Bein einer Frau vor Fettabsaugung (Liposuktion).
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Liposuktion: Therapie bei Lipödem

Bei einer Fettabsaugung (Liposuktion) wird operativ Fettgewebe aus bestimmten Körperbereichen entfernt. Bei einem Lipödem ist dies medizinisch indiziert. Wie die Operation abläuft, welche Kosten entstehen, wann die Kasse zahlt und welche Risiken bestehen.

Was ist eine Liposuktion?

Nur bei wenigen, selten vorkommenden Krankheitsbildern mit vermehrter Fetteinlagerung wie dem Lipödem wird die Liposuktion als Therapie empfohlen. Meist wird sie aus kosmetischen Gründen durchgeführt.

 Zu den gängigsten Regionen einer Fettabsaugung bei Lipödem zählen

  • Beine (Oberschenkel und Waden),
  • Hüfte und Po,
  • Oberarme und Unterarme.

Die in Folge einer Fettabsaugung entstehende überschüssige Haut wird nur dann entfernt, wenn sie außerordentlich schlaff ist. Unter normalen Umständen schrumpft sich die Haut von selbst zurecht und passt sich so der neu geschaffenen Struktur im Unterhautgewebe an. Das durch die Wundheilung entstehende Narbengewebe bildet dabei die Stützstruktur für die darüber liegende Haut. Fettabsaugungen lassen sich an derselben Körperstelle mehrmals durchführen.

Kranke Fettzellen entfernen

Eine Liposuktion entfernt vorhandene Fettzellen endgültig, wenn auch nie vollständig. Es gilt: Einmal abgesaugte Fettzellen wachsen nicht mehr nach. Beim Lipödem ist dies erwünscht, da das kranke Fettgewebe zu starken Beschwerden führt und nicht durch Diäten oder mehr Bewegung abgebaut werden kann.

Der richtige Arzt für eine Liposuktion

Wer eine Liposuktion bei einem Lipödem plant, sollte sich eine spezialisierte Praxis suchen. Übliche Praxen für ästhetische Chirurgie, die Fettabsaugung als kosmetische Operation durchführen, sind nicht geeignet, auch, weil dort mit anderen Methoden gearbeitet wird. Beim Lipödem hingegen muss das kranke Fettgewebe lymphgefäß-schonend abgesaugt werden. Voraussetzung ist, dass Fachleute über entsprechende, zertifizierte Zusatzqualifikationen und ausreichende Erfahrungen hinsichtlich der Liposuktion bei Lipödem verfügen. Es sollten pro Jahr mindestens 50 dieser Operationen durchgeführt werden.

Sobald die Entscheidung für eine bestimmte Klinik getroffen ist, findet ein individuelles Aufklärungs- und Beratungsgespräch statt, indem auch geklärt wird, ob eine Fettabsaugung tatsächlich die geeignete Maßnahme ist.

Erfolgsaussichten der Liposuktion bei Lipödem

Durch die Operation werden die kranken Fettzellen des Lipödems entfernt, wodurch die meisten Patientinnen anschließend schmerzfrei sind. Auch die Kompression ist nach der Abheilung in den meisten Fällen nicht mehr notwendig. Somit kommt es in den allermeisten Fällen zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität.

Wichtig ist eine konsequente Weiterführung eines gesunden Lebensstils mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Sport. Zwar können die entfernten Fettzellen nicht wiederkommen, aber es kann sich an anderen Stellen, wie Bauch oder Kinn, neues Lipödemfett bilden. Dem beugt man am besten vor, indem das Körpergewicht stabil bleibt.

Die besten Ergebnisse durch eine Liposuktion werden beim Lipödem in den Stadien 1 und 2 erreicht.

Kosten einer Liposuktion

Bei einer Liposuktion liegen die Kosten je nach Umfang des Eingriffs weit auseinander: Abhängig von der gewählten Körperregion sowie dem Ausmaß des Fettabsaugens variieren die Preise zwischen 3.500 und 7.500 Euro. Oft sind bei einem Lipödem zwei bis vier Operationen notwendig.

Wann zahlt die Kasse eine Liposuktion?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Fettabsaugung unter Umständen anteilig oder vollständig. So werden seit 2020 die Kosten bei einem Lipödem im Stadium 3 übernommen. Allerdings werden die Kosten in den Stadien 1 und 2 nur selten übernommen.

2022 gab es eine Petition, die die Kostenübernahme in allen Stadien fordert. Derzeit laufen Studien, um dies zu untermauern. Allerdings müssen betroffene Frauen bisher einen Antrag auf Kostenübernahme bei ihrer Krankenkasse stellen und nach einem Gutachten beim medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) entscheidet die Kasse individuell über die Übernahme.

Die privat übernommenen Kosten für eine Liposuktion können bei medizinischer Indikation, die beim Lipödem vorliegt, beim Finanzamt steuerlich geltend gemacht werden. Hier sollte zuvor beim Finanzamt nachgefragt werden, ob ein Gutachten notwendig ist, da die Finanzämter dies unterschiedlich handhaben.

Vorbereitung auf eine Liposuktion

Eine Liposuktion erfordert eine gründliche Vorbereitung. Einige Wochen vor der Operation muss die Kompression konsequent getragen werden. Nur so ist das betroffene Gewebe weich und kann gut abgesaugt werden.

Weitere vor der OP zu beachtende Punkte:

  • Zwei Wochen vorher nach Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin keine blutverdünnenden Medikamente einnehmen (wie z. B. Acetylsalicylsäure)
  • Einnahme von weiteren Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln ärztlich absprechen
  • Zwei Wochen vor der Operation (und danach) nicht rauchen, da Nikotin sich negativ auf die Durchblutung des Gewebes auswirkt und zu Wundheilungsstörungen führen kann
  • Person organisieren, die in den ersten Tagen nach der OP zu Hause ist und helfen kann
  • Werden die Kosten privat getragen, sollte unbedingt eine Folgekostenversicherung abgeschlossen werden, falls es zu Komplikationen kommt

Bestehen zusätzlich Krampfadern, sollten diese vor der Liposuktion beseitigt werden. Das Körpergewicht sollte zudem unter 120 Kilogramm liegen, damit erfolgreich operiert werden kann.

Grundsätzlich gilt: Verschieben Sie die Liposuktion auf einen späteren Zeitpunkt, falls Sie sich körperlich abgeschlagen, niedergeschlagen oder krank fühlen. Gleiches gilt, wenn Sie sich hinsichtlich Ihrer Entscheidung noch nicht vollkommen sicher sind. Wenn Sie dagegen gesund sind, sich körperlich wohlfühlen und über einen stabilen Kreislauf verfügen, lässt sich das Fettabsaugen weitgehend risikofrei durchführen.

Liposuktion: Operationstechniken bei Lipödem

Bei einer Liposuktion aufgrund eines Lipödems müssen meistens große Mengen Fett abgesaugt werden. Pro Operation gibt es jedoch eine Obergrenze, die entfernt werden kann. Diese liegt bei etwa sechs bis acht Prozent des Körpergewichts in Litern. Aufgrund der speziellen Anforderungen bei einem Lipödem werden normalerweise bei der Liposuktion nur drei Techniken angewendet:

  • Wasserstrahl-assistierte Liposuktion (WAL)
  • Vibrations-assistierte-Liposuktion (VAL)
  • Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA)

Welche Methode die richtige ist, wird individuell festgelegt und hängt von den Erfahrungen der operierenden Person ab. Zwischen zwei Liposuktionen sollen mindestens vier Wochen liegen, allerdings empfehlen viele Fachleute eher acht bis zehn Wochen zur Regeneration.

Liposuktion: Operationsdauer und Verlauf

Die Operationsdauer beträgt je nach Körperbereich sowie Ausmaß der geplanten Liposuktion zwischen ein und zwei Stunden. Die Fettzellen werden per Absaugung entfernt und in einem Behälter gesammelt , um die Menge messen zu können. Dafür wird in der Regel eine Vollnarkose notwendig. Je nach Klinik wird der Eingriff ambulant durchgeführt oder ist mit einer Übernachtung zur Überwachung verbunden.

Am Ende des Eingriffs wird der Patientin die Kompression angezogen.

Heilung nach Liposuktion

Nach dem Eingriff muss die Kompression für einige Wochen getragen werden – und zwar Tag und Nacht. Die Kompressionsstrumpfhose (oder auch Boleros mit Armen) presst die Hohlräume zusammen, die durch die Fettabsaugung entstanden sind. Faktoren, die die Narbenbildung begünstigen – wie Blut, gelöstes Fett und Gewebeflüssigkeit – können sich dadurch nicht anstauen.

Schmerzen, Schwellungen und Blutergüsse gehen normalerweise in kurzer Zeit zurück. Drei Monate nach der Fettabsaugung sollten die Beschwerden nahezu vollständig verschwunden sein.  Das abschließende Ergebnis der Liposuktion kann erst nach etwa 12 bis 18 Monaten beurteilt werden.

Bei einer größeren Liposuktion wie bei einem Lipödem muss man von einer Arbeitsunfähigkeit von etwa zwei Wochen rechen. Bewegung und sportliche Aktivitäten können nach ärztlicher Rücksprache wieder aufgenommen werden.

Risiken der Liposuktion

Eine Fettabsaugung ist wie jeder andere operative Eingriff auch mit selten auftretenden Komplikationen verbunden, wie zum Beispiel einem niedrigen Narkoserisiko. Nach dem Fettabsaugen kann sich der betroffene Körperbereich für eine gewisse Zeit taub anfühlen. Entstandene Blutergüsse müssen konsequent bandagiert werden, da ansonsten das Risiko für die Entstehung von Narbenplatten steigt. Eine entsprechende Veranlagung erhöht das individuelle Risiko nach einer Liposuktion. Narbenplatten prägen sich unter Umständen so stark aus, dass sie als oberflächliche Unebenheiten sichtbar werden. Bilden sie sich über Wochen nach dem Fettabsaugen nicht oder nur langsam zurück, kann ein weiterer Eingriff die Narbenbildung korrigieren.

Weitere Risiken und mögliche Komplikationen bei einer Liposuktion sind:

  • Ansammlung von Wundflüssigkeit, die punktiert werden muss
  • Gewebsunregelmäßigkeiten wie Dellen oder Falten
  • Missempfindungen und Taubheitsgefühle
  • Lymphödem

In seltenen Fällen können kranke, im Körper verbliebene Fettzellen sich erneut vermehren (Rezidiv), sodass eine weitere Operation notwendig wird.