Das Bild zeigt eine ältere Person, die ihre Finger hält.
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Chondrokalzinose (Pseudogicht)

Die Chondrokalzinose (Pseudogicht) ist eine Gelenkerkrankung, bei der vor allem die Knorpel der Knie-, Hand- und Hüftgelenke verkalken. Auch Sehnen, Bänder und Bandscheiben können betroffen sein. In vielen Fällen macht sich dies aber nicht bemerkbar.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Die Bezeichnung Pseudogicht (griech. pseudo = falsch) für die Chondrokalzinose kommt daher, dass sie ähnliche Beschwerden wie die Gicht verursachen kann: Die bei der Pseudogicht auftretenden Symptome können einem Gichtanfall ähneln, sind jedoch weniger stark. Der Grund für diese Ähnlichkeit: Bei beiden Erkrankungen lagern sich vermehrt Kristalle in den Gelenken ab, was man als Kristallarthropathie bezeichnet.

Zwischen Gicht und Pseudogicht bestehen aber deutliche Unterschiede:

  1. Anders als bei der Gicht, bei der typischerweise das Grundgelenk einer Großzehe schmerzhaft entzündet ist (sog. Podagra), treten bei der Chondrokalzinose vor allem im Knie entzündungsbedingte Symptome auf.
  2. Bei Gicht lagern sich Harnsäurekristalle in den Gelenken ab, bei der Pseudogicht bestehen die Ablagerungen aus Kalziumpyrophosphat.

Als Ursachen für die Chondrokalzinose kommen erbliche Faktoren, Stoffwechselerkrankungen und bereits vorhandene Gelenkveränderungen infrage. Oft bleiben die Gründe für das Auftreten einer Pseudogicht jedoch unerkannt: Diese sogenannte idiopathische Chondrokalzinose tritt vor allem im höheren Alter auf.

Um die Chondrokalzinose zu diagnostizieren, eignen sich eine Röntgenuntersuchung und eine Gelenkpunktion: Bei Letzterer gewinnt der Arzt mithilfe einer Nadel Gelenkflüssigkeit aus der Gelenkhöhle, um darin unter dem Mikroskop nach den für Pseudogicht kennzeichnenden Kristalle zu suchen.

Wie bei anderen Gelenkerkrankungen kommen bei der Chondrokalzinose zur Therapie Medikamente (sog. nicht-steroidale Antirheumatika , z.B. Acetylsalicylsäure) zum Einsatz, um akute Attacken zu lindern. Gegen akute Beschwerden kann außerdem eine Kältebehandlung helfen, während im chronischen Stadium der Pseudogicht Wärme zur Therapie empfehlenswert ist. Unter Umständen kann bei chronischen Formen auch eine Operation notwendig sein.

Auch wenn die Chondrokalzinose bei älteren Menschen oft ohne erkennbare Ursache auftritt, gilt: Um einer Pseudogicht entgegenzuwirken, ist es ratsam, alle Erkrankungen frühzeitig behandeln zu lassen, die sich begünstigend auf ihre Entwicklung auswirken könnten.

Definition

Der Begriff Chondrokalzinose oder Pseudogicht bezeichnet per Definition eine Gelenkerkrankung, bei der sich Kristalle aus Kalziumpyrophosphat in den Gelenken ablagern. Diesen Vorgang bezeichnet man auch als Kristallarthropathie.

Bei der Chondrokalzinose sind vor allem Knie, Hände und Hüfte von den Ablagerungen betroffen. Neben den Gelenken kann die Verkalkung bei der Pseudogicht aber auch Sehnen, Bänder und Bandscheiben betreffen.

Die Bezeichnung Pseudogicht für die Chondrokalzinose setzt sich zusammen aus dem griechischen pseudo (= falsch) und Gicht (einer ebenfalls zu den Kristallarthropathien zählenden Erkrankung). Dies rührt daher, dass die Pseudogicht ähnliche Symptome auslösen kann wie die Gicht. Der Unterschied zur Gicht besteht vor allem darin, dass ...

  • bei der Pseudogicht vor allem im Knie entzündungsbedingte Beschwerden auftreten, während bei einem Gichtanfall typischerweise das Grundgelenk einer Großzehe schmerzhaft entzündet ist (sog. Podagra), und
  • die Kristalle, die sich bei beiden Gelenkerkrankungen vermehrt in den Gelenken ablagern, bei der Pseudogicht aus Kalziumpyrophosphat bestehen, bei der Gicht jedoch aus Harnsäure.

Mediziner unterscheiden bei der Chondrokalzinose zwei Formen:

  • Primäre Chondrokalzinose: Diese Form tritt meist chronisch ohne erkennbare Ursachen (d.h. idiopathisch) und vor allem in höherem Alter auf. Frauen sind etwas häufiger von der primären Pseudogicht betroffen als Männer.
  • Sekundäre Chondrokalzinose: Diese Form kann ein Symptom für verschiedene Störungen sein. Mögliche Gründe für die sekundäre Pseudogicht sind zum Beispiel:

Überwiegend verläuft die Chondrokalzinose ohne Beschwerden. Aus diesem Grund sind verlässlichen Angaben zur Häufigkeit der Pseudogicht nicht möglich.

Ursachen

Worin eine Chondrokalzinose (Pseudogicht) ihre Ursachen hat, ist häufig nicht klar: Bei der Gelenkerkrankung lagert sich kristallines Kalziumpyrophosphat in den Gelenkknorpeln, Sehnen, Bändern oder Bandscheiben ab, wobei jedoch nicht zwangsläufig der Kalziumstoffwechsel des Organismus gestört ist.

Ist der Grund für die Ablagerungen nicht zu erfassen, bezeichnen Mediziner die Chondrokalzinose als idiopathisch (d.h. ohne erkennbare Ursache). Die idiopathische Pseudogicht tritt vor allem im höheren Alter auf.

Es sind allerdings mehrere Faktoren bekannt, die eine Chondrokalzinose hervorrufen können: Zum einen kann die Pseudogicht erbliche Ursachen haben, zum anderen kann sie infolge von Stoffwechselerkrankungen und bereits bestehenden Gelenkveränderungen entstehen.

Bei der Chondrokalzinose unterscheidet man je nach Ursachen primäre und sekundäre Formen:

  • Die primäre Pseudogicht ist nicht die Folge einer anderen Störung, sondern die ursprüngliche Erkrankung.
  • Eine sekundäre Pseudogicht liegt hingegen vor, wenn die typischen Kristallablagerungen Anzeichen für eine andere zugrunde liegenden Störung sind.

In vielen Fällen macht sich eine Chondrokalzinose nicht bemerkbar. Wenn die Pseudogicht Beschwerden auslöst, sind die Ursachen hierfür die abgelagerten Kristalle, die den Knorpel im Lauf der Zeit zerstören beziehungsweise aus dem Knorpel freigesetzt werden und so zu einer Gelenkentzündung führen. Im Allgemeinen entstehen erst ab diesem Zeitpunkt Beschwerden.

Genetische Faktoren

Wenn die Chondrokalzinose ihre Ursachen nicht in einer zugrunde liegenden Störung hat (sog. primäre Pseudogicht), können erblich bedingte (bzw. genetische) Faktoren für die Kristallablagerungen verantwortlich sein: Die primäre Form der Gelenkerkrankung tritt in manchen Familien gehäuft auf, was auf ihre Vererbung hindeutet. Meist beginnt diese familiäre Chondrokalzinose bereits im jüngeren Erwachsenenalter und zeigt einen schwereren Verlauf.

Begünstigende Stoffwechselerkrankungen

Ist die Chondrokalzinose hingegen das Symptom einer Grunderkrankung (sog. sekundäre Pseudogicht), kommen als Ursachen verschiedene begünstigende Stoffwechselerkrankungen infrage. Dazu gehören zum Beispiel:

Vorbestehende Gelenkveränderungen

Für eine sekundäre Chondrokalzinose (Pseudogicht) kommen als Ursachen außerdem vorbestehende Gelenkveränderungen infrage. Dazu gehören ...

  • sowohl entzündliche Erkrankungen (wie z.B. die chronische Polyarthritis)
  • als auch Gelenkveränderungen, die durch Gelenkfehlstellungen, Unfälle oder Operationen entstehen.

Symptome

Eine Chondrokalzinose (Pseudogicht) kann lange Zeit ohne spürbare Symptome verlaufen. Die ersten Beschwerden treten häufig erst dann auf, wenn die Gelenkerkrankung fortgeschritten ist – wenn also die in den Gelenken abgelagerten Kristalle (ein als Kristallarthropathie bezeichneter Vorgang) den Knorpel zerstört haben beziehungsweise aus dem Knorpel freigesetzt werden.

Die von der Chondrokalzinose verursachten Symptome fallen sehr unterschiedlich aus, wobei man vier Typen unterscheiden kann:

  • Plötzlich auftretende Entzündung eines oder weniger Gelenke:
    Die hierfür typischen Symptome sind plötzliche Schmerzen und eine Schwellung in einem Gelenk, wobei besonders häufig die Gelenke von Knie und Hand betroffen sind. Diese sogenannten Pseudogichtanfälle äußern sich zwar so ähnlich wie ein akuter Gichtanfall: Daraus leitet sich auch die Bezeichnung Pseudogicht für die Chondrokalzinose ab (griech. pseudo = falsch). Die Gicht löst jedoch stärkere Beschwerden aus als die Pseudogicht.
    Nach einem Tag bis vier Wochen klingt ein akuter Pseudogichtanfall wieder ab. Die Symptome können sich nach einer längeren beschwerdefreien Zeit allerdings wiederholen.
  • Relativ plötzlich, wiederholt auftretende, entzündliche Erkrankung mehrerer Gelenke:
    Hierbei entwickeln sich die mit der Pseudogicht einhergehenden Symptome der Gelenkentzündung etwas langsamer, aber schubweise, wobei ein Schub mehrere Wochen bis Monate andauert.
  • Chronische Gelenkschmerzen:
    Die Chondrokalzinose führt zu bleibenden Schmerzen und zu einer Arthrose. Diese Zerstörung der Gelenke betrifft meist das Knie, aber auch andere Gelenke wie Schulter, Hüfte oder Handgelenk (einzeln oder gleichzeitig). Das Beschwerdebild tritt besonders häufig bei der erblich bedingten Form der Pseudogicht auf. Dann können sich auch hohes Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl entwickeln.
  • Kalziumpyrophosphat-Ablagerungen außerhalb der Gelenke:
    Bei einer Chondrokalzinose können sich auch an Sehnen (z.B. Achillessehne), Bändern und Bandscheiben Kristalle aus Kalziumpyrophosphat ablagern.

Diagnose

Bei der Chondrokalzinose (Pseudogicht) gelingt die Diagnose mithilfe einer Röntgenuntersuchung des betroffenen Gelenks und/oder durch den mikroskopischen Nachweis von Kristallablagerungen in den Gelenken (sog. Kristallarthropathie).

Die Kristallablagerungen bei der Chondrokalzinose betreffen vor allem die Knorpel der Knie-, Hand- und Hüftgelenke. Auf dem Röntgenbild sind sie typischerweise als feine streifige Verkalkungen des Gelenkknorpels zu sehen, die parallel zum Knochen verlaufen. Da die Pseudogicht oft keine Beschwerden verursacht, erfolgt ihre Diagnose meist zufällig durch einen solchen Röntgenbefund.

Um die Kristallablagerungen bei der Pseudogicht mikroskopisch nachzuweisen, ist eine Gelenkpunktion nötig: Hierbei gewinnt der Arzt mithilfe einer Nadel Gelenkflüssigkeit aus der Gelenkhöhle, um sie anschließend unter dem Mikroskop zu untersuchen. Sind dabei die für eine Chondrokalzinose typischen Kalziumpyrophosphatkristalle nachweisbar, ist die Diagnose zweifelsfrei bewiesen.

Ein Blutbild trägt bei einer Chondrokalzinose eher wenig zur Diagnose bei, da hier außer erhöhten Entzündungszeichen keine Veränderungen festzustellen sind – es sei denn, die Pseudogicht ist sekundär (also infolge einer Grunderkrankung) entstanden: Dann sind bei einer Blutuntersuchung möglicherweise entsprechende Abweichungen zu finden – zum Beispiel ...

Therapie

Bis eine Chondrokalzinose (Pseudogicht) eine Therapie durch Medikamente erforderlich macht, vergeht in der Regel eine längere Zeit. Wenn Sie irgendwann Symptome einer Gelenkentzündung entwickeln, helfen gegen diese akuten Beschwerden – wie bei anderen Gelenkerkrankungennicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), zum Beispiel Acetylsalicylsäure: Diese Mittel bringen die akute Attacke meist rasch zum Stillstand. Im akuten Stadium kann auch eine Kältebehandlung Ihre Beschwerden lindern.

Hingegen hilft im chronischen Stadium der Pseudogicht eine Wärmebehandlung gegen Ihre Beschwerden. Außerdem kann eine chronisch verlaufende Chondrokalzinose – wie die rheumatoide Arthritis – möglicherweise eine Operation notwendig machen: Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die abgelagerten Kristalle im Lauf der Zeit den Zwischenknorpel im Kniegelenk (Meniskus) zerstören. Die operative Therapie besteht dann darin, den zerstörten Meniskus zu entfernen.

Wenn den Kristallablagerungen nachweislich eine andere Störung zugrunde liegt (wenn Sie also eine sekundäre Chondrokalzinose haben), ist auch eine gezielte Therapie dieser Grunderkrankung ratsam: So kann die Pseudogicht zum Beispiel die Folge einer Stoffwechselerkrankung oder einer schon vorher bestandenen Gelenkveränderung sein.

Verlauf

Bei der Chondrokalzinose (Pseudogicht) ist der Verlauf häufig längere Zeit beschwerdefrei. Meist verursacht die Gelenkerkrankung erst im fortgeschrittenen Stadium spürbare Symptome einer Gelenkentzündung, die sehr schnell auf die medikamentöse Behandlung ansprechen.

Allerdings ist bei der Chondrokalzinose auch ein chronischer Verlauf möglich, bei dem es zur Zerstörung der betroffenen Gelenke durch Arthrose kommen kann. Die daraus entstehenden Komplikationen sind schmerzende und in ihrer Funktion eingeschränkte Gelenke.

Vorbeugen

Einer Chondrokalzinose (Pseudogicht) können Sie nur eingeschränkt vorbeugen, indem Sie konsequent alle Erkrankungen frühzeitig behandeln lassen, die sich begünstigend auf die Entstehung dieser Gelenkerkrankung auswirken. Dazu gehören beispielsweise: