Zwei Toiletten mit je einem männlichen und einem weiblichen Symbol.
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Colitis ulcerosa

Typische Symptome einer Colitis ulcerosa sind Bauchkrämpfe und blutige Durchfälle. Bei der Therapie setzen Ärzte vor allem auf entzündungshemmende Medikamente. Eine spezielle Diät ist bei Colitis ulcerosa in der Regel nicht nötig, während eines akuten Schubs sollten Betroffene jedoch auf eine leichte, ballastoffarme Ernährung achten.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Colitis ulcerosa: Überblick

Was ist Colitis ulcerosa?

Colitis ulcerosa ist eine chronische, meist in Schüben verlaufende Entzündung der Darmschleimhaut im Dickdarm. Durch die Entzündung wird die obere Schicht der Darmwand geschädigt. Es entstehen geschwürartige Veränderungen, die Ulzerationen. Colitis ulcerosa zählt, wie auch der Morbus Crohn, zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED).

Die Entzündung entsteht bei einer Colitis ulcerosa im unteren Abschnitt des Dickdarms: im Mastdarm (Rektum). Von dort aus kann sie sich unterschiedlich weit ausbreiten. Oft geschieht dies zunächst in Richtung des linksseitigen Dickdarms. Ist der gesamte Dickdarm entzündet, sprechen Ärzte von einer Pankolitis (auch: totale Colitis).

Die Entzündung bleibt auf den Dickdarm begrenzt: Spätestens am Eingang zum Dickdarm beziehungsweise am Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm sind keine entzündeten Bereiche mehr zu finden. Nur in sehr seltenen Fällen sind auch die letzten Abschnitte des Dünndarms entzündet.

Bei Colitis ulcerosa wechseln sich in der Regel symptomfreie Phasen mit Schüben ab, in denen Beschwerden auftreten. Eine Phase, in der gerade keine Entzündungsaktivität nachweisbar ist, nennen Ärzte Remission.

Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, ist bei Colitis ulcerosa erhöht. Patienten sollten regelmäßig zur Darmspiegelung gehen, damit der Arzt Veränderungen im Darm rechtzeitig erkennen kann.

Wie häufig ist Colitis ulcerosa?

Schätzungen zufolge leben in Deutschland rund 150.000 Menschen mit Colitis ulcerosa. Ob Kleinkind oder Greis: Colitis ulcerosa kann in jedem Alter vorkommen. Besonders häufig macht sich die Erkrankung jedoch bereits im Schulalter oder im frühen Erwachsenenalter bemerkbar. In manchen Familien sind Fälle von Colitis ulcerosa häufiger zu beobachten.

Wichtige Begriffe im Überblick

  • „Colitis (auch: Kolitis)“: Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Dickdarmentzündung (griech. colon = Dickdarm bzw. Grimmdarm, -itis = Entzündung).
  • „Ulcerosa“: Der Begriff kommt vom Lateinischen „Ulcus“ und bedeutet „Geschwür“.
  • "Proktitis": Ist nur der Enddarm entzündet, sprechen Ärzte von einer Proktitis (griech. Proktós = After).
  • „Pankolitis“: Eine Pankolitis (griech. pan = alles, gesamt) liegt vor, wenn der gesamte Dickdarm von der Entzündung befallen ist.
  • „Backwash-Ileitis“: Wenn die Colitis ulcerosa in den untersten Teil des Dünndarms (terminales Ileum) „hineingewaschen“ wird, bezeichnet man das als Backwash-Ileitis (engl. backwash = Rückstrom, Ileitis = Entzündung des unteren Dünndarm-Abschnitts). Dies kommt jedoch nur sehr selten vor.

Unterschiede zu Morbus Crohn

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können mit ähnlichen Beschwerden einhergehen. Dazu gehören insbesondere Durchfall und Bauchschmerzen. Es handelt sich jedoch um zwei eigenständige Erkrankungen, die zwar einige Gemeinsamkeiten aufweisen, sich aber in vielen Punkten unterscheiden.

Morbus Crohn & Colitis ulcerosa: Einige Unterschiede im Überblick

  Morbus Crohn Colitis ulcerosa
Entzündeter Bereich im Verdauungstrakt Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungstrakt betreffen – vom Mund bis hin zum After. Bei Colitis ulcerosa ist die Entzündung auf den Dickdarm beschränkt, in seltenen Fällen ist auch der untere Dünndarm betroffen.
Ausgangspunkt der Entzündung Es gibt keinen zentralen Ausgangspunkt, vielmehr entstehen immer wieder neue, nicht zusammenhängende Entzündungen. Die Entzündung beginnt immer im unteren Dickdarmbereich und breitet sich von dort aus.
Entzündungstiefe Sämtliche Schichten der Darmwand können betroffen sein. Ausschließlich die obere Schleimhautschicht der Darmwand ist entzündet.
Symptome Blut oder Schleim gehen nur selten ab. Im Gegensatz zur Colitis ulcerosa entwickeln viele Patienten sog. Fisteln: Dabei entsteht eine nicht natürliche Verbindung zwischen dem Darm und einem anderem Organ bzw. der Körperoberfläche. Dies kann etwa passieren, wenn ein Abszess platzt und sich der abfließende Eiter einen Weg nach außen bahnt. Blutig-schleimige Durchfälle sind häufig.
Krebsrisiko Das Risiko für Darmkrebs ist erhöht, jedoch geringer als bei Colitis ulcerosa. Das Darmkrebs-Risiko ist erhöht.

Colitis ulcerosa: Symptome

Typische Symptome von Colitis ulcerosa sind

Viele Betroffene müssen nachts das Bett verlassen, um die Toilette aufzusuchen. Häufig verspüren sie die Schmerzen vor oder unmittelbar nach dem Stuhlabgang (sog. Tenesmen). In schweren Fällen sind bis zu 30 Stuhlgänge an einem Tag möglich.

Zusätzliche Symptome, die während eines schweren akuten Schubs auftreten können, sind zum Beispiel

Wenn die Entzündung den Enddarm betrifft, haben Betroffene den Eindruck, ständig Stuhl entleeren zu müssen. Da durch den Durchfall viel Blut verloren geht, leiden manche Patienten unter Eisenmangel und Blutarmut.

Je schwerer und ausgedehnter die Entzündung, desto heftiger sind in der Regel die Symptome.

Weitere Symptome außerhalb des Darms

Colitis ulcerosa kann nicht nur im Darm, sondern auch in praktisch allen anderen Körperbereichen Entzündungen auslösen. Ärzte sprechen von extraintestinalen Symptomen (extraintestinal = außerhalb des Darms). Wieso diese Beschwerden auftreten, ist bislang unbekannt.

Zu häufig betroffenen Körperregionen zählen:

  • Gelenke: Besonders oft leiden Patienten unter schmerzhaften Gelenkentzündungen. Auch Morbus Bechterew, eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule betrifft, kann im Rahmen einer Colitis ulcerosa vorkommen.
  • Augen: Bei einer Colitis ulcerosa können verschiedene Teile des Auges entzündet sein, so zum Beispiel Bindehaut, Regenbogenhaut oder die mittlere Augenhaut (Uvea).
  • Haut: Colitis ulcerosa kann mit unterschiedlichen Hautveränderungen einhergehen, z.B. mit sog. Aphthen – dies sind kleine entzündliche Schleimhautveränderungen im Mundraum.
  • Leber: Eine Colitis ulcerosa kann zu Leberveränderungen führen, so z.B. zu einer primär sklerosierenden Cholangitis (PSC). Dabei verengen und vernarben die Gallengänge zunehmend.

Bei Kindern und Jugendlichen mit Colitis ulcerosa kann das Wachstum gestört sein.

Extraintestinale Symptome können bereits Jahre vor der eigentlichen Darmentzündung in Erscheinung treten, sodass die Diagnose Colitis ulcerosa unter Umständen erst spät gestellt wird.

Colitis ulcerosa: Ursachen

Die genauen Ursachen von Colitis ulcerosa sind unbekannt. Früher ging man davon aus, dass Colitis ulcerosa eine Autoimmunerkrankung ist. Diese Ansicht gilt jedoch mittlerweile als überholt.

Einig sind sich die Forscher darüber, dass Colitis ulcerosa durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren entsteht:

  • Zum einen spielen genetische Einflüsse eine Rolle. Colitis ulcerosa kommt in manchen Familien gehäuft vor. Das Risiko, ebenfalls zu erkranken, ist für Geschwister eines Patienten bis zu 15-mal höher als in Familien, in denen keiner an Colitis ulcerosa erkrankt ist.
  • Zum anderen sind vermutlich bestimmte Umweltfaktoren an der Entstehung beteiligt. In den letzten Jahrzehnten treten insbesondere in den westlichen Industrienationen immer mehr Fälle auf. Möglicherweise hängt dies mit verbesserten Hygienestandards oder anderen Ernährungsgewohnheiten zusammen. Allerdings gehen Forscher heute davon aus, dass die Ernährung eine Colitis ulcerosa weniger stark begünstigt als noch vor einigen Jahren angenommen.
  • Darüber hinaus konnten Forscher nachweisen, dass bei Colitis ulcerosa die Darmschleimhaut verändert ist.

Dünnere Darmschleimhaut

Die Schleimschicht, die den Darm auskleidet, ist bei Personen mit Colitis ulcerosa dünner als bei gesunden Menschen.

Im menschlichen Darm leben nahezu unzählig viele, unterschiedliche Bakterienkulturen, welche die Darmflora (Mikrobiom) ausmachen. Sind zu viele (schädliche) Bakterien vorhanden, weiß sich der Körper zu wehren: Er produziert Abwehrstoffe. Diese setzen sich auf der Oberfläche der Darmschleimhaut zu einer schützenden Schicht zusammen (Mukusschicht) und können so potenziellen Eindringlingen Widerstand leisten.

Bei Colitis ulcerosa ist die Schleimschicht jedoch zu dünn. Die Folge: Ihre Abwehrfunktion ist gestört – und diese ist durch eine genetisch bedingte Veranlagung ohnehin schon schlechter als bei Gesunden. Bakterien können leichter die schützende Barriere überwinden und in die Schleimhaut eindringen. Daraufhin schlägt das Immunsystem Alarm: Es reagiert mit den typischen Entzündungen.

Gut zu wissen: Colitis ulcerosa ist nicht ansteckend!

Colitis ulcerosa: Diagnose

Blutig-schleimige Durchfälle und Bauchkrämpfe können ein Hinweis auf Colitis ulcerosa sein. Es können aber auch andere Erkrankungen dahinterstecken, so zum Beispiel Morbus Crohn. Daher ist es wichtig, dass der Arzt die Diagnose durch verschiedene Untersuchungen sichert.

Zu gängigen Diagnoseverfahren bei Verdacht auf Colitis ulcerosa zählen

Arztgespräch und körperliche Untersuchung

Um der Ursache auf den Grund zu gehen, wird der Arzt zunächst einige Fragen stellen, zum Beispiel:

  • Seit wann haben Sie die Beschwerden?
  • Gibt es bestimmte Lebensmittel, die Sie nicht vertragen?
  • Waren Sie vor kurzem im Ausland?
  • Gibt es in Ihrer Familie Personen, die eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung haben?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein, wenn ja, welche?
  • Haben Sie Beschwerden außerhalb des Magen-Darm-Trakts, z.B. an den Augen, den Gelenken oder der Haut? Wenn ja, welche?

Anschließend wird der Arzt seinen Patienten gründlich untersuchen. Unter anderem wird er den Bauch abtasten und sich den Analbereich anschauen. Gegebenenfalls wird er den Enddarm mit dem Finger austasten. So kann er mögliche Schleimhautveränderungen im Enddarm erfühlen.

Hält der Arzt die Diagnose Colitis ulcerosa für wahrscheinlich, wird er weiterführende Untersuchungen veranlassen. Zudem wird er einen Facharzt hinzuziehen: den Gastroenterologen.

Blutuntersuchung

Anhand einer Blutprobe kann der Arzt unter anderem feststellen, ob eine Entzündung im Körper herrscht. Allerdings können die Werte auch trotz Entzündung im Normalbereich liegen. Zudem wird der Arzt die Leistungsfähigkeit der Niere prüfen und testen, ob sein Patient unter Eisenmangel oder Blutarmut leidet.

Manche Menschen mit Colitis ulcerosa haben zusätzlich eine chronische Entzündung der Gallenwege: die primär-sklerosierende Cholangitis. Daher wird der Arzt auch Laborwerte bestimmen, welche Hinweise auf eine Beteiligung der Leber geben können. Dazu zählen die Transaminasen und Werte, die auf eine mögliche Gallenstauung in der Leber hinweisen (sog. Cholestaseparameter)

Stuhlprobe

Mithilfe einer Stuhluntersuchung kann der Arzt herausfinden, ob die Beschwerden durch einen bakteriellen Darminfekt (z.B. durch die Bakterien Clostridium difficile, Escherichia coli oder Campylobacter) hervorgerufen wurden.

Hat sich der Patient vor kurzem im Ausland aufgehalten, wird der Arzt im Stuhl nach entsprechenden möglichen Erregern suchen. Auch kann er prüfen, inwieweit bestimmte Entzündungsproteine in der Darmschleimhaut vorhanden sind.

Ultraschall (Sonographie)

Der Arzt schaut sich im Ultraschall den Bauchraum an, um mögliche Auffälligkeiten zu erkennen, etwa entzündlich-verdickte Darmbereiche. Mithilfe spezieller Ultraschallverfahren (Doppler-Sonographie, Ultraschall mit Kontrastmittel) ist eine noch detailliertere Darstellung möglich.

Darmspiegelung mit Gewebeprobe

Im Rahmen der Darmspiegelung begutachtet der Arzt den kompletten Darm von innen. So kann er feststellen, ob und wo sich Entzündungen befinden und inwieweit die Darmschleimhaut geschädigt ist. Bei einem akuten Colitis ulcerosa-Schub erkennt er häufig eine gerötete und geschwollene Darmschleimhaut. Schon geringe Berührungen mit dem Untersuchungsinstrument (Endoskop) lösen kleine Blutungen aus. Oft finden sich infolge einer chronischen Entzündung Darmpolypen (sog. Pseudopolypen).

Während der Spiegelung entnimmt der Arzt mit einem feinen Instrument mehrere Gewebeproben aus unterschiedlichen Bereichen des Darms. Diese werden anschließend im Labor untersucht. So lässt sich genau feststellen, welche Darmabschnitte entzündet sind. Bestimmte Merkmale des untersuchten Gewebes machen die Diagnose Colitis ulcerosa wahrscheinlich.

Die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen geben gemeinsam mit den Symptomen den Ausschlag für die Diagnose Colitis ulcerosa. Hat der Arzt Zweifel an der Diagnose, wird er die Darmspiegelung gegebenenfalls nach einigen Wochen bis Monaten wiederholen und erneut Gewebeproben entnehmen.

Weitere Untersuchungen

Sind die Ergebnisse nicht eindeutig, wird der Arzt weitere Untersuchungen in Erwägung ziehen.

Zu möglichen weiteren Untersuchungen zählen zum Beispiel eine Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm (sog. Ösophagogastroduodenoskopie) oder eine Kernspintomographie (MRT).

Colitis ulcerosa: Therapie

Es gibt bisher kein Medikament, das die Colitis ulcerosa heilen könnte. Aber: Eine angemessene Behandlung kann die Lebensqualität deutlich verbessern. Ziel der Therapie ist es,

  • die Entzündung frühzeitig und möglichst komplett einzudämmen und Beschwerden zu lindern,
  • das Risiko für Komplikationen/Folgeerkrankungen zu senken und
  • weiteren Schüben vorzubeugen oder sie hinauszuzögern.

Mit jedem Entzündungsschub verändert sich die Darmwand. Sie vernarbt zunehmend. Im Laufe der Jahre verliert sie ihre ursprüngliche, die Oberfläche vergrößernde Struktur, und wird glatt. Zudem machen die Entzündungen den Dickdarm hart und unflexibel, sodass das typische Erscheinungsbild bei langjährig Betroffenen schließlich an einen Fahrradschlauch erinnert.

Ein in dieser Weise veränderter Darm ist in seiner Funktion beeinträchtigt. Daher ist es sehr wichtig, Entzündungen weitgehend vorzubeugen oder diese schon zu Beginn abzumildern. Umgekehrt heißt das: Der Patient soll so lange wie möglich in einer beschwerdefreien Phase leben – nicht zuletzt auch, weil ein Schub den Alltag erheblich einschränken kann.

Einige Patienten leiden unter schweren Entzündungsschüben, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Bei anderen sind diese milde ausgeprägt und wieder andere haben permanent eine leichte Entzündung im Darm. Je nach Verlauf kommen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten infrage.

Während eines Schubs ist in der Regel eine andere Behandlung notwendig als in einer beschwerdefreien Phase.

Medikamente

Entzündungshemmende Medikamente spielen bei der Therapie der Colitis ulcerosa eine große Rolle. Zu häufig verschriebenen entzündungshemmenden Medikamenten zählen:

Aminosalicylate: Mesalazin

Aminosalicylate (bzw. 5-Aminosalizylsäure-Präparate, 5-ASA-Präparate) sind Wirkstoffe, die in den Stoffwechsel von bestimmten Entzündungskomponenten eingreifen. Insbesondere der Wirkstoff Mesalazin gilt als Mittel der Wahl während eines leichten bis mittelschweren Schubs. Er ist aber auch zur dauerhaften Therapie geeignet, um einem erneuten Schub vorzubeugen oder eine leichte Dauerentzündung abzumildern. Mesalazin kann die Häufigkeit der Schübe verringern.

Aminosalicylate sind in unterschiedlichen Darreichungsformen erhältlich, so zum Beispiel als Zäpfchen. Bei Bedarf kann der Arzt zusätzlich Tabletten verschreiben. Ist vor allem der Enddarm entzündet, können spezielle Rektalschäume oder Einläufe helfen, die direkt im entzündeten Bereich wirken.

Nebenwirkungen treten eher selten auf. Dazu zählen zum Beispiel Kopfschmerzen, Durchfall, Haarausfall oder eine gereizte Haut.

Alternative zu Mesalazin: Schüben mit Bakterien vorbeugen

Personen, die Mesalazin nicht vertragen, können einem erneuten Schub auch mit speziellen Bakterien vorbeugen. Empfohlen werden Präparate mit Escherichia coli-Bakterien, und zwar der Stamm "Nissle 1917".

Kortisonhaltige Präparate

Wenn der Patient einen akuten Schub hat und Aminosalicylate nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, wird der Arzt vorübergehend kortisonhaltige Präparate verschreiben (Kortikosteroide). Kortisonhaltige Präparate zählen zu den Immunsuppressiva.

Immunsuppressiva sind Medikamente, die gezielt bestimmte Funktionen des Immunsystems unterdrücken, die bei der Colitis ulcerosa fehlerhaft sind.

Bei einem mittelschweren bis schweren Entzündungsschub werden beispielsweise Tabletten mit dem Wirkstoff Prednisolon empfohlen. Auch ist es möglich, Kortison-Präparate über eine Infusion zu verabreichen. Ist die Entzündung auf den Enddarm beschränkt, können Klysmen, Schaum oder Zäpfchen mit dem Wirkstoff Budenosid helfen, die direkt im betroffenen Darmabschnitt wirken.

Zur Dauertherapie sind kortisonhaltige Präparate nicht geeignet, sondern nur zur Behandlung eines akuten Schubs. Der Grund: Auf Dauer kann Kortison zu starken Nebenwirkungen führen. Sobald die Kortikosteroide wirken, wird der Arzt sie langsam absetzen und andere Immunsuppressiva verschreiben, die zur dauerhaften Behandlung besser verträglich sind.

Kortisonhaltige Präparate erhöhen das Risiko für Osteoporose (Knochenschwund). Daher wird der Arzt möglicherweise vorbeugend Präparate mit Vitamin D oder Kalzium verschreiben.

Weitere Immunsuppressiva

Haben sowohl Mesalazin als auch Kortison nicht ausreichend geholfen, können die Wirkstoffe Azathioprin oder 6-Mercaptopirin eine Alternative oder Ergänzung darstellen. Die Mittel sind sowohl während eines akuten Schubs als auch zur Dauertherapie geeignet und können daher auch eingesetzt werden, um eine schubfreie Phase so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.

Bis die Behandlung hilft, benötigt man allerdings etwas Geduld: Es vergehen circa zwei bis drei Monate, bis erste Erfolge sichtbar sind. Zu möglichen Nebenwirkungen zählen Schwindel, Kopfschmerzen und Entzündungen der Leber und Bauchspeicheldrüse. Um körperliche Veränderungen rechtzeitig zu erkennen, wird der Arzt seinen Patienten regelmäßig körperlich untersuchen und dabei eine Blutprobe.

In Einzelfällen kann der Arzt zur Behandung eines schweren akuten Schubs die Wirkstoffe Ciclosporin, Methotrexat oder Tacrolimus verschreiben. Auch bei diesen Produkten dauert es mehrere Monate, bis sie wirken.

Biologika

Biologika (auch: Biologicals) sind Arzneimittel, die auf biologische Weise die Wirkung natürlicher Stoffe nachahmen. Sie nehmen Einfluss auf das Immunsystem – zum Beispiel, indem sie verhindern, dass entzündungsfördernde Immunzellen in der Darmschleimhaut wirken. Zu den Biologika zählen der 2014 zugelassene Wirkstoff Vedolizumab oder die sogenannten TNF-α-Hemmer Adalimumab, Golimumab und Infliximab. TNF-α-Hemmer sind in der Lage, die Wirkung des Entzündungsbotenstoff TNF α auszuschalten. Sie werden als Infusion oder als Spritze verabreicht.

Biologika beeinträchtigen die körpereigene Abwehr und das Risiko für Infekte steigt. Daher wird der Arzt vor der Therapie sorgfältig abwägen, ob Biologika für seinen Patienten infrage kommen.

Wann operieren?

Unter bestimmten Umständen ist bei Colitis ulcerosa ein chirurgischer Eingriff nötig, so zum Beispiel, wenn

  • es sich um einen schweren Verlauf handelt und Medikamente keinen Erfolg gebracht haben,
  • Komplikationen auftreten oder wenn
  • das Darmkrebsrisiko sehr hoch ist, etwa, weil bereits Vorstufen von Darmkrebs erkennbar sind.

In den meisten Fällen wird der Operateur den gesamten Dickdarm inklusive Enddarm entfernen (sog. Prokokolektomie). Anschließend formt der Chirurg aus den Schlingen des Dünndarms ein künstliches Reservoir – den sogenannten ileoanalen Pouch – und stellt eine Verbindung zum Analkanal her. In der Regel ist kein dauerhafter künstlicher Darmausgang nötig, sodass die Patienten weiterhin ganz normal auf die Toilette gehen können.

Alternativ können auch nur Teile des Darms entfernt werden. Allerdings ist bei dieser Methode das Risiko für einen Rückfall hoch.

Ist Colitis ulcerosa heilbar?

Colitis ulcerosa ist nur heilbar, wenn der Dickdarm vollständig entfernt wird. Allerdings kehrt bei einem Teil der Patientin die Entzündung zurück. Das künstliche Reservoir (Pouch) ist dann betroffen. Ärzte sprechen von einer Pouchitis.

Colitis ulcerosa & Ernährung

"Muss ich bei Colitis ulcerosa eine Diät einhalten oder bestimmte Dinge in meiner Ernährung beachten?" Diese Frage stellen sich viele Betroffene.

Fest steht: Eine spezielle Diät bei Colitis ulcerosa wird nicht empfohlen. Grundsätzlich sollten Sie bei der Ernährung auf eine ausgewogene Vollwertkost achten.

Auch wenn Experten zu keiner speziellen Ernährung bei Colitis ulcerosa raten, gibt es einige Tipps, die vielen Betroffenen helfen:

  • Während eines Schubs empfiehlt es sich, dass Sie auf schwere, ballaststoffreiche Kost verzichten, um den Darm nicht unnötig zu belasten. Manche Patienten reagieren positiv auf eine milchfreie Kost.
  • In einer beschwerdefreien Phase gilt vor allem: Essen Sie das, was Ihnen bekommt, und meiden Sie alles, was Sie nicht gut vertragen.

Beachten Sie: Wenn Sie Engstellen (Stenosen) im Darm haben, sollten Sie auf Lebensmittel mit langen Fasern verzichten. Dazu zählen etwa Spargel, Ananas oder Sauerkraut.

Welche Lebensmittel Ihnen gut bekommen und welche nicht, müssen Sie selbst herausfinden. Eine gute Hilfe kann ein Ernährungstagebuch sein: Notieren Sie sich genau, was Sie wann gegessen haben und wie Ihnen die jeweilige Speise bekommen ist. Lassen Sie sich im Zweifelsfall von einem Ernährungsberater Tipps geben.

Viele Menschen mit Colitis ulcerosa vertragen bestimmte Lebens- und Genussmittel nicht gut. Dazu gehören vor allem

  • Alkohol,
  • blähende Obst- und Gemüsesorten,
  • Zitrusfrüchte, Fruchtsäfte und
  • scharfe Gewürze.

Nahrungsergänzungsmittel nur bei Mangelerscheinungen

Personen mit Colitis ulcerosa haben ein höheres Risiko für einen Nährstoffmangel (z.B. Mangel an Eisen, Zink, Vitamin D, Vitamin B12.) Hat der Arzt einen solchen Mangel festgestellt, wird er entsprechende Nahrungsergänzungsmittel verschreiben. Eine vorbeugende Einnahme solcher Präparate wird bei Colitis ulcerosa jedoch nicht empfohlen.

Colitis ulcerosa: Verlauf

Colitis ulcerosa verläuft meist in Schüben. Dabei wechseln sich Abschnitte, in denen die Entzündung aktiv ist, mit beschwerdefreien Phasen ab.

Wie sich die Erkrankung im Laufe der Zeit entwickelt, ist jedoch individuell ganz verschieden. Manche Patienten haben in ihrem ganzen Leben nur einige wenige Schübe. Andere haben mehrmals pro Jahr mit Schüben zu kämpfen. Und bei wieder anderen ist der Darm dauerhaft entzündet. Der genaue Verlauf ist nicht vorhersehbar.

Gut zu wissen: Mit einer angemessen Therapie und regelmäßigen Kontrolluntersuchungen wie der Darmkrebsvorsorge ist die Lebenserwartung mit Colitis ulcerosa ähnlich hoch wie in der Durchschnittsbevölkerung.

Komplikationen

Abhängig davon, wie weit sich die Darmentzündung ausdehnt und wie lange sie besteht, können vereinzelt verschiedene Komplikationen auftreten.

Wenn ein akuter Schub sehr schwer und ungewöhnlich heftig verläuft, spricht man von einer fulminanten Colitis. Die fulminante Colitis kann verschiedene Komplikationen nach sich ziehen:

  • toxisches Megakolon: Wenn die gesamte Darmwand stark entzündet ist, kann der Darm extrem gedehnt werden. Dadurch besteht das Risiko eines Darmdurchbruchs. Das toxische Megakolon ist lebensgefährlich und muss umgehend operiert werden.
  • Darmdurchbruch (Perforation): Wenn der Darm bei der Colitis ulcerosa durchbricht, ist dies eine lebensbedrohliche Komplikation: Ein Darmdurchbruch macht eine sofortige Operation erforderlich.
  • schwere Darmblutungen: Darmblutungen können zum Beispiel als Folge eines toxischen Megakolons entstehen. Sie können aber auch nach einer Darmspiegelung auftreten. Die entstehenden Blutverluste kann man in der Regel durch Bluttransfusionen ausgleichen. In seltenen Fällen ist es notwendig, den betroffenen Darmabschnitt zu entfernen (Resektion).

Durch die häufigen Entzündungen entstehen im Darm Narben. Dies kann dazu führen, dass der betroffene Darmabschnitt dauerhaft verengt ist. Dies geht häufig mit starken, kolikartigen Beschwerden einher. Im Extremfall kann ein Darmverschluss die Folge sein.

Wenn Sie Medikamente einnehmen, die das Immunsystem beeinflussen, ist das Risiko für Infektionen erhöht. Dies kann insbesondere für ältere Personen oder Personen mit bestimmten Grunderkrankungen problematisch sein. Daher wird der Arzt vor der Anwendung genau abwägen, ob solche Medikamente infrage kommen.

Risiko Darmkrebs: Regelmäßig zur Darmspiegelung

Menschen mit Colitis ulcerosa bekommen häufiger Dickdarmkrebs als gesunde Personen. Sie sollten regelmäßig zur Darmspiegelung gehen. Auf diesem Weg kann der Arzt Krebsvorstufen rechtzeitig entdecken.

Grundsätzlich sollten alle Patienten sechs bis acht Jahre nach Erkrankungsbeginn eine Darmspiegelung durchführen lassen, bei welcher der Arzt mehrere Gewebeproben entnimmt.

In den Folgejahren werden weitere Kontrollspiegelungen empfohlen. Wie häufig die Kontrollen nötig sind, hängt davon ab, ob

  • die Entzündung über den Enddarm hinausgeht und wie stark die Entzündung ist
  • enge Familienmitglieder die Diagnose Darmkrebs bekommen haben
  • die Darmschleimhaut so verändert ist, dass sich bereits Krebsvorstufen gebildet haben (Dysplasien)
  • weitere Faktoren vorliegen, die das Darmkrebsrisiko erhöhen, z.B. eine chronische Gallenwegsentzündung (primär-sklerosierende Cholangitis )

Je nachdem, wie hoch das individuelle Darmkrebsrisiko ist, sind die Kontrollen entweder jährlich, alle zwei bis drei Jahre oder alle vier Jahre fällig.

Ab dem 8. Erkrankungsjahr sollten folgende Personengruppen jährlich zur Darmspiegelung:

  • Personen mit starken und ausgedehnten Entzündungen
  • Personen mit Verwandten ersten Grades, welche die Diagnose Darmkrebs bekommen haben und dabei unter 50 Jahre alt waren
  • Personen, deren Darmschleimhaut innerhalb der letzten 5 Jahre Krebsvorstufen aufwies (Dysplasien)
  • Personen, die zusätzlich an einer primär-sklerosierenden Cholangitis (PSC) erkrankt sind
  • Personen, die Engstellen (Stenosen) im Verdauungstrakt haben

Colitis ulcerosa: Vorbeugen

Einer Colitis ulcerosa lässt sich bislang nicht wirksam vorbeugen – die genauen Ursachen sind nach wie vor unbekannt.

Das Risiko für Colitis ulcerosa ist bei gestillten Kindern niedriger als bei ungestillten: Personen, die als Baby mindestens sechs Monate lang gestillt wurden, erkranken deutlich seltener. Stillen kann also das Erkrankungsrisiko etwas senken. Ob eine bestimmte Ernährungsform ebenfalls einen schützenden Effekt hat, konnte bislang nicht wissenschaftlich belegt werden.