Eine Frau hält sich die Schulter.
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Schulterschmerzen

Verspannungen, Verletzungen, Verschleiß: Für Schulterschmerzen gibt es zahlreiche mögliche Ursachen. Hier erfahren Sie, welcher Arzt helfen kann und durch welche Übungen und Hausmittel sich die Schultern lockern lassen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Schulterschmerzen

Die Schulter bildet den Übergang zwischen Oberarm und Rumpf. Schulterschmerzen rühren meist von den Weichteilen her, die das Schultergelenk umgeben, also von den Muskeln, Sehnen, Bändern, Schleimbeuteln oder der Gelenkkapsel.

Dank dieser Strukturen ist die Schulter zugleich beweglich und stabil – eine Besonderheit, die das Schultergelenk von allen anderen Gelenken des Körpers unterscheidet. Viele andere Gelenke (etwa das Hüftgelenk) sind weniger beweglich, weil der Gelenkkopf in einer tiefen Gelenkpfanne steckt und von diesem fest umschlossen wird.

Die Gelenkpfanne des Schultergelenks hingegen ist recht flach, bietet dem Oberarmknochen also viel Spielraum. Damit das Gelenk trotz der Beweglichkeit in der richtigen Position bleibt, müssen ihm Muskeln, Sehnen und Bänder ihm Halt geben. Wird die Schulter aber allzu stark oder falsch belastet, können die Weichteile Schaden nehmen – und das tut weh. Wo genau, wie sich der Schmerz anfühlt und bei welcher Art von Belastung er auftritt, hängt von der Ursache ab.

Schulterschmerzen beim Heben des Arms

Manchmal treten die Schulterschmerzen nur oder verstärkt bei Belastung auf – etwa beim Heben des Arms. Ist die Schulter gesund, lässt sich der Arm problemlos im 180-Grad-Winkel vom Oberkörper abspreizen. Bei einigen Schultererkrankungen bereitet das Armheben jedoch Schmerzen. In welchem Bereich es dann wehtut, kann ein wichtiger Hinweis auf die Ursache der Schmerzen sein:

  • Bei Entzündungen im Gelenk zwischen Oberarmkopf und Gelenkpfanne ist es meist überhaupt nicht möglich, den Arm seitlich abzuspreizen. Man spricht daher auch von einer frozen shoulder. Der sogenannte painful arc (engl. für "schmerzhafte Bogen") erstreckt sich dabei in der Regel von 0 bis 180 Grad.
  • Ist das sogenannte Akromioklavikulargelenk (AC-Gelenk) zwischen Schlüsselbein und Schulterdach beeinträchtigt, treten die Schmerzen vor allem oberhalb der Schulter auf, also im Winkel von 120 bis 170 Grad.
  • Gehen die Beschwerden mit einer Einengung von Weichteilgewebe unter dem Schulterdach einher (sog. Impingement-Syndrom), befindet sich der schmerzhafte Bewegungsbereich zwischen 60 bis 120 Grad:

Häufig fühlt sich die Schulter auch steif an und lässt sich nicht mehr wie gewohnt in alle Richtungen bewegen, was alltägliche Handgriffe – wie Anziehen, Tasche packen, Tür aufziehen – erschwert. Man nennt dieses Phänomen auch frozen shoulder, also gefrorene Schulter.

Links bzw. rechts: Was einseitige Schulterschmerzen bedeuten

Wenn Schulterschmerzen nur links oder nur rechts auftreten, ist das nicht verwunderlich: Im Alltag und beim Sport beansprucht man eine Schulter meist stärker als die andere. Fast alle der genannten möglichen Schulterverletzungen und -erkrankungen führen daher zu einseitigen Beschwerden. Welche Schulter schmerzt, hängt davon ab, ob man Links- oder Rechtshänder ist.

Bei Verspannungen hingegen tun häufig beide Schultern weh – etwa, wenn man in einer stressigen Situation aus Anspannung die Schultern verkrampft, stundenlang am Computer getippt, oder mit beiden Armen schwere Einkaufstüten geschleppt hat.

Schulter schmerzt nachts im Liegen: Woran liegt es?

Wenn man sich im Schlaf auf die Seite dreht und das Gewicht auf der betroffenen Schulter lastet, können sich die Schmerzen so heftig und plötzlich verstärken, dass man davon aufwacht. Zurückführen lassen sich die starken Schmerzen meist darauf, dass die entzündeten oder beschädigten Weichteile dann unter dem Schulterdach eingeklemmt werden. Besonders häufig ist eine Schleimbeutelentzündung der Schulter für die Schmerzen verantwortlich.

Video: Was hilft gegen Verspannungen?

Schulterschmerzen: Ursachen

Die häufigsten Ursachen für Schulterprobleme sind

  • Verspannungen
  • eingeklemmtes Weichteilgewebe (unter dem Schulterdach im sogenannten Subakromialraum)
  • Risse und Entzündungen in den Sehnen der Rotatorenmanschette: Wenn eine Sehne oder mehrere Sehnen einreißen, kann es zu einer Entzündungsreaktion kommen. Gelingt es dem Körper nicht, die Schäden zu reparieren, können sich mit der Zeit kleine Kalkteilchen in der betroffenen Sehne ablagern ("Kalkschulter").
  • Rotatorenmanschettenruptur: Schädigung oder Riss der Rotatorenmanschette, der Muskeln, die das Schultergelenk umfassenImpingement-Syndrom
  • Schultergelenkentzündung mit Gelenkkapselentzündung (führt zur sogenannten frozen shoulder: Die Schulter schmerzt nicht nur, sondern wird auch steif.)
  • Verrenkung des Schultergelenks: Die Gelenkknochen werden aus ihrer ursprünglichen Position geschoben (z.B. bei einem Sportunfall).
  • Schleimbeutelentzündung

Wenn die Schulter schmerzt, liegt dies meist daran, dass

  • die Muskulatur verspannt ist oder sich Risse in einem Muskel oder mehreren Muskeln gebildet haben,
  • Sehnen beschädigt sind, und/oder
  • sich ein Schleimbeutel oder eine Gelenkkapsel entzündet hat.

Ursache der Verspannung, Schädigung oder Entzündung ist meist eine kurzfristige oder langfristige Überlastung – etwa durch allzu intensives Krafttraining oder das Heben schwerer Gegenstände (z.B. beim Einkaufen oder Umzug), einen Unfall oder längerfristige Fehlbelastungen im Alltag: Viele Menschen ziehen zum Beispiel unbewusst ihre Schultern hoch, wenn sie bei der Arbeit mit gekrümmtem Rücken am Schreibtisch sitzen.

Seltenere Ursachen von Schulterschmerzen sind etwa:

  • Gelenkverschleiß (Arthrose)
  • Brüche und Verletzungen der Schulterknochen wie etwa ein Schlüsselbeinbruch (Knochenbrüche führen meist zu plötzlichen, heftigen Schmerzen.)
  • altersbedingte knöcherne Veränderungen am Gelenk
  • Erkrankungen, die an anderen Körperstellen entstehen, aber zu Beschwerden in der Schulter führen, oder Schmerzen hervorrufen, die in die Schulter ausstrahlen (z.B. Rheuma, Herzinfarkt, Nervenerkrankungen, Knochenkrebs)

Schulterschmerzen: Behandlung

Mit Schulterschmerzen kann man sich an eine Orthopädin oder einen Orthopäden wenden.

Bei leichten Verspannungen, die sich eindeutig auf vorangegangene Belastungen zurückführen lassen, muss man normalerweise nicht zum Arzt. Wenn die Schmerzen aber binnen einiger Tage nicht von selbst abklingen oder immer wieder auftreten, ist ein Arztbesuch empfehlenswert: Wiederkehrende Schulterschmerzen können ein Anzeichen dafür sein, dass man die Schulter im Alltag oder Sport regelmäßig überlastet oder falsch beansprucht, etwa durch eine ungünstige Körperhaltung.

Die Orthopädin oder der Orthopäde kann die Ursache der Überlastung klären und entsprechende Gegenmaßnahmen verordnen – Physiotherapie zum Beispiel.

Ebenfalls zum Arzt sollte man bei Beschwerden, die auf schwerwiegendere Erkrankungen oder Schädigungen der Schulter hinweisen. Dazu zählen vor allem

  • plötzlich auftretende, starke Schulterschmerzen (z.B. nach einem Unfall),
  • Rötungen oder Schwellungen im Schulterbereich,
  • Missempfindungen im Arm oder in der Schulter (bis hin zu Lähmungserscheinungen) oder
  • ein Schwächegefühl im Arm.

Je nach Ursache kann die Ärztin oder der Arzt zum Beispiel Physiotherapie und/oder Tabletten oder eine Salbe gegen die Schmerzen verschreiben. Stärkere Beschwerden lassen sich mitunter nur durch eine Kortisonspritze wirksam lindern. Kortison ist aber nicht zur Dauertherapie geeignet, da es das Bindegewebe in der Schulter schwächen kann.

In bestimmten Fällen raten manche Ärztinnen und Ärzte zu einer Operation – etwa, um eingeklemmte Weichteile zu befreien. Allerdings legen Studien nahe, dass ein solcher Eingriff meist nicht die erwünschte Wirkung zeigt: Nach dem Eingriff ließen die Schmerzen der Testpersonen zwar innerhalb einiger Monate nach. Den Probanden aus der Vergleichsgruppe ging es aber etwa ebenso schnell besser, obwohl die Forscher bei ihnen nur eine Scheinoperation vorgenommen hatten. Scheinoperation bedeutet: Sie hatten nur eine Schulterspiegelung erhalten.

Schulterschmerzen: Hausmittel und Übungen

Was gegen die Schmerzen hilft, hängt von der Ursache ab. Bei einer Verspannung kann es helfen, die verhärteten Muskeln durch leichte Übungen zu lockern, bei denen man die Schulter bewegt, ohne sie zu stark zu beanspruchen.

  • Pendelübung: Stellen Sie sich neben einen Tisch oder Stuhl, der Ihnen während der Übung Halt gibt. Halten Sie sich daran mit der Hand der schmerzfreien Seite fest. Beugen Sie sich nun leicht nach vorn, und lassen Sie den Arm der schmerzenden Seite locker herunterhängen. Machen Sie jetzt kreisende Bewegungen mit dem hängenden Arm (ca. 10 Kreise in jede Richtung). Wenn sich die Beschwerden bessern, versuchen Sie, die Kreise allmählich zu vergrößern – achten Sie dabei aber darauf, dass Sie die Schulter nicht zu stark beanspruchen.
     
  • Dehnübung: Halten Sie ein etwa ein Meter langes Handtuch hinter dem Rücken mit beiden Händen fest. Jede Hand greift ein Ende. Ziehen Sie nun mit dem Arm der schmerzfreien Schulter den Arm der betroffenen Schulter nach oben, bis Sie eine leichte Dehnung in der verspannten Schulter verspüren. Achten Sie darauf, dass Sie die Schulter dabei locker lassen. Halten Sie die Dehnung für einige Sekunden und senken Sie die Arme dann wieder in die Ausgangsposition. Diese Übung können Sie über den Tag verteilt immer wieder durchführen. 10 bis 20 Wiederholungen sind ein guter Richtwert.

Auch Hausmittel wie Wärmflaschen und Körnerkissen sowie Massagen können dazu beitragen, die Verspannung zu lösen. Wenn diese immer wieder auftreten, ist es wichtig, die Ursache zu klären und zu beheben. Hat eine krumme Haltung zu den Schulterproblemen geführt, kann es zum Beispiel helfen, die Rumpfmuskulatur durch bestimmte Übungen zu kräftigen.

Bewegen ja, belasten nein

Lassen sich die Schmerzen nicht auf Verspannungen zurückführen, sind Übungen möglicherweise riskant. Gerade bei starken Beschwerden ist es dann besser, die Ursache ärztlich abklären zu lassen, bevor man Selbsthilfe-Maßnahmen ergreift. In jedem Fall ist die schmerzende Schulter zu entlasten und zu schonen. Schwere Gegenstände zu heben, ist nicht ratsam. Wenn die Schmerzen es zulassen, sollte man die Schulter trotzdem weiterhin bewegen, damit sie nicht steif wird.

Ob sich die Schulterschmerzen durch Übungen lindern lassen oder nicht, kann der behandelnde Arzt bzw. die behandelnde Ärztin am besten einschätzen. Wenn ja, kann er oder sie ein Rezept für eine Physiotherapie ausstellen. Die Physiotherapeutin bzw. der Physiotherapeut entscheiden dann, welche Übungen am besten geeignet sind.

Schulterschmerzen: Welcher Arzt?

Um die Ursache der Schmerzen zu ermitteln, muss die Ärztin oder der Arzt sich zunächst ein genaues Bild davon machen, etwa mithilfe von Fragen wie:

  • Wo genau tut es weh?
  • Seit wann bestehen die Schulterschmerzen?
  • Wann treten die Schmerzen auf? Ständig oder nur bei bestimmten Bewegungen?
  • Verstärken sie sich nachts, wenn Sie auf der Schulter liegen?
  • Um was für einen Schmerz handelt es sich? Ist er scharf, brennend oder dumpf?
  • Fühlt sich die Schulter steif an? Schränkt der Schmerz die Bewegung ein?
  • Welchen Beruf üben Sie aus?
  • Treiben Sie regelmäßig Sport? Wenn ja: Welche Sportart?

Im Anschluss untersucht die Ärztin oder der Arzt die Schulter, um weitere Anhaltspunkte für die mögliche Ursache der Schmerzen zu finden. Für die Untersuchung muss sich die Patientin oder der Patient obenherum entkleiden. So kann die Ärztin oder der Arzt äußerliche Anzeichen einer Verletzung oder Entzündung (z.B. Schwellung, Rötung) sehen und die Körperhaltung beurteilen.

Dabei achtet er etwa darauf, ob sich die Schultern in gleicher Höhe befinden oder nicht. Ein Schulterschiefstand kann auf falsche Haltungsgewohnheiten hindeuten, jedoch auch auf bestimmte Erkrankungen (z.B. Skoliose).

Um sich einen genaueren Eindruck vom Gelenks und den dazugehörigen Muskeln und Sehnen zu verschaffen, wird der Arzt oder die Ärztin die Schulter zunächst abtasten. So kann er weitere Entzündungszeichen wie Schwellungen und Wärme erkennen und zum Beispiel feststellen, ob sich die Gelenkknochen in der richtigen Position befinden. Zugleich erfährt die Ärztin oder der Arzt beim Abtasten, an welchen Stellen die Schulter besonders druckempfindlich ist. Auch das hilft ihm oder ihr dabei, den Ursprung der Beschwerden zu finden.

Funktions- und Beweglichkeitstests

Welche Bewegungen möglich sind und welche Schmerzen verursachen, kann dem Arzt oder der Ärztin einen wichtigen Hinweis auf die Ursache der Beschwerden liefern. Darum prüft er die Beweglichkeit und Funktion des Schultergelenks durch verschiedene Tests. Es gibt eine ganze Reihe von Funktionstests für die Schulter.

Einer davon ist der Painful-arc-Test: Die Patientin oder der Patient soll den Arm seitlich abspreizen und ausgestreckt hochheben. Der Winkel, in dem die Schmerzen auftreten oder sich verstärken, kann einen Hinweis auf die mögliche Ursache geben.

Bildgebende Verfahren

Für eine sichere Diagnose ist es in der Regel notwendig, die inneren Strukturen des Gelenks mithilfe bildgebender Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, MRT und/oder CT sichtbar zu machen. Welches Verfahren im Einzelfall geeignet ist, hängt davon ab, welche Ursache die Ärztin oder der Arzt vermutet. Knochenbrüche sind auf Röntgenbildern gut zu erkennen, Schäden an Muskeln und Sehnen nur auf Ultraschall- oder MRT-Aufnahmen.

Weitere Untersuchungen bei Schulterschmerzen

Je nachdem, welche Ursache die Ärztin oder der Arzt vermutet, können weitere Untersuchungen notwendig sein. Deuten die Symptome auf eine rheumatoide Arthritis hin, wird die Ärztin oder der Arzt auch eine Blutuntersuchung durchführen. Bei Verdacht auf Nervenschäden können außerdem neurologische Untersuchungen erfolgen.