Eine Frau liegt mit Magenschmerzen auf dem Sofa
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Magengeschwür (Ulcus ventriculi)

Das Magengeschwür (Ulcus ventriculi) gehört zu den häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen. Es entsteht, wenn die Magenwand nicht ausreichend vor der aggressiven Magensäure geschützt ist. Oft spielt dabei das Bakterium Helicobacter pylori eine Rolle. Welche Symptome sind typisch für ein Magengeschwür?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Magengeschwür (Ulcus ventriculi)

Jeder zehnte Deutsche leidet im Laufe seines Lebens mindestens einmal an einem Magengeschwür. Schätzungen zufolge erkranken jedes Jahr ungefähr 50 von 100.000 Menschen.

Bei einem Magengeschwür (Ulcus ventriculi) ist die Magenschleimhaut an einer Stelle so sehr beschädigt, dass aggressive Magensäure eine Wunde in der Magenwand verursacht. Mediziner sprechen von einem Ulkus (von lat. ulcus = Geschwür). Noch häufiger als das Magengeschwür ist das Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni), an dem pro Jahr etwa 150 von 100.000 Menschen erkranken.

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Die Magenschleimhaut schützt den Magen

Die Magenschleimhaut kleidet den gesamten Mageninnenraum aus. Ohne sie wäre die Magenwand der aggressiven Magensäure schutzlos ausgeliefert.

Drüsen innerhalb der Magenschleimhaut produzieren jeden Tag rund zwei bis drei Liter Magensaft. Dieser setzt sich aus unterschiedlichen Substanzen zusammen. Zum einen enthält er Magensäure. Sie macht die meisten Krankheitserreger unschädlich und trägt zum Verdauungsprozess bei. Zum anderen sind im Magensaft die für den Verdauungsprozess nötigen Sekrete und Enzyme (Eiweiße, die biochemische Prozesse unterstützen) enthalten.

Ein weiteres Produkt der Magenschleimhaut sind die von den sogenannten Nebenzellen gebildeten Schleimstoffe (Muzine). Sie schützen die Magenwand vor der Magensäure: Sie binden die Salzsäure des Magensafts und hindert den Magen so an einer Selbstverdauung.

Ist die Balance zwischen der Magensäure und dem Schutz vor Selbstverdauung gestört, kann ein Magengeschwür entstehen.

Magengeschwür: Symptome

Ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) kann mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen. Typische Beschwerden sind:

Häufig drückt und schmerzt ein Magengeschwür im Oberbauch (sog. epigastrische Schmerzen; epigastrisch = den Oberbauch betreffend). Die Schmerzen können in Richtung Brustbein, Unterbauch oder auch in den Rücken ausstrahlen.

Viele Betroffene spüren die charakteristischen Schmerzen während des Essens – oder kurz darauf. Die Schmerzen können sich aber auch unabhängig von den Mahlzeiten bemerkbar machen. Schmerzen bei leerem Magen (Nüchternschmerzen), die sich typischerweise nachts bemerkbar machen, sind dagegen eher Anzeichen eines Zwölffingerdarmgeschwürs.

Beschwerden wie Magenschmerzen, Völlegefühl oder Übelkeit können jedoch viele Ursachen haben und sind kein Beweis dafür, dass es sich um ein Geschwür handelt. Ähnliche Symptome können zum Beispiel bei einem Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) entstehen. Wichtig ist, dass man die Beschwerden ärztlich abklären lässt. Bei einem Reizmagen beispielsweise ergibt eine Magenspiegelung keinen auffälligen Befund, während ein Magengeschwür gut sichtbar ist.

Menschen mit einem Magengeschwür berichten gelegentlich, dass sie bestimmte Speisen nicht vertragen. Welche Nahrungsmittel das sind, ist individuell ganz verschieden.

Ein Magengeschwür kann zu Magenblutungen führen. Mögliche Anzeichen einer Magenblutung sind Bluterbrechen (Hämatemesis) oder ein schwarz gefärbter Stuhl (Teerstuhl, Meläna).

Nicht immer macht sich ein Magengeschwür bemerkbar

Manche Betroffene bemerken über lange Zeit keine Symptome. Insbesondere Menschen, die bestimmte Schmerzmittel (nicht-steroidale Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure) einnehmen, haben manchmal wenig bis keine Beschwerden. Das gilt ebenso bei schweren Begleiterkrankungen, die dann im Vordergrund stehen. Dann erkennt man das Ulcus ventriculi meist nur als Zufallsbefund im Rahmen anderer Untersuchungen oder, wenn eine plötzliche Magenblutung auftritt.

Wann zum Arzt?

Suchen Sie auf jeden Fall einen Arzt auf, wenn Sie

  • dunkel gefärbten Stuhl bemerken oder Blut erbrechen und/oder
  • sich müde und abgeschlagen fühlen und sehr blass sind und/oder
  • ungewollt viel Gewicht verloren haben und/oder
  • akute starke Beschwerden haben und/oder
  • permanent oder wiederholt unter Beschwerden wie Oberbauchkrämpfen, Vollegefühl, Übelkeit oder Erbrechen leiden.

Magengeschwür: Ursachen & Risikofaktoren

Ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) kann verschiedene Ursachen haben. Mehrere Faktoren begünstigen, dass Magensäure und Keime die Wände des Magens angreifen können.

Allen Entstehungsmechanismen gemeinsam ist ein gestörtes Gleichgewicht zwischen den aggressiven und den schützenden Mechanismen der Magenschleimhaut. Ein Übermaß an Magensäure auf der einen und eine gestörte Schleimhautproduktion auf der anderen Seite spielen dabei eine Rolle.

Die häufigsten Auslöser eines Magengeschwürs sind:

  • eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori
  • die langfristige Einnahme bestimmter Medikamente, insbesondere Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR)
  • Rauchen
  • Eiweißmangel

Magengeschwür durch eine Infektion mit Helicobacter pylori

In Deutschland sind etwa 35 von 100 Erwachsene mit dem Bakterium Helicobacter pylori infiziert. Vermutlich stecken sich viele Menschen bereits in der Kindheit damit an, eine Infektion oder Wiederinfektion im Erwachsenenalter ist extrem selten.

Eine Infektion muss jedoch nicht zwangsläufig mit Beschwerden verbunden sein: Viele Menschen tragen das Bakterium in sich, ohne ein Magengeschwür zu entwickeln. Bei einigen löst Helicobacter pylori jedoch eine chronische Magenschleimhautentzündung (Gastritis) aus, welche wiederum ein Magengeschwür und insbesondere ein Zwölffingerdarmgeschwür begünstigt.

Bei circa 75 von 100 Menschen mit einem Ulcus ventriculi ist Helicobacter pylori im Magen nachweisbar.

Magengeschwür durch NSAR und andere Medikamente

Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) können ein Magengeschwür verursachen. Das gilt vor allem, wenn sie über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Nicht-steroidale Antirheumatika hemmen ein Enzym, das Fettsäuren des Zellstoffwechsels in Prostaglandine umwandelt. Prostaglandine sind Hormone, die die Säureabgabe hemmen und so die Magenschleimhaut schützen.

NSAR kommen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, aber auch bei Schmerzen oder Fieber zum Einsatz. Zu Wirkstoffen aus der Gruppe der NSAR zählen zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac.

Das Risiko für ein Magengeschwür erhöht sich bei einer langfristigen Einnahme von NSAR um den Faktor 4. Nehmen Sie NSAR-Schmerzmittel nicht eigenmächtig über einen längeren Zeitraum hinweg ein. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob und wie lange diese Medikamente für Sie infrage kommen.

Präparate mit Kortison (Glukokortikoide) erhöhen ebenfalls die Wahrscheinlichkeit für ein Magengeschwür, insbesondere in Kombination mit NSAR: Werden NSAR mit Kortisonpräparaten kombiniert, steigt das Magengeschwür-Risiko auf das 15-Fache.

Weitere Medikamente, die ein Magengeschwür begünstigen können, sind zum Beispiel:

Fakten über Magengeschwüre
  • Von einem Magengeschwür spricht man, wenn die Magenschleimhaut an einer bestimmten Stelle beschädigt ist.

  • Anfangs ist nur die obere Schleimhautschicht betroffen. Im Laufe der Zeit können allerdings auch tiefere Schichten der Magenwand geschädigt werden.

  • Zu den Hauptursachen zählen eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori und die langfristige Einnahme bestimmter Medikamente, insbesondere nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR).

  • In Deutschland erkranken jährlich etwa 50 von 100.000 Menschen an einem Magengeschwür.

  • Der Großteil der Betroffenen ist älter als 50 Jahre.

  • Personen mit der Blutgruppe 0 haben ein erhöhtes Risiko, an einem Magengeschwür zu erkranken.

  • Auch Stress, Nikotin und Alkohol kommen als Auslöser infrage.

  • Mögliche Symptome sind Schmerzen und Druckgefühl im Oberbauch. Weitere typische Beschwerden sind Appetitlosigkeit, Übelkeit und gegebenenfalls Erbrechen.

  • Allerdings verursacht ein Magengeschwür nicht immer die typischen Symptome. Bei Personen, bei denen bestimmte Schmerzmittel die Ursache sind, bleiben Magengeschwüre meistens völlig symptomlos.

  • Durch Abtasten des Oberbauchs erhält der Arzt bereits erste Hinweise auf die Erkrankung.

  • Die wichtigste Methode zur Diagnose eines Magengeschwürs ist die Magenspiegelung. Bei dieser Untersuchung schiebt der Arzt einen biegsamen Schlauch über Mund und Speiseröhre in den Magen.

  • Wenn Sie unter einem Magengeschwür leiden, sollten Sie als alle magenschädlichen Substanzen (z.B. Kaffee, Alkohol, Nikotin, Schmerzmittel) meiden. Wichtig: Setzen Sie Medikamente nur nach Absprache mit Ihrem Arzt ab.

  • Die weitere Therapie hängt von den jeweiligen Ursachen ab. Häufig kommen Medikamente zum Einsatz, die die Magensäureproduktion hemmen – sogenannte Säureblocker.

  • Sollte der Erreger Helicobacter pylori die Ursache für ein Magengeschwür sein, wird der Arzt zusätzlich Antibiotika (Amoxicillin mit Clarithromycin oder mit ) verschreiben, die das Baterium abtöten.

  • Nur wenn ein Magengeschwür trotz Medikamenten nach mehreren Monaten nicht abheilt oder wenn Komplikationen auftreten, ist unter Umständen eine Operation notwendig.

  • Wer einem erneuten Magengeschwür vorbeugen möchte, sollte alle Speisen und Getränke weglassen, die den Magen reizen. Dazu zählen sehr scharfes Essen sowie hochprozentiger Alkohol und große Mengen Kaffee.

  • Weil Stress und Nikotin ebenfalls als Auslöser infrage kommen, sollten Sie mithilfe von Sport und Entspannungsmethoden Stress abbauen sowie auf Zigaretten verzichten.

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Stressulkus: Magengeschwür durch körperlichen Stress

Körperliche Stressreaktionen können ein Ulcus ventriculi fördern. Solche Reaktionen entstehen vor allem bei intensivmedizinischer Behandlung, zum Beispiel nach

Weitere Ursachen und Risikofaktoren

Nikotin und Alkohol können das Gleichgewicht zwischen aggressiven (Magensäure) und schützenden Faktoren (gesunde Magenschleimhaut) stören. Auch anhaltender psychischer Stress kann das Risiko für ein Magengeschwür erhöhen.

Personen mit der Blutgruppe 0 erkranken eher an einem Magengeschwür als andere. Die Ursachen hierfür sind bislang unbekannt. Ebenso haben Personen, deren Eltern bereits an einem Ulcus ventriculi erkrankt sind oder waren, ein erhöhtes Magengeschwür-Risiko.

Auch seltene Erkrankungen können ein Ulcus ventriculi auslösen:

  • Beim Zollinger-Ellison-Syndrom produziert ein Tumor in der Bauchspeicheldrüse oder im Zwölffingerdarm hohe Mengen des Hormons Gastrin. Gastrin erhöht die Säureproduktion im Magen, was die Entstehung eines Magengeschwürs begünstigt.
  • Bei einer Nebenschilddrüsenüberfunktion (Hyperparathyreoidismus) ist der Calciumspiegel im Körper erhöht. Calcium stimuliert unter anderem Zellen, die Gastrin produzieren.
  • Auch bestimmte Infektionen können ein Magengeschwür nach sich ziehen, etwa mit Zytomegalie- oder Herpes simplex-Viren.

Magengeschwür: Behandlung

Zur Behandlung eines Magengeschwürs (Ulcus ventriculi) kommen in der Regel Säureblocker zum Einsatz. Ob weitere Medikamente nötig sind, hängt vor allem davon ab, ob der Arzt das Bakterium Helicobacter pylori nachgewiesen hat. Zudem ist es wichtig, dass der Patient seinen Magen schont.

Hemmung der Säureproduktion mit Medikamenten

Säureblocker hemmen die Produktion der Magensäure sehr effektiv. So kann sich die Magenschleimhaut erholen. Zudem werden die Schmerzen gelindert.

Meist verschreibt der Arzt sogenannte Protonenpumpenhemmer mit Wirkstoffen wie Omeprazol, Pantoprazol oder Lansoprazol. Protonenpumpenhemmer gelten als Mittel der Wahl bei allen Magengeschwüren. Der Patient nimmt diese Medikamente über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg ein.

Alternativ zu Protonenpumpenhemmern kann der Arzt in Ausnahmefällen auch Histamin-Rezeptorenblocker (auch H2-Blocker oder H2-Rezeptorenblocker genannt) verordnen. Dazu gehören zum Beispiel die Wirkstoffe Cimetidin oder Ranitidin. Diese Medikamente blockieren den Histamin-H2-Rezeptor an den säureproduzierenden Magenzellen. Seltener werden säurebindende Mittel (sog. Antazida) empfohlen. Antazida mit Wirkstoffen wie Magaldrat, Hydrotalcit, Carbaldrat oder Algeldrat neutralisieren die abgesonderte Magensäure.

Bei Bewegungsstörungen des Magens helfen zusätzlich Medikamente, welche die Magenbewegungen anregen (sog. Prokinetika, z.B. Metoclopramid (MCP) und Domperidon).

Bei Helicobacter pylori-Befall: Eradikationstherapie mit Medikamenten

Wenn das Bakterium Helicobacter pylori das Magengeschwür verursacht hat, ist eine mehrtägige Antibiotikatherapie nötig. Ziel ist es, das Bakterium Helicobacter pylori abzutöten. Mediziner sprechen von einer Eradikationstherapie (lat. eradicare = ausreißen, ausradieren).

Bei der Eradikationstherapie muss der Patient gleichzeitig verschiedene Antibiotika in Kombination mit einem Protonenpumpenhemmer in genau festgelegter Dosierung einnehmen.

Tripel-Therapie: Kombination aus drei Wirkstoffen

Als Standard wird eine Tripel-Therapie aus drei Wirkstoffen empfohlen:

  • einem Protonenpumpenhemmer (z.B. Pantoprazol, Omeprazol),
  • dem Antibiotikum Clarithromycin und
  • dem Antibiotikum Amoxicillin oder alternativ dem Antibiotikum Metronidazol.

Alternative: Quadrupel-Therapie mit vier Wirkstoffen

Bei einigen Personen hilft das Antibiotikum Clarithromycin nicht, weil die Erreger dagegen resistent geworden sind. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Patient zuvor bereits mit diesem Antibiotikum behandelt wurde. Ist das Risiko hoch, dass Clarithromycin voraussichtlich nicht wirken wird oder hat die Tripel-Therapie nicht ausreichend angeschlagen, wird der Arzt eine sogenannte Quadrupel-Therapie vorschlagen. Sie besteht aus vier Wirkstoffen:

  • einem Protonenpumpenhemmer,
  • Bismut,
  • dem Antibiotikum Metronidazol und
  • dem Antibiotikum Tetracyclin.

Wenn auch die Quadrupel-Therapie keinen Erfolg gebracht hat, stehen außerdem weitere Medikamente zur Verfügung.

Personen, die mit Helicobacter pylori infiziert sind, aber kein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür haben, müssen nicht zwingend mit Antibiotika behandelt werden. Bei rein funktionellen Beschwerden ohne Geschwür und gleichzeitigem Helicobacternachweis profitieren nur 10 von 100 der Betroffenen von der unter Umständen nebenwirkungsreichen Antibiotikatherapie.

Den Magen schonen: Das können Sie selbst tun

Wer ein Magengeschwür hat, sollte zumindest vorübergehend alles meiden, was die Schleimhaut des Magens schädigt und reizt. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Kaffee
  • Alkohol
  • Nikotin

Auch kann es hilfreich sein, viele kleine Mahlzeiten anstatt wenige große Portionen zu sich zu nehmen.

Wenn Sie Medikamente einnehmen, die den Magen angreifen (z.B. sog. nicht-steroidale Antirheumatika), sollten Sie auf diese möglichst verzichten. Halten Sie jedoch vor dem Absetzen Rücksprache mit Ihrem Arzt.

Wann ist eine Operation nötig?

In seltenen Fällen ist bei einem Ulcus ventriculi eine Operation sinnvoll oder sogar unumgänglich. Eine Operation kommt vor allem infrage bei

  • Komplikationen, z.B. Blutungen, Magenverengung, Magendurchbruch
  • Verdacht auf Magenkrebs
  • einem Magengeschwür, das sich trotz konservativer Behandlung nicht zurückbildet

Magengeschwür: Diagnose

Beschwerden wie Oberbauchschmerzen, Völlegefühl oder Übelkeit können auf ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) hinweisen. Sie können aber auch viele andere Ursachen haben. Um herauszufinden, ob ein Magengeschwür hinter den Symptomen steckt, wird der Arzt zum Beispiel wissen wollen,

  • welche Beschwerden der Patient genau hat,
  • seit wann die Beschwerden bestehen,
  • ob der Patient bestimmte Medikamente einnimmt oder
  • ob der Patient bereits einmal ein Magengeschwür hatte.

Anschließend tastet der Arzt den Oberbauch ab, was für Patienten mit einem Magengeschwür meist schmerzhaft ist. Ob der Patient mit dem Bakterium Helicobacter pylori infiziert ist, kann man mithilfe eines Atemtests, einer Blut- oder einer Stuhluntersuchung herausfinden. Anhand der Blutwerte kann der Arzt zudem feststellen, ob möglicherweise eine Erkrankung vorliegt, die ein Magengeschwür begünstigt (z.B. das Zollinger-Ellison-Syndrom).

Um ein Magengeschwür sicher diagnostizieren zu können, ist in jedem Fall eine Magenspiegelung (Gastroskopie) nötig. Sie ermöglicht dem Arzt einen direkten Blick auf die Schleimhaut des Magens.

Magenspiegelung (Gastroskopie)

Die entscheidende Untersuchung beim Magengeschwür ist die Magenspiegelung. Dabei führt der Arzt ein Endoskop über den Mund bis in den Magen ein. Ein Endoskop ist ein biegsames, schlauchartiges Instrument mit integrierter Kamera.

Während der Untersuchung kann der Arzt mehrere Gewebeproben (Biopsien) für die feingewebliche Untersuchung entnehmen. Eine Magenspiegelung ermöglicht so, zwischen einem Magengeschwür und Magenkrebs zu unterscheiden. Außerdem kann der Arzt anhand der Gewebeproben feststellen, ob der Magen mit dem Bakterium Helicobacter pylori besiedelt ist.

Für eine Magenspiegelung muss der Patient nüchtern sein, er darf also keine Nahrung und keine Getränke zu sich genommen haben. Auch sollte er mindestens 12 Stunden vorher nicht rauchen. Um den Würgereiz beim Einführen des Endoskops über den Mund zu unterdrücken, besprüht der Arzt die Rachenschleimhaut mit einem örtlichen Betäubungsmittel (z.B. mit einem Lidocain-Spray). Auch ist es möglich, ein Kurznarkotikum zu verabreichen. Die Untersuchung dauert normalerweise ca. 10 Minuten.

Falls der Arzt ein Magengeschwür entdeckt hat, sollte die Magenspiegelung nach einigen Wochen wiederholt werden, um den Therapieerfolg zu überprüfen. Wenn das Geschwür nicht vollständig abgeheilt ist, muss der Arzt weitere Gewebeproben entnehmen, um sicher abzuklären, ob nicht doch Magenkrebs vorliegt. Zwölffingerdarmgeschwüre müssen normalerweise nicht endoskopisch nachkontrolliert werden.

Magengeschwür: Verlauf & Komplikationen

Ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) heilt in vielen Fällen auch ohne spezielle Behandlung von selbst ab. Allerdings ist dann das Risiko hoch, dass sich nach kurzer Zeit erneut ein Geschwür bildet. Daher sollte man bei Verdacht auf ein Magengeschwür immer einen Arzt aufsuchen. Mithilfe einer angemessenen medikamentösen Therapie sinkt das Risiko für einen Rückfall, zudem heilt das Geschwür deutlich schneller ab.

Ein durch Helicobacter pylori hervorgerufenes Magengeschwür bildet sich bei einer medikamentösen Behandlung in 9 von 10 Fällen wieder zurück.

Komplikationen

Zu möglichen Komplikationen eines Magengeschwürs (Ulcus ventriculi) zählen vor allem

  • Blutungen und
  • ein Durchbruch des Geschwürs durch die Magenwand (Magendurchbruch).

Blutungen

Ein Magengeschwür kann zu Blutungen führen. Mögliche Anzeichen sind:

  • Erbrechen von Blut (sog. Hämatemesis)
  • schwarz gefärbter Stuhl (sog. Teerstuhl, auch Meläna genannt)
  • Blutarmut mit Symptomen wie Kurzatmigkeit bei Belastung, Müdigkeit/Abgeschlagenheit oder Blässe

Wer solche Symptome hat, sollte diese rasch von einem Arzt abklären lassen.

Magendurchbruch: Ein medizinischer Notfall

Wenn das Magengeschwür in tiefe Schichten der Magenwand hineinreicht, besteht die Gefahr, dass die Magenwand bricht (sog. Magenperforation). Dabei kann Mageninhalt in die Bauchhöhle geraten. Dann droht eine Bauchfellentzündung (Peritonitis).

Anzeichen eines Magendurchbruchs können sehr starke, stechende Schmerzen im Bereich des Oberbauchs sein. Ein Magendurchbruch ist lebensbedrohlich und muss umgehend behandelt werden. Rufen Sie daher bei Verdacht immer einen Notarzt (112).

Weitere mögliche Komplikationen bei einem Magengeschwür sind:

  • Magenpenetration: Das Geschwür kann bis in die Bauchspeicheldrüse eindringen, was sich durch Rückenschmerzen bemerkbar macht. Manchmal entsteht aufgrund der Penetration eine Bauchspeicheldrüsenentzündung.
  • Magenverengung: Wenn ein Magengeschwür im Bereich des Magenausgangs abheilt, kann sich eine narbige Verengung bilden (sog. Stenose). Die Magenwand wird eingeengt.
  • Magenkrebs: Ein lang anhaltendes (chronisches) Magengeschwür erhöht das Risiko für Magenkrebs.

Magengeschwür: Vorbeugen

Wer bereits ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) hatte, kann das Risiko für einen Rückfall minimieren:

  • Meiden Sie alle Speisen und Getränke, die den Magen reizen und die nicht gut verträglich sind. Das gilt beispielsweise für sehr scharfes und heißes Essen sowie für hochprozentigen Alkohol und größere Mengen Kaffee.
  • Versuchen Sie, Stress abzubauen, etwa mit Entspannungsübungen.
  • Weil Rauchen die Magenschleimhaut angreift, ist es sinnvoll, darauf zu verzichten.
  • Wer regelmäßig magenschädigende Medikamente einnimmt (nicht-steroidale Antirheumatika wie z.B. Acetylsalicylsäure), sollte diese nach Absprache mit dem Arzt gegebenenfalls absetzen und besprechen, welche Alternativen es gibt.

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, vorbeugend einen Säureblocker einzunehmen. Dies kommt zum Beispiel für Personen infrage, die aufgrund rheumatischer Gelenkerkrankungen mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) behandelt werden müssen. Wichtig: Sprechen Sie vorab mit Ihrem Arzt, bevor Sie einen Säureblocker verwenden.