Frau mit Wundrose am Bein wird ärztlich untersucht.
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Wundrose (Erysipel): Symptome und Behandlung

Bei einer Wundrose kommt es zu einer bakteriellen Infektion der Haut, die mit schmerzhaften Rötungen und einem allgemeinen Krankheitsgefühl verbunden sein kann. Oftmals macht sich die Wundrose innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen bemerkbar. Welche Symptome sind noch möglich und wie erfolgt die Behandlung?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

FAQ: Fragen und Antworten zum Thema Wundrose

Frühzeitig entdeckt und behandelt, heilt die Wundrose in der Regel ohne Folgen. Erfolgt hingegen keine Behandlung, kann die Hautinfektion auch gefährliche Komplikationen mit sich bringen. Dazu zählen zum Beispiel eine Blutvergiftung (Sepsis), Phlegmone (eitrige Entzündung des Bindegewebes) oder ein chronisches Lymphödem.

Nein, eine Wundrose ist nicht ansteckend. 

Eine Wundrose lässt sich durch einen glänzenden, flächigen und begrenzt roten Hautbereich erkennen. Mitunter zeigt sich eine Wundrose auch durch zungen- oder flammenförmige Ausläufer der Hautreaktion.

Was ist eine Wundrose?

Eine Wundrose – auch als Erysipel oder Rotlauf bezeichnet – ist eine akute, durch Bakterien ausgelöste Entzündung der Haut. Ursache ist in der Regel eine Infektion mit Streptokokken der Gruppe A, die über kleine Verletzungen in die oberen Hautschichten und das Lymphsystem gelangen. 

Häufig tritt eine Wundrose am Bein, besonders an den Unterschenkeln auf. Seltener sind Arme oder Gesicht betroffen. Auch ein allgemeines Krankheitsgefühl und Fieber zählen zu möglichen Symptomen einer Wundrose.

Jedes Jahr entwickeln rund 100 von 100.000 Menschen ein Erysipel – hauptsächlich Erwachsene zwischen 20 und 70 Jahren. Damit zählt die Wundrose zu den häufigsten Hautkrankheiten.

Wundrose: Welche Symptome sind möglich?

Typischerweise macht sich eine Wundrose plötzlich bemerkbar. Die Symptome der Hautentzündung bilden sich innerhalb weniger Stunden oder Tage flächenhaft aus. Es kommt zu Beschwerden der Haut, wie:

  • Rötung
  • Überwärmung
  • Schwellung mit Flüssigkeitsansammlung (Ödem)
  • Schmerzen

Die für das Erysipel typische glänzende Hautrötung ist meist scharf begrenzt. Oft sieht der Rand gezackt aus: Diese zungenförmigen Ausläufer entstehen, da sich die Hautinfektion entlang der Lymphgefäße ausbreitet. Manchmal schwellen zudem die in der Umgebung liegenden Lymphknoten an. 

In schweren Fällen können bei einer Wundrose zudem

  • Blasen entstehen,
  • kleine, stecknadelkopfgroße Blutungen in der Haut (Petechien) auftreten und/oder
  • Gewebeanteile absterben (Nekrose).

Grundsätzlich kann sich an jeder Stelle des Körpers eine Wundrose bilden. Am Bein tritt das Erysipel jedoch am häufigsten auf – vor allem am Fuß oder Unterschenkel. Oft kommt die Wundrose auch im Gesicht vor: Ein solches Gesichtserysipel betrifft meistens den Wangenbereich.

Wundrose: Begleitende Symptome

Zusätzlich besteht bei einem Erysipel oft von Anfang an ein schweres Krankheitsgefühl. Daneben entwickeln viele Menschen mit einer Wundrose folgende Symptome:

Wundrose: Ursachen und Risikofaktoren

Eine Wundrose kann entstehen, wenn es zu einer Infektion der Haut mit Bakterien kommt. Meistens sind A-Streptokokken für ein Erysipel verantwortlich. Diese weit verbreiteten Bakterien produzieren Giftstoffe, die in der Haut eine Entzündung auslösen. In seltenen Fällen können auch andere Bakterien eine Wundrose verursachen – wie Streptokokken der Gruppe G oder auch Staphylococcus aureus.

Als Eintrittspforte für Bakterien zählen vor allem kleine Hautverletzungen, wie zum Beispiel:

  • Schürfwunden
  • Nadelstiche
  • Bisse oder Kratzer von Tieren
  • operativer Eingriffe
  • Rhagaden (spaltförmige Einrisse trockener Haut)

Möglich ist auch, dass sich eine Wundrose nach einem Mückenstich bildet. Die ursächlichen Bakterien sind zwar von Mensch zu Mensch übertragbar – doch eine Wundrose gilt als nicht ansteckend. Selbst wenn es zur Hautinfektion kommt, führt diese nicht zwangsläufig zu einem Erysipel.

Risikofaktoren für ein Erysipel

Bei gesunden Menschen mit gut funktionierendem Immunsystem tritt ein Erysipel relativ selten auf. Ein erhöhtes Risiko für eine Wundrose haben vor allem Menschen, deren Abwehrkräfte geschwächt sind oder unter Durchblutungsstörungen leiden. Auch Ödeme gelten als begünstigende Faktoren, da Bakterien leichter die Haut durchdringen können.

Mögliche Risikofaktoren für Wundrose sind: 

Zudem können verschiedene Hauterkrankungen mit Hautverletzungen einhergehen, durch die Bakterien eindringen und so leichter ein Erysipel verursachen können, wie:

  • eine Pilzinfektion, wie Fußpilz zwischen den Zehen
  • eine Neurodermitis, wenn die juckende Haut aufgekratzt wird
  • rissige, trockene Haut
  • Geschwüre

Wundrose: Wie erfolgt die Behandlung?

Ein Erysipel erfordert eine schnelle Therapie mit Antibiotika. Zum Einsatz kommt meist der Wirkstoff Penicillin. Wer dagegen allergisch ist, erhält stattdessen Makrolid-Antibiotika, wie zum Beispiel Erythromycin. Diese Antibiotika wirken gegen A-Streptokokken, die am häufigsten hinter einem Erysipel stecken. Besteht der Verdacht auf eine Infektion mit anderen Erregern, erhalten Betroffene unter Umständen andere Antibiotika.

Oft ist bei einem Erysipel eine Therapie im Krankenhaus notwendig, da die Antibiotika anfangs als Infusion über eine Vene verabreicht werden. Schlägt die Behandlung an, kann nach wenigen Tagen auf Tabletten umgestiegen werden. Insgesamt dauert die Behandlung mit einem Antibiotikum etwa 14 Tage.

Schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente können die Beschwerden lindern. Zudem ist es ratsam, das Erysipel zu kühlen, was schmerzstillend und abschwellend wirkt. Eine zugrunde liegende Erkrankung, die das Erysipel begünstigt oder dessen Verlauf erschwert, sollte ebenfalls entsprechend behandelt werden.

Wundrose: Weitere Maßnahmen zur Behandlung

Weiterhin sollten Menschen mit Wundrose die betroffene Stelle möglichst wenig bewegen. Deshalb kann möglicherweise Bettruhe verordnet werden. Bei einer Wundrose im Gesicht kann es hilfreich sein, möglichst wenig zu sprechen und zu kauen. Kommt es am Arm oder Bein zu einem Erysipel, können Schienen und etwa das Hochlagern der Extremität einem Lymphstau vorbeugen.

Wichtig ist bei einem Erysipel auch, auf Hygiene zu achten, um

  • einerseits keine Keime zu verschleppen und
  • andererseits zu verhindern, dass sich der entzündete Bereich zusätzlich mit anderen Erregern infiziert.

Damit die Therapie auch langfristig erfolgreich ist und keine weitere Wundrose entsteht, ist es wichtig, die Infektionsstelle ausfindig zu machen und die Wunde bis zur vollständigen Heilung zu behandeln. Unter Umständen ist dazu auch ein kleiner chirurgischer Eingriff notwendig.

Wie lässt sich ein Erysipel diagnostizieren?

Eine Wundrose kann eine*ein Ärztin*Arzt meist leicht erkennen: Die typischen Hautveränderungen und Symptome genügen in der Regel schon aus, um die Diagnose zu stellen. Eine zusätzliche Blutuntersuchung sichert die Diagnose. Typischerweise sind

Bei Anzeichen für ein Erysipel ohne Anstieg der weißen Blutkörperchen ist es nötig, eine Borreliose auszuschließen. Auch andere mögliche Gründe für die Beschwerden, wie eine Hautentzündung infolge einer Kontaktallergie oder einer chronischen Venenschwäche, sind bei Verdacht auf eine Wundrose in Betracht zu ziehen.

Zudem ist es bei einem Erysipel wichtig, herauszufinden, ob Begleit- beziehungsweise Grunderkrankungen, wie Diabetes mellitus, Lymphödem, Durchblutungsstörungen oder Gefäßerkrankungen der Beine, die Entstehung der Wundrose begünstigt haben.

Erysipel: Verlauf und Dauer

Frühzeitig und richtig behandelt heilt ein Erysipel in der Regel nach einigen Tagen folgenlos. Dennoch ist es wichtig, eine derartige bakterielle Infektion der Haut immer ernst zu nehmen.
Denn bei fehlender oder falscher Behandlung kann die Erkrankung im weiteren Verlauf zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Darum gilt die Wundrose als einer der wenigen Notfälle unter den Hautkrankheiten.

So kann sich ein Erysipel unter Umständen in tieferliegendem Gewebe ausbreiten. Das kann schwere, teils lebensbedrohliche Folgen haben, wie:

  • tiefe Venenthrombose oder Hirnvenenthrombose
  • eitrige Bindegewebsentzündungen (Phlegmone)
  • Blutvergiftung (Sepsis)
  • akute Nierenentzündung (Glomerulonephritis)

Wenn die Infektionsstelle nicht heilt oder die Grunderkrankung unbehandelt bleibt, kann die Wundrose zudem immer wiederkehren. Im weiteren Verlauf können die wiederholten Entzündungen dazu führen, dass sich die Lymphgefäße verschließen und somit ein chronisches Lymphödem (Elephantiasis) entsteht. Ein solches Lymphödem erhöht wiederum das Risiko für ein Erysipel.

Lässt sich einer Wundrose vorbeugen?

Ein Erysipel kann entstehen, wenn Keime durch kleine Hautverletzungen in die Haut eindringen können. Eine solche Eintrittspforte kann zum Beispiel ein kleiner Hauteinriss sein. Vorbeugen lässt sich der Hautinfektion mit folgenden Maßnahmen:

  • Behandlung der Grunderkrankung: Manche Krankheiten, wie etwa Fußpilz, Neurodermitis, Durchblutungsstörungen, Diabetes oder Lymphödeme, können ein Erysipel begünstigen. Deshalb sollten diese entsprechend behandelt werden, um der Erkrankung vorzubeugen.

  • Hautpflege: Wer seine Haut regelmäßig eincremt und pflegt, beugt kleinen Verletzungen sowie Hautrissen und somit auch einer Wundrose vor.

  • Versorgung von Wunden: Bei Verletzungen der Haut ist es wichtig, diese sauber zu halten und darauf zu achten, dass sie vollständig abheilen.

  • medizinische Fußpflege: Menschen mit Diabetes sollten regelmäßig eine medizinische Fußpflege durchführen lassen, um neben einem diabetischen Fuß auch einer Wundrose vorzubeugen. 

Da ein Erysipel vor allem bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr auftritt, sind die vorbeugenden Maßnahmen für diese besonders wichtig.