Eine junge Frau fasst sich an die Magengegend.
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Helicobacter pylori: Symptome und Behandlung

Ein Befall mit Helicobacter pylori gilt als häufige Ursache für Magenschleimhautentzündungen. Eine Infektion mit dem Bakterium kann auch zu Erkrankungen wie Magengeschwüren, Zwölffingerdarmgeschwüren oder Magenkrebs beitragen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Helicobacter pylori

Helicobacter pylori ist eine Bakterienart, die die Magenschleimhaut besiedeln kann. Dabei treten häufig keinerlei Beschwerden auf. Dennoch kann Helicobacter pylori die Entstehung von Folgeerkrankungen begünstigen.

Helicobacter pylori: Symptome

Bei einer Infektion mit Helicobacter pylori können verschiedene Symptome auftreten. Häufig macht sich die Infektion jedoch gar nicht durch Beschwerden bemerkbar, sodass sie lange unbemerkt bleiben kann.

Mögliche Anzeichen

Eine Infektion mit Helicobacter pylori wird in der Regel chronisch und kann über viele Jahre bestehen. Mögliche Beschwerden sind beispielsweise:

Die chronische Form verläuft aber auch sehr oft ohne Symptome. Sofern sich Symptome zeigen, handelt es sich in der Regel um eher allgemeine Oberbauchbeschwerden.

Helicobacter pylori: Ursachen

Gelangen Bakterien der Art Helicobacter pylori in den Magen, können sie diesen besiedeln und zu dauerhaften Entzündungen der Magenschleimhaut führen.

Helicobacter-pylori-Bakterien haben eine länglich gebogene oder spiralige Form. An einem Ende tragen sie fadenähnliche Zellfortsätze (sog. Geißeln). Diese nutzen sie wie eine Art Propeller, um sich in der Magenschleimhaut fortzubewegen. Dort findet Helicobacter pylori optimale Lebensbedingungen, da die Schleimhaut die Bakterien vor der aggressiven Magensäure schützt.

Mithilfe des Enzyms Urease bilden Helicobacter-Bakterien große Mengen Ammoniumionen und hüllen sich darin wie in einer Art Wolke ein. Das schützt die Bakterien vor dem sauren Milieu im Magen, denn die Ammoniumionen neutralisieren die Magensäure direkt um sie herum.

Auf diese Weise können Helicobacter-Bakterien im Magen überleben, bis sie schließlich die Magenschleimhaut erreichen und in diese eindringen. Dabei entstehen Schäden in der Magenschleimhaut.

Die Ammoniumionen machen den Schleim weniger zähflüssig und erleichtern es Helicobacter so, sich darin zu bewegen. Indem sich die Bakterien am Säuregradienten orientieren, gelangen sie bis in die tieferen Schleimschichten und auch zur eigentlichen Magenwand.

Manche Helicobacter-Bakterien geben ein Zellgift ab, das die Zellen der Magenwand reizen und schädigen kann. Es hat außerdem Einfluss darauf, wie das Abwehrsystem des Körpers auf die Bakterien reagiert. Wissenschaftler vermuten, dass das Zellgift eine Rolle dabei spielt, ob sich durch einen Helicobacter-Befall später ein Magengeschwür entwickelt.

Helicobacter pylori: Ansteckung

Helicobacter-Bakterien können von Mensch zu Mensch übertragen werden. Zur Ansteckung kommt es dabei vor allem von Mund zu Mund oder fäkal-oral.

Eine Mund-zu-Mund-Übertragung ist zum Beispiel durch Küssen auf den Mund sowie bei Kleinkindern über Schnuller oder Breilöffel möglich, wenn diese abgeleckt und an das Kind zurückgegeben werden. Als häufigster Ansteckungsweg für Helicobacter-pylori-Bakterien gilt der enge Kontakt innerhalb der Familie.

Von einer fäkal-oralen-Übertragung spricht man, wenn mit dem Stuhl ausgeschiedene Erreger über den Mund in den Magen einer anderen Person gelangen (z. B. durch verunreinigtes Trinkwasser). Dieser Übertragungsweg hat vor allem in Entwicklungsländern bzw. Ländern mit niedrigem Hygienestandard Bedeutung.

Helicobacter pylori: Häufigkeit

Helicobacter pylori kommt weltweit häufig vor. Wahrscheinlich beginnt eine Besiedelung des Magens durch diese Bakterien bereits in der Kindheit. Je älter ein Mensch ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Helicobacter-Bakterien im Magen vorkommen.

In Entwicklungsländern sind etwa 80 Prozent der 20- bis 30-Jährigen mit Helicobacter pylori infiziert. In Industrieländern wie Deutschland ist ein Befall seltener. Dennoch ist auch hier mit etwa 50 Jahren beinah jeder Zweite mit dieser Bakterienart besiedelt, meist allerdings ohne spürbare Anzeichen einer Erkrankung aufzuweisen.

Tabelle: Häufigkeit von Helicobacter-pylori-Infektionen nach Altersgruppen
Altersgruppe Häufigkeit
Kinder 3 Prozent
Erwachsene unter 30 Jahren 19 bis 25 Prozent
Erwachsene über 30 Jahren 35 bis 55 Prozent
Erwachsene über 65 Jahren 69 bis 90 Prozent

Eine chronische Magenschleimhautentzündung durch Helicobacter pylori kann in der Folge Ursache für verschieden Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich sein, wie etwa:

  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis): 80 Prozent aller chronischen Magenschleimhautentzündungen sind bakteriell bedingt und haben sich meist aus einem Helicobacter-pylori-Befall entwickelt.
  • Magengeschwür: Bei 75 Prozent aller Magengeschwüre ist auch eine Besiedelung mit Helicobacter pylori nachweisbar.
  • Zwölffingerdarmgeschwür: Bei 99 Prozent der Menschen mit Zwölffingerdarmgeschwür ist die Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori besiedelt.
  • Magenkrebs: Veränderungen der Magenschleimhaut können die Entstehung von Magenkrebs begünstigen. Das Risiko, an Magenkrebs oder an bestimmten den Magen betreffenden Lymphomen (MALT-Lymphom) zu erkranken, ist erhöht, wenn ein Helicobacter-pylori-Befall vorliegt.

Helicobacter pylori: Diagnose

Um festzustellen, ob der Magen mit Helicobacter pylori besiedelt ist, gibt es verschiedene Nachweis-Möglichkeiten:

Magenspiegelung mit Gewebeprobe

Im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie) lässt sich eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Magenschleimhaut nehmen. Ist diese mit Helicobacter pylori besiedelt, lassen sich die Bakterien im Gewebe nachweisen.

Auch das Enzym Urease lässt sich in einer Gewebeprobe nachweisen (sog. Helicobacter-Urease-Test, HUT), sofern eine Besiedelung besteht.

Harnstoff-Atemtest

Der Harnstoff-Atemtest kann ebenfalls eine Besiedelung mit Helicobacter pylori nachweisen. Betroffene nehmen hierbei ein Präparat zu sich, das Harnstoff mit speziell markierten Kohlenstoffisotopen enthält: sogenannten C13-Harnstoff oder C14-Harnstoff.

Liegt ein Befall mit Helicobacter pylori vor, spaltet das von den Bakterien produzierte Enzym Urease den Harnstoff und setzt dabei die markierten Kohlenstoffisotope (C13 oder C14) frei. Beim Ausatmen misst man, ob sich C13 oder C14 im Kohlendioxid der Ausatemluft befindet. Ist dies nicht der Fall, liegt kein Helicobacter-pylori-Befall vor.

Der Atemtest gilt heute als Standard bei der Nachsorge bereits behandelter Patienten und Patientinnen.

Stuhlprobe

Bei einer Besiedelung mit Helicobacter pylori lassen sich bestimmte Antigene in einer Stuhlprobe nachweisen.

Blutuntersuchung

Zudem ist es möglich, den Antikörpertiter im Blut zu bestimmen. Das Immunsystem bildet bei einer Infektion mit Helicobacter pylori Antikörper. Der Antikörpertiter sagt aus, wie viele gegen Helicobacter gerichtete Antikörper sich im Blut befinden. Ist der Antikörpertiter hoch, liegt oder lag wahrscheinlich ein Befall mit dem Erreger vor.

Der Antikörpertiter bleibt auch nach einer erfolgreichen Helicobacter-Behandlung bestehen. Deshalb ist dieser Nachweis nur bedingt aussagekräftig und für eine Diagnosestellung nicht wirklich hilfreich. Ob die Werte auf eine akute oder eine bereits durchgemachte Helicobacter-Infektion hinweisen, lässt sich anhand der Werte nicht feststellen.

Helicobacter pylori: Behandlung

Helicobacter pylori lässt sich mit Medikamenten behandeln. Die eingesetzten Wirkstoffe bekämpfen die Bakterien und sorgen dafür, dass sie aus der Magenschleimhaut verschwinden (sog. Eradikation). Häufigste Therapieform ist hierbei die Triple-Therapie.

Triple-Therapie

Die Triple-Therapie (Dreifach-Therapie) besteht aus der Kombination drei verschiedener Medikamente: zwei Antibiotika-Präparaten und einem Protonenpumpenhemmer.

Die Behandlung mit Antibiotika erfolgt meist über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen mit den Wirkstoffen Clarithromycin und Amoxicillin (alternativ Metronidazol). Beim Protonenpumpenhemmer handelt es sich meist um Wirkstoffe wie Omeprazol oder Pantoprazol.

Protonenpumpenhemmer sind bei einem Helicobacter-pylori-Befall ein wichtiger Teil der Therapie, denn sie bewirken, dass der Magen weniger Magensäure herstellt. Das wiederum macht den Magensaft weniger sauer und unterstützt so die Beseitigung der Bakterien. Wahrscheinlich, weil dadurch kein ausreichend starker Säuregradient mehr besteht, anhand dessen sich Helicobacter in der Magenschleimhaut orientieren kann.

Der Protonenpumpenhemmer wird deswegen im Allgemeinen länger als die Antibiotika eingenommen (etwa vier Wochen lang), wobei man die Dosis meist nach einer Woche verringert.

Vierfach-Therapie

Lässt sich Helicobacter pylori mit der Triple-Therapie nicht entfernen, schließt sich häufig eine Vierfach-Therapie an. Sie besteht aus zwei verschiedenen Antibiotika, einem Wismutpräparat und einem Protonenpumpenhemmer.

Helicobacter pylori: Verlauf

Mit der richtigen Behandlung lässt sich Helicobacter pylori in der Regel vollständig beseitigen. Nur in seltenen Fällen kommt es später erneut zu einer Helicobacter-Infektion.

Bei vielen Menschen mit Helicobacter-Nachweis gehen die Beschwerden im Oberbauch unter Umständen eigentlich auf einen (oft durch Stress oder psychische Belastungen bedingten) Reizmagen zurück. Ob eine Helicobacter-Behandlung hier etwas bringt, ist nicht sicher geklärt. Nach einer Behandlung und Beseitigung von Helicobacter kommt es nur in etwa 10 Prozent der Fälle zur Besserung.

Unbehandelt kann sich eine Besiedelung des Magens mit Helicobacter pylori im Verlauf zu einer Magenschleimhautentzündung sowie zu Magengeschwüren und Zwölffingerdarmgeschwüren entwickeln und mit den für die jeweilige Erkrankung typischen Beschwerden einhergehen. Oft verläuft eine Infektion mit dieser Bakterienart jedoch unbemerkt und ohne weitere Folgen.

Ärztlicher Konsens ist, dass ein Helicobacterbefall bei gleichzeitigem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür behandelt werden MUSS. Der Nachweis von Helicobacter oder einer leichten Schleimhautentzündung alleine KANN, aber muss nicht zwingend behandelt werden (auch in Rücksprache mit den Wünschen des Betroffenen).

Zu beachten ist, dass die Behandlung mit Antibiotika manchmal schlecht vertragen wird und Folgeprobleme auslösen kann (z. B. eine Veränderung der Darmflora mit Beschwerden bis hin zur schweren Durchfallerkrankung).

Helicobacter-Bakterien können die Entstehung von Magenkrebs und einem speziell im Magen vorkommendem Lymphdrüsenkrebs (MALT-Lymphom) begünstigen. Allerdings gibt es für Magenkrebs auch andere Risikofaktoren – und Magenkrebs-Fälle gehen bei uns seit Jahren zurück.