Man sieht einen Krankenhausflur.
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Nosokomiale Infektion (Krankenhausinfektion)

Eigentlich war man wegen etwas ganz anderem im Krankenhaus und plötzlich erkrankt man zusätzlich an einer Lungenentzündung, einem Harnwegsinfekt oder einer anderen Infektion. Eine solche im Krankenhaus erworbene Infektion nennen Mediziner "nosokomiale Infektion" (sog. Krankenhausinfektion).

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Um als nosokomiale Infektion eingestuft zu werden, muss die Erkrankung dabei nicht zwingend im Krankenhaus zum Ausbruch kommen – sie muss jedoch ihren Ursprung im Krankenhaus haben. Fachleute sprechen auch von Hospitalismus. Der Begriff umfasst alle im Krankenhaus zugezogenen Schäden, etwa eine Infektion oder auch Thrombose.

Das heißt, auch wenn der Betroffene bereits aus dem Krankenhaus entlassen wurde und sich bei ihm einige Tage oder Wochen später eine Infektion bemerkbar macht, kann es sich um eine sogenannte Krankenhausinfektion handeln. Denn je nach verursachendem Erreger kann die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen, Stunden bis Wochen betragen.

Eine nosokomiale Infektion zählt zu den Komplikationen einer im Krankenhaus behandelten Erkrankung. Komplikationen dieser Art treten relativ häufig auf: Hochrechnungen zufolge erkranken in Deutschland etwa 500.000 Betroffene pro Jahr an einer nosokomialen Infektion.

Besonders häufig treten folgende nosokomiale Infektionen auf:

Solche im Krankenhaus erworbenen Infektionen kommen in der Regel nicht gleichmäßig verteilt in allen Abteilungen vor, sondern meist gehäuft (endemisch) in einzelnen medizinischen Einrichtungen, insbesondere in Intensivstationen.

Wie hoch das Risiko für eine nosokomiale Infektion ist, hängt unter anderem auch davon ab, weshalb man behandelt wurde beziehungsweise von den mit der Therapie in Zusammenhang stehenden Behandlungsverfahren. Das Risiko für eine im Krankenhaus erworbene Wundinfektion nach einer Operation kann dabei abhängig vom Operationsverfahren variieren. Bei einer Lungenentzündung, Blutvergiftung oder Harnwegsinfektion sind zum Beispiel häufig Katheter oder Beatmungsschlauch Ursache für eine Krankenhausinfektion.

Aber auch Faktoren, die mit dem Patienten zusammenhängen, können das Risiko für eine nosokomiale Infektion beeinflussen, wie etwa:

Eine nosokomiale Infektion kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen für den Patienten haben – in manchen Fällen kann sie mit dem Tod des Betroffenen enden. Allerdings ist es nicht immer leicht, nachzuweisen, dass eine Infektion während des Krankenhausaufenthaltes entstanden ist.

Entstehung

Eine nosokomiale Infektion (Krankenhausinfektion) kann auf unterschiedliche Weise entstehen:

  • durch die körpereigene Flora, also Bakterien oder Pilze, die den Menschen natürlicherweise besiedeln (sog. primär oder sekundär endogene Infektion)
  • durch Erreger, die von anderen Personen (z.B. medizinischem Personal) auf den Patienten übertragen werden (sog. exogen bedingte Infektion).

Keime der körpereigenen Flora

Der menschliche Körper ist natürlicherweise von verschiedenen Bakterien- und Pilzarten besiedelt (sog. Flora), die gewöhnlich keine Probleme bereiten – solange diese Keime am richtigen "Ort" sind und das Immunsystem des Patienten nicht geschwächt ist.

Wer sich im Krankenhaus behandeln lassen muss, dessen Immunsystem ist jedoch je nach Grund des Aufenthalts unter Umständen geschwächt. Durch Behandlungsverfahren (sog. sekundär endogene Infektion) oder durch körpereigene Vorgänge (sog. primär endogene Infektion) kann es geschehen, dass Keime der eigenen Flora an Stellen gelangen beziehungsweise "verschleppt" werden, an denen sie normalerweise nicht sein sollten. Das ist insbesondere problematisch, wenn die Immunabwehr ohnehin bereits stark gefordert ist.

Primär endogene Infektion

Bei einer primär endogenen Infektion entsteht die nosokomiale Infektion durch Keime der eigenen Haut- oder Schleimhautflora. So kommt es zum Beispiel nach einer Operation bei manchen Patienten ohne äußere Einflüsse zu einer Lungenentzündung (Pneumonie). Ursache sind hierbei Erreger, die normalerweise die oberen Atemwege oder den Magen besiedeln und zum Beispiel durch Verschlucken von Speichel oder Mageninhalt in die Lunge geraten.

Sekundär endogene Infektion

Um eine sekundär endogene Infektion handelt es sich, wenn durch Therapiemaßnahmen (z.B. Katheter, Beatmungsschlauch) Erreger in den Körper eingeschleppt werden. Dabei handelt es sich ebenfalls um Keime, die Teil der eigenen Flora des Patienten sind.

So kann es zum Beispiel zu einer nosokomialen Harnwegsinfektion kommen, wenn durch einen Blasenkatheter Keime der Hautflora mit in die Blase beziehungsweise die Harnröhre transportiert werden. Harnwegsinfektionen machen rund ein Drittel der Krankenhausinfektionen aus.

Keimübertragung durch äußere Einflüsse (exogen bedingte Infektion)

Eine andere Ursache für nosokomiale Infektionen sind Erreger, die von anderen Personen oder durch Instrumente auf den Patienten übertragen werden (sog. exogen bedingte Infektion). Dabei kann es sich zum einen um Erreger handeln, die durch das Krankenhauspersonal versehentlich von einem Patienten auf den anderen übertragen werden.

Aber auch wenn Ärzte oder Krankenpfleger unbemerkt von Keimen besiedelt sind und diese versehentlich an den Patienten weitergeben, kann das zu einer Krankenhausinfektion führen. Beispiele für nosokomiale Infektionen durch exogen bedingte Einflüsse sind Infektionen mit dem Norovirus oder den mehrfach antibiotikaresistenten MRSA-Bakterien.

Erreger können auf verschiedene Weise auf den Patienten übertragen werden:

  • durch direkten oder (häufiger) indirekten Kontakt: also z.B.
    • durch direktes Anfassen
    • oder indirekt, wenn
      • der Behandler erst eine infizierte oder mit Erregern besiedelte Person oder eine mit Keimen verunreinigte Fläche anfasst und danach den Patienten
      • der Behandler medizinische Utensilien oder Instrumente ohne (ausreichende) vorherige Desinfektion bei mehreren Patienten benutzt
  • durch Tröpfcheninfektion (z.B. durch Husten, Niesen, Sprechen); die durch Tröpfcheninfektion übertragenen Erreger sind hierbei relativ groß (größer als 5 Mikrometer) und sind an kleine Flüssigkeitströpfchen gebunden, die kurze Wege (bis zu einen Meter weit) fliegen können und dann absinken.
  • über die Luft (aerogen); sehr kleine Erreger (5 Mikrometer oder kleiner) können auch ohne Tröpfchen (bzw. nur mithilfe von sog. Tröpfchenkernen, quasi als Aerosol) beim Husten, Niesen oder Sprechen in der Raumluft gelangen und dort längere Zeit schweben.

Erreger

Die häufigste Ursache für eine nosokomiale Infektion (Krankenhausinfektion) sind Keime, die natürlicher Teil der Haut- oder Schleimhautflora oder des Magen-Darm-Trakts sind, wie zum Beispiel:

Oft sind diese Erreger gegen mehrere Antibiotika resistent (z.B. MRSA-Bakterien), was die Behandlung der möglicherweise ohnehin geschwächten Patienten erschwert.

Staphylococcus aureus ist einer der häufigsten Erreger von nosokomialen Infektionen – pro Jahr erkranken etwa 55.000 Betroffene durch ihn. Gut ein Viertel (ca. 14.000) dieser Infektionen entsteht dabei durch MRSA.

Vorbeugen

Um das Risiko für nosokomiale Infektionen zu senken, sollten Krankenhäuser und ähnliche Pflegeeinrichtungen verschiedenen Faktoren besondere Aufmerksamkeit schenken, wie zum Beispiel, dass:

  • Keime nicht von einem Patienten auf den nächsten übertragen werden.
  • körpereigene Keime des Patienten nicht in andere Körperregionen (z.B. die Harnblase) verschleppt werden, in denen sie Erkrankungen auslösen können.
  • das Immunsystem des Patienten nicht unnötig geschwächt wird.

Das lässt sich in der Regel bereits mit einfachen Mitteln erreichen, indem man etwa verstärkt darauf achtet, dass:

  • das medizinische Personal sich immer wieder die Hände gründlich wäscht und desinfiziert. Diese simple Maßnahme spielt die wichtigste Rolle beim Schutz vor nosokomialen Infektionen.
  • Krankhausräumlichkeiten gründlich gereinigt und desinfiziert werden.
  • medizinische Utensilien (z.B. Katheter, Schläuche) und Instrumente (z.B. Skalpell, Klemmen) gründlich gereinigt und sterilisiert werden.

Außerdem ist zu empfehlen, dass

  • das Krankenhauspersonal alle notwendigen Schutzimpfungen erhalten hat.
  • man Patienten mit ansteckenden Erkrankungen von anderen isoliert unterbringt.
  • Antibiotika nur dann verschrieben werden, wenn sie auch wirklich notwendig sind, um die Entstehung resistenter Erreger zu vermeiden.
  • Systeme zur Wasser- und Luftversorgung des Krankenhauses den Schutz vor Infektionsausbreitungen unterstützen und regelmäßig gewartet werden.