Eine Frau sitzt auf der Kloschüssel und hält eine Rolle Toilettenpapier in den Händen.
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Schmerzen beim Stuhlgang

Schmerzen beim Stuhlgang kommen häufig vor – aber kaum einer spricht darüber. Vor allem Menschen mit chronischer Verstopfung leiden oft unter Schmerzen beim Stuhlgang. Welche Ursachen außerdem infrage kommen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Der menschliche Stuhl besteht nicht nur aus unverdaulichen Nahrungsresten, sondern auch aus abgestoßener Darmschleimhaut, Schleim und Darmbakterien – sowie zu einem beträchtlichen Teil aus Wasser. Er hat im Normalfall eine eher weiche bis mittelharte Konsistenz.

Bei Verstopfung (Obstipation) ist der Stuhl jedoch meist sehr hart und trocken. Der Betroffene muss dann stark und häufig unter Schmerzen pressen, um den Darm zu entleeren. Das kann kleine Risse in der Schleimhaut des Afters begünstigen. Diese kleinen Risse, sogenannte Analfissuren, können brennende und stechende Schmerzen beim Stuhlgang verursachen. Daneben gibt es jedoch viele weitere Ursachen für Schmerzen beim Stuhlgang.

Schmerzen beim Stuhlgang: Welcher Arzt ist zuständig?

Schmerzen beim Stuhlgang gehören, ebenso wie Juckreiz und Nässen im Analbereich, medizinisch gesehen zu den sogenannten Proktalgien, also den Anal- oder Afterbeschwerden. Kommt es zu solchen Beschwerden, ist ein Facharzt für Enddarmerkrankungen – ein Proktologe – der richtige Ansprechpartner.

Schmerzen beim Stuhlgang: Ursachen

Der Proktologe kann die Ursachen für die Schmerzen beim Stuhlgang mithilfe verschiedener Untersuchungen klären und eine geeignete Therapie empfehlen. Vor allem bei anhaltenden oder sich verstärkenden Beschwerden empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Das gilt insbesondere bei Blutungen aus dem After oder Blut im Stuhl.

Schmerzen beim Stuhlgang können verschiedene Ursachen haben. Häufig entstehen die Schmerzen durch eine akute oder chronische Verstopfung. Ist der Stuhl sehr hart, müssen Betroffene stark pressen, um den Darm zu entleeren. Eine chronische Verstopfung begünstigt außerdem, dass Hämorrhoiden entstehen, die wiederum selbst zu Schmerzen und Problemen beim Stuhlgang führen können. Sehr schmerzhaft kann auch eine sogenannte Analvenenthrombose sein, also ein Blutgerinnsel in den kleinen Gefäßen des Analkanals.

Bei Durchfall (Diarrhö) reizt der häufige Kontakt mit den Ausscheidungen unter Umständen die sensible Schleimhaut des Afters. In der Folge kann sich diese entzünden und rissig werden. Sobald die gereizten Schleimhäute dann mit Urin oder Stuhl in Berührung kommen, können brennende Schmerzen am After auftreten. Auch wer sehr scharf isst, empfindet später mitunter einen brennenden Schmerz beim Stuhlgang. Meist liegen in solchen Fällen kleinste oberfächliche Risse der Analschleimhaut vor (sog. Analrhagaden) und keine echte tiefe Analfissur.

Bei einer Analfissur (Afterriss) handelt es sich um einen längs verlaufenden Riss der Schleimhaut im Bereich des äußeren Enddarms. Sie macht sich neben Schmerzen beim und nach dem Stuhlgang vor allem durch Blutauflagerungen im Stuhl bemerkbar.

Ebenfalls schmerzhaft sind Analabszesse, also eitrige Entzündungsherde, die sich im Gewebe abkapseln und zu starken Schmerzen beim Stuhlgang führen können. Als Folge von Analabszessen können sich Analfisteln bilden – entzündlich veränderte, schlauchartige Gänge im Analbereich. Eher selten treten Analfisteln auch im Zusammenhang mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) auf.

Zu den möglichen Ursachen für Schmerzen beim Stuhlgang zählt außerdem das Analekzem, eine unangenehme, stark juckende Entzündung am After, die mit einer geröteten Haut im Afterbereich einhergeht.

Daneben können auch Geschlechtskrankheiten (wie Syphilis oder Feigwarzen) Schmerzen beim Stuhlgang verursachen.

Selten sind dagegen bösartige Erkrankungen (wie Analkrebs, Enddarmkrebs) für die Beschwerden verantwortlich.

Schmerzen beim Stuhlgang in der Schwangerschaft und nach der Geburt

Viele Frauen leiden während der Schwangerschaft oder nach der Geburt unter Verstopfung und dadurch unter Schmerzen beim Stuhlgang. Das hat vor allem zwei Gründe. Zum einen ist die Verdauung während der Schwangerschaft verlangsamt. Denn durch die Hormonumstellung werden Bindegewebe und Muskeln weicher und schlaffer – auch die Darmmuskulatur. Im Darm wird der Nahrungsbrei daher langsamer als sonst transportiert. Der Stuhl wird dadurch stärker entwässert und härter. Als Folge müssen Betroffene beim Stuhlgang stärker pressen, was mit Schmerzen verbunden sein kann.

Zum anderem nimmt während der Schwangerschaft der Druck im Analbereich durch den wachsenden Bauch, das verstärkte Pressen bei Verstopfung und die hormonell bedingte Weitstellung der Blutgefäße zu. Das führt bei einigen Schwangeren zur Entwicklung von Marisken. Das sind harmlose äußere Hautfalten des Afters, die aber anschwellen und sich leicht entzünden können.

Weniger häufig kommt es zu echten Hämorrhoiden. Ein solches Hämorrhoidalleiden ist im Prinzip nicht gefährlich, geht im fortgeschrittenen Stadium aber auch manchmal mit Schmerzen beim Stuhlgang einher. Während der Austreibungsphase der Geburt können sich insbesondere Marisken, aber auch Hämorrhoiden verschlimmern, da die Presswehen den venösen Rückfluss behindern.

Ein solches Hämorrhoidalleiden ist im Prinzip nicht gefährlich, geht im fortgeschrittenen Stadium aber oft mit Schmerzen beim Stuhlgang einher. Während der Austreibungsphase der Geburt können sich Hämorrhoiden verschlimmern, da die Presswehen den venösen Rückfluss behindern.

Darüber hinaus kann der hohe Druck während einer Geburt unter Umständen dazu führen, dass eine der kleinen oberflächlichen Venen, die den Anus umgeben, platzt und Blut ins Gewebe eintritt. Unter der Haut bildet sich dann ein schmerzhaftes Blutgerinnsel, fachsprachlich Analthrombose genannt.

Schmerzen beim Stuhlgang: Diagnose

Wer häufiger Schmerzen beim Stuhlgang hat, sollte die Ursache vom Arzt abklären lassen, insbesondere wenn weitere Beschwerden wie Blut im Stuhl auftreten. Es ist empfehlenswert, den Arztbesuch nicht zu lange aufzuschieben. Denn zum einen lassen sich viele Analbeschwerden wie Hämorrhoiden in frühen Stadien gut behandeln. Zum anderen ist es wichtig, eventuell bösartige Ursachen wie Analkrebs oder Darmkrebs auszuschließen, selbst wenn diese Erkrankungen weitaus seltener auftreten. Der richtige Ansprechpartner für Schmerzen beim Stuhlgang ist ein Facharzt für Enddarmerkrankungen (Proktologe).

Um eine Diagnose stellen zu können, benötigt der Arzt einige Informationen vom Betroffenen, wie zum Beispiel:

  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Nässt und juckt der After?
  • Haben Sie Blut im Stuhl oder am Toilettenpapier bemerkt?
  • Wie oft haben Sie Stuhlgang?
  • Leiden Sie häufig unter Verstopfung oder Durchfall?
  • Sind bei Ihnen Hämorrhoidalleiden oder andere Erkrankungen bekannt?

Anschließend erfolgt in der Regel eine körperliche Untersuchung, bei der sich der Arzt den Analbereich genauer anschaut. Dafür legt sich der Betroffene mit angewinkelten Beinen auf einer Untersuchungsliege auf die Seite. Zunächst prüft der Arzt, ob bereits mit bloßem Auge erkennbare Veränderungen, Schleimhautrisse oder Entzündungen vorliegen. Mit dem Finger kann der Arzt zudem Veränderungen im Mastdarm ertasten. Der Fachausdruck für diese Tastuntersuchung lautet "digital-rektale Untersuchung".

Mit einem Spiegelinstrument, dem Proktoskop, schaut der Arzt zudem einige Zentimeter in den Analkanal hinein. Hierbei bittet der Arzt den Betroffenen in der Regel auch zu pressen beziehungsweise den Schließmuskel anzuspannen. Auf diese Weise lässt sich ein innerer Schleimhautvorfall beurteilen.

Je nach Verdacht sind weitere Untersuchungen notwendig, um die Ursache der Schmerzen beim Stuhlgang zu ermitteln. Dazu zählen beispielsweise eine Rektoskopie (Endoskopie des Mastdarms) oder eine Koloskopie (Darmspiegelung). Bei einer Darmspiegelung kann der Arzt tiefere Darmabschnitte betrachten als bei einer Proktoskopie. Auch Abstriche von der Analschleimhaut sowie die Entnahme einer Gewebeprobe können erforderlich sein, um herauszufinden, was genau die Schmerzen beim Stuhlgang hervorruft.

Video: Vergrößerte Hämorrhoiden

Schmerzen beim Stuhlgang: Behandlung

Welche Therapie bei Schmerzen beim Stuhlgang die richtige ist, hängt von der jeweiligen Ursache der Beschwerden ab.

Führt eine Verstopfung zu Schmerzen beim Stuhlgang, hilft es manchen Betroffenen bereits, sich mehr zu bewegen sowie genügend Flüssigkeit und Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Ballaststoffe vergrößern das Stuhlvolumen. Das regt die Darmbewegung an und sorgt dafür, dass der Stuhl im Darm leichter in Richtung After wandern kann. Kurz gesagt: Der Stuhl wird insgesamt lockerer und schneller ausgeschieden. Auch sanfte Darmmassagen (sog. Kolonmassagen) können dabei helfen, eine hartnäckige Verstopfung zu lösen.

Andere Betroffene wiederum brauchen Medikamente wie Abführmittel oder Mittel, die die Darmpassage fördern (sog. Prokinetika), um die Verstopfung zu bessern. Diese sollten jedoch möglichst nur nach ärztlicher Absprache eingenommen werden.

Bei vielen Analbeschwerden, die zu Schmerzen beim Stuhlgang führen, lindern Salben, Zäpfchen oder Einläufe (sog. Klysmen) die Symptome – sie enthalten schmerzstillende sowie juckreiz- und entzündungshemmende Wirkstoffe (wie Kortison, Lidocain und Hamamelis).

Auch Sitzbäder mit Kamille oder Teebaumöl erweisen sich möglicherweise als wohltuend – durch Studien belegt ist dies nicht. Vergewissern Sie sich jedoch, dass diese Stoffe hautverträglich sind und die Schleimhaut des Afters nicht zusätzlich reizen. Tragen Sie Teebaumöl niemals unverdünnt auf Schleimhäute auf.

Stellt der Arzt ein Hämorrhoidalleiden als Ursache für die Schmerzen beim Stuhlgang fest, reicht eine Therapie mit Salben und Zäpfchen häufig nicht aus. Dann ist es mitunter notwendig, die Knoten zu veröden (Sklerosierung), abzubinden (Ligatur) oder operativ zu entfernen. Eine Analvenenthrombose kann der Arzt ebenfalls chirurgisch behandeln.

Liegt ein Analabszess vor, entfernt der Arzt diesen operativ. Unbehandelt kann der Abszess zu Komplikationen und schlimmstenfalls zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen.

Bösartige Tumoren im Anal- und unteren Darmbereich (wie Analkrebs und Enddarmkrebs) erfordern eine spezielle, umfangreiche Behandlung (Chemo- und Strahlentherapie, ggf. Operation).

Schmerzen beim Stuhlgang: Vorbeugen