Eine junge Frau liegt unter einer Decke auf einem Sofa und putzt sich die Nase.
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Superinfektion nach Erkältung oder Grippe: Was ist das und was hilft?

Die Nase läuft, der Hals kratzt, der Kopf schmerzt: Erkältungs- und Grippebeschwerden sind zwar unangenehm, klingen aber meist nach ein paar Tagen von selbst wieder ab. Es sei denn, aus dem Virusinfekt entwickelt sich eine sogenannte Superinfektion. Was ist das? Und wann sind Antibiotika nötig?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Superinfektion nach Erkältung oder Grippe: Was ist das und was hilft?

Wer mit einer Erkältung oder Grippe zum Arzt geht und mit einem Antibiotika-Rezept die Praxis verlässt, hat entweder einen inkompetenten Arzt oder eine sogenannte Superinfektion. Denn Erkältungen und Grippe-Infektionen werden durch Viren verursacht, gegen die Antibiotika nichts ausrichten können. Hinter einer Superinfektion hingegen stecken oft Bakterien, die sich durch Antibiotika durchaus bekämpfen lassen. Notwendig ist das allerdings nicht in jedem Fall.

Was ist eine Superinfektion?

Von einer Superinfektion spricht man, wenn zusätzlich zu den Viren, die den Infekt ausgelöst haben, weitere Krankheitserreger den Körper befallen, zum Beispiel Viren eines anderen Stammes oder Bakterien: Morphologie und Klassifikation. Andere Bezeichnungen für eine Superinfektion sind Koinfektion, Zweitinfektion, Sekundärinfektion oder Folgeinfektion.

Wie kommt es zu einer Superinfektion?

Das Risiko für eine Superinfektion besteht insbesondere dann, wenn es dem Immunsystem (noch) nicht gelungen ist, den ersten Infekt einzudämmen und der Körper durch die Erkrankung geschwächt ist. Zu einer bakteriellen Superinfektion kommt es häufig bei viralen Atemwegsinfekten wie einer Erkältung oder einer Grippe.

Die Atemwege sind mit Schleimhäuten ausgekleidet, die eine natürliche Schutzbarriere gegen Eindringlinge bilden. Sind die Schleimhäute jedoch angegriffen – etwa durch eine Erkältung oder Grippe –, können auch andere Erreger wie Bakterien leichter dort eindringen und sich ausbreiten, sodass sich die Entzündung verschlimmert.

Aus einer Erkältung oder Grippe kann sich auf diese Weise eine bakterielle Bronchitis, eine bakterielle Nebenhöhlenentzündung oder im schlimmsten Fall eine bakterielle Lungenentzündung entwickeln. Häufig führen Bakterien der Gattungen Haemophilus influenzae, Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae), Staphylococcus aureus oder Chlamydia pneumoniae zu Superinfektionen.

Woran erkennt man eine bakterielle Superinfektion?

Eine gewöhnliche Grippe dauert normalerweise fünf bis sieben Tage, Erkältungen klingen meist ebenfalls nach etwa einer Woche ab. Wenn nicht, sondern die Beschwerden schlimmer werden, kann dies ein Zeichen für eine bakterielle Superinfektion sein.

Weitere mögliche Warnsignale sind

Wichtig: Um eine bakterielle Superinfektion sicher feststellen zu können, muss der Arzt einen sogenannten PCT-Test durchführen. Das ist ein Bluttest, mit dem der Arzt die Konzentration des Entzündungsstoffes Procalcitonin (PCT) ermitteln kann. Bei viralen Infekten steigt der PCT-Wert auf das 10- bis 100-Fache an, im Falle einer bakteriellen Infektion hingegen auf das 1.000- bis 100.000-Fache.

Welche Behandlung ist bei einer bakteriellen Superinfektion nötig?

Prinzipiell lassen sich Bakterien mit Antibiotika bekämpfen. Allerdings ergibt das nicht immer Sinn. Handelt es sich bei der Superinfektion zum Beispiel um eine bakterielle Nasennebenhöhlenentzündung, benötigt der Erkrankte normalerweise keine Antibiotika: Die Entzündung klingt Therapie meist innerhalb von zwei Wochen ab – egal, ob der Betroffene Antibiotika einnimmt oder abwartet.

Entwickelt sich aus der Erkältung oder Grippe eine schwere bakterielle Infektion wie etwa eine Lungenentzündung, sind Antibiotika notwendig.

Hinweis: Leider kommt es immer wieder vor, dass Ärzte auch bei viralen Infekten Antibiotika verordnen – nicht selten, weil der Patient sie darum bittet. Antibiotika sollte der Arzt jedoch wirklich nur dann verschreiben, wenn er sich sicher ist, dass Bakterien an der Infektion beteiligt sind. Denn jeder Antibiotika-Einsatz fördert die Ausbreitung resistenter Bakterien. Resistente Erreger sind gefährlich, weil sie sich nicht mit verfügbaren Antibiotika beseitigen lassen.