Golimumab

Allgemeines

Golimumab ist ein entzündungshemmender Wirkstoff, der bei verschiedenen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zur Anwendung kommt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • körpereigene entzündungsvermittelnde Faktoren hemmen
  • Freisetzung von körpereigenen Entzündungsfaktoren verhindern
  • Entzündungen lindern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Golimumab im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Golimumab nicht verwendet werden?

Golimumab darf nicht angewendet werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • offener Tuberkulose (TB) oder anderen schweren Infektionskrankheiten wie Blutvergiftung und Infektionen im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen
  • mittelschwerer oder schwerer Herzmuskelschwäche (NYHA-Klasse III/IV).
Bei Verdacht auf eine ruhende Tuberkulose muss der behandelnde Arzt einen Spezialisten für Tuberkulose zu Rate ziehen.

Golimumab darf nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und mit ärztlicher Vorsicht verwendet werden bei
  • schlecht behandelbarer leichter Herzmuskelschwäche
  • Notwendigkeit eines chirurgischen Eingriffs während der Behandlung eines Patienten, weil die Therapie das Infektionsrisiko verstärkt
  • älteren Patienten, weil diese infektionsanfälliger sind
  • eingeschränkter Leberfunktion
  • Patienten mit einer vorbestehenden oder vor Kurzem neu aufgetretenen Nervenerkrankung mit dem Abbau der Markscheiden der Nerven (beispielsweise Multiple Sklerose)
  • Patienten, bei denen das Risiko einer Leberentzündung durch Hepatitis-B-Viren (HBV) besteht. Vor einer Therapie mit dem Wirkstoff sind sie auf Anhaltspunkte für eine frühere HBV-Infektion zu untersuchen.
  • bösartigen Krebserkrankungen in der Vorgeschichte sowie bei Patienten, bei denen eine solche Erkrankung auftritt, weil die Wirkung von Golimumab auf die Entwicklung von Krebserkrankungen nicht bekannt ist.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bisher gibt es keine zur Abschätzung des Risikos ausreichenden Erfahrungen mit der Behandlung von Schwangeren mit Golimumab. Aufgrund der typischen Wirkung könnte durch die Anwendung während der Schwangerschaft die Ausbildung der normalen körpereigenen Abwehr des Neugeborenen beeinflusst werden. Daher darf Golimumab in der Schwangerschaft nur dann angewendet werden, wenn es der Arzt für unumgänglich hält.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen eine Empfängnis zuverlässig verhüten und entsprechende Maßnahmen über mindestens sechs Monate nach der letzten Behandlung mit Golimumab fortführen.

Es ist nicht bekannt, ob Golimumab beim Menschen in die Muttermilch übergeht oder nach der Aufnahme derselben in den Körper des Kindes aufgenommen wird. Allerdings werden menschliche Immuneiweiße, denen Golimumab sehr ähnlich ist, in die Muttermilch ausgeschieden. Da der Wirkstoff außerdem bei Affen in die Muttermilch übergeht, dürfen Frauen nach der Behandlung mit Golimumab mindestens sechs Monate lang nicht stillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Golimumab ist ausschließlich zur Behandlung Erwachsener zugelassen.

Welche Nebenwirkungen kann Golimumab haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Golimumab. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Infektion der oberen Atemwege (Nasen-Rachenentzündung, Rachenentzündung, Halsentzündung, Schnupfen).

Häufige Nebenwirkungen:
Bakterielle Infektionen (wie beispielsweise Entzündung des Unterhautzellgewebes), Virus-Infektionen (wie beispielsweise Grippe und Herpes), Bronchitis, Nebenhöhlenentzündung, Pilzinfektionen (von Haut und Schleimhäuten), Blutarmut, Allergische Reaktionen (Bronchialkrampf, Überempfindlichkeit, Nesselsucht), Depressionen, Schlaflosigkeit, Schwindel, nervliche Missempfindungen, Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Verstopfung, Verdauungsstörungen, Magen-Darm-Schmerzen, Bauchschmerzen, Blut-Enzymwerte-Steigerung (ASAT und ALAT), Haarausfall, Hautentzündung, Juckreiz, Hautausschlag, Fieber, Schwäche, Reaktion an der Injektionsstelle (Rötung, Nesselsucht, Verhärtung, Schmerz, Bluterguss, Juckreiz, Reizung und nervliche Missempfindung), verzögerte Wundheilung, Beschwerden im Brustbereich.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Blutvergiftung (teilweise mit Schock), Tuberkulose, Infektion der unteren Atemwege (beispielsweise Lungenentzündung), Infektionen zusätzlich zu anderen Erkrankungen (wie beispielsweise innerliche Pilzinfektionen, Infektionen mit seltenen Erregern), Nierenbeckenentzündung, Abszess, bakterielle Gelenksentzündung, Schleimbeutelentzündung, Neubildungen (verschiedene Hautkrebs-Arten), Mangel an weißen Blutkörperchen, Blutplättchenmangel, Schilddrüsenüberfunktion, Schilddrüsenunterfunktion (mit Kropfbildung), Entgleisung von Blutzucker und Fettstoffwechsel, Erkrankungen an den Nerven (Abbau der Markscheiden), Gleichgewichtsstörung, Geschmacksstörung, Sehstörungen (Verzerrtsehen, Sehschärfeverminderung), Bindehautentzündung, allergische Reaktion am Auge (Juckreiz und Reizung), Herzmuskelschwäche (schlecht behandelbar, Neuauftreten oder Verschlechterung), Herzrhythmusstörungen, Angina pectoris, Blutgefäßverstopfungen, Durchblutungsstörungen (Raynaud-Syndrom), Erröten, Asthma und verwandte Beschwerden (Keuchen, Reizhusten), chronisch-entzündliche Erkrankungen von Magen und Darm (Magenschleimhautentzündung, Dickdarmentzündung), Sodbrennen, Mundschleimhautentzündung, Gallensteine, Lebererkrankungen, Schuppenflechte (Neuauftreten und Form mit Bläschen), Nesselsucht, Harnblasenerkrankungen, Brusterkrankungen, Menstruationsstörungen, Knochenbrüche.

Seltene Nebenwirkungen:
Leberentzündung (durch Hepatitis-B-Viren, auch wiederkehrend), Lymphdrüsengeschwulst, Mangel an allen Blutzellen, spezielle Form der Lungenerkrankung (interstitiell), Beschwerden ähnlich der Erkrankung Lupus erythematodes, Nierenerkrankungen.

Besonderheiten:
Bei anderen Wirkstoffen aus der gleichen Gruppe wie Golimumab (TNF-Blocker) trat als Nebenwirkung unbekannter Häufigkeit eine spezielle Form der Blutarmut (aplastische Anämie) auf. Sie wurde bei Golimumab allerdings bisher noch nicht festgestellt.

Golimumab beeinträchtigt möglicherweise die körpereigenen Abwehrmechanismen gegen Infektionen und Krebserkrankungen,
da der durch den Wirkstoff blockierte Tumor-Nekrose-Faktor Entzündungsreaktionen vermittelt und die Immunantworten der Zellen steuert.

Patienten, die während der Behandlung mit Golimumab Anzeichen und Beschwerden von Blutkrankheiten bemerken, (anhaltendes Fieber, Blutergüsse, Blutungen, Blässe) müssen sofort einen Arzt benachrichtigen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Golimumab?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Golimumab ist ein Eiweißstoff, der mit anderen Medikamenten kaum Wechselwirkungen eingeht.

Golimumab sollte nicht in Kombination mit anderen Immunologika wie Anakinra oder Abatacept angewendet werden. Es kann sonst zu schwerwiegenden Infektionen kommen, ohne dass ein zusätzlicher Nutzen bestünde.

Lebendimpfstoffe dürfen nicht gleichzeitig mit Golimumab angewendet werden, da der Wirkstoff die Immunantwort unterdrückt, die in diesem Falle erwünscht ist. Sogenannte passive Impfstoffe mit Antikörpern bleiben dagegen wirksam, weil sie für ihre Effekte keine Reaktion der körpereigenen Abwehr benötigen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Behandlung mit dem Medikament ist darauf zu achten, sich keinem Infektionsrisiko auszusetzen.
  • Treten während der Behandlung anhaltendes Fieber, Blutergüsse, Blutungen oder Blässe auf, sollte sofort ein Art befragt werden.
  • Die Behandlung mit dem Medikament gehört in die Hand von Ärzten, die in der Diagnose und der Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen erfahren sind.
  • Nach der Gabe des Medikaments kann es zu Schwindel kommen, der Autofahren und das Führen von Maschinen gefährlich macht.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Golimumab?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Golimumab enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Golimumab

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Golimumab. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Immunstärkende und -schwächende Mittel, Entzündungshemmer, Monoklonale Antikörper, zu welcher der Wirkstoff Golimumab gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Golimumab

Golimumab ist ein entzündungshemmender Wirkstoff, der bei verschiedenen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zur Anwendung kommt.

Zusammen mit Methotrexat dient Golimumab der Behandlung der mittelschweren bis schweren aktiven rheumatischen Gelenksentzündung (rheumatoide Arthritis) bei erwachsenen Patienten. So bildet diese Therapie eine Alternative, wenn eine antirheumatische Basistherapie (beispielsweise mit Gold-Präparaten) oder Methotrexat alleine nicht wirksam war.

Auch aktive und fortschreitende Gelenksentzündungen durch Schuppenflechte (Psoriasis-Arthritis) können mit Golimumab alleine oder in Kombination mit Methotrexat behandelt werden. Auch hier ist die Voraussetzung, dass die oben genannten Therapiemöglichkeiten schon ausgereizt sind.

Bei der fortschreitenden Wirbelsäulenverkrümmung (ankylosierende Spondylitis, Morbus Bechterew) dient Golimumab ebenfalls zur Behandlung erwachsener Patienten, bei denen eine herkömmliche Therapie unzureichend wirksam war.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Golimumab sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Golimumab

Das Entzündungsgeschehen im menschlichen Körper wird in hohem Maße durch die Aktivität des menschlichen Tumor-Nekrose-Faktors (humanes TNF-alpha) bestimmt. Indem sich dieser Faktor an spezielle Bindungsstellen auf den Zellen und den Innenwänden der Blutgefäße heftet, fördert er die Ausschüttung von körpereigenen entzündungsfördernden Substanzen.

Golimumab gehört zur Wirkstoffgruppe der Immunologika und ist ein sogenannter menschlicher monoklonaler Antikörper. Er bildet sowohl mit den löslichen als auch mit den in den Zellwänden angesiedelten Formen von humanem TNF-alpha gezielt stabile Verbindungen. Dadurch wird TNF-alpha daran gehindert, sich an seine sonstigen Bindungsstellen zu heften. Demzufolge unterbleibt die Ausschüttung der entzündungsfördernden Substanzen wie beispielsweise Interleukin. Die Entzündungsbeschwerden werden gelindert, das Krankheitsbild bessert sich.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.