Illustration: Lage der Leber im menschlichen Körper
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Cholangitis

Eine Cholangitis ist eine Entzündung der Gallenwege. Eine gelblich gefärbte Haut, Schmerzen im rechten Oberbauch und Fieber sind charakteristisch für eine akute Cholangitis. Meist entsteht die akute Entzündung durch Gallensteine, die die Gallenwege verstopfen, sodass die Gallenflüssigkeit nicht ungehindert passieren kann. Eine Cholangitis kann aber auch auch chronischer Natur sein – die Ursachen sind meist unbekannt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Cholangitis: Entzündete Gallenwege

Eine akute Cholangitis (griech. chole = Galle) wird begünstigt, wenn Gallenflüssigkeit (kurz: Galle) die ableitenden Gallenwege nicht gut passieren kann und sich dort Bakterien ansiedeln. Die häufigste Ursache einer solchen Abflussstörung der Gallenwege ist ein Gallensteinleiden (Cholelithiasis): Gallensteine behindern dann die Gallensäure in ihrem natürlichen Fluss.

In den meisten Fällen sind Gallensteine die Ursache einer akuten Cholangitis.

Neben einem Gallensteinleiden gibt es noch weitere, seltenere Ursachen für einen gestörten Gallefluss, so zum Beispiel:

  • Tumoren in den Gallenwegen
  • Ausstülpungen im Zwölffingerdarm (Divertikel), die sich rund um die sog. vatersche Papille befinden; an dieser Stelle mündet der Hauptgallengang in den Zwölffingerdarm
  • Verengungen (Strikturen) nach einer Operation: Sie können nach Durchführung einer sog. biliodigestiven Anastomose entstehen, einer künstlichen Verbindung zwischen Zwölffingerdarm und den Gallengängen.
  • Befall durch Parasiten (z.B. großer Leberegel)
  • angeborene Anomalien der Gallengänge

An den Engstellen in den Gallenwegen können sich Bakterien oder – selten – Viren ausbreiten. Zu möglichen Erregern zählen insbesondere Keime aus dem Dünndarm, die in die Gallengänge aufsteigen. Dies sind zum Beispiel:

Symptome: Schmerzen, Fieber, Gelbsucht

Die Symptome einer akuten Cholangitis können unterschiedlich schwer ausfallen. Im Wesentlichen sind es drei Symptome, die eine akute Cholangitis kennzeichnen (sog. Charcot-Trias), nämlich

  • Schmerzen im rechten Oberbauch, die kolikartig sein können,
  • Fieber (Temperatur über 38°C), Schüttelfrost und eine
  • Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute (Gelbsucht, Ikterus).

Der Stuhlgang hat bei einer akuten Cholangitis häufig eine weißgraue bis graue Farbe (sog. acholischer Stuhl). Übelkeit und Erbrechen sind weitere mögliche Symptome.

Die Gallengänge

Die Gallengänge (auch: Gallenwege) befinden sich innerhalb und außerhalb der Leber. Sie transportieren die Gallenflüssigkeit (auch: Galle), die in der Leber gebildet wird. Die Gallenwege befördern Giftstoffe aus der Leber. Darüber hinaus spielt die Gallenflüssigkeit, die über die Gallenwege in den Dünndarm gelangt, eine wichtige Rolle beim Fettstoffwechsel und bei der Aufnahme von Vitaminen.

Über die Gallengänge gelangt die Gallenflüssigkeit zunächst in die Gallenblase, die die Flüssigkeit eindickt. Nach der Nahrungsaufnahme gibt die Gallenblase die Galle über den Hauptgallengang in den Zwölffingerdarm ab.

Gallefluss wiederherstellen

Ziel der Therapie einer akuten Cholangitis ist es, den natürlichen Gallefluss wiederherzustellen – die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Sind etwa Gallensteine für die Cholangitis verantwortlich, müssen diese möglichst entfernt werden, entweder in einer Operation oder im Rahmen einer Spiegelung der Gallengänge. Mithilfe von Antibiotika werden gegebenfalls die Bakterien, die die Entzündung hervorgerufen haben, bekämpft.

Kann das Hindernis, das für den gestörten Gallefluss zuständig ist, rasch beseitigt werden, haben die Betroffenen eine günstige Prognose. Bleibt die Cholangitis dagegen zunächst unbehandelt, können zum Teil lebensbedrohliche Komplikationen auftreten.

So kann die Infektion auf das angrenzende Lebergewebe übergehen und es kann sich ein Abszess bilden, eine abgekapselte Eiteransammlung in der Leber. Darüber hinaus kann die Cholangitis bei langer Dauer chronisch werden. Dies kann unter Umständen zu einer Leberzirrhose führen (sog. sekundäre biliäre Zirrhose).

Selten tritt eine lebensbedrohliche Blutvergiftung auf – die sogenannte Cholangiosepsis.

Um Komplikationen zu vermeiden, sollte eine akute Cholangitis rasch behandelt werden.

Chronische Cholangitis

Nur selten kommt es zu einer dauerhaften Entzündung der Gallenwege, der chronischen Cholangitis. Sie kann etwa als Folge immer wiederkehrender akuter Entzündungen oder eines langen Gallensteinleidens entstehen. Die chronische Gallenwegsentzündung kann aber auch als eigenständige (primäre) Krankheit auftreten.

Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)

Bei der sogenannten primär sklerosierenden Cholangitis (PSC) sind die Gallenwege permanent entzündet. Dadurch entstehen Vernarbungen und Verengungen. Die Galle kann nicht mehr ungehindert abfließen und staut sich in den Gallenwegen. Über Jahre hinweg kann die Leber Schaden nehmen und ihre Funktion verlieren – eine Leberzirrhose kann die Folge sein.

Die PSC tritt gehäuft bei Personen auf, bei denen zugleich eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung vorliegt – insbesondere eine Colitis ulcerosa. Die meisten Menschen mit primär sklerosierender Cholangitis sind männlich. Etwa eine von 100.000 Personen erkrankt pro Jahr daran. Zu Symptomen wie Oberbauchbeschwerden, Gewichtsverlust, Juckreiz oder Gelbsucht kommt es erst, wenn die Erkrankung schon fortgeschritten ist.

Die genaue Ursache der PSC ist unbekannt.

Bisher ist die PSC nicht heilbar. Der Wirkstoff Ursodeoxycholsäure (UDCA) soll den Verlauf positiv beeinflussen. Zudem kann der Arzt viele Verengungen im Rahmen einer Gallengangsspiegelung wieder weiten. Bei Funktionsverlust der Leber kann eine Lebertransplantation nötig sein.

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Primär biliäre Cholangitis (PBC)

Die primär biliäre Cholangitis war früher unter der Bezeichnung primär biliäre Zirrhose bekannt, wurde jedoch 2015 umbenannt. Die PBC ist eine chronische Entzündung der Gallenwege innerhalb der Leber, deren Ursache unbekannt ist – vermutlich handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung.

Im Frühstadium macht sich die PBC meist nicht bemerkbar, im weiteren Verlauf treten Symptome wie Juckreiz, Gelbsucht und Abgeschlagenheit auf. Auch Fettstühle, trockene Schleimhäute, braune Hautpigmentation oder gelbe Knötchen an den Augenlidern (Xanthelasmen) können auf eine primär biliäre Cholangitis hinweisen.

Die primär biliäre Cholangitis tritt selten auf: Etwa 5 von 100.000 Personen erhalten pro Jahr diese Diagnose. Fast alle davon sind Frauen, die meisten von ihnen sind bei der Diagnose über 40 Jahre alt. Die Entzündung beginnt in den Gallenwegen und kann auf das Lebergewebe übergreifen. In den meisten Fällen weisen Personen mit einer PBC eine erhöhte Anzahl der sogenannten antimitochondrialen Antikörper (AMA-Wert) im Blut auf, zudem ist oft die sogenannte alkalische Phosphatase erhöht. Im Zweifelsfall kann eine Leberpunktion eindeutige Gewissheit verschaffen.

Wie bei der PSC nehmen Personen mit primär biliärer Zirrhose in der Regel dauerhaft Ursodeoxycholsäure ein. Der Wirkstoff kann vor allem im Frühstadium den Verlauf der Erkrankung verlangsamen, die PBC jedoch nicht heilen. Bei Juckreiz können Antihistaminika oder der Wirkstoff Colestyramin hilfreich sein. Im fortgeschrittenen Stadium muss unter Umständen eine Lebertransplantation durchgeführt werden.