Ein Baby mit einem Hämangiom auf der Stirn
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Hämangiom (Blutschwämmchen)

Das Hämangiom (Blutschwämmchen) ist keine Seltenheit: In Europa haben bis zu zwölf Prozent aller Kinder ein solches Mal. Meist entwickelt es sich beim Baby in den ersten vier Lebenswochen und bildet sich noch im Kleinkindalter von selbst zurück.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Hämangiom (Blutschwämmchen)

Das Hämangiom des Säuglings und Kleinkindes – auch infantiles Hämangiom genannt – ist ein gutartiger Tumor, der durch die Wucherung und Neubildung von Blutgefäßen entsteht. Es entwickelt sich aus dem Endothel: Das ist die Zellschicht, die alle Blutgefäße bis hin zu den kleinsten Aufzweigungen (Kapillaren) auskleidet.

Grundsätzlich können solche Blutschwämmchen überall dort auftreten, wo Blutgefäße vorkommen: So ist zum Beispiel ein Hämangiom in Leber, Gehirn, Lunge, Niere oder anderen inneren Organen ebenso möglich wie in Haut und Knochen. Mehr als die Hälfte aller Hämangiome bildet sich im Kopf- und Halsbereich.

Hinweis: Wenn von einem Hämangiom oder Blutschwämmchen die Rede ist, sind fälschlicherweise oft auch andere Gefäßneubildungen oder sogar Gefäßfehlbildungen gemeint. Dieser Artikel handelt jedoch nur von infantilen Hämangiomen.

Die meisten Blutschwämmchen sind scharf begrenzt und gehen von einem zentralen Punkt aus. Solche lokalisierten Hämangiome können

  • sich in der Haut (kutan) bilden, wobei sie flach bleiben oder sich über das Hautniveau vorwölben können,
  • unter der Haut (subkutan) liegen oder auch
  • gleichzeitig in und unter der Haut auftreten.

Seltener dehnen sich Blutschwämmchen flächig aus, etwa im Bereich des Kopfes und der Arme oder im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Steißbeins. Solche segmentalen Hämangiome treten öfter zusammen mit Fehlbildungen der Gefäße oder inneren Organe auf.

Hämangiom: Ursachen

Worin ein infantiles Hämangiom seine Ursachen hat, ist unbekannt. Fest steht jedoch, dass Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht das Risiko für Blutschwämmchen erhöhen. Entsprechend kommen Hämangiome am häufigsten bei vorzeitig geborenen Babys mit einem Geburtsgewicht von weniger als einem Kilogramm vor. Zudem sind Mädchen öfter betroffen als Jungen.

Hämangiom: Symptome

Ein Hämangiom kann schon bei der Geburt vorhanden sein. Die meisten Blutschwämmchen bilden sich jedoch in den ersten Lebenswochen. Die Symptome entwickeln sich dabei wie folgt:

  • Als Erstes entsteht eine kleine Veränderung auf der Hautoberfläche.
  • Der betroffene Hautbereich wird blasser.
  • Dann werden die dicht unter der Hautoberfläche liegenden kleinen Blutgefäße (Kapillaren) sichtbar, weil sie sich zunehmend erweitern.
  • Schließlich entsteht infolge der Kapillarerweiterung ein roter bis blauroter Fleck.
  • Mit zunehmendem Wachstum erhebt sich das Hämangiom über die Hautoberfläche und bildet eine halbkugelige oder flach erhabene, prall gefüllte Masse.

Ein in den oberen Hautschichten liegendes Hämangiom ist eher rot, ein tiefer liegendes mehr bläulich. Wenn ein Blutschwamm tief unter der Haut liegt, kann die Haut darüber auch völlig normal aussehen.

Ein Hämangiom ist gummi- oder schwammähnlich beschaffen und sieht oft aus wie eine Erdbeere. Darum bezeichnet man es auch als Blutschwämmchen oder Erdbeerfleck.

Die Größe von Blutschwämmchen reicht von stecknadelkopfgroß bis zu mehr als 20 Zentimeter im Durchmesser. Meistens ist ein Hämangiom jedoch höchstens 0,5 bis 5 Zentimeter breit. Wenn der Druck in den Blutgefäßen steigt (z. B. weil das Kind schreit), kann der Blutschwamm deutlich anschwellen.

Wenn ein Hämangiom sich zurückbildet, können die Symptome wieder vollständig verschwinden:

  • Typischerweise schrumpft das Hämangiom von der Mitte aus.
  • Dabei wird das Blutschwämmchen weicher und vergrößert sich nicht mehr so stark, wenn das Kind schreit.
  • Die betroffene Hautstelle bekommt allmählich wieder eine normale Farbe.
  • In etwa jedem zweiten Fall sind am Ende keine Restsymptome mehr sichtbar.

Hämangiom: Diagnose

Um ein gut sichtbares Hämangiom eindeutig zu diagnostizieren, reichen meist schon die Krankheitsgeschichte (Anamnese) und die typischen Merkmale der Hautveränderung. Tiefer liegende Blutschwämmchen sind dagegen nicht so leicht zu erkennen und werden oft zufällig entdeckt.

Ob und welche Behandlungsmaßnahmen nötig sind, hängt davon ab, wie tief sich das Hämangiom ausdehnt. Um das herauszufinden, eignen sich bildgebende Verfahren wie die Ultraschalluntersuchung oder die Magnetresonanztomographie (MRT).

In seltenen Ausnahmefällen, in denen man das Hämangiom nicht mit 100-prozentiger Sicherheit von einem möglicherweise bösartigen Tumor unterscheiden kann, ist zudem eine Gewebeprobe sinnvoll.

Hämangiom: Therapie

Gerade bei einem kleinen Hämangiom stehen die Chancen gut, dass es auch ohne Therapie wieder völlig verschwindet.

Allerdings kann niemand vorhersagen, wie stark ein Hämangiom wächst und ob es wirklich keine Probleme bereiten wird. Darum ist es grundsätzlich sinnvoll, ein Blutschwämmchen frühzeitig zu behandeln.

Denn je kleiner ein Hämangiom ist, desto besser ist es behandelbar.

Ein Hämangiom zeitig zu behandeln ist vor allem dann ratsam, wenn

  • es zu stärkerem Wachstum neigt,
  • ungünstige Stellen betroffen sind (z. B. Gesicht, Genitalbereich),
  • bereits Komplikationen auftreten oder
  • mehrere Blutschwämmchen gleichzeitig auftreten.

Gegen Blutschwämmchen sind verschiedene Behandlungsmethoden verfügbar: Kälte- beziehungsweise Kryotherapie, Lasertherapie, Operation und Medikamente. Welche Methode am sinnvollsten ist, hängt von der Lage und Ausdehnung des Hämangioms ab.

Blutschwämmchen entfernen: Vereisen, lasern oder operieren

Ein oberflächliches Hämangiom lässt sich meist erfolgreich vereisen (Kryotherapie) oder mit dem Farbstofflaser behandeln. In manchen Fällen raten Ärztinnen und Ärzte auch dazu, das Blutschwämmchen operativ zu entfernen.

Medikamente gegen Blutschwämmchen

Gegen plötzlich und heftig auftretende Blutschwämmchen kann auch der Betablocker Propranolol (in Form von Tabletten oder Kapseln) zum Einsatz kommen. Die Behandlung erstreckt sich oft über die gesamte Rückbildungsphase.

Alternativ kann man ein Hämangiom möglicherweise auch mit örtlich angewendeten Betablockern behandeln.

Überholte Behandlungsmethoden

Früher setzte man vor allem auf Kortikosteroide, um ein Hämangiom medikamentös zu behandeln – heute kommen diese Mittel jedoch nur noch selten zum Einsatz. Auch die Bestrahlung von Blutschwämmchen ist nicht mehr gebräuchlich.

Hämangiom: Verlauf

Ein Hämangiom beim Baby und Kleinkind bildet sich meist von selbst wieder zurück. Die gesamte Entwicklung von Blutschwämmchen verläuft typischerweise in drei Phasen:

1. Wachstumsphase

  • Die meisten Blutschwämmchen bilden sich frühzeitig im Säuglingsalter und wuchern schnell – am schnellsten, wenn das Kind 1 bis 3 Monate alt ist.
  • Die Wachstumsphase dauert meist 6 bis 9 Monate, selten länger.
  • Ein stark wucherndes Hämangiom kann beunruhigend wirken, ist aber trotzdem gutartig.

2. Stillstandsphase

  • Meist irgendwann im 2. Lebenshalbjahr hört das Hämangiom auf zu wachsen.
  • Die Stillstandsphase kann unterschiedlich lang sein – manchmal dauert sie nur ein paar Monate, manchmal mehrere Jahre.
  • In dieser Zeit bleibt das Hämangiom unverändert.

3. Rückbildungsphase

  • Überwiegend noch vor dem 2. Lebensjahr beginnt das Hämangiom zu schrumpfen, bis es schließlich (meist vollständig) verschwunden ist.
  • Die Rückbildungsphase dauert 2 bis 10 Jahre – also viel länger als die Wachstumsphase.
  • Bei den meisten Blutschwämmchen ist die Rückbildung bis zum 9. Lebensjahr abgeschlossen.

Prognose

Wie schnell ein Hämangiom wieder verschwinden wird, lässt sich nicht vorhersagen. Aussehen und Größe von Blutschwämmchen verraten jedenfalls nichts darüber. Allgemein lautet die Prognose:

  • 50 % der Hämangiome verschwinden bis zum Alter von fünf Jahren.
  • 70 % der Hämangiome verschwinden bis zum Alter von sieben Jahren.
  • 90 % der Hämangiome verschwinden bis zum Alter von neun Jahren.

Ein kleines Hämangiom verschwindet meist vollständig. Bei Blutschwämmchen, die größer sind oder deren Rückbildung länger dauert, bleiben häufiger dauerhafte Hautveränderungen zurück, wie:

  • sichtbar erweiterte Hautgefäße (Teleangiektasien)
  • Narben
  • Hautfalten
  • helle oder dunkle Flecken

Diese Restsymptome sind umso ausgeprägter, je größer das Hämangiom vor Beginn der Stillstands- und Rückbildungsphase war. Insgesamt bleiben bei 50 bis 60 Prozent der Blutschwämmchen Hautveränderungen zurück.

Komplikationen

In den allermeisten Fällen verläuft ein Hämangiom beim Baby oder Kleinkind völlig harmlos. Vor allem bei kleinen und höchstens langsam wachsenden Blutschwämmchen an Rumpf, Armen und Beinen treten normalerweise keine Komplikationen auf.

Dagegen kann ein schnell wachsendes Hämangiom eher Probleme bereiten – vor allem, wenn es an einer Stelle wuchert, wo Hautflächen ständig aneinander reiben (z. B. in den Achseln). Auch bei Blutschwämmchen an inneren Organen besteht ein Risiko für Komplikationen.

Kosmetisch störende Veränderungen

Gerade im Gesicht kann ein Hämangiom das Aussehen stark verändern. Ohne korrigierende Operation können daraus seelische Belastungen entstehen. Beispiele:

  • Ein Hämangiom an Lippe kann deren Form dauerhaft verändern.
  • Im Extremfall können Hämangiome im Mundbereich zu Kiefer- und Zahnfehlstellungen führen.
  • Ein Blutschwämmchen an der Nase kann Nasenfehlbildungen zur Folge haben.
  • Stark durchblutete Hämangiome an den Ohren können ein übermäßiges Ohrwachstum und Knorpelverformungen verursachen.

Geschwüre

In manchen Fällen (5-10 %) bildet sich im Hämangiom ein schmerzhaftes Geschwür. Die Schmerzen können schon auftreten, bevor das Geschwür sichtbar ist. Betroffen sind vor allem Blutschwämmchen, die …

  • … gleichzeitig in und unter der Haut liegen.
  • … an der Lippe, am After oder an Stellen sitzen, wo Hautflächen aneinanderreiben.

Geschwüre können zu offenen Wunden führen. Dann kann es schnell zu Bakterien-Infektionen und zu Blutungen kommen. Starke Blutungen sind bei Blutschwämmchen allerdings selten und fast nie lebensbedrohlich.

Funktionelle Behinderungen

In seltenen Fällen drückt ein Hämangiom so auf andere Strukturen, dass deren Funktion beeinträchtigt ist. Das kann verschiedene Komplikationen verursachen. Beispiele:

  • Schluckstörungen und erschwerte Nahrungsaufnahme durch Hämangiome im Bereich des Mundes
  • Schwierigkeiten beim Atmen durch Hämangiome, die auf die oberen Atemwege drücken (z. B. gestörte Nasenatmung durch Blutschwämmchen an der Nase)
  • Herzinsuffizienz durch große Hämangiome der Haut oder Eingeweide (v.a. in der Leber), die das Herz verstärkt belasten (weil das Herz wegen der Blutmenge im Blutschwamm zusätzliche Pumparbeit leisten muss)
  • Gestörtes Wachstum eines Arms oder Beins durch großes Hämangiom an der betroffenen Extremität
  • Dauerhafte Sehschwäche infolge einer Sehbehinderung durch ein Hämangiom am Auge