Eine junge Frau krümmt sich und hält sich den  Bauch.
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Bauchfellentzündung (Peritonitis)

Zu einer Bauchfellentzündung kann es kommen, wenn sich ein Bauchorgan entzündet und die Erreger in den Bauchraum gelangen. Die Folgen sind lebensbedrohlich. Wer starke Bauchschmerzen oder andere typische Symptome einer Bauchfellentzündung verspürt, sollte so früh wie möglich zum Arzt zu gehen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Bauchfellentzündung

Was ist eine Bauchfellentzündung?
Eine Bauchfellentzündung ist eine Entzündung der dünnen Häute, die den Bauchraum von innen auskleiden. Der Fachbegriff Peritonitis setzt sich zusammen aus dem Begriff Peritoneum für Bauchfell und -itis für Entzündung.

Fast immer (bei etwa 95 von 100 Betroffenen) wird eine Bauchfellentzündung durch eine Entzündung eines Bauchorgans verursacht: Das entzündete Organ platzt auf, die Erreger ergießen sich in den Bauchraum und lösen im Bauchfell eine Entzündung aus. Da diese Form der Bauchfellentzündung als Folge einer anderen Entzündung entsteht, sprechen Ärzte von einer sekundären Peritonitis.

Mögliche Ursachen sind etwa

Seltener stammen die Bakterien nicht aus einem entzündeten Organ, sondern gelangen über die Blutbahn in die Bauchhöhle. Dazu kann es etwa bei Menschen mit einer fortgeschrittenen Lebererkrankung wie der Leberzirrhose kommen. Da die Entzündung in diesem Fall nicht als Folge einer anderen Entzündung im Bauchraum auftritt, nennt man sie primäre Peritonitis.

Wichtig: Eine Bauchfellentzündung ist ein medizinischer Notfall. Der Betroffene muss möglichst schnell ins Krankenhaus. Unbehandelt kann sich aus der Entzündung eine lebensbedrohliche Blutvergiftung entwickeln. Bei einer sekundären Peritonitis ist immer eine Operation nötig, eine primäre Peritonitis wird meist mit Antibiotika behandelt.

Bauchfellentzündung: Ursachen

Eine Bauchfellentzündung entsteht entweder

  • als Folge einer Entzündung eines Bauchorgans (sekundär) oder
  • ohne vorangegangene Entzündung eines Bauchorgans (primär).

Mögliche Auslöser einer sekundären Bauchfellentzündung

Bei 95 von 100 Erkrankten besteht vor der Bauchfellentzündung eine andere entzündliche Erkrankung im Bauch. Die sekundäre Bauchfellentzündung ist somit die häufigste Form der Bauchfellentzündung. Auslöser sind oft folgende Erkrankungen:

Diese Entzündungen können die Wand des betroffenen Organs schädigen, sodass diese durchlässig wird. Mitunter kommt es auch bei operativen Eingriffen zu einer Verletzung eines entzündeten Organs.

Durch die entstandene Öffnung können Erreger – meist Bakterien – in den Bauchraum vordringen, sodass die Entzündung vom ursprünglich erkrankten Organ auf das Bauchfell übergreift. Ärzte bezeichnen Löcher in der Wand eines Organs als Perforation oder Durchbruch.

Erreger können jedoch auch ohne einen Durchbruch in den Bauchraum gelangen, indem sie die Wand des Organs durchwandern. Die dadurch ausgelöste Form der Bauchfellentzündung nennt man auch Durchwanderungsperitonitis. Sie kann ebenfalls als Folge einer Entzündung eines Bauchorgans auftreten. Weitere mögliche Ursachen sind ein Darmverschluss oder eine Durchblutungsstörung des Darms.

In seltenen Fällen wird eine Bauchfellentzündung nicht durch Erreger, sondern durch andere Reizstoffe und Körperflüssigkeiten verursacht, die infolge von Organerkrankungen oder Verletzungen in den Bauchraum gelangt sind. Mögliche Auslöser sind dann etwa

So kann eine primäre Bauchfellentzündung entstehen

Die sogenannte primäre Bauchfellentzündung ist eher selten. Bei dieser Form der Peritonitis stammen die Erreger nicht aus einer Entzündung in der Bauchhöhle, sondern wandern über die Blutbahn oder Lymphbahnen in den Bauchraum. Die Ausbreitung erfolgt also nicht direkt, sondern indirekt.

Ein Beispiel für eine primäre Bauchfellentzündung ist die sogenannte spontan bakterielle Peritonitis, die als Folge eines Aszites bei der Leberzirrhose auftreten kann.

Auch Erkrankungen der Geschlechtsorgane – etwa eine Eileiterentzündung oder Tripper (Gonorrhoe) – können eine Bauchfellentzündung hervorrufen: Die Erreger steigen über die Blutbahn in den Bauchraum auf und infizieren dort das Bauchfell.

Eine Sonderform der primären Bauchfellentzündung ist die sogenannte CAPD-Peritonitis. CAPD steht für chronisch ambulatorische Peritonealdialyse. Das ist ein spezielles Blutwäsche-Verfahren: Der Arzt führt einen dünnen Schlauch (Katheter) über ein kleines Loch in den Bauchraum des Patienten ein.

Über diesen Schlauch wird eine spezielle Flüssigkeit in die Bauchhöhle geleitet, die dem Blut Giftstoffe entzieht. Nach einigen Stunden kann die Flüssigkeit in einen Beutel abgelassen und durch frische Flüssigkeit ersetzt werden. Gelangen dabei Keime über den Katheter in die Bauchhöhle, kann dies zu einer Bauchfellentzündung führen.

Bauchfellentzündung: Symptome

Eine Bauchfellentzündung ruft meist heftige Bauchschmerzen hervor. Der Bauch ist typischerweise aufgebläht und hart. Drückt man auf die Bauchdecke, spannt der Betroffene seine Muskulatur unwillkürlich an (sog. Abwehrspannung).

Weitere mögliche Symptome einer Bauchfellentzündung sind unter anderem Übelkeit und Appetitlosigkeit. Die Infektion führt zudem häufig zu Fieber und einem erniedrigten Blutdruck und geht meist mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl einher.

Die genannten Symptome müssen nicht zwangsläufig Folge einer Bauchfellentzündung sein. Dennoch sollte man sie immer von einem Arzt abklären lassen, weil eine Bauchfellentzündung lebensbedrohlich ist. Je schneller die Behandlung eingeleitet wird, desto besser ist die Prognose.

Bauchfellentzündung: Diagnose

Deuten die Beschwerden des Patienten auf eine Bauchfellentzündung hin, wird der Arzt ihn unter anderem nach Vorerkrankungen fragen, die die Erkrankung ausgelöst haben könnten.

Zudem erfolgt eine körperliche Untersuchung: Der Arzt tastet den Bauch vorsichtig nach schmerzempfindlichen Punkten ab, um die Ursache für die Bauchschmerzen genauer einzugrenzen zu können. Dabei überprüft er auch, an welchen Stellen der Bauch hart und gespannt ist.

Eine Blutuntersuchung ist ebenfalls häufig ein Bestandteil der Diagnose. Der Grund: Bei einer Peritonitis sind die Entzündungswerte im Blut erhöht. Die Patienten weisen dann zum Beispiel eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen und einen erhöhten CRP-Wert auf.

Um eine Bauchfellentzündung sicher diagnostizieren zu können, sind jedoch bildgebende Verfahren nötig, wie zum Beispiel

Die Ultraschalluntersuchung dient dazu, freie Flüssigkeit oder Luft in der Bauchhöhle sichtbar zu machen. Mit dieser Methode kann der Arzt die Bauchfellentzündung von anderen entzündlichen Erkrankungen im Bauchraum abgrenzen. Darüber hinaus gibt die Ultraschalluntersuchung häufig Aufschluss darüber, welche Erkrankung die Peritonitis ausgelöst hat.

Mithilfe einer Röntgenuntersuchung kann der Arzt ebenfalls feststellen, ob sich eventuell freie Luft im Bauchraum befindet. Dies ist ein typisches Anzeichen eines Darmdurchbruchs, was häufig die Ursache für eine Bauchfellentzündung ist.

Hat sich im Bauchraum des Patienten Flüssigkeit angesammelt, kann dies ein Hinweis auf eine primäre Peritonitis sein, welche durch eine Leberzirrhose hervorgerufen wurde. Ob dies der Fall ist, kann der Arzt feststellen, indem er eine sogenannte eine Aszitespunktion durchführt. Dabei nimmt er (unter örtlicher Betäubung) eine Probe vom Bauchwasser und lässt sie in einem Labor untersuchen.

Bauchfellentzündung: Behandlung

Da eine Bauchfellentzündung lebensbedrohliche Folgen haben kann, muss sie schnellstmöglich behandelt werden. Die Therapie richtet sich nach dem Auslöser der Bauchfellentzündung.

Eine Bauchfellentzündung, bei der die Erreger über die Blutbahn in die Bauchhöhle gelangt sind (sog. primäre Bauchfellentzündung), wird mit Antibiotika behandelt.

Sind Bauchorgane entzündet und aufgeplatzt, ist immer eine Operation notwendig, bei der der Chirurg den Entzündungsherd beseitigt: Ist die Bauchfellentzündung Folge einer Blinddarmentzündung, muss der Chirurg den Wurmfortsatz entfernen. War eine Gallenblasenentzündung der Auslöser, entnimmt der Chirurg die Gallenblase. Im Falle einer Divertikulitis entfernt er den betroffenen Darmabschnitt.

Anschließend näht der Chirurg das eingerissene Gewebe und reinigt er den Bauchraum mit drei bis fünf Litern Spülflüssigkeit, um Eiteransammlungen und Bakterien zu beseitigen. Zudem legt der Arzt eine sogenannte Drainage in den Bauchraum. Das ist ein dünner Schlauch, über den die Entzündungsflüssigkeit auch nach der Operation nach außen abfließen kann. In schweren Fällen muss der Arzt die Bauchhöhle ein weiteres Mal operativ durchspülen.

Im Anschluss an die Operation wird der Patient zunächst auf die Intensivstation verlegt, da eine Peritonitis eine lebensbedrohliche Blutvergiftung nach sich ziehen kann.

Im Rahmen der intensivmedizinischen Behandlung der Bauchfellentzündung ist es üblich, dass der Patient vorübergehend

bis sich sein Zustand stabilisiert hat. Darüber hinaus erhält er Antibiotika und Schmerzmittel.

Bauchfellentzündung: Verlauf & Prognose

Die Bauchfellentzündung ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Meist muss der Betroffene auf die Intensivstation. Der genaue Verlauf und die Prognose der Peritonitis hängen jedoch vor allem von der Entzündungsursache, der Schwere der Erkrankung und dem Alter des Patienten ab. Insgesamt endet die Bauchfellentzündung für etwa 20 bis 30 von 100 Patienten tödlich.