Eine Joggerin kniet am Strand und hält ihr schmerzendes Schienbein.
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Knochenhaut­entzündung (Periostitis) im Sport

Eine Knochenhautentzündung (Periostitis) kann sehr schmerzhaft sein. Viele Sportler haben damit zu kämpfen. Besonders häufig ist das Schienbein betroffen. Wer verhindern will, dass eine Knochenhautentzündung chronisch wird, sollte vor allem eins tun: für eine Weile mit dem Training pausieren.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Eine Periostitis ist eine akute oder chronische Entzündung der Knochenhaut (Periost). Die Knochenhaut ist fest mit dem Knochen verbunden und enthält neben Blut- und Lymphgefäßen viele Nerven, weshalb sie sehr schmerzempfindlich ist. Eine Knochenhautentzündung entsteht insbesondere an Stellen, an denen sich viele Muskeln oder Sehnen über der Knochenhaut befinden.

Zu typischen Beschwerden einer Periostitis zählen

  • Schmerzen, die insbesondere bei Belastung und bei Druck auftreten,
  • Schwellungen und
  • eine eingeschränkte Beweglichkeit.

Diese Symptome geben dem Arzt erste Hinweise darauf, dass es sich um eine Periostitis handeln könnte. Er wird den betroffenen Körperbereich sorgfältig abtasten. Mithilfe von bildgebenden Verfahren kann er die Knochenhautentzündung von anderen möglichen Erkrankungen unterscheiden, zum Beispiel von einem Ermüdungsbruch. Im Röntgenbild erscheint die Knochenhaut bei einer Periostitis meist unauffällig oder nur leicht verdickt. Um die Diagnose zu sichern, kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Knochenszintigraphie sinnvoll sein.

Besonders häufig tritt eine Knochenhautentzündung bei Sportlern im Bereich des Schienbeins auf. Ärzte sprechen dann von einem Schienbeinkantensyndrom (auch: "shin splints", Läuferbein).

Eine Knochenhautentzündung kann das sportliche Training nahezu unmöglich machen. Die Periostitis verläuft oft chronisch; sie kann nach längerer symptomfreier Zeit wieder aufflammen, insbesondere, wenn der Betroffene das Training zu früh wieder aufnimmt.

Knochenhaut: Was ist das?

Die Knochenhaut (Periost) ist eine gelbliche Hülle aus Bindegewebe, die in zwei Schichten fast die gesamte äußere Oberfläche des Knochens bedeckt. In der äußeren, von Fasern durchzogenen Schicht (Stratum fibrosum, Faserschicht) sind Sehnen und Bänder reißfest miteinander verbunden. Die innere Schicht (Stratum osteogenicum) ist reich an Nerven und Gefäßen. Sie versorgt den Knochen mit Nährstoffen.

Nur an bestimmten Stellen der Knochenoberfläche fehlt die Knochenhaut:

  • an überknorpelten Gelenkflächen,
  • an Bereichen, die von Gelenkinnenhaut überzogen sind
  • und dort, wo Bänder, Muskeln und Sehnen mit dem Knochen verbunden sind.

Schienbeinkantensyndrom ("shin splints")

Es zählt zu den häufigsten Beschwerden im Sport: das Schienbeinkantensyndrom ("shin splints"). Dabei handelt es sich um eine Knochenhautentzündung am Schienbein, die meist durch Überlastung beim Sport zustande kommt.

So kann zum Beispiel Laufen auf hartem Boden verantwortlich sein, aber auch

  • zu intensives Training,
  • eine plötzliche Steigerung des Pensums oder
  • der Wechsel der Lauftechnik.

Neue Trainingsbedingungen können eine Knochenhautentzündung am Schienbein ebenfalls begünstigen, zum Beispiel durch den Wechsel vom Laufen in der Halle zum Laufen im Freien.

Nicht zuletzt können neue oder schlecht sitzende Schuhe, Spikes, Stollenschuhe und unpassende Einlagen verantwortlich sein. Bei Sprungsportarten wird das Schienbeinkantensyndrom durch das wiederholte Abspringen und Landen begünstigt.

Das Schienbeinkantensyndrom ("shin splints") ist die dritthäufigste Beschwerde bei Leichtathleten, die laufen oder springen – nach Problemen mit der Achillessehne und dem Ermüdungsbruch (Ermüdungsfraktur).

Bei einer Knochenhautentzündung am Schienbein spüren die zumeist jungen Erwachsenen schon kurze Zeit nach Beginn der sportlichen Tätigkeit einen stechenden Belastungsschmerz, der erst abklingt, wenn sie die Aktivität beenden. Der Schmerz tritt an der Innenseite des Unterschenkels im oberen Drittel der Schienbeinknochen-Innenkante auf und kehrt bei erneutem Training oft wieder zurück.

Manchmal leiden die Betroffenen auch in Ruhe unter Schmerzen. Druck oder ein Streichen über den entzündeten Bereich ist mit Schmerzen verbunden. Der Unterschenkel weist meist eine deutliche Schwellung auf, wodurch sich manchmal unter dem Sockenbund eine Delle bildet. Die Entzündung kann auch gleichzeitig an beiden Schienbeinen auftreten.

Eine Knochenhautentzündung am Schienbein macht das Training mitunter unmöglich, sodass der Läufer eine Pause einlegen muss, bis das Schienbeinkantensyndrom abgeklungen ist. Treten schon beim normalen Gehen Schmerzen auf, gilt in jedem Fall absolutes Trainingsverbot.

Zu den typischen Sportarten, die ein Schienbeinkantensyndrom hervorrufen können, zählen zum Beispiel:

  • Laufsportarten wie Joggen, Sprint
  • Sportarten mit Springelementen, z.B. Weitsprung
  • Nordic Walking, Walking
  • Tanzen
  • Eiskunstlauf
  • Fußball
  • Rhythmische Sportgymnastik

In der Fachwelt wird das Schienbeinkantensyndrom kontrovers und mit unterschiedlichen Begrifflichkeiten diskutiert. So verwenden Mediziner folgende Begriffe teilweise synonym für die Knochenhautentzündung am Schienbein:

  • "shin splints" oder "shinsplints" (engl. shin = Schienbein, engl. splint = Schiene)
  • Mediales tibiales Stressyndrom, Mediales Tibia-Stress-Syndrom (lat. tibia = Schienbein)
  • Tibiakantensyndrom
  • Läuferbein, Läuferknie
  • Schienbeinbersten

Manche Experten ordnen das Schienbeinkantensyndrom dem sogenannten funktionellem Kompartmentsyndrom zu, während andere Mediziner beide Syndrome voneinander unterscheiden.

Ursachen

Eine Knochenhautentzündung (Periostitis) im Sport kann verschiedene Ursachen haben. Allein für das häufig auftretende Schienbeinkantensyndrom, einer Knochenhautentzündung am Schienbein, können diverse Faktoren verantwortlich sein, so etwa ein zu harter Straßenbelag beim Joggen.

Zu den möglichen Ursachen / Risikofaktoren einer Knochenhautentzündung zählen:

  • Überlastung durch einseitiges, zu umfangreiches oder zu intensives Training, abrupte Steigerung der Belastung
  • Training auf hartem Bodenbelag
  • Wechsel der Technik im Bewegungsablauf
  • Veränderung der Trainingsbedingungen (bei Läufern z.B. der Wechsel des Bodenbelags)
  • eine übermüdete Muskulatur
  • Tragen von falschem Schuhwerk oder unpassenden Einlagen, Wechsel der Schuhe
  • falsche Bewegungsabläufe
  • Fußdeformitäten wie Plattfuß oder Knick-Senkfuß

Eine erhöhte Zugkraft der Muskeln und ihren Hüllen (Faszien) und Sehnen führt dazu, dass die Knochenhaut gereizt wird und sich entzünden kann.

Knochenhautentzündung durch Krankheitserreger

Neben sportlicher Überlastung oder anderen mechanischen Reizen wie zum Beispiel einem Schlag können auch Krankheitserreger wie Viren und Bakterien eine Knochenhautentzündung verursachen. Häufig tritt die Knochenhautentzündung auch im Rahmen einer Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis) oder einer Knochenentzündung auf.

Die Erreger können dabei auf verschiedenen Wegen in die Knochenhaut gelangen:

  • Durch Operationen oder Verletzungen können sie in den Körper eindringen.
  • Im Rahmen infektiöser Grunderkrankungen / anderer Krankheitsherde im Körper können Erreger über die Blutbahn zur Knochenhaut gelangen, so etwa bei Tuberkulose, Syphilis oder Typhus.

Symptome

Eine Knochenhautentzündung (Periostitis) macht sich durch typische Symptome bemerkbar. Bei Berührung und / oder Belastung des betroffenen Bereichs treten Schmerzen auf. Auch in Ruhe kann es zu Schmerzen kommen, unter Umständen ist der entzündete Bereich gerötet und fühlt sich warm an. Der jeweilige Knochenabschnitt ist durch die Entzündung meist geschwollen und oft ist dieser Körperabschnitt nicht mehr so beweglich.

Viele Betroffene stellen fest, dass der Schmerz im Ruhezustand abklingt, jedoch wieder auftritt, sobald die sportliche Aktivität wieder aufgenommen wird.

Auf einen Blick: Typische Symptome bei Knochenhautentzündung

  • Schwellung des entzündeten Bereichs
  • Schmerzen bei Belastung, teilweise auch in Ruhe
  • Druckschmerzen
  • eingeschränkte Beweglichkeit

Therapie

Eine Knochenhautentzündung (Periostitis) im Sport kann eine langwierige Therapie nach sich ziehen. Besonders wichtig für eine erfolgreiche Therapie ist eine konsequente Behandlung – und eine vorübergehende Sportpause. Es kann Wochen bis Monate dauern, bis der Betroffene wieder trainieren kann. Wichtig ist, die sportliche Aktivität nach Abklingen der Entzündung langsam zu steigern.

Eine Knochenhautentzündung kann sich verschlimmern und chronisch werden, wenn die betroffene Person das Training trotz Schmerzen fortsetzt. Sind die Schmerzen sehr intensiv oder treten sie immer wieder auf, sollten Sie sich frühzeitig ärztlichen Rat holen. Der Arzt wird der Ursache für die Entzündung auf den Grund gehen. Auch ist es wichtig, dass er andere Erkrankungen ausschließt, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen können.

Schmerzen sind ein Warnsignal! Bei Symptomen einer Knochenhautentzündung sollten Sie das Training abbrechen und sich schonen!

Bei akuten Schmerzen durch eine Knochenhautentzündung gilt:

  • Kühlen Sie den betroffenen Bereich, z.B. mit einem sogenannten "Hot-Ice"-Druckverband. Dabei gibt man Eiswürfel zusammen mit der Kompressionsbinde in eine Schüssel mit kaltem Wasser. Sobald die Eiswürfel geschmolzen sind, hat das Wasser die richtige Temperatur zum Kühlen. So lassen sich Hautschäden durch Kälte vermeiden.
  • Trainieren Sie den entzündeten Bereich vorübergehend nicht. Das Training sollten Sie erst dann wieder aufnehmen, wenn Sie bei Belastung keine Schmerzen mehr spüren – halten Sie am besten Rücksprache mit Ihrem Arzt. Bleiben Sie unter Ihrer Belastungsgrenze!
  • Weichen Sie ggf. vorübergehend auf andere Sportarten aus, die den betroffenen Körperbereich nicht belasten, so zum Beispiel auf Schwimmen.

Langfristig gibt es viele Therapiemöglichkeiten. Folgende Maßnahmen können zur Heilung beitragen:

  • Anpassung des Schuhwerks / der Trainingsausrüstung
  • individuelle Einlagen vom Orthopäden
  • örtliche Behandlung mit antientzündlichen Salben / Gelen
  • Optimierung des Trainings
  • gezieltes Training der Muskulatur
  • ggf. Behandlung mit antientzündlichen Medikamente, die eingenommen werden (z.B. mit Wirkstoffen aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika wie Diclofenac)
  • physiotherapeutische Maßnahmen, z.B. Knochenhautmassage (Periostmassage), gezielte Lockerung der Muskeln
  • physikalische Maßnahmen (z.B. Kältetherapie, niederfrequente elektrische Ströme, Magnetresonanztherapie, Ultraschall, Elektrotherapie)

Aber auch Enzympräparate oder muskelentspannende Medikamente (Muskelrelaxanzien) oder Akupunktur können zum Einsatz kommen.

Alle Faktoren, die zur Knochenhautentzündung beigetragen haben, sollte der Betroffene so gut es geht beseitigen. Nimmt der Sportler das Training wieder auf, sollte er sein Trainingsprogramm vorab analysieren und gegebenenfalls verändern, damit die Entzündung nicht erneut auftritt.

Nur in seltenen und hartnäckigen Fällen ist es nötig, den Entzündungsherd mithilfe eines chirurgischen Eingriffs zu entfernen.

Vorbeugen

Einer Knochenhautentzündung (Periostitis) im Sport können Sie nicht immer vorbeugen. Wer jedoch einige Dinge beachten, kann das Risiko deutlich senken!

Wenn Sie vorbeugen möchten, können folgende Punkte hilfreich sein:

  • Verzichten Sie auf extreme und zu intensive Belastungen im Sport, insbesondere, wenn Sie nicht ausreichend trainiert sind!
  • Besprechen Sie Ihren Trainingsplan mit einem Profi und passen Sie den Plan nach Ihren individuellen Bedürfnissen an. Nehmen Sie sich Zeit für Dehnübungen.
  • Achten Sie auf die Technik, zum Beispiel auf Ihren Laufstil – hier kann ein Profi beratend zur Seite stehen!
  • Nehmen Sie sich ausreichend Zeit zur Regeneration zwischen den Trainingseinheiten.
  • Prüfen Sie Ihre Sportausrüstung, so z.B. das Schuhwerk. Nutzen Sie ggf. orthopädische Einlagen beim Laufen.
  • Meiden Sie beim Laufen und Springen abrupten Bodenwechsel.
  • Setzen Sie Spikes und Stollenschuhe nur sparsam ein.