Colestyramin

Allgemeines

Colestyramin dient vor allem der Behandlung von Fettstoffwechselstörungen mit einer zu hohen Konzentration an Cholesterin im Blut. Dabei steht an erster Stelle eine entsprechende Diät. Wenn diese nicht genügend anschlägt, wird der Arzt zunächst einen Choesterinsenker aus der Wirkstoffgruppe der Statine geben. Wirkt auch dieser nicht ausreichend, kombiniert man mit Colestyramin. Colestyramin alleine findet hingegen nur dann Anwendung, wenn der Arzt Statine als unangemessen betrachtet oder der Patient diese nicht gut verträgt.

 

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Gallensäuren binden
  • Abbau von Cholesterin zu Gallensäure fördern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Colestyramin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Colestyramin nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Darmverschluss oder Verlegung des Gallengangs darf Colestyramin nicht angewendet werden. Ob dies auch für Verstopfung gilt, wird der Arzt nach seinen Untersuchungsergebnissen entscheiden.

Nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Colestyramin eingesetzt werden bei

  • Patienten mit überhöhter Blutkonzentration an Triglyceriden (über 3,4 Millimol/Liter), weil Colestyramin eine triglyceridsteigernde Wirkung hat
  • Erkrankung der Herzkranzgefäße und Angina pectoris, weil Colestyramin Verstopfung auslösen oder eine bestehende Verstopfung verschlimmern kann und die Anstrengung für die Patienten gefährlich ist
  • Schluckbeschwerden, schweren Bewegungsstörungen des Magen-Darm-Kanals, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Leberfunktionsstörungen oder größeren Operationen an Magen oder Darm, weil der Wirkstoff nicht bei solchen Patienten hinsichtlich Sicherheit und Wirkung untersucht wurde.
 

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Die Gabe von Colestyramin kann zur verminderten Aufnahme fettlöslicher Vitamine (Vitamin A, Vitamin D, Vitamin E, Vitamin K) in den Körper führen. Dies kann schwerwiegende Folgen für das Kind (Blutungsneigung) haben. Der Arzt wird deshalb die Einnahme von Colestyramin in der Schwangerschaft nur befürworten, wenn eine Senkung der Blutcholesterinwerte nicht anders möglich ist. Dabei muss jedoch auf eine ausreichende Zufuhr fettlöslicher Vitamine geachtet werden.

Da Colestyramin nicht in die Muttermilch ausgeschieden wird, darf es während der Stillzeit eingesetzt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Auch Kinder und Jugendliche können mit Colestyramin behandelt werden. Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht.

Um mögliche Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Kanal gering zu halten, wird der Arzt die Behandlung bei Kindern immer mit einer Dosis pro Tag beginnen lassen. Anschließend wird die Dosis schrittweise alle fünf bis sieben Tage bis zur erwünschten Wirkung gesteigert werden.

Welche Nebenwirkungen kann Colestyramin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Colestyramin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Verstopfung.

Häufige Nebenwirkungen:
Übelkeit, Völlegefühl, Sodbrennen, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Brechreiz, Blähungen, Durchfall.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Erbrechen.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Verstärkung von Fettstuhl, verminderte Aufnahme fettlöslicher Vitamine, zu wenig Folsäure im Blut, Übersäuerung des Körpers mit Chlorüberschuss (hyperchlorämische Azidose) bei Kindern und bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen unter Langzeittherapie.

Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsnennung:
Anstieg bestimmter Leber-Enzym-Werte (alkalische Phosphatase, Transaminasen) zu Beginn der Therapie, allergische Reaktionen sowie Rötungen und Reizungen der Haut, der Zunge und im Afterbereich.

 

Welche Wechselwirkungen zeigt Colestyramin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Da Colestyramin Wirkstoffe an sich binden kann, besteht grundsätzlich das Risiko, dass eingenommene Substanzen verzögert oder vermindert in den Körper aufgenommen werden. Dazu gehören vor allem der Entzündungshemmer Phenylbutazon, das Diuretikum Hydrochlorothiazid, die Antibiotika Tetracyclin und Penicillin G, das Antiepileptikum Phenobarbital und Schilddrüsenhormone. Wenn eine Wechselwirkung mit einem gleichzeitig angewendeten Wirkstoff nicht ausgeschlossen werden kann, sollte dieser mindestens eine Stunde vor oder vier Stunden nach Colestyramin eingenommen werden.

Nimmt ein Patient Blutverdünner (Antikoagluantien) ein, muss der Arzt die Blutgerinnung streng überwachen. Der Grund: Colestyramin hemmt die Aufnahme des gerinnungsfördernden Vitamin K in den Körper, kann aber auch die gerinnungshemmende Wirkung von Antikoagulantien beeinträchtigen.

Wird die Behandlung mit Colestyramin beendet, kann es bei Herzpatienten, die Herzglykoside erhalten, zu einer Erhöhung der Konzentration an diesen Wirkstoffen (beispielsweise Digoxin) im Blut kommen.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die vor der Einnahme begonnene Diät sollte während der Therapie beibehalten werden.
  • Das Medikament darf nie in trockener Form eingenommen werden. Die Verträglichkeit wird durch längeres Quellenlassen in Flüssigkeit verbessert.
  • Das Medikament kann die Aufnahme fettlöslicher Vitamine in den Körper beeinträchtigen. Diese Vitamine müssen eventuell ergänzt werden.
  • In vielen Fällen ist ein zeitlicher Abstand zur Einnahme weiterer Medikamente wichtig, um deren Wirkung nicht zu stören.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Welche Medikamente beinhalten Colestyramin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Colestyramin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

 
Medikament
Darreichungsform

 

So wirkt Colestyramin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Colestyramin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Cholesterinsenker, zu welcher der Wirkstoff Colestyramin gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Colestyramin

Colestyramin dient vor allem der Behandlung von Fettstoffwechselstörungen mit einer zu hohen Konzentration an Cholesterin im Blut. Dabei steht an erster Stelle eine entsprechende Diät. Wenn diese nicht genügend anschlägt, wird der Arzt zunächst einen Choesterinsenker aus der Wirkstoffgruppe der Statine geben. Wirkt auch dieser nicht ausreichend, kombiniert man mit Colestyramin. Colestyramin alleine findet hingegen nur dann Anwendung, wenn der Arzt Statine als unangemessen betrachtet oder der Patient diese nicht gut verträgt.

Weitere Anwendungsgebiete von Colestyramin sind Durchfall, der durch zuviel Gallensäuren verursacht wird, sowie Juckreiz und Gelbsucht, wenn die Gallengänge teilweise verschlossen sind.

 

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Colestyramin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Colestyramin

Colestyramin ist ein Harz, das Wasser bindet, dabei aber selbst nicht wasserlöslich ist. Außerdem ist es unverdaulich, sodass es nach seiner Wirkung den Darm unverändert verlässt. Im Magen-Darm-Kanal bindet Colestyramin gezielt Gallensäuren. Da der Wirkstoff eigentlich Colestyramin-Chlorid ist, wird das Chlorid beim Kontakt mit Salzen der Gallensäuren gegen den Gallensäurenrest ausgetauscht und es entsteht Natriumchlorid (Kochsalz, NaCl).

Gallensäuren werden in der Leber ausschließlich aus Cholesterin hergestellt. Während der normalen Verdauung werden diese Gallensäuren dann in den Darm abgegeben. Ein großer Teil von ihnen wird allerdings aus dem Darm wieder zurückgewonnen und zur Leber zurücktransportiert. Colestyramin bindet die Gallensäuren im Darm und hemmt ihre Rückführung. Erhält die Leber zu wenig Gallensäuren aus dem Darm zurück, beginnt sie mit der Gallensäuren-Neuproduktion, indem sie das Enzym Cholesterin-7α-Hydroxylase heraufreguliert. Dadurch stellt die Leber vermehrt Gallensäuren her und verbraucht somit mehr Cholesterin, das nicht nicht mehr im Blut erscheint.

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.