Alte Frau macht Krankengymnastik mit den Händen.
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Arthritis (Gelenkentzündung)

Vielerlei Erkrankungen können dazu führen, dass sich die Gelenke entzünden. Die Symptome der Entzündung sind in der Regel charakteristisch: Eine Arthritis äußert sich typischerweise durch Schmerzen, Steifigkeit und Schwellungen in den Gelenken.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Arthritis (Gelenkentzündung)

Wenn die Gelenke schmerzen, anschwellen und steif sind, ist meist eine Entzündung der Grund, eine sogenannte Arthritis: Arth- stammt vom griechischen Wort Arthros für Gelenk ab, -itis ist die Wortendung für Entzündungen.

Wie jede Entzündung ist eine Arthritis eine Abwehrreaktion des Körpers. Sie kann sich gegen Krankheitserreger richten – das ist etwa bei einer Lyme-Arthritis oder einer bakteriellen Arthritis der Fall. Es gibt aber auch andere Gründe, aus denen sich ein Gelenk entzünden kann.

So wird eine Arthritis urica durch Gicht, also durch Ablagerungen von Harnsäure in den Gelenken, verursacht. Bei einer rheumatoiden Arthritis oder einer sogenannten Psoriasis-Arthritis (Arthritis psoriatica) handelt es sich um Autoimmunerkrankungen, das heißt: Das Immunsystem greift irrtümlicherweise körpereigenes Gewebe an.

Arthritis ist also genau genommen keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das bei vielen verschiedenen Erkrankungen auftreten kann. Wie sie verläuft, welche und wie viele Gelenke sich entzünden, und was gegen die schmerzhaften Schwellungen hilft, hängt von der Ursache der Arthritis ab.

Arthritis (Gelenkentzündung): Symptome & Verlauf

Eine Arthritis äußert sich dadurch, dass Gelenke

  • schmerzen,
  • geschwollen, steif und möglicherweise gerötet sind und
  • sich warm anfühlen.

Ein typisches Symptom chronischer Gelenkentzündungen ist außerdem die Morgensteifigkeit: Die Gelenke sind nach dem Aufstehen besonders steif und werden erst im Laufe von mehreren Stunden beweglicher.

Übrigens: Wenn nur ein Gelenk betroffen ist, spricht man von einer Monoarthritis, sind mehrere Gelenke entzündet, von einer Oligoarthritis oder (ab fünf Gelenken) von einer Polyarthritis.

Verlauf hängt von der Erkrankung ab

Akute Gelenkentzündungen wie Lyme-Arthritis oder bakterielle Arthritis, die durch Krankheitserreger ausgelöst werden, klingen normalerweise vollständig ab, wenn die Infektion erfolgreich behandelt wird.

Chronische Gelenkentzündungen – zum Beispiel bei Rheuma oder Gicht – verlaufen schubweise. Die Beschwerden flammen immer wieder auf, wobei von Schub zu Schub mehr und unterschiedliche Gelenke betroffen sein können:

  • Bei der rheumatoiden Arthritis entzünden sich in der Regel zunächst die Finger- und Zehengelenke, später auch die größeren Gelenke (Schultern, Ellenbogen und Knie). Die Erkrankung schreitet meist symmetrisch fort.
  • Auch eine Psoriasis-Arthritis betrifft zunächst die kleinen Gelenke und dann die größeren Gelenke. Im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis breitet sich die Psoriasis-Arthritis allerdings meist asymmetrisch aus, das heißt: In der Regel ist nur eine Körperseite betroffen. Bei etwa 20 von 100 Patienten entzünden sich auch die Wirbelsäule und das Gelenk zwischen Becken und Wirbelsäule.
  • Ein Gichtanfall (Arthritis urica) betrifft anfangs nur ein Gelenk, meist das Grundgelenk des großen Zehs. Weitere Gichtanfälle in anderen Gelenken treten auf, wenn die Gicht nicht wirksam behandelt wird.
  • Gelenkentzündungen bei Kindern und Jugendlichen (juvenile idiopathische Arthritiden) können sich sehr unterschiedlich entwickeln, wobei der Verlauf von Arthritis-Form zu Arthritis-Form stark variieren kann und sich anfangs nicht genau voraussagen lässt. Manchmal bleibt es bei einer Entzündung in einem Gelenk, es können jedoch auch mehrere Gelenke betroffen sein. Die Entzündungen können wiederholt auftreten und sich auf weitere Gelenke ausbreiten, sowohl symmetrisch als auch asymmetrisch.

Folgen chronischer Gelenkentzündungen

In den meisten Fällen lassen sich chronische Gelenkentzündungen durch Medikamente, eine Ernährungsumstellung und andere Maßnahmen gut in den Griff bekommen.

Wenn die Behandlung zu spät beginnt oder sich die die Schübe nicht ausreichend unter Kontrolle bringen lassen, können die Gelenke dauerhaft Schaden nehmen. Das kann sich unter anderem darin äußern, dass sie versteifen und in einer Fehlstellung verharren, was die Beweglichkeit des betroffenen Körperteils erheblich einschränkt.

Bei Kindern und Jugendlichen können Gelenkentzündungen das Wachstum beeinträchtigen. Je jünger ein Kind erkrankt und je länger die Entzündung unbehandelt bleibt, umso stärker sind die zu erwartenden Wachstumsstörungen.

Video: Arthrose oder Arthritis: Was sind die Unterschiede?

Arthritis (Gelenkentzündung): Ursachen

Es gibt zahlreiche Formen der Arthritis, die unterschiedliche Ursachen haben. Die häufigsten Ursachen einer Gelenkentzündung sind:

Infektionen

Wenn Krankheitserreger etwa über eine Wunde in das Gelenk gelangen und dieses infizieren, spricht man von einer infektiösen Arthritis, oder, wenn es sich bei den Erregern um Bakterien handelt, von einer bakteriellen Arthritis. Eine bakterielle Arthritis wird fast immer durch Staphylokokken verursacht. Bei Säuglingen und Kindern unter fünf Jahren verursachen mitunter auch Streptokokken, Pneumokokken, Meningokokken oder Bakterien der Art Haemophilus influenzae eine bakterielle Arthritis.

Außerdem kann eine Entzündung von einem Infektionsherd im Körper über den Blutweg ins Gelenk weitergeleitet werden – etwa im Rahmen einer Borreliose im Falle der sogenannten Lyme-Arthritis.

Eine Sonderform der infektiösen Gelenkentzündung ist die sogenannte reaktive Arthritis. Dazu kommt es, wenn das Immunsystem gegen einen Infekt ankämpft, der eigentlich längst abgeklungen ist. Sowohl Magen-Darm-Infekte als auch Harnwegsinfektionen können eine reaktive Arthritis nach sich ziehen. Geht diese mit einer Entzündung der Augen und der Harnröhre einher, spricht man von einem Reiter-Syndrom. Am häufigsten tritt es bei jungen Männern auf.

Autoimmunerkrankungen wie Rheuma und Psoriasis

Bei einer Autoimmunkrankheit richtet sich das Immunsystem gegen körpereigenes Gewebe und greift dieses an, was zu Entzündungen und Schäden führt. Bei der rheumatoiden Arthritis oder der sogenannten juvenilen idiopathischen Arthritis sind in erster Linie die Gelenke von den Entzündungen und Zerstörungsprozessen betroffen.

Darüber hinaus gibt es einige Autoimmunerkrankungen, die vor allem andere Organe (etwa die Haut oder den Darm) betreffen, jedoch auch zu Gelenkentzündungen führen können, etwa

Arthritis bei Kindern und Jugendlichen (idiopathische juvenile Arthritis)

Wenn Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren an rheumatischen Gelenkentzündungen erkranken, sprechen Mediziner von juveniler idiopathischer Arthritis. Idiopathisch bedeutet, dass es keine erkennbare Ursache für die Erkrankung gibt. Vermutlich haben die Betroffenen eine erblich bedingte Immunstörung, die zu Abwehr- und Zerstörungsprozessen in den Gelenken führt – möglicherweise ausgelöst durch Infekte, Verletzungen oder Stress. Eine idiopathische juvenile Arthritis kann sehr unterschiedlich verlaufen, sodass Ärzte meist nicht genau voraussagen können, wie sich die Beschwerden entwickeln werden.

Stoffwechselerkrankungen wie Gicht (Arthritis urica)

Zu den Stoffwechselerkrankungen, die eine Arthrisis hervorrufen können, gehört zum Beispiel die Gicht. Bei Menschen mit Gicht sammelt sich zu viel Harnsäure im Blut an. Ist eine gewisse Konzentration überschritten, lagert sich die Harnsäure in Form von Kristallen in den Gelenken ab, woraufhin diese sich entzünden. Man spricht dann von einem akuten Gichtanfall oder einer Arthritis urica.

In der Regel löst ein plötzlicher Anstieg des Harnsäurespiegels eine Arthritis urica aus. Dazu kann es etwa nach purinreichen Mahlzeiten kommen, oder nach Alkoholkonsum, starker körperlicher Anstrengung oder starkem Gewichtsverlust.

Gelenkverschleiß (aktivierte Arthrose)

Bei Arthrose ist die Knorpelschicht im Gelenk abgenutzt und verschlissen. Somit reiben die Knochen stärker aneinander und nehmen Schaden. Kommt es in der Folge zu einer Entzündung im betroffenen Gelenk, sprechen Ärzte von einer aktivierten Arthrose.

Arthritis (Gelenkentzündung): Diagnose

Eine Arthritis kann der Arzt bereits an den typischen Symptomen erkennen. Klagt der Patient über schmerzhafte Schwellungen in einem Gelenk oder mehreren Gelenken und sind diese zudem steif, gerötet oder überwärmt, spricht dies für eine Entzündung. Um deren Ursache zu ermitteln muss der Arzt jedoch verschiedene Untersuchungen durchführen. (Ausnahme ist eine Arthritis psoriatica, also eine Gelenkentzündung als Folge einer Schuppenflechte: Diese kann der Arzt an den charakteristischen Hautveränderungen erkennen.)

Im ersten Schritt nimmt der Arzt dem Patienten üblicherweise Blut ab, um dieses auf Zeichen eines Infektes und verschiedene Entzündungswerte zu untersuchen und den Harnsäurewert zu messen. Anhand des Befunds kann der Arzt meist schon einschätzen, ob die Gelenkentzündung durch eine rheumatische Erkrankung hervorgerufen wurde oder durch einen akuten Infekt. Erweist sich der Harnsäurespiegel als deutlich erhöht, spricht dies für eine Arthritis urica, also eine durch Gicht ausgelöste Arthritis.

Oft sind nach der Blutuntersuchung noch weitere Schritte nötig, bis der Arzt eine sichere Diagnose stellen kann, etwa

  • Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren (wie Röntgen, Ultraschall oder MRT), um das Ausmaß der Gelenkschädigung beurteilen zu können, sowie
  • eine Gelenkpunktion, um die Gelenkflüssigkeit auf Entzündungszeichen, Rheumafaktoren und/oder Erreger zu untersuchen.

Arthritis (Gelenkentzündung): Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Erkrankung, die die Gelenkentzündung verursacht hat. Grundsätzlich kommen bei Arthritis folgende Maßnahmen in Betracht:

Arthritis (Gelenkentzündung): Vorbeugen

Vielerlei Erkrankungen können zu Gelenkentzündungen führen. Bei einigen ist die Ursache nicht geklärt, bei manchen spielen die Erbanlagen eine entscheidende Rolle. Somit ist es nicht immer möglich, einer Arthritis durch eine gesunde Lebensweise oder bestimmte Maßnahmen vorzubeugen.

Das Risiko für Gelenkentzündungen lässt sich aber senken durch ...

  • ... Bewegung: Regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining hält die Gelenke gesund und beweglich und beugt Erkrankungen vor, die die Gelenke belasten (z.B. Übergewicht).
  • ... Verzicht auf Alkohol und fettreiche Mahlzeiten: Beide Faktoren begünstigen Gicht und Rheuma.
  • ... Verzicht auf Zigaretten: Rauchen erhöht das Risiko für rheumatische Erkrankungen und wirkt sich ungüsntig auf deren Verlauf aus.