft dabei seitengetrennt – also sowohl für die rechte als auch die linke Niere – die Durchblutung der Nieren, die Harnausscheidung und den Harnabfluss.

Allgemeines

Zudem ist eine seitengetrennte Beurteilung der Reinigungsfunktion der Niere (Clearance) möglich. Diese kann bei einigen Nierenerkrankungen eingeschränkt sein. Der Begriff Clearance bezeichnet das Volumen an Blutplasma (Anteil des Bluts ohne Blutzellen), welches die Nieren in einer bestimmten Zeit von Stoffen befreien ("reinigen") können, die der Körper über den Urin ausscheiden muss.

Mithilfe einer Nierenfunktionsszintigraphie lässt sich die Funktion der Nieren beurteilen. Ärzte wenden sie daher häufig bei der Diagnose von Abflussstörungen der ableitenden Harnwege bei Kindern an, insbesondere bei angeborenen Verengungen des Harnleiters. Aber auch bei Erwachsenen ist eine Nierenfunktionsszintigraphie sinnvoll, beispielsweise um die Nierenfunktion bei ungeklärtem Harnstau oder vor Operationen der Niere zu überprüfen. Für Schwangere ist die Untersuchung allerdings nicht geeignet, da hier radioaktiv markierte Substanzen eingesetzt werden.

In der Transplantationsmedizin wenden Ärzte die Nierenfunktionsszintigraphie ebenfalls an. Damit können sie einerseits überprüfen, ob ein Nierenspender geeignet ist und andererseits kontrollieren, ob die transplantierte Niere richtig arbeitet.

Mit einer Nierenfunktionsszintigraphie kann der Arzt ausschließlich überprüfen, ob die Nieren und ableitenden Harnwege funktionieren.

Aussagen zum "Aussehen" der Organe lassen sich nicht treffen. Daher ordnet der Arzt meist neben der Szintigraphie auch eine Ultraschalluntersuchung an, um beurteilen zu können, ob die Nieren richtig aufgebaut sind, ob sie die richtige Form haben und ob sie vergrößert oder verkleinert sind. Dieses Wissen ist für die Diagnose verschiedener Nierenerkrankungen meist sehr hilfreich.

Die Durchführung einer Nierenfunktionsszintigraphie dauert in der Regel etwa 20 bis 30 Minuten. In dieser Zeit sollte sich der Untersuchte möglichst nicht bewegen, um aussagefähige Untersuchungsergebnisse zu erhalten.

Untersuchungsprinzip

Das Untersuchungsprinzip einer Nierenfunktionsszintigraphie beruht auf der Messung einer radioaktiv markierten Flüssigkeit im menschlichen Organismus. Bei der Nierenfunktionsszintigraphie spritzt der Arzt dem Untersuchten eine schwach radioaktiv markierte Substanz (Tracer) in die Vene. Der Tracer verteilt sich mit dem Blutkreislauf im ganzen Körper und wird anschließend über die Nieren ausgeschieden. Die von der Substanz ausgesandte Strahlung lässt sich mittels einer speziellen Kamera (Gammakamera) verfolgen und anschließend in einem angeschlossenen Rechnersystem auswerten.

Patientenvorbereitung

Vor der Nierenszintigraphie steht die Patientenvorbereitung. Damit sich die Funktion der Nieren – insbesondere die Reinigungsfunktion (Clearance) – beurteilen lässt, muss der Betroffene vor der Untersuchung viel trinken und anschließend seine Blase entleeren. Der Untersuchte bekommt in der Regel in beide Armbeugen einen kleinen Schlauch in die "Vene gelegt (venöser Zugang). Anschließend erhält er über einen der Zugänge eine schwach radioaktiv markierte Substanz (Tracer). Aus dem anderen Zugang wird am Ende der Untersuchung Blut entnommen. Wenn radioaktiv markiertes Jod genutzt wird, bekommt der Betroffene 60 Minuten vor der Spritze Perchlorat-Tropfen. Dieses Medikament verhindert, dass die Schilddrüse die radioaktiv markierte Substanz aufnimmt. Dies schützt die Schilddrüse vor unnötiger Strahlenbelastung.

Untersuchung

Während einer Nierenfunktionsszintigraphie sitzt oder liegt der Untersuchte, sein Rücken ist einer sogenannten Gammakamera zugewandt – Herz, Niere und Blase sollten im Messfeld liegen. Während der Untersuchung, die etwa 20 bis 30 Minuten dauern kann, sollte sich der Untersuchte möglichst wenig bewegen. Bewegungen können die Aufnahmequalität und somit die Beurteilung der gewonnenen Bilder beeinflussen. Dies erfordert gerade bei Kindern viel Geduld oder die Verabreichung eines Beruhigungsmittels, zum Beispiel als Zäpfchen.

In manchen Fällen erhält der Untersuchte 20 Minuten nach der Injektion der radioaktivmarkierten Substanz ein harntreibendes Medikament (Diuretikum). Dies steigert die Harnproduktion in den Nieren, was bei der Beurteilung von Harnleiterabflussstörungen weitere Informationen liefern kann. Die Nierenfunktionsszintigraphie endet in der Regel mit einer Blutentnahme, die dem Arzt weitere Hinweise auf die Reinigungsfunktion der Nieren gibt.

Auswertung

Die Auswertung der Nierenfunktionsszintigraphie erfolgt am Computer. Das System bearbeitet die während der Untersuchung entstanden Bilder und anschließend werten speziell dafür ausgebildeten Ärzte diese aus.

Mögliche Fehlerquellen

Bewegungen des Untersuchten oder eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme vor Beginn der Untersuchung können die Nierenfunktionsszintigraphie beeinträchtigen.

Strahlenbelastung

Die Strahlenbelastung bei einer Nierenfunktionsszintigraphie ist gering. Daher ist dieses Verfahren auch für die Untersuchung von Nierenfunktionsstörungen bei Kindern geeignet. Trotzdem sollte bei Schwangeren keine Nierenfunktionsszintigraphie stattfinden.