Eine Mutter tröstet ihr krankes Kind.
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Blinddarmentzündung (Appendizitis)

Wer von einer Blinddarmentzündung spricht, meint eine Appendizitis: eine Entzündung des Wurmfortsatzes. Meist äußert sich diese durch Schmerzen im rechten Unterbauch. Doch auch andere Symptome können auftreten. Wann sollte man zum Arzt? Und ist eine OP in jedem Fall nötig?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Blinddarmentzündung (Appendizitis)

Was ist eine Blinddarmentzündung?

Blinddarmentzündung ist der umgangssprachliche Begriff für eine Appendizitis, eine meist bakterielle Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis). Das ist ein Anhängsel des Blinddarms.

Der Blinddarm ist das sackförmige Anfangsstück des Dickdarms. "Blinddarm" nennt man ihn, weil er gewissermaßen das blinde Ende des Dickdarms darstellt: Der Dünndarm mündet seitlich in den Dickdarm. Neben der Öffnung befindet sich der Blinddarm.

Bei der sogenannten Blinddarmentzündung entzündet sich aber nicht der Blinddarm, sondern sein Anhängsel, der Wurmfortsatz. Er ist etwa sieben Zentimeter lang und sieben Millimeter dick und wird von Ärzten auch als "Appendix vermiformis" bezeichnet. Der korrekte Name für die Blinddarmentzündung lautet daher Appendizitis.

Die Blinddarmentzündung ist die häufigste Ursache für plötzlich auftretende, heftige Bauchschmerzen. Diese beginnen typischerweise im Bereich des Bauchnabels und verlagern sich dann in den rechten Unterbauch. Hinzu kommen meist weitere Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung.

Wer diese oder andere Symptome einer Blinddarmentzündung bei sich feststellt, sollte sich zeitnah ärztlich untersuchen lassen. Rechtzeitig erkannt ist die Entzündung sehr gut behandelbar. Ohne Therapie kann es jedoch passieren, dass der Wurmfortsatz aufplatzt, was eine lebendbedrohliche Bauchfellentzündung zur Folge haben kann.

Übrigens: Am häufigsten sind ältere Kinder und Jugendliche im Alter zwischen dem 10 und 19 Jahren betroffen. Kleinkinder und alte Menschen erkranken seltener.

Blinddarmentzündung: Symptome

Eine Blinddarmentzündung ist an folgenden Symptomen zu erkennen:

Die Schmerzen treten anfangs in der Umgebung des Bauchnabels auf. Viele Betroffene beschreiben sie als dumpf oder diffus und können sie nicht genau orten. Innerhalb von acht bis zwölf Stunden verlagern sich die Schmerzen meist in den rechten Unterbauch.

Da die Lage des Wurmfortsatzes von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, können die Schmerzen aber auch in einer anderen Bauchregion auftreten. Bei manchen Menschen liegt der Appendix über, vor oder hinter dem Blinddarm, bei einigen ist er fest am Dünndarm verankert. Bei Schwangeren wird der ganze Darm von seiner üblichen Position verdrängt, wodurch sich auch der Wurmfortsatz verlagert.

Beim Laufen oder Hüpfen entstehen durch die Blinddarmentzündung sogenannte Erschütterungsschmerzen. Die Symptome führen mitunter zu einem typischen Bewegungsablauf, der sich Schonhinken nennt. Betroffene winkeln zudem oft das rechte Bein zum Bauch hin an.

Wichtig: Bei Kindern oder Personen höheren Alters sind die Anzeichen oft nicht so eindeutig. Die Beschwerden fallen bei ihnen häufig schwächer aus. Bei Kindern ist es außerdem oft schwieriger, den Ort der Schmerzen einzugrenzen.

Symptome eines Blinddarmdurchbruches

Ein mögliches Anzeichen für einen Durchbruch des Wurmfortsatzes ist, dass die zunächst starken Bauchschmerzen sehr plötzlich abklingen: Der Inhalt des Wurmfortsatzes entweicht durch die neue Öffnung in den Bauchraum, und der Druck lässt schlagartig nach.

Wenn das Gemisch aus Kot, Schleim und Bakterien in den Bauchraum gelangt, hat das jedoch lebensbedrohliche Folgen. Das Immunsystem des Patienten schlägt darum sofort Alarm, und es kommt zu einer starken Entzündungsreaktion mit steigendem Fieber und starken Schmerzen.

Blinddarmentzündung: Ursachen

In der Regel ist eine Verstopfung des Wurmfortsatzes Ursache der Appendizitis (Blinddarmentzündung). Wenn der Appendix zum Beispiel abknickt oder harte Kotreste oder Fremdkörper seine Öffnung verschließen, kann der Inhalt nicht entweichen. Dadurch baut sich im Inneren Druck auf, und die Durchblutung wird gestört. Beides begünstigt, dass Bakterien ins Gewebe eindringen und sich dort vermehren. So kommt es zur Infektion.

Blinddarmentzündung: Diagnose

Eine Blinddarmentzündung wird meist anhand der typischen Beschwerden diagnostiziert. Charakteristische Druck- und Schmerzpunkte (die in Einzelfällen aber auch fehlen können) unterstützen die Diagnose.

Personen mit einer Appendizitis weisen meist einen Temperaturunterschied von mehr als 1 Grad Celsius zwischen der Achselhöhle und dem Enddarm auf, wobei die Temperatur im Enddarm höher ist. Zudem ist die Anzahl der weißen Blutkörperchen im Blut leicht vermehrt (Leukozytose). Darüber hinaus ist hier die Konzentration eines bestimmten Eiweißes (sog. C-reaktives Protein, CRP), welches Entzündungen im Körper anzeigt, erhöht.

Heutzutage hat die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) bei der Diagnose einer Appendizitis an Bedeutung gewonnen. Ein gesunder, nicht entzündeter Wurmfortsatz (Appendix) ist im Ultraschall nicht erkennbar, während der entzündete Appendix im Querschnitt als schießscheibenartig gestreifte Struktur sichtbar sein kann. Auch eine Computertomographie (CT) kann Hinweise auf eine Entzündung geben. Sie ist in der Regel aber nicht aussagekräftiger als der Ultraschall und wird eher selten durchgeführt, zumal sie mit hoher Strahlenbelastung einhergeht.

Im Zweifelsfall kann eine eindeutige Diagnose nur durch eine Bauchspiegelung erfolgen. Bestätigt sie die Entzündung, kann der Arzt über diesen Zugang auch sofort operieren.

Schmerzprovokation

Erste Hinweise auf eine Blinddarmentzündung erhält der Arzt oft dadurch, dass er durch Druck mit den Händen auf den Bauch bewusst Schmerzen auslöst (Schmerzprovokation).

Die Lage des Blinddarms sowie des Wurmfortsatzes lässt sich anhand von Verbindungslinie zwischen dem Bauchnabel und dem rechten Darmbeinvorsprung des Beckenknochens (Spina iliaca anterior superior) abschätzen. Der Blinddarm liegt etwa auf der Mitte dieser Linie – dem sogenannten McBurney-Punkt – und ist bei einer Blinddarmentzündung druckschmerzhaft.

Der Lanz-Punkt zeigt die direkte Lage des Wurmfortsatzes an und liegt zwischen äußerem und mittlerem Drittel der Verbindungslinie zwischen dem rechten und linken Darmbeinvorsprung. Auch hier führt eine Schmerzprovokation durch Klopfen oder Drücken bei einer Blinddarmentzündung zu Schmerzen.

Darüber hinaus können weitere Tests bei einer Blinddarmentzündung die Diagnose sichern:

  • Blumberg-Zeichen/Loslass-Schmerz: Schmerzen im Bereich des Wurmfortsatzes, nachdem auf der Gegenseite die Bauchdecke eingedrückt und losgelassen wurde.
  • Rovsing-Zeichen: Schmerzen im Bereich des Dickdarms, wenn man den Dickdarm entgegen dem Uhrzeigersinn in Richtung Blinddarm ausstreicht.
  • Douglas-Schmerz: Schmerzen bei rektaler Untersuchung; sie sind ein Hinweis auf eine Verlagerung des Wurmfortsatzes ins kleine Becken beziehungsweise auf eine Reizung des Bauchfells (peritoneale Reizung)
  • Psoas-Schmerz: Schmerzen im rechten Unterbauch beim Anheben des gestreckten Beins.

Bei Frauen müssen stets gynäkologische Erkrankungen wie etwa eine Eileiterentzündung, eine Eileiterschwangerschaft und eine reguläre Schwangerschaft ausgeschlossen werden.

Blinddarmentzündung: Behandlung

Je früher eine Blinddarmentzündung behandelt wird, desto besser. Bei Verdacht auf eine leichte Form der Appendizitis (sog. appendizitische Reizung oder Appendikopathie) kann der Betroffene den Darm entlasten, indem er

  • wenig isst (Tee, Zwieback),
  • Bettruhe hält und
  • den Unterbauch kühlt.

Oft bessern sich die Beschwerden dadurch, sodass kein Krankenhausaufenthalt nötig ist.

Bei stärkeren Beschwerden und deutlichen Zeichen einer ausgeprägten Appendizitis kommt kommt der Betroffene zunächst zur Beobachtung ins Krankenhaus. Er darf in dieser Zeit nichts essen, da dies bei einer Vollnarkose zu Komplikationen führen kann und der Darm möglichst wenig arbeiten soll.

Liegt tatsächlich eine Blinddarmentzündung vor, wird der entzündete Wurmfortsatz zügig operativ entfernt. Je früher der Arzt die Operation (Fachbegriff: Appendektomie) durchführt, umso wahrscheinlicher kann er Komplikationen vermeiden.

Die sogenannte offene Operation mit Bauchschnitt (Laparatomie) wird immer häufiger von der minimal-invasiven Operationsmethode abgelöst. Minimal-invasiv bedeutet, dass der Arzt den Bauch mithilfe eines speziellen Geräts, dem Endoskop, einsieht. Dieser Eingriff wird auch Laparoskopie genannt. Dabei führt der Chirurg die Operationsinstrumente durch drei winzige Schnitte in der Bauchdecke ein, man spricht deshalb auch von Schlüssellochchirurgie.

Der Eingriff ist mit kleineren Hautschnitten verbunden. Die Ergebnisse sind vergleichbar mit der offenen Operationsmethode. Die Laparoskopie bietet den Vorteil, dass sie bei einer Blinddarmentzündung nicht nur zur Therapie, sondern auch zur Diagnose eingesetzt werden kann: Bei unklaren Fällen hilft sie, den Verdacht zu bestätigen. Anschließend kann der Arzt den entzündeten Wurmfortsatz direkt entfernen.

Dauer des Krankenhausaufenthaltes

Wenn der Eingriff rechtzeitig und ohne Komplikationen stattgefunden hat, kann der Patient das Krankenhaus in der Regel nach zwei bis drei Tagen wieder verlassen. Nach einem Durchbruch des Wurmfortsatzes ist eine längere Nachbehandlung mit Antibiotika nötig. In diesem Fall muss der Patient eine Woche oder länger im Krankenhaus bleiben.

Blinddarmentzündung: Verlauf

Unbehandelt kommt es im Verlauf der Appendizitis meist zu gefährlichen Folgen. Mögliche Komplikationen sind etwa:

  • Durchbruch des Wurmfortsatzes: Wenn der Wurmfortsatz aufplatzt, entweicht sein infektiöser Inhalt in den Bauchraum und die Entzündung geht entweder auf das Bauchfell über (Peritonitis) oder es bilden sich Eiteransammlungen (Abszesse). Man spricht von einem Blinddarmdurchbruch oder einer Perforation.
  • Darmlähmung oder Darmverschluss: Als Reaktion auf die Appendizitis kann es in seltenen Fällen zu einer Lähmung des gesamten Darms (Darmparalyse) sowie zu einem Darmverschluss (Ileus) kommen.