Knotenrose (Erythema nodosum) tritt häufig an den Unterschenkeln auf.
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Erythema nodosum (Knotenrose)

Zum typischen Bild eines Erythema nodosum zählen rote, schmerzhafte Knoten und Schwellungen an beiden Unterschenkeln. Ob eine Streptokokken-Infektion, Sarkoidose, eine Schwangerschaft oder Morbus Crohn: Die Ursachen der Knotenrose sind zahlreich. Welche Diagnostik ist nötig? Und: Welche Therapie hilft?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Erythema nodosum: Ursachen, Diagnostik, Therapie

Bei einem Erythema nodosum (Knotenrose) ist Fettgewebe unter der Haut entzündet – meist an den Unterschenkeln, manchmal auch an anderen Stellen des Körpers. Mögliche erste Symptome sind Gelenkschmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber. Wenige Tage später zeigen sich die charakteristischen Knötchen.

Ein Erythema nodosum entsteht, wenn das Immunsystem übererempfindlich auf bestimmte Einflüsse reagiert. Gefährlich ist die Knotenrose nicht. Wichtig ist jedoch, dass der Arzt die dahinterstehende Ursache findet und behandelt.

Wie häufig ist das Erythema nodosum?

Ein Erythema nodosum bekommen vor allem junge Erwachsene zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr, darunter größtenteils Frauen. Aber auch bei Kindern und Jugendlichen kommt die Entzündung häufiger vor.

Das Erythema nodosum zählt zu den Pannikulitiden. Pannikulitis ist der Oberbegriff für Entzündungen des Fettgewebes in der Unterhaut. Unter den Pannikulitiden ist das Erythema nodosum die häufigste Form.

Erythema nodosum: Diese Symptome sind typisch

Häufige Symptome eines Erythema nodosum (Knotenrose) sind

Schon bevor das Erythema nodosum sichtbar wird, fühlen sich viele Patienten krank. Sie leiden unter Beschwerden wie Gelenkschmerzen, mäßigem Fieber oder Kopfschmerzen.

Einige Tage später bilden sich dann an beiden Unterschenkeln plötzlich schmerzhafte Knoten unter der Haut. Über mehrere Tage hinweg entstehen immer neue Knoten.

Die Knoten sind

  • zwischen 2 und 5 cm groß,
  • leicht erhaben und
  • sehr druckempfindlich.

Die darüberliegenden Hautbereiche fühlen sich straff gespannt an. Zu Beginn sind die Knoten hellrot. Ähnlich wie bei einem Bluterguss verändern sie innerhalb mehrerer Tage ihre Farbe, sodass sie dann bläulich oder gelbbräunlich gefärbt sind.

Die entzündlichen Knoten sind normalerweise an den Streckseiten der Unterschenkel zu sehen. Sie können aber auch an den Beugeseiten der Unterschenkel, an den Knie- und Fußgelenken sowie an den Armen in Erscheinung treten.

Weitere Symptome der Knotenrose

Meist sind die Gelenke an den entzündeten Bereichen geschwollen. Vor allem an den Knien und Knöcheln sind solche schmerzhaften Schwellungen zu beobachten.

Einige Patienten haben zudem Gelenkschmerzen in anderen Körperbereichen, zum Beispiel in

  • den Handgelenken,
  • den Fingern,
  • den Schultern,
  • den Ellbogen oder
  • dem Hüftgelenk.

Je nachdem, welche Erkrankung das Erythema nodosum ausgelöst hat, können weitere Symptome hinzutreten. Tritt die Knotenrose zum Beispiel im Rahmen einer akuten Sarkoidose auf, müssen die Betroffenen häufig husten.

Erythema nodosum: Streptokokken sind die häufigste Ursache

Mögliche Ursachen eines Erythema nodosum sind:

In bis zur Hälfte der Fälle wird die Ursache jedoch nicht gefunden.

Auslöser Infektionskrankheiten: Meist sind Streptokokken schuld

Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist eine Streptokokken-Infektion der häufigste Auslöser eines Erythema nodosum. Häufig entwickelt es sich nach einer durch Streptokokken ausgelösten Rachen- oder Mandelentzündung.

Auch andere Infektionskrankheiten führen, wenn auch vergleichsweise selten, zu einem Erythema nodosum. Einige Beispiele:

  • Tuberkulose, eine durch Mycobakterien ausgelöste, chronische Infektion, die insbesondere die Lungen angreift
  • Lymphogranuloma venereum, eine sexuell übertragbare Infektion mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis
  • Katzenkratzkrankheit, eine durch das Bakterium Bartonella henselae hervorgerufene Erkrankung, die durch Katzen auf den Menschen übertragen wird
  • Yersiniose, eine Infektion mit dem Bakterium Yersinia enterocolitica, die u.a. zu Durchfall und Bauchschmerzen führt
  • Ornithose, eine Infektion mit dem Bakterium Chlamydophila psittaci, die durch erregerhaltigem Staub/Kot auf den Menschen übertragen wird
  • Salmonellose, eine durch Salmonellen hervorgerufene Magen-Darm-Infektion

Auslöser Sarkoidose

Die Sarkoidose ist eine entzündliche Erkrankung, deren genaue Ursache unbekannt ist. Dabei bilden sich kleine Knötchen (Granulome) in verschiedenen Organen – vornehmlich in der Lunge und in den Lymphknoten.

Ärzte unterscheiden eine

  • akute, plötzlich auftretende von der
  • chronischen Sarkoidose, die länger anhält und sich eher schleichend entwickelt.

Bei einer akuten Sarkoidose haben die Betroffenen Fieber und schmerzhafte Gelenkbeschwerden. Sie fühlen sich schwer krank. Etwa 3 von 10 Patienten entwickeln ein Erythema nodosum. Je nachdem, welche Organe betroffen sind, können weitere Symptome hinzutreten. Hierzu zählt insbesondere Husten, wenn die Lungen befallen sind.

Vor allem bei jungen Frauen äußert sich die akute Sarkoidose oft in Form des sogenannten Löfgren-Syndroms. Von einem Löfgren-Syndrom sprechen Ärzte, wenn drei typische Symptome vorliegen. Dazu zählen

  • Erythema nodosum,
  • eine Entzündung des Sprunggelenks und
  • geschwollene Lymphknoten zwischen beiden Lungenflügeln (sog. bihiläre Lymphadenopathie).

Die chronische Verlaufsform der Sarkoidose entwickelt sich normalerweise schleichend. Mögliche Anzeichen sind Reizhusten, Abgeschlagenheit, Schmerzen im Sprunggelenk oder leichtes Fieber – und in manchen Fällen auch ein Erythema nodosum.

Erythema nodosum durch Schwangerschaft und andere hormonelle Umstellungen

Wahrscheinlich kann ein Überschuss an weiblichen Hormonen ein Erythema nodosum auslösen. Ein Hinweis darauf ist, dass Frauen deutlich häufiger daran erkranken als Männer.

Im ersten Schwangerschaftsdrittel bekommen Frauen öfter eine Knotenrose als andere Frauen. Auch die Anti-Baby-Pille erhöht in den ersten Wochen nach Einnahmebeginn das Risiko, ein Erythema nodosum zu entwickeln.

Sonstige Auslöser der Knotenrose

Zu weiteren möglichen Auslösern eines Erythema nodosum zählen:

Diagnostik beim Erythema nodosum: Auf Spurensuche

Der Arzt erkennt ein Erythema nodosum in der Regel bereits anhand der typischen Knoten, die im Bereich der Unterschenkel zu sehen sind. Auch bestimmte Entzündungsparameter im Blut geben Hinweise darauf, dass es sich um ein Erythema nodosum handeln könnte: Die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) ist meist deutlich erhöht. Die Zahl der weißen Blutkörperchen kann ebenfalls ansteigen (sog. Leukozytose). Wenn die Diagnose nicht eindeutig ist, entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe, die anschließend im Labor untersucht wird.

Differentialdiagnose der Knotenrose: Was könnte es noch sein?

Bestimmte Krankheitsbilder können mit Symptomen einhergehen, die einer Knotenrose ähneln. Dazu zählen zum Beispiel

Daher muss der Arzt sorgfältig prüfen, ob es sich tatsächlich um ein Erythema nodosum handelt (sog. Differentialdiagnose).

Erythema nodosum: Die Ursache finden

Ein Erythema nodosum kann viele verschiedene Ursachen haben. Daher ist eine umfassende Diagnostik besonders wichtig. Allerdings bleibt die Ursache in vielen Fällen unbekannt.

Um den Auslöser der Knotenrose zu finden, fragt der Arzt nach weiteren möglichen Beschwerden. Zum Beispiel erkundigt er sich, ob sein Patient kürzlich eine Rachenentzündung hatte – denn in vielen Fällen entwickelt sich ein Erythema nodosum nach einer Rachenentzündung durch Streptokokken. Husten kann hingegen ein Hinweis auf eine Sarkoidose sein. Anschließend untersucht der Arzt seinen Patienten gründlich. So wird er zum Beispiel Herz und Lunge abhören oder in den Rachen schauen.

Je nachdem, welche Ursache der Arzt vermutet, können weitere Untersuchungen nötig sein, etwa

  • Laboruntersuchungen, z. B. lassen sich bei einer Streptokokken-Infektion bestimmte Antikörper nachweisen
  • eine Röntgenaufnahme, z. B. bei Verdacht auf Sarkoidose
  • eine Darmspiegelung, z. B. bei Verdacht auf Morbus Crohn

Therapie: Ein Erythema nodosum ist meist gut behandelbar

Gut zu wissen: Auch ohne spezielle Therapie bildet sich ein Erythema nodosum fast immer innerhalb von vier bis acht Wochen vollständig zurück. Die Heilung kann aber auch deutlich länger dauern. Die entzündlichen Knötchen klingen langsam ab, ohne Narben zu hinterlassen.

Wichtig ist in jedem Fall, die auslösende Ursache der Knotenrose zu finden und gegebenenfalls zu behandeln.

Die Heilung lässt sich mit einigen Maßnahmen beschleunigen:

  • Schonung: Der Patient sollte sich ausruhen und gegebenenfalls Bettruhe einhalten. In manchen Fällen kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein.
  • nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure wirken entzündungshemmend und lindern die Schmerzen.
  • Wirkstoffgruppe Glukokortikoide, Kortikoide, Kortikosteroide, Kortison-Derivate, Steroide: Kortisonhaltige Präparate wird der Arzt nur dann einsetzen, wenn er die Ursache für das Erythema nodosum kennt und es sich dabei nicht um einen Infekt handelt. In leichten Fällen reichen Präparate zum Auftragen auf die Haut aus. Bei einem ausgeprägtem Erythema nodosum können Glukokortikoide zum Einnehmen helfen, z. B. mit dem Wirkstoff Prednisolon.
  • physikalische Maßnahmen: Dazu zählen z. B. kühle Wickel oder Kompressionsverbände.

In manchen Fällen treten die Beschwerden nach einiger Zeit erneut auf. Möglicherweise ist dann die Ursache für die Knotenrose noch nicht gefunden worden.