Eine Frau mit Bauchschmerzen liegt im Bett und hält sich eine Wärmflasche auf den Bauch.
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Unterleibsschmerzen der Frau

Viele Frauen haben während der Periode Unterleibsschmerzen. Doch ein Ziehen, Stechen oder Drücken im Unterbauch kann auch unabhängig vom Menstruationszyklus auftreten und andere Ursachen haben. Welche? Und was hilft?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Unterleibsschmerzen bei der Frau

Bei Frauen sind Unterleibsschmerzen häufig eine Begleiterscheinung der Periode oder ein Zeichen für Erkrankungen der inneren Geschlechtsorgane, also der Gebärmutter, der Eileiter und/oder der Eierstöcke. Doch auch sogenannte nicht-genitale Krankheiten wie ein Harnwegsinfekt oder eine Blinddarmentzündung sind denkbare Auslöser.

Je nach Ursache können Unterleibsschmerzen sich sehr unterschiedlich anfühlen, etwa

  • kolikartig (stark und krampfartig),
  • drückend,
  • bohrend,
  • brennend,
  • wellenförmig,
  • dumpf oder
  • scharf.

Dumpfe, konstante Unterleibsschmerzen, die ein halbes Jahr oder länger anhalten, nennen Ärzte auch chronische Unterbauchschmerzen.

Akute Unterleibsschmerzen treten häufig mit Begleitsymptomen auf, zum Beispiel mit

Unterleibsschmerzen bei der Frau: Ursachen

Unterleibsschmerzen während der Periode

Die meisten Frauen haben während der Monatsblutung unangenehme bis schmerzhafte Bauchkrämpfe. Diese dienen einem Zweck: Die Gebärmuttermuskulatur zieht sich während der Periode immer wieder zusammen, um die Schleimhaut abzustoßen, die sich im Laufe des vorherigen Zyklus aufgebaut hat. Wenn sich keine befruchtete Eizelle eingenistet hat, wird die Schleimhaut nicht mehr benötigt und mit dem Menstruationsblut entsorgt.

Gehen die Krämpfe aber mit heftigen Schmerzen einher, sollten die Betroffenen sie vom Gynäkologen abklären lassen. Denn heftige Regelschmerzen (sogenannte Dysmenorrhö) sind oft ein Hinweis auf

  • eine Überproduktion der Botenstoffe, die die Gebärmuttermuskulatur zum Zusammenziehen anregen (Prostaglandin-Überschuss),
  • Erkrankungen wie Endometriose oder
  • gutartige Schleimhautwucherungen (Polypen) oder Myome in der Gebärmutter.

Wichtig: Auch wenn viele Frauen heftige Regelschmerzen kennen, bedeutet dies nicht, dass sie zum Leben dazugehören und die Betroffenen sie akzeptieren müssen. In den meisten Fällen gibt es Möglichkeiten, die Schmerzen zu lindern.

Unterleibsschmerzen außerhalb der Periode

Unterleibsschmerzen, die nicht während der Periode auftreten, können vielerlei Ursachen haben. Bei manchen Frauen macht sich der Eisprung durch ein Ziehen im Unterleib bemerkbar. Er findet etwa 12 bis 16 Tage vor der Monatsblutung statt. Darüber hinaus können auch Erkrankungen oder Störungen der weiblichen Fortpflanzungsorgane zu zyklusunabhängigen Unterleibsschmerzen führen, zum Beispiel

Meist sind Unterleibsschmerzen, die unabhängig von der Periode auftreten, jedoch ein Hinweis auf Erkrankungen anderer Organe des Bauchraums, etwa

Darüber hinaus kann sich ein Leistenbruch durch Unterbauchschmerzen äußern.

 

 

 

Unterleibsschmerzen aufgrund von Darmerkrankungen

Mögliche Ursachen für plötzlich auftretende (akute) Unterbauchschmerzen sind:

Immer wiederkehrende Schmerzen im Unterbauch können auf folgende Erkrankungen hindeuten:

Unterleibsschmerzen beim Wasserlassen

Treten die Schmerzen während des Wasserlassens auf, ist dies häufig Hinweis auf einen Harnwegsinfekt wie Blasenentzündung oder Nierenbeckenentzündung. Letztere geht jedoch meist nicht nur mit Schmerzen einher, sondern äußert sich auch durch Fieber, Schüttelfrost und ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Auch Harnsteine (Nierensteine, Blasensteine) können Unterleibsschmerzen verursachen, wenn sie durch den Harnleiter wandern.

Unterleibsschmerzen bei jungen Mädchen

Manche Mädchen leiden in der Pubertät unter monatlich auftretenden, krampfartigen Schmerzen im Unterbauch, obwohl sie keine Monatsblutung haben. Ursache kann eine vaginale Fehlbildung sein, die verhindert, dass Menstruationsblut aus der Scheide austritt. Dieses sammelt sich dann in der Scheide bzw. staut sich bis in die Gebärmutter zurück. Es gibt verschiedene Formen der vaginalen Fehlbildung:

  • Bei der sogenannten Hymenalatresie (von griech. atretos = ohne Öffnung) verschließt das Jungfernhäutchen (Hymen) die Scheide.
  • Bei Mädchen mit einer sogenannten Vaginalatresie ist ein Teil des Scheidenkanals, meist der obere Abschnitt, nicht richtig ausgebildet.

Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft

Nicht immer sind Unterbauchschmerzen in der Schwangerschaft ein Grund zur Beunruhigung. Vor allem in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln treten mitunter Unterleibsschmerzen auf, wenn das Kind wächst und sich die Gebärmutter deshalb dehnt. Am Ende der Schwangerschaft kündigt sich die Geburt mit heftigen Unterbauchschmerzen, den Wehen, an.

Doch Schmerzen im Unterbauch können auch ein Warnsignal sein, das auf Komplikationen hinweist, wie zum Beispiel:

  • Fehl- oder Frühgeburt
  • Ablösung des Mutterkuchens (Plazenta)
  • Riss in der Gebärmutter

Die häufigste Ursache von akuten Unterbauchschmerzen in der Schwangerschaft sind Blinddarmentzündungen. Bei einer von 1.000 Frauen entzündet sich in der Schwangerschaft der Blinddarm, meist zwischen der 14. bis 26. Schwangerschaftswoche. Unerkannt kann eine Blinddarmentzündung in der Schwangerschaft schlimmstenfalls tödlich enden oder zu einer Fehlgeburt führen.

Bei Schmerzen im Unterbauch sollten Schwangere daher unbedingt zum Arzt gehen.

Unterleibsschmerzen bei der Frau: Diagnose

Geht eine Frau mit Unterleibsschmerzen zum Arzt, wird dieser ihr zunächst eine Reihe von Fragen stellen:

  • Wo genau tut es weh?
  • Strahlen die Schmerzen in die Beine oder den Rücken aus?
  • Wie lange halten die Schmerzen an, wenn sie auftreten: kurz (Sekunden bis Stunden) oder lang (Tage bis Wochen)?
  • Wann und unter welchen Umständen machten sich die Schmerzen im Unterleib zum ersten Mal bemerkbar?
  • Treten die Unterleibsschmerzen regelmäßig auf (z. B. vor oder während der Menstruation)?
  • Wie intensiv sind die Schmerzen?
  • Haben Sie weitere Beschwerden? Wenn ja, welche?
  • Können Sie die Schmerzen genauer beschreiben? Sind sie z. B. dumpf, drückend, bohrend, stechend oder brennend?
  • Treten die Schmerzen nach bestimmten Ereignissen oder in bestimmten Situationen verstärkt auf (z. B. bei Stress, im Liegen, etc.)?
  • Gibt es Nahrungsmittel, die die Beschwerden verschlimmern?
  • Verbessern sich die Unterleibsschmerzen durch eine bestimmte Schonhaltung?
  • Wurden Sie bereits im Unterleib operiert?

Die Antworten der Patientin können dem Arzt bereits einen ersten Hinweis auf die Ursache der Schmerzen geben.

Der Befragung folgt eine körperliche Untersuchung, bei welcher der Arzt den Unterbauch abtastet und abhört. Außerdem kann er Laboruntersuchungen, wie eine Blut-, Urin- und Stuhluntersuchung, und bei Frauen im gebärfähigen Alter gegebenenfalls einen Schwangerschaftstest veranlassen.

Je nach vermuteter Ursache der Unterbauchschmerzen erfolgen zur Diagnose weitere Untersuchungen, beispielsweise eine gynäkologische Untersuchung, eine Röntgenuntersuchung oder computertomographische Untersuchung des Unterbauchs, eine Ultraschalluntersuchung der inneren Geschlechtsorgane oder ein Nachweis möglicher Erreger im Scheidensekret.

Unterleibsschmerzen bei der Frau: Links? Rechts? Mittig?

Für den Arzt ist es hilfreich zu wissen, wo genau es wehtut. Das gibt ihm einen ersten Hinweis darauf, welches Organ im Bauchraum möglicherweise betroffen ist und welche Erkrankungen folglich als Ursache infrage kommen.

Eine Blinddarmentzündung verursacht meist zunächst in der Bauchmitte Schmerzen. Wenn die Entzündung weiter fortschreitet, macht sie sich vor allem durch Schmerzen im rechten Unterbauch bemerkbar und strahlt in Richtung Leisten und Nabel aus.

Schmerzen im seitlichen (linken und/oder rechten) Unterbauch sind möglicherweise ein Zeichen für:

Manchmal gehen die Unterbauchschmerzen mit Kreuzschmerzen einher, etwa bei

Unterleibsschmerzen bei der Frau: Behandlung

Bei Unterleibsschmerzen während der Periode helfen Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen oder Paracetamol) und Wärme. Da Regelschmerzen manchmal auf Krankheiten hindeuten, ist es jedoch wichtig, sie ärztlich abklären zu lassen. Gynäkologen können je nach Ursache Behandlungsmaßnahmen vorschlagen, durch die sich die Regelbeschwerden langfristig bessern können. Sind hormonelle Störungen oder Endometriose die Ursache der Regelschmerzen, helfen oft Hormonpräparate der Antibabypille.

Treten die Schmerzen unabhängig von der Periode auf, entspringen sie möglicherweise anderen Organen im Bauchraum. Welche Therapiemaßnahmen dann helfen, hängt von der Erkrankung ab. Bei Harnwegsinfekten helfen Antibiotika. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen werden unter anderem mit entzündungslindernden Medikamenten behandelt. Bei bestimmten Erkrankungen kann auch eine Operation notwendig sein, etwa im Falle einer Blinddarmentzündung.

Behandlung chronischer Schmerzen im Unterleib

Bei chronischen Unterbauschmerzen sind Schmerzmittel nicht dauerhaft von Erfolg. Entspannungsübungen, autogenes Training und Sport können zu einer Linderung der Beschwerden beitragen. Auch eine Psychotherapie oder die Einnahme eines Antidepressivums kommen in Frage.