Ein Kind legt seine Hände auf einen Wassercontainer.
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Amöbenruhr

Die Amöbenruhr ist eine Durchfallerkrankung. Sie kommt vor allem in den Tropen und Subtropen unter schlechten hygienischen Verhältnissen vor – Auslöser sind Parasiten, die sich in erster Linie durch verunreinigtes Trinkwasser verbreiten.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Der Erreger der Amöbenruhr, Entamoeba histolytica, gehört zu den sogenannten Protozoen (Urtierchen). Von dieser Amöbenart gibt es zwei verschiedene Varianten:

  • die Minutaform und
  • die Magnaform.

Die Minutaform ist in der Regel harmlos und bildet dauerhafte Zysten aus, weshalb sie auch Dauerform genannt wird. Die Zysten bleiben oft jahrelang im Dickdarm, ohne dass es Krankheitszeichen gibt, und werden teilweise mit dem Stuhl ausgeschieden. Somit ist der Infizierte trotz fehlender Symptome Überträger der Erreger. Durch noch nicht gänzlich bekannte Auslöser kann sich die Minutaform in die krankheitsauslösende Magnaform umwandeln.

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Amöbenruhr, ist sehr unterschiedlich und beträgt wenige Tage bis mehrere Monate, in Einzelfällen sogar mehrere Jahre. Ist die Amöbenruhr einmal ausgebrochen, zeigt sie sich meist mit Symptomen wie:

Manchmal kann es zu Komplikationen kommen, wie einem:

Der Arzt stellt eine Amöbenruhr fest, indem er die Amöben im Stuhl nachweist. Für die Behandlung stehen bestimmte Medikamente zur Verfügung. Der Arzt gibt diese zu Anfang meist als Spritze oder Infusion in die Vene; im weiteren Verlauf kann der Erkrankte Tabletten einnehmen.

Eine frühzeitig diagnostizierte Amöbenruhr hat in der Regel eine gute Prognose, wenn sie rechtzeitig behandelt wird. Erfolgt die Diagnose zu spät, kann die Erkrankung auch schwer verlaufen oder sogar lebensbedrohlich Ausmaße annehmen.

Da die Amöbenruhr häufig keine Beschwerden bereitet, werden Infizierte nicht immer erkannt. Daher ist Hygiene der beste Schutz vor einer Infektion, besonders in Risikogebieten.

Definition

Die Amöbenruhr (auch Amöbiasis genannt) ist eine Durchfallerkrankung, die vorwiegend in tropischen und subtropischen Regionen mit schlechten hygienischen Verhältnissen vorkommt. Auslöser ist die Amöbenart Entamoeba histolytica. Sie kommt weltweit vor und rein statistisch gesehen ist jeder Zehnte mit diesen Parasiten infiziert. Jährlich kommt es schätzungsweise zu etwa 100.000 Todesfällen durch Amöbenruhr.

Mediziner unterscheiden verschiedene Formen der Erkrankung:

  • symptomloser intestinaler Befall (Darmlumen-Infektion): Die Erkrankung betrifft nicht das Darmgewebe, sondern nur den Darminnenraum (Darmlumen), führt aber nicht zu Beschwerden.
  • (invasiv) intestinale Amöbenruhr: Die Erkrankung betrifft das Darmgewebe und verursacht Beschwerden.
  • extraintestinale Amöbenruhr: Die Erkrankung betrifft Organe außerhalb des Darms, es kommt z.B. zu Leberabszessen oder Hirnabszessen.

Häufigkeit

In Deutschland spielt die Amöbenruhr im Grunde keine Rolle beziehungsweise kommt nur gelegentlich bei Reisenden nach der Rückkehr aus Risikogebieten vor: Im Jahr 2013 wurden 80 Fälle verzeichnet.

Ursachen

Erreger

Ursache der Amöbenruhr sind bestimmte Parasiten – die Amöbenart Entamoeba histolytica. Diese kommt vor allem in den Tropen und Subtropen vor. Die Erkrankung verbreitet sich dort in erster Linie durch verunreinigtes Trinkwasser beziehungsweise durch schlechte hygienische Verhältnisse.

Entamoeba histolytica gehört zu den sogenannten Protozoen (Urtierchen) beziehungsweise zur Untergruppe der Rhizopoden (Wurzelfüßer). Protozoen sind einzellige Lebewesen, deren Erbinformation (DNA) in einem von einer Membran umschlossenen Zellkern liegt. Sie verändern rasch ihre äußere Form und können sich durch sogenannte Pseudopodien ("Scheinfüßchen") – vorübergehende Ausstülpungen der Zellwand – fortbewegen. Die Amöben leben im Dickdarm und vermehren sich, indem sie sich teilen.

Entamoeba histolytica kommt in zwei Varianten vor:

  • "Dauer"- oder Minutaform und
  • Magnaform.

Die Minutaform bildet dauerhafte Zysten aus, die jahrelang ohne Krankheitszeichen im Dickdarm bleiben und teilweise mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Dadurch kann der der Infizierte trotz fehlender Symptome Überträger der Erreger sein. Aus noch unbekannten Gründen entstehen im Verlauf der Infektion dann sogenannte virulente (krankheitsauslösende) Stämme mit veränderter DNA – die Minutaform geht dann in die Magnaform über und die Amöbenruhr bricht aus.

 

 

 

Übertragungsweg

Die Infektion erfolgt meist über die Aufnahme von fäkal-verunreinigtem Wasser oder Speisen. Der Erreger der Amöbenruhr ist zwar weltweit verbreitet, zu Erkrankungen kommt es jedoch vor allem in tropischen und subtropischen Regionen mit schlechten hygienischen Zuständen.

Inkubationszeit

Wie viel Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Amöbenruhr verstreicht, ist sehr unterschiedlich: Die Inkubationszeit reicht von wenigen Tagen über mehrere Monate bis hin zu mehreren Jahren.

Symptome

Bei einer Amöbenruhr unterscheiden sich die Symptome abhängig davon, welche Form der Erkrankung vorliegt.

Intestinale Amöbenruhr

Darmlumen-Infektion

Handelt es sich um eine sogenannte Darmlumen-Infektion, bleibt die Erkrankung ohne Symptome. Das heißt, der Betroffene bemerkt in der Regel nichts von der Infektion, scheidet jedoch den Erreger mit dem Stuhl aus und kann dadurch andere Menschen infizieren. Diese symptomlose Variante der intestinalen Amöbenruhr tritt bei gut 80 bis 90 Prozent aller Infektionen mit Entamoeba histolytica auf.

Invasiv intestinale Amöbenruhr

Bei einer invasiven intestinalen Amöbenruhr haben die Amöben das Darmgewebe befallen. Dadurch kommt es zu Beschwerden wie:

Bei einigen Betroffenen (ca. 30 bis 40 Prozent) tritt außerdem Fieber auf.

Extraintestinale Amöbenruhr

Von einer extraintestinalen Amöbenruhr spricht man, wenn die Erreger nicht nur das Darmgewebe befallen, sondern auch andere Organe. Meist betrifft das die Leber, eher selten andere Organe wie Gehirn oder Milz.

Bei einem Befall der Leber kann sich ein faustgroßer, meist einzelner Abszess bilden (sog. Amöbenleberabszess), also eine mit Eiter gefüllte Entzündungshöhle im Gewebe. Ein Amöbenleberabszess macht sich häufig durch folgende Symptome bemerkbar:

Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall oder Übelkeit treten dagegen nur selten auf.

Diagnose

Um festzustellen, ob es sich um eine Amöbenruhr handelt, benötigt der Arzt eine Stuhl- und Blutprobe.

Aus der Stuhlprobe kann ein Labor das Erbgut des Erregers sowie Antigene gegen Entamoeba histolytica nachweisen. Auch ein mikroskopischer Nachweis der Amöben im Stuhl ist unter bestimmten Bedingungen möglich, erfordert jedoch ausreichend Erfahrung.

Bakterienkulturen aus der Stuhlprobe dienen dazu, eine Infektion mit anderen Erregern auszuschließen, wie etwa:

Eine Blutprobe gibt zudem Aufschluss über Entzündungswerte und Veränderungen des Elektrolythaushalts.

In Einzelfällen kann eine Darmspiegelung (Koloskopie) sinnvoll sein, um die Diagnose zu sichern. Durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Oberbauchs lässt sich ein Amöbenabszess ausschließen.

Für die Amöbenruhr besteht keine Meldepflicht.

Therapie

Die Amöbenruhr lässt sich mit Medikamenten behandeln. In der Regel kommt der Wirkstoff Metronidazol zum Einsatz – ein Antibiotikum aus der Gruppe der Nitroimidazole, das einzellige Parasiten wie Entamoeba histolytica abtöten kann.

Auch andere Nitroimidazole wie Tinidazol können bei einer Amöbenruhr helfen. Allerdings ist Tinidazol in Deutschland zurzeit nicht zugelassen – in der Schweiz und in Liechtenstein sind jedoch Präparate mit diesem Wirkstoff auf dem Markt.

Da Metronidazol keine ausreichende Wirkung gegen Amöben hat, die sich nicht im Darmgewebe, sondern im Darminnern befinden, wird zusätzlich mit dem Wirkstoff Paromomycin nachbehandelt.

Zu Beginn der Therapie erhält man die Medikamente meist über die Vene als Infusion (intravenös); im weiteren Verlauf kann der Erkrankte Tabletten einnehmen.

Da die Betroffenen aufgrund der Durchfälle viel Flüssigkeit verlieren kann, ist es bei schweren Verläufen erforderlich, Flüssigkeit und Elektrolyte wieder zuzuführen – etwa über eine Infusion.

Verlauf

Komplikationen

Gefährliche Komplikationen treten im Rahmen einer Amöbenruhr selten auf – sie sind aber nicht generell auszuschließen. So ist in schlimmen Fällen ein Darmdurchbruch (Perforation) mit einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) möglich. Außerdem kann es zu einer sogenannten nekrotischen Kolitis kommen. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der Dickdarmschleimhaut mit Absterben des Gewebes, die von hohem Fieber und blutigen Durchfällen begleitet wird.

Zu den weiteren möglichen Komplikationen bei Amöbenruhr gehört auch das sogenannte toxische Megakolon, das allerdings extrem selten auftritt. Dabei kommt es zu einer raschen Verschlechterung der Symptome mit:

Prognose

Wird die Amöbenruhr frühzeitig diagnostiziert, ist die Prognose meist gut. Die Erkrankung kann dann rechtzeitig behandelt werden und heilt folgenlos aus. Bei zu später Diagnose können schwere bis lebensbedrohliche Krankheitszustände auftreten.

Vorbeugen

Einer Amöbenruhr lässt sich nicht durch eine Impfung oder durch Medikamente vorbeugen. Daher ist Hygiene der beste Schutz vor einer Infektion, vor allem in Risikogebieten. Wenn Sie also in die Tropen oder in Regionen mit schlechten hygienischen Verhältnissen reisen, sollten Sie folgende Maßnahmen beachten:

  • Waschen Sie sich häufig die Hände, besonders nach dem Stuhlgang und vor dem Essen.
  • Nehmen Sie nur abgekochtes Wasser zu sich, nutzen Sie Wasser aus versiegelten Trinkflaschen oder bereiten Sie Wasser entsprechend auf.
  • Schälen Sie Obst und Gemüse vor dem Verzehr und reinigen Sie Lebensmittel nur mit sauberem Wasser.
  • Verzichten Sie auf Eiswürfel aus Leitungswasser.