Man sieht eine Hand.
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Schnellender Finger (Tendovaginitis stenosans, "Schnappfinger")

Der Begriff schnellender Finger bezeichnet eine Erkrankung der Fingersehnen, bei der die Beugesehnen des Fingers knötchenartig verdickt sind. Dadurch gleitet die Fingersehne nicht mehr ruhig in ihrer Sehnenscheide, sondern schnalzt beim Strecken nach vorn – daher der Name schnellender Finger oder umgangssprachlich "Schnappfinger". Ärzte bezeichnen den Schnappfinger als Tendovaginitis stenosans.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Schnellender Finger (Tendovaginitis stenosans, "Schnappfinger")

Beim Strecken des "Schnappfingers" bleibt die verdickte Sehne im verengten Kanal der Ringbänder hängen, wodurch ein ruckartiger Bewegungsablauf entsteht. Bei einigen Betroffenen ist außerdem ein entsprechendes Geräusch zu hören, wenn der Finger vorschnellt. Die Verdickungen lassen sich häufig ertasten. Am häufigsten verdickt sich beim Schnappfinger die Beugesehne auf der Innenseite der Hand, direkt oberhalb des Fingerknöchels.

Eine Variante des schnellenden Fingers ist die sogenannte Tendovaginitis stenosans de Quervain – umgangssprachlich auch SMS-Daumen oder Hausfrauendaumen genannt. Dabei handelt es sich um eine Sehnenscheidenentzündung im Daumen, die durch ungewohnt hohe Belastungen entsteht. Durch die Entzündung schwillt das Sehnengleitgewebe an, was wiederum die Gleitfähigkeit der Daumensehne behindert.

Doch ein schnellender Finger äußert sich nicht nur durch ein auffälliges Bewegungsmuster: Viele Betroffenen haben außerdem Schmerzen, wenn sie versuchen, den Finger zu strecken. Es gilt: Je länger ein schnellener Finger unbehandelt bleibt, desto unbeweglicher wird der Finger in der Regel. Im fortgeschrittenen Stadium lässt sich der Finger oft nur noch passiv (z.B. mithilfe der anderen Hand) und unter Schmerzen strecken.

Die genauen Ursachen für die knotigen Verdickungen bei einem Schnappfinger sind noch nicht geklärt. Möglicherweise spielt eine chronische Überlastung der Beugesehnen eine Rolle – zum Beispiel durch häufig wiederholende Greifbewegungen

  • bei Hausarbeiten,
  • beim Handwerken
  • oder beim Sport (etwa Rudern oder Klettern).

Ein schnellender Finger tritt überwiegend bei Frauen mittleren Alters auf, kann aber grundsätzlich in jedem Lebensalter vorkommen. Bei Kindern sind "Schnappfinger" allerdings selten (angeborene Verdickung der Daumenbeugesehne).

Ist die sogenannte Tendovaginitis stenosans nur leicht ausgeprägt, können nichtsteroidale Antiphlogistika (Diclofenac, Ibuprofen) oder eine Kortison-Spritze in die betroffene Stelle die Beschwerden lindern. Im späteren Stadium – wenn die Beugesehne schon stark verdickt ist – helfen diese konservativen Maßnahmen allerdings nicht mehr ausreichend. Dann empfiehlt sich eine Operation.

Bei der Schnappfinger-OP handelt es sich um einen kleinen Eingriff, der in der Regel ambulant erfolgt – das heißt, die Patienten können nach der Operation wieder nach Hause gehen. Dabei betäubt der Arzt zunächst die Stelle und durchtrennt anschließend das einengende Ringband (häufig das A1-Ringband). Die Sehne gleitet dann wieder ungehindert in ihrer Sehnenscheide.

Die gute Nachricht: Regelmäßige Fingergymnastik und das Vermeiden von einseitigen Bewegungen stärken die Fingermuskeln und -sehnen und beugen Fehlbelastungen und so eventuell auch einem schnellenden Finger vor.

Was ist das?

Ein schnellender Finger (Tendovaginitis stenosans; "Schnappfinger") entsteht durch eine Veränderung des Sehnenapparats direkt oberhalb des Fingerknöchels: Die Beugesehne am Fingergelenk ist verdickt und bleibt im verengten Kanal der Ringbänder hängen.

Normalerweise gleitet die Sehne reibungslos durch die Sehnenscheide wie durch einen Tunnel. Verschiedene Ursachen können allerdings dazu führen, dass die Sehne nicht mehr ungehindert durch die Sehnenscheide gleitet – entweder,

  • weil die Beugesehne selbst verdickt ist,
  • oder weil das Sehnengleitgewebe angeschwollen ist.

Die Sehne kann diese Verengung dann nur nur erschwert mit einer ruckartigen ("schnellenden") Bewegung überwinden. Im Verlauf der Tendovaginitis stenosans kann der Betroffene den oder die "Schnappfinger" meist immer weniger bewegen.

Grundsätzlich kann ein schnellender Finger in jedem Lebensalter auftreten. Gewöhnlich sind Erwachsene im mittleren Alter betroffen. Selten kommt ein schnellender Finger bei Kindern vor (angeborene Verdickung der Daumenbeugesehne). Bei Frauen tritt die Tendovaginitis stenosans häufiger auf als bei Männern.

Was sind eigentlich Sehnen?

Sehnen sind bindegewebige Fasern, welche die Muskeln mit den Knochen verbinden. An besonders stark belasteten Stellen verlaufen die Sehnen in sogenannten Sehnenscheiden. Diese schützen die Sehnen vor Verschleiß und Verletzungen. Stark belastete Stellen sind zum Beispiel Gelenke wie das Schultergelenk, das Handgelenk oder die Fingergelenke.

Ursachen

Ein schnellender Finger (Tendovaginitis stenosans; "Schnappfinger") entsteht durch Verdickung der Fingerbeugesehne selbst oder durch eine Entzündung der Sehnenscheide: Die Sehnenscheide, welche die Sehne umhüllt, ist dann knötchenartig angeschwollen.

Beide Veränderungen führen dazu, dass die Sehne nicht mehr frei gleiten kann, sondern beim Strecken des Fingers ruckartig vorschnellt.

Die Ursachen für einen Schnappfinger sind noch nicht eindeutig geklärt. Mechanische Überlastung – zum Beispiel durch ständig wiederholende Handgriffe im Haushalt oder beim Sport – spielen wahrscheinlich eine entscheidene Rolle. Auch Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder die sogenannte Amyloidose (Erkrankung, bei der sich spezielle Eiweiße im Gewebe ablagern) können eine Tendovaginitis stenosans verursachen, die im Volksmund auch "Schnappfinger" genannt wird.

Ein schnellender Finger kann außerdem verschiedene Erkrankungen als Ursachen haben – zum Beispiel im Rahmen einer rheumatoiden Arthritis oder eines Karpaltunnelsyndroms. In Einzelfällen kann ein Schnappfinger Nebenwirkung bestimmter Medikamente sein, zum Beispiel von Aromatase-Hemmern, die in der Therapie von Brustkrebs eine Rolle spielen.

Typische Symptome

Ein schnellender Finger (Tendovaginitis stenosans; "Schnappfinger") kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen. Typisch ist allerdings, dass sich ein "Schnappfinger" nur mit einer ruckartigen Bewegung strecken lässt – die plötzliche Streckung ist meist schmerzhaft.

Morgens lassen sich die Finger bei einer Tendovaginitis stenosans am schwierigsten strecken. Im Verlauf des Tages lassen diese Schwierigkeiten oft nach.

Schreitet die Tendovaginitis stenosans weiter fort, wird der "Schnappfinger" zunehmend unbeweglicher. Die Bewegungseinschränkung kann sogar so weit gehen, dass sich der Finger nur noch passiv strecken lässt – also zum Beispiel mithilfe der anderen Hand.

Ein schnellender Finger ruft als weitere Symptome hervor:

  • hörbares beziehungsweise tastbares Vorschnellen der Sehne
  • knotige Verdickungen der Sehnenscheide, meist direkt oberhalb der Fingerknöchel

Diagnose beim Arzt

Aufgrund der typischen Beschwerden, die ein schnellender Finger (Tendovaginitis stenosans; "Schnappfinger") hervorruft, stellt der Arzt die Diagnose meist schon im Rahmen der klinischen Untersuchung. Er lässt sich die Symptome genau beschreiben und fragt nach, wie lange sie bereits bestehen und wie oft sie auftreten.

Außerdem sieht sich der behandelnde Arzt die Finger des Patienten an und beobachtet insbesondere die Fingerbewegungen. Schließlich tastet er den oder die betroffenen Finger – und im Vergleich dazu auch oft die anderen Finger – gründlich ab.

Um andere Ursachen, zum Beispiel Knochenabsplitterungen oder Knochenauswüchse (Osteophyten), auszuschließen, fertigt er meist auch eine Röntgenaufnahme des betroffenen Fingers an.

Stellt der Arzt bei dem Patienten einen "Schnappfinger" fest, untersucht er ihn auch meist auf Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus ("Zuckerkrankheit") oder die sogenannte Amyloidose (Erkrankung, bei der sich spezielle Eiweiße im Gewebe ablagern). Der Grund: Diese Erkrankungen können einen schnellenden Finger hervorrufen. Zudem untersucht der Arzt den Betroffenen auf Anzeichen einer rheumatoiden Arthritis oder eines Karpaltunnelsyndroms.

Konservative Therapie & Operation

Ein schnellender Finger (Tendovaginitis stenosans; "Schnappfinger") wird in der Regel operativ behandelt. Eine Schnappfinger-OP ist kein großer Eingriff und in der Regel risikoarm. Dabei öffnet der Arzt die verengte Sehnenscheide. Ziel der Behandlung ist es, das Schnellen des Fingers zu unterbinden und die Bewegungsfreiheit wiederherzustellen.

Nur in leichten Fällen oder zu Beginn einer Tendovaginitis stenosans können manchmal auch nichtsteroidale Wirkstoffgruppe/AntiphlogistikaAntiphlogistika (Diclofenac, Ibuprofen) die Beschwerden lindern. Häufig hilft auch eine mehrminütige Fingergymnastik in Seifenwasser gegen "Schnappfinger". Auch eine Kortison-Spritze in die betroffene Stelle trägt zur Verminderung der Schmerzen bei einem Schnappfinger bei.

 

Jedoch können Medikamente und Gymnastik lediglich die Symptome der Tendovaginitis stenosans lindern, nicht aber deren Ursachen heilen.

Helfen diese konservativen Maßnahmen nicht, empfiehlt sich eine Operation. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie). Der Arzt betäubt dabei nur die Nerven, die Hand und Finger versorgen. Während der Operation der Tendovaginitis stenosans öffnet der Mediziner die Stelle, an der die Sehnenscheide am stärksten verengt ist (in der Regel das A1-Ringband) und weitet die Sehnenscheide auf diese Art auf.

Im Anschluss an die Operation muss der Betroffene aktiv Fingerübungen durchführen. Damit kann er verhindern, dass sich die Finger versteifen.

Verlauf & Vorbeugen

Komplikationen

Nur in seltenen Fällen führt ein schnellender Finger (Tendovaginitis stenosans, "Schnappfinger") beziehungsweise die Schappfinger-Operation zu Komplikationen wie

Bleibt ein schnellender Finger unbehandelt, entsteht häufig eine sogenannte sympathische Reflex-Dystrophie: das heißt, in dem von der Tendovaginitis stenosans betroffenen Finger sind die Nerven und die Gefäßversorgung gestört.

Prognose

Ein schnellender Finger ("Schnappfinger") lässt sich mit einer Operation in der Regel wirksam behandeln und hat somit eine gute Prognose. Zu Beginn der Tendovaginitis stenosans oder bei nur leichten Beschwerden durch die "Schnappfinger" hilft manchmal auch eine Behandlung mit Kortison.

Vorbeugen

Ein schnellender Finger ist etwas, dem Sie nur bedingt vorbeugen können. Meist führt eine Grunderkrankung (z.B. rheumatoide Arthritis) dazu, dass sich die Sehnenscheide am Finger oder die Beugesehne selbst verdickt, was die typischen ruckartigen Bewegungen und Schmerzen der Tendovaginitis stenosans hervorruft.

Aber auch wenn Sie Ihre Fingersehnen zu stark beanspruchen oder fehlbelasten, kann ein schnellender Finger die Folge sein. Vermeiden Sie also einseitige Bewegungen und stärken Sie Ihre Fingermuskeln und -sehnen mit regelmäßiger Fingergymnastik. Damit können Sie einem "Schnappfinger" (schnellender Finger) bedingt vorbeugen.