Nitroimidazole

auch bezeichnet als:
Nitroimidazol-Derivate

Wirkstoffe

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "Nitroimidazole" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Nitroimidazole sind Antibiotika und kommen bei verschiedenen Infektionen und Erkrankungen durch Parasiten und anaerobe Bakterien zur Anwendung. Anaerobe Bakterien sind solche Bakterien, die nur unter Luftabschluss leben können, also zum Beispiel im Körperinneren.

Die beiden Vertreter der Nitroimidazol-Gruppe sind Metronidazol und Tinidazol. Beide können durch Spritzen und als Tabletten, aber auch in äußerlichen und örtlichen Anwendungsformen wie Cremes und Vaginalzäpfchen verarbeitet werden.

Einsatzgebiet der Nitroimidazole sind Infektionen im Bauchraum und im Magen-Darm-Trakt, zum Beispiel mit Helicobacter pylori, Lamblien oder Balantiden, Infektionen und Entzündungen der weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane, beispielsweise mit Trichomonaden oder Gardnerellen, sowie Infektionen der Harnwege mit Amöben. Aber auch bei Infektionen der Atemwege, etwa Lungenentzündung, und bei Infektionen der Hals-Nasen-Ohren-Region oder des Zahn-Mund-Kiefer-Bereichs werden Nitroimidazole eingesetzt. Des Weiteren finden sie Anwendung bei Schleimhaut- und Hautinfektionen, zum Beispiel bei Entzündungen des Mund- und Rachenraums, und nach Operationen zur Vorbeugung oder Behandlung von Wundinfektionen.

Metronidazol wird auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn eingesetzt. Bei Fisteln am Darmausgang, die mit der Grunderkrankung zusammenhängen, hat sich eine dreimonatige Behandlung mit der Kombination aus dem Gyrasehemmer Ciprofloxacin und Metronidazol bewährt. Auch bei einem Dickdarmbefall durch Morbus Crohn kann diese Kombination hilfreich sein. Der Einsatz der Kombination ist allerdings nicht durch positive Ergebnisse aus großen klinischen Studien bestätigt.

Wirkung

Die Nitroimidazole sind so genannte prodrugs. Selbst wirkungslos, werden sie nach Aufnahme durch die Bakterien oder Parasiten von deren Stoffwechsel in die eigentlichen Wirkstoffe umgewandelt. Die so entstehenden Substanzen verbinden sich chemisch mit der Erbinformation des Krankheitserregers und blockieren dessen Herstellung. Die Bakterien und Parasiten werden auf diese Weise schon nach wenigen Stunden abgetötet.

Die Umwandlung der Nitroimidazole in die wirksamen Giftstoffe ist im Wesentlichen auf Bakterien- und Parasitenzellen beschränkt, die ohne Sauerstoff leben (Anaerobier). Der Sauerstoff in den menschlichen Zellen verhindert die notwendige chemische Veränderung weitgehend. Im Tierexperiment haben sich Nitroimidazole als schwach krebserzeugend erwiesen, bei Menschen bisher nicht. Dennoch sollten Nitroimidazole nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden um ganz sicher zu gehen. Missbildungen bei Ungeborenen traten im Tierexperiment nicht auf. Da die Nitroimidazole in den Mutterkuchen und die Muttermilch übergehen, dürfen sie während Schwangerschaft und der Stillzeit nur in lebensbedrohlichen Fällen eingenommen werden. Weniger streng wird die örtliche Anwendung in Lösungen, Salben und Cremes gesehen.

Nitroimidazole hemmen in der Leber das Enzym Aldehydoxidase, welches zum Alkoholabbau benötigt wird. Durch die gestörte Weiterverarbeitung kann sich das hochgiftige Abbau-Zwischenprodukt Acetaldehyd im Körper anhäufen. Der Konsum von Alkoholika ist daher während einer Nitroimidazol-Therapie zu vermeiden.

Mögliche Nebenwirkungen einer Behandlung mit Nitroimidazolen sind dosisabhängig Magen-Darm-Störungen und ein metallischer Geschmack im Mund.