Foto einer Frau mit Gesichtsrose.
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Gesichtsrose: Gürtelrose im Gesicht

Bei Gesichtsrose handelt es sich um eine Form der Gürtelrose, die sich im Gesicht zeigt – eng verwandt ist die Erkrankung mit Windpocken. Doch wie sieht der Hautausschlag genau aus? Lesen Sie hier alles Wichtige rund um Symptome, Dauer und mögliche Komplikationen der Gesichtsrose.

Was ist eine Gesichtsrose?

Für gewöhnlich tritt Gürtelrose (Fachbegriff: Herpes zoster) am Bauch, Rumpf oder im Bereich von Hals und Schultern auf. Zeigt sie sich im Gesicht, sprechen Fachleute von der sogenannten Gesichtsrose. Wie auch die typische Erkrankungsform gibt sie sich durch einen markanten Hautausschlag mit Bläschen sowie starken Schmerzen zu erkennen. Die Gefahr von Komplikationen ist bei der Gesichtsrose vergleichsweise etwas größer: Hör-, Seh- und Gesichtsnerven sind direkt betroffen – eine falsche oder unzureichende Behandlung kann dauerhafte Einschränkungen der Sinneseindrücke zur Folge haben. Kratzen Betroffene die Bläschen auf, bleiben möglicherweise sichtbare Narben zurück.

Ursache für alle Formen der Gürtelrose ist das Varizella-Zoster-Virus, auf das auch die Windpocken zurückgehen: Erkranken kann nur, wer bereits eine Infektion mit der hochansteckenden Kinderkrankheit hinter sich hat. Anders als bei Windpocken beschränken sich die Beschwerden bei Gürtelrose allerdings auf einen bestimmten Hautbereich.

Übrigens: Gelegentlich wird der Begriff Gesichtsrose im Zusammenhang mit einem Erysipel verwendet, einer Entzündung der Gesichtshaut, die mit starker Rötung einhergeht. Besser bekannt ist das Erysipel als Wundrose.

Typische Symptome – wie sieht eine Gesichtsrose aus?

Bevor die Gesichtsrose durch deutliche Hautveränderungen von außen sichtbar wird, kündigt sie sich durch Berührungsempfindlichkeit und ein Brennen oder Kribbeln an. Diese Warnzeichen betreffen – wie auch die späteren Hautbeschwerden – ausschließlich ein klar umgrenztes Areal im Gesicht.

Nach wenigen Tagen kommen weitere Symptome hinzu, zum Beispiel:

  • Ein allgemeines Krankheitsgefühl
  • Erhöhte Temperatur bis hin zu Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Hautausschlag
  • Starke, oft stechende oder bohrende Schmerzen im Bereich des Ausschlags
  • Rötungen
  • Juckreiz
  • Mit klarer Flüssigkeit gefüllte Bläschen, die nach einigen Tagen in gelbliche Krusten übergehen

Symptome bei Gesichtsrose am Auge

Bei Zoster ophthalmicus ist der Augapfelnerv (Nervus ophthalmicus) befallen. Die Gesichtsrose betrifft hier also nicht nur die Gesichtshaut (meist Nase oder Stirn), sondern auch ein Auge.

Neben den charakteristischen Beschwerden der Gesichtsrose können daher Symptome entstehen wie:

  • Lichtempfindlichkeit
  • Schwellung am betroffenen Auge
  • Gerötete Augen
  • Vermehrte Bildung von Tränen
  • Entzündung von Sehnerv, Regenbogenhaut, Gefäßhaut, Bindehaut und/oder Hornhaut
  • Erhöhter Augeninnendruck
  • Lähmung des Auges
  • Gesichtslähmung (in der Regel vorübergehend)

Die Therapie der Gesichtsrose sollte hier unbedingt auch eine augenärztliche Behandlung einschließen. Regelmäßige Kontrollen und antivirale Medikamente können bleibende Schäden am Auge und schlimmstenfalls eine Erblindung abwenden.

Symptome bei Gesichtsrose am Ohr

Die Form der Gesichtsrose mit Beteiligung des Ohrs heißt Zoster oticus. Die ursächlichen Viren verbreiten sich hier entlang des Nervus facialis und/oder des Nervus vestibulocochlearis. Diese beiden Nerven durchziehen neben weiten Teilen des Kopfes auch Zunge, Gaumen, Ohr und das Gleichgewichtsorgan. 

Mögliche Beschwerden sind zum Beispiel:

  • Gürtelrose-typische Hautveränderungen auf der Ohrmuschel oder im Gehörgang
  • Hörprobleme, eventuell auch Hörverlust im betroffenen Ohr
  • Ohrenschmerzen
  • Geschmacksstörungen
  • Schwindel
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Gesichtslähmung (meist vorübergehend)

Auch bei Zoster oticus ist eine frühzeitige Therapie mit engmaschigen Kontrollen angebracht. So lassen sich Folgeerkrankungen zügig erkennen und passend behandeln.

Ursache und mögliche Auslöser der Gesichtsrose

Grund für die Entstehung einer Gürtelrose, egal ob als Gesichtsrose oder andere Form, ist eine Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus. Die Ansteckung findet hier allerdings nicht unmittelbar vor dem Ausbruch der Symptome statt – sie liegt in der Regel bereits mehrere Jahre zurück. Woran liegt das?

Das Varizella-Zoster-Virus zählt zu den Herpesviren. Dieser Virustyp verlässt den Körper nicht, sondern verbleibt dort meist ein Leben lang. Er wandert entlang der Nervenbahnen tiefer in den Körper und verfällt im Bereich von Nervenknoten in eine Art "Winterschlaf”. In bestimmten Situationen erwacht das Virus, wandert in Richtung Körperoberfläche und verursacht erneut Beschwerden.

Der erste Kontakt mit dem Varizella-Zoster-Virus führt zu einer Erkrankung an Windpocken. Ist die Infektion überstanden, bemerken Betroffene gar nicht, dass das Virus noch da ist. Es regt sich erst wieder, wenn das Immunsystem dauerhaft oder vorübergehend geschwächt wird, zum Beispiel durch:

Die folgende Reaktivierung bewirkt, dass einige Viren entlang einer Nervenbahn wieder zur Haut zurückkehren und dort Gürtelrose auslösen. Warum nur eine Nervenbahn und damit auch nur ein kleines bis mittelgroßes Hautareal betroffen sind, bleibt bislang noch unklar. Die Gesichtsrose kommt vergleichsweise selten vor; häufiger zeigt sich Herpes zoster gürtelförmig auf einer Rumpfseite.

Ist Gesichtsrose ansteckend?

Die Gesichtsrose an sich ist nicht ansteckend, wohl aber die Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus. Der Erreger befindet sich in der Flüssigkeit, mit der die Bläschen im Fall von Windpocken oder einer Gürtelrose gefüllt sind. Wer damit in Berührung kommt, steckt sich an. Wichtig dabei: Der erste Kontakt mit dem Varizella-Zoster-Virus löst Windpocken aus.

Typisch ist eine Ansteckung mit Varizella Zoster im frühen Kindesalter. Kinder leiden stark unter dem Juckreiz und kratzen die auftretenden Bläschen daher häufig auf. In der Folge verbreiten sich die Windpocken meist wellenartig in Betreuungseinrichtungen. Nach einer überstandenen Infektion verbleibt das Virus unbemerkt und über viele Jahre oder Jahrzehnte hinweg in der Nähe von Nervenknoten.

Mit zunehmendem Alter lässt die Leistungsfähigkeit der Abwehrkräfte natürlicherweise nach. Das bedeutet: Wir werden anfälliger für Stress und verschiedenste Erkrankungen. Einzeln oder in Kombination miteinander wecken diese Faktoren die Viren und stoßen eine Gesichtsrose an.

Menschen, die an Gürtelrose beziehungsweise Gesichtsrose leiden, können andere mit dem Varizella-Zoster-Virus anstecken. Besondere Vorsicht ist daher im Umgang mit kleinen Kindern, Schwangeren und Immungeschwächten geboten, die bislang noch nie Windpocken hatten. Wenn möglich, sollte es in dieser Zeit keinen Körperkontakt geben.

Gesichtsrose: Diagnose und Behandlung

Wer den Verdacht hat, an Gesichtsrose zu leiden, sollte zügig ärztlichen Rat einholen. Mediziner*innen erkennen die Gesichtsrose in den meisten Fällen sofort an den typischen Beschwerden und speziell dem eindeutigen Hautausschlag. Gleiches gilt für die Unterformen Zoster ophthalmicus und Zoster oticus. Nur selten ist für die Diagnose ein Abstrich der Bläschenflüssigkeit oder eine Blutuntersuchung nötig.

Die anschließende Behandlung fokussiert sich in erster Linie auf eine Linderung der Symptome. Zum Einsatz kommen dabei:

  • Arzneimittel, die sowohl die starken Schmerzen als auch möglicherweise auftretendes Fieber reduzieren (meist in Tablettenform)
  • Wirkstoffe, die den Juckreiz eindämmen (zum Beispiel als Puder oder Gel)
  • Medikamente, die eine zusätzliche Entzündung der Bläschen abwenden sollen (in der Regel ebenfalls zum Auftragen auf die Haut)

Darüber hinaus wägt der*die behandelnde Mediziner*in ab, ob zusätzlich eine Therapie mit einem antiviralen Arzneimittel erfolgen muss. Bei einem leichten Verlauf bekommt das Immunsystem die Infektion selbst wieder unter Kontrolle. Ist allerdings ein Auge oder Ohr betroffen, sind die Symptome sehr stark ausgeprägt oder liegt eine Immunschwäche vor, führt an einer antiviralen Therapie kein Weg vorbei. Entsprechende Wirkstoffe können Schmerzen lindern und zu einem schnelleren Abklingen der Gesichtsrose beitragen. Zusätzlich sind regelmäßige augen- oder HNO-ärztliche Kontrollen unabdingbar.

Verlauf und mögliche Komplikationen

Für gewöhnlich heilt eine Gesichtsrose – ebenso wie die Gürtelrose an anderen Körperstellen – nach zwei bis vier Wochen ohne längerfristige Folgen wieder ab. Essenziell ist dafür eine frühzeitige Behandlung mit regelmäßigen ärztlichen Kontrollen.

Selten zieht die Gesichtsrose länger anhaltende Beschwerden oder bleibende Komplikationen nach sich. Möglich sind dann unter Umständen:

  • Narben: Kratzen Betroffene die Bläschen auf und entzünden sie sich, können sichtbare Narben entstehen.

  • Pigmentstörungen: Mitunter sehen die Hautstellen, an denen die Bläschen entstanden sind, heller oder dunkler aus als der Rest der Haut.

  • Sensitivität: Ebenso berichten Erkrankte manchmal davon, dass die Haut nach einer Gesichtsrose empfindlicher ist als zuvor.

  • Post-Zoster-Neuralgie: Eine sogenannte Post-Zoster-Neuralgie entwickelt sich schätzungsweise bei bis zu 15 Prozent der Betroffenen. Dabei spüren Patient*innen noch Monate nach dem Abklingen der Gesichtsrose bohrende Schmerzen, vermutlich aufgrund einer Nervenschädigung. Das Risiko für eine solche Neuralgie steigt mit zunehmendem Alter.

Im Fall einer Beteiligung von Augen oder Ohren an der Gesichtsrose ist eine passende Behandlung besonders wichtig. Werden Entzündungen dort nicht oder nur unzureichend behandelt, können im schlimmsten Fall dauerhafte Einschränkungen des Seh-, Hör- oder Gleichgewichtssinns die Folge sein.

Spezielle Vorsicht gilt zudem bei möglichen Anzeichen für einen Schlaganfall: Eine überstandene Erkrankung an einer akuten Gürtelrose (egal ob im Gesicht oder an anderen Körperstellen) erhöht für etwa sechs Monate das Risiko für einen Schlaganfall. Das gilt insbesondere bei einer Entzündung von Blutgefäßen infolge der Erkrankung.

Kann man einer Gesichtsrose vorbeugen?

Bis zu einem gewissen Grad lässt sich einer Gesichtsrose tatsächlich vorbeugen. Möglich ist das über zwei Impfungen: die Windpocken-Impfung im Kindesalter und die Gürtelrose-Impfung für Menschen ab 60 Jahren (ab 50 bei Vorerkrankungen).

Beide Impfungen richten sich gegen das Varizella-Zoster-Virus. Die Impfung im frühen Kindesalter (zum ersten Mal etwa mit einem Jahr) reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass es überhaupt zu einer Ansteckung kommt. In seltenen Fällen kann allerdings auch das Impfvirus später zu einer Gürtelrose führen.

Daher spielt zusätzlich die Gürtelrose-Impfung im Alter eine Rolle: Der hier in der Regel verabreichte Totimpfstoff erhöht den Schutz vor einer akuten Gesichtsrose und den unter Umständen damit verbundenen Komplikationen.