Jemand hält einen Teststreifen in eine Urinprobe.
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Eiweiß im Urin (Proteinurie)

Normalerweise befindet sich kein oder kaum Eiweiß im Urin. Wie viel Eiweiß im Urin vorkommt, lässt sich mithilfe von Teststreifen herausfinden. Auch wenn der Urin schäumt, kann das möglicherweise ein Anzeichen für einen zu hohen Eiweißgehalt sein. Erfahren Sie, welche Werte zu hoch sind und welche Ursachen es für Eiweiß im Urin gibt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Nierenfunktion & Referenzwerte

Befindet sich zu viel Eiweiß im Urin, spricht man von einer Proteinurie. Schäumender Urin kann ein sichtbarer Hinweis auf zu hohe Eiweiß-Konzentrationen sein. Aber auch ohne Schaum kann Urin zu viel Eiweiß enthalten. Wie hoch der Eiweiß-Anteil genau ist, lässt sich mithilfe einer Urinprobe (24-Stunden-Sammelurin) feststellen. Ungewöhnliche Werte können auf eine Erkrankung hinweisen.

Normalerweise gelangt kaum Eiweiß in den Urin

Ähnlich wie ein Sieb filtern die Nieren nicht benötigte Stoffe aus dem Blut, um diese mit dem Urin zu entsorgen. Im Blut befindliche Eiweiße (Proteine) halten die Nieren dabei fast vollständig zurück. Diese gelangen deshalb normalerweise nicht in den Urin. Zu große Proteine passen nicht durch den "Filter", kleinere Eiweiße führen die Nieren dem Körper nach dem Filtern wieder zu. Geringe Mengen Eiweiß können dennoch auch bei Gesunden im Urin vorkommen.

Unter bestimmten Umständen oder im Zusammenhang mit bestimmten Erkrankungen funktioniert die Filterfunktion der Nieren jedoch manchmal nicht mehr richtig – sie werden durchlässiger. Das kann sich durch eine Proteinurie bemerkbar machen. Ein zu hoher Eiweiß-Anteil im Urin kann daher ein Hinweis darauf sein, dass etwas mit den Nieren beziehungsweise dem Körper nicht stimmt.

Eiweiß im Urin: Referenzwerte und Zusammensetzung

Werden im Urin innerhalb von 24 Stunden mehr als 150 Milligramm (mg) Eiweiß nachgewiesen, liegt eine Proteinurie vor. Alles darunter gilt als normal. Bestimmt man die Eiweiß-Konzentration im Morgenurin, gelten Werte über 300 mg als Hinweis auf eine Proteinurie.

Von einer Proteinurie spricht man auch, wenn eine andere Eiweißverteilung als üblich im Urin auftaucht. Bei ansonsten gesunden Menschen setzt sich das von den Nieren aus dem Blut gefilterte Eiweiß im Urin meist wie folgt zusammen:

  • Plasmaproteine (z. B. Albumin): 60 Prozent
  • Glykoproteine und Immunproteine (z. B. Immunglobulin G): 40 Prozent

Wann ist zu viel Eiweiß im Urin bedenklich?

Bei gesunden Menschen ist der Eiweiß-Anteil im Urin niedrig. Vorübergehend kann es auch mal zu leicht erhöhten Protein-Werten kommen, ohne dass das bedenklich sein muss, etwa nach körperlichen Anstrengungen wie Sport. Experten sprechen dann von einer sogenannten benignen reversiblen Proteinurie, also einer "gutartigen umkehrbaren Proteinurie". Diese Form der Proteinurie wird häufig zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung festgestellt. Durch Beschwerden macht sie sich in der Regel nicht bemerkbar.

Bleiben die Werte jedoch dauerhaft erhöht oder ist der Eiweiß-Anteil sehr hoch, sollte das näher untersucht werden. Es kann ein Hinweis darauf sein, dass die Nieren nicht richtig arbeiten. Bei stärkeren Nierenschäden treten neben der Proteinurie zudem meist spürbare Symptome auf, zum Beispiel Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme). Ein zu hoher Eiweiß-Anteil im Urin kann außer in Zusammenhang mit Nierenerkrankungen auch bei anderen Erkrankungen auftreten.

Eiweiß im Urin (Proteinurie): Ursachen

Für zu viel Eiweiß im Urin (Proteinurie) kann es verschiedene Ursachen geben.

Vorübergehende gutartige Proteinurie

Zu einer vorübergehenden und harmlosen Proteinurie (sog. benigne reversible Proteinurie) kann es zum Beispiel durch folgende Umstände kommen:

  • körperliche Anstrengung (z. B. Sport)
  • Stress
  • Kälte
  • Hitze
  • Fieber
  • Wachstum (orthostatische Proteinurie)

Die orthostatische Proteinurie ist eine lageabhängige Proteinurie, die vor allem bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum auftritt. Nach längerem Stehen ist die Eiweiß-Ausscheidung im Urin höher, nach nächtlichem Liegen normalisiert sie sich wieder.

Eine benigne reversible Proteinurie erfordert normalerweise keine Behandlung.

Eiweiß im Urin als Folge von Erkrankungen

Die Eiweiß-Werte im Urin können sich zudem im Rahmen bestimmter Nierenerkrankungen erhöhen, wie etwa:

  • bei einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis)
  • bei Nierenschäden (z. B. durch chronische Nierenschwäche)
  • beim nephrotischen Syndrom (einer Kombination mehrerer Symptome, die als Folge geschädigter Nieren auftreten)
  • bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) mit Nierenbeteiligung (sog. diabetische Nephropathie)

Eine Proteinurie kann aber auch im Zusammenhang mit Erkrankungen außerhalb der Nieren entstehen, zum Beispiel bei:

Eiweiß im Urin als Nebenwirkung von Medikamenten

Ebenso können Medikamente bei manchen Betroffenen die Nierenfunktion stören und dadurch die Eiweiß-Ausscheidung erhöhen, wie etwa:

  • Schmerzmittel, z. B. Wirkstoffe aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR)
  • Antibiotika
  • Mittel zur Krebstherapie (Zytostatika)

Eiweiß im Urin während der Schwangerschaft

Im Verlauf einer Schwangerschaft kann es zu erhöhten Eiweiß-Konzentrationen im Urin kommen. Das kann unterschiedliche Gründe haben.

Häufig handelt es sich nur um eine vorübergehend erhöhte Eiweiß-Ausscheidung. Während einer Schwangerschaft sind die Nieren einer größeren Arbeitsbelastung ausgesetzt. Als Folge wird Eiweiß unter Umständen nicht vollständig herausgefiltert und gelangt in den Urin. Eiweiß-Werte im 24-Stunden-Sammelurin von bis zu 300 mg gelten noch als unbedenklich. Dennoch sollte man erhöhte Eiweiß-Werte im Urin während der Schwangerschaft regelmäßig kontrollieren.

Schwangerschaftsproteinurie

Liegt die Eiweiß-Konzentration im 24-Stunden-Sammelurin über 300 mg, spricht man von einer Schwangerschaftsproteinurie. Tritt diese in der ersten Schwangerschafthälte auf, kann das ein Hinweis auf Nierenerkrankungen oder Harnwegserkrankungen sein, die wahrscheinlich bereits vor der Schwangerschaft bestanden. In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft kann eine Proteinurie auf eine Präeklampsie hindeuten, insbesondere wenn die erhöhten Eiweiß-Werte im Urin mit erhöhtem Blutdruck einhergehen.

Eiweiß im Urin (Proteinurie): Diagnose

Um festzustellen, wie hoch der Eiweiß-Anteil im Urin ist beziehungsweise ob eine Proteinurie vorliegt, benötigt man eine Urinprobe. Da manche Medikamente die Eiweiß-Menge im Urin beeinflussen können, sollte der Arzt oder die Ärztin über alle eingenommenen Arzneimittel im Bilde sein.

Meist nutzt man einen sogenannten Urin-Schnelltest, um Aufschluss über den Eiweiß-Anteil im Urin zu bekommen. Dafür taucht der Arzt oder die Ärztin einen speziellen Teststreifen kurz in die Urinprobe und wartet ab, wie sich der Streifen verfärbt. Je nach Art der Verfärbung lässt sich nun einschätzen, ob Normalwerte vorliegen oder ob es Abweichungen gibt. Solche Teststreifen sind auch in der Apotheke erhältlich, sodass ein Urin-Schnelltest im Prinzip auch zuhause vorgenommen werden kann.

Weicht das Ergebnis des Schnelltests von der Norm ab, sind weitere Laboruntersuchungen notwendig, die mehr darüber aussagen, wie viel Eiweiß im Urin vorkommt und welche Eiweiße das genau sind (z. B. Albumin). In der Regel untersucht man bei auffälligen Befunden deshalb den 24-Stunden-Sammelurin.

Diese Auswertung ist genauer, weil sich die Eiweiß-Konzentration im Urin abhängig von der Trinkmenge unterscheiden kann: Eine hohe Trinkmenge verdünnt den Urin einer einzelnen Probe gewissermaßen und führt zu niedrigeren Konzentrationen; eine niedrige Trinkmenge wiederum führt zu einer höheren Konzentration. Sammelt man hingegen Urinproben über den ganzen Tag, erhält man einen verlässlicheren Durchschnittswert.

Weitere Untersuchungen können folgen, um die Ursache der Proteinurie festzustellen, wie zum Beispiel:

Eiweiß im Urin (Proteinurie): Therapie

Ob bei zu viel Eiweiß im Urin (Proteinurie) eine Therapie notwendig ist und wie diese aussieht, hängt von der Ursache der erhöhten Werte ab. Eine vorübergehende Proteinurie ist in der Regel harmlos und erfordert meist keine Therapie.

Liegt eine dauerhafte Proteinurie vor, die in Zusammenhang mit einer Erkrankung steht, sollte diese behandelt werden.

Ist die übermäßige Eiweiß-Ausscheidung eine Nebenwirkung von Medikamenten, sollte in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt überlegt werden, welche anderen Medikamente infrage kommen.