Richtig wiegen: Was das Ergebnis verfälschen kann
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Richtig wiegen: 5 Faktoren, die das Gewicht verfälschen können

Die Waage ist für viele Menschen ein wichtiges Messinstrument. Das Gewicht dient häufig als Indikator für einen gesunden Körper. Vor allem Menschen, die abnehmen möchten, steigen regelmäßig auf die Waage – und bemerken hin und wieder Gewichtsschwankungen. Das ist aber meist kein Grund zur Beunruhigung. Richtig wiegen will nämlich gelernt sein. Lesen Sie hier, was die Zahl auf der Waage verfälschen kann und worauf Sie beim Wiegen achten sollten.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Wer sein Gewicht regelmäßig kontrolliert, stellt vermutlich Schwankungen fest. Das kann zu Unmut führen, etwa, wenn man abnehmen oder zunehmen möchte und die Waage ohne ersichtlichen Grund eine höhere oder niedrigere Zahl als am Vortag anzeigt.

Gewisse Schwankungen sind aber völlig normal und deuten nicht zwangsläufig darauf hin, dass man über Nacht an Körperfett zugenommen hat. Oft wird vergessen, dass die Zahl auf der Waage weitaus mehr als nur den Körperfettanteil anzeigt. So spielen zum Beispiel Muskeln und Wasser im Körper ebenfalls eine große Rolle beim Wiegen. Doch es gibt noch mehr Faktoren, die das Körpergewicht verfälschen können.

Wir verraten Ihnen, warum die Zahl auf der Waage nicht unbedingt aussagekräftig ist und wie Sie typische Fehler beim Wiegen vermeiden.

5 Faktoren, die das Gewicht verfälschen können

1. Unterschiedliche Waagen – unterschiedliche Ergebnisse

Wer sich mal zu Hause, mal im Fitnessstudio wiegt, kennt das Phänomen vielleicht: Je nach Waage schwankt das Gewicht oft um mehrere Kilogramm. Das liegt daran, dass nicht jede Waage korrekt kalibriert ist. Kalibrierung bedeutet, die Genauigkeit der Waage zu messen, indem die Abweichung vom Soll- zum Normalwert bestimmt wird.

Mit der Zeit lässt die Genauigkeit von Waagen oft nach. Das geschieht durch Abnutzung und Veränderungen der Umgebungsbedingungen, etwa Schwankungen der Temperatur oder Luftfeuchtigkeit. Doch auch, wenn Sie die Waage gerade neu gekauft haben, kann das Ergebnis ungenau sein. Zwar gibt es gesetzliche Vorschriften, was die Genauigkeit von Personenwaagen angeht. Diese tolerieren aber relativ große Abweichungen.

Tipp: Waage selbstständig kalibrieren

Mithilfe von Prüfgewichten lässt sich leicht herausfinden, ob Ihre Waage den richtigen Messwert anzeigt. Hierzu können Sie beispielsweise eine Sporthantel oder eine Kettlebell mit Normgewicht verwenden. Einige Waagen werden auch zusammen mit einem Prüfgewicht verkauft.

Legen Sie das Referenzgewicht einfach zur Kontrolle auf die Waage, bevor Sie sich selbst wiegen. Sollte die Waage dabei ein zu niedriges oder zu hohes Gewicht anzeigen, können Sie die Differenz einfach abziehen oder hinzurechnen, wenn Sie im Anschluss selbst auf die Waage steigen.

2. Waage richtig aufstellen

Das Wiegeergebnis kann auch dann verfälscht werden, wenn die Waage auf dem falschen Untergrund steht. Ein Badezimmerteppich ist zum Beispiel nicht geeignet, da dieser häufig uneben ist. Besser ist ein gerader, rutschfester Untergrund, etwa Parkett oder Fliesen.

Auch sollte die Waage nicht zu nah an der Wand oder Tür stehen, sondern mindestens 30 Zentimeter davon entfernt. So verhindern Sie, dass Sie beim Wiegen die Waage ungleichmäßig belasten. Stellen Sie sich möglichst hüftbreit auf die Waage.

Übrigens: Falls Sie eine moderne Analysewaage verwenden, sollten Sie sich vor dem Wiegen nicht die Füße eincremen. Creme kann nämlich die Leitfähigkeit von Strom stören und somit ebenfalls das Wiegeergebnis verfälschen.

3. Ohne Kleidung wiegen

Um den eigenen Gewichtsverlauf gut nachvollziehen zu können, ist vor allem eines wichtig: konstante Bedingungen zu schaffen. Da die Kleidung, die wir am Körper tragen, tagtäglich variiert, kann das Messergebnis erheblich verfälscht werden.

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Wiegen Sie sich daher idealerweise ohne Kleidung und Schuhe. Je nach Art der Kleidungsstücke kann das sonst ein zusätzliches Gewicht von rund 0,7 bis 1,5 Kilogramm auf der Waage ausmachen.

4. Abends oder morgens: Wann wiegen?

Wer sich regelmäßig morgens und abends wiegt, wird vermutlich Schwankungen feststellen. Am Abend wiegen wir in der Regel bis zu 1,5 Kilogramm mehr als am Morgen. Das liegt zum einen daran, dass man über den gesamten Tag Nahrung und Flüssigkeit aufgenommen hat. Auch ein Training – und der Trainingszeitpunkt – kann sich auf das abendliche Gewicht auswirken.

Wer sich hingegen morgens wiegt, hat davor rund acht Stunden lang weder getrunken noch gegessen. Zudem arbeitet der Körper auch im Schlaf. Für lebenswichtige Prozesse wie Atmung und Stoffwechsel benötigt der Organismus Energie und verbraucht dementsprechend auch nachts Kalorien. Wer im Schlaf viel schwitzt, verliert zusätzlich Wasser und somit Gewicht.

Um beim Wiegen jeweils möglichst gleiche Bedingungen zu schaffen, sollten Sie sich daher immer morgens, direkt nach dem Aufstehen und vor dem Frühstück wiegen.

5. Hormonschwankungen können das Gewicht verfälschen

Vor allem Frauen erleben mitunter starke Gewichtsschwankungen durch hormonelle Veränderungen. Während der Menstruation kann es zum Beispiel zu Wassereinlagerungen, also Ansammlungen von Wasser im Gewebe, kommen.

Denn während der Periode vergrößern sich die Blutgefäße und sind somit durchlässiger für Flüssigkeiten. Auf der Waage kann sich das mit bis zu zwei Kilogramm mehr zeigen.

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Neben der Periode gibt es aber auch andere Ursachen für Wassereinlagerungen, die das Körpergewicht verfälschen können:

Schwangerschaft

Vor allem in den letzten Schwangerschaftswochen haben viele Frauen geschwollene Beine, Füße oder Hände. Ähnlich wie bei der Menstruation liegt auch hier die Ursache bei den Hormonen, die das Bindegewebe verändern und durchlässiger machen.

Erkrankungen

Wassereinlagerungen können auf verschiedene Erkrankungen hinweisen, etwa auf eine Fettverteilungsstörungen wie das Lipödem oder eine Erkrankung der Nieren. Sollte dieser Verdacht bestehen, kontaktieren Sie auf jeden Fall Ihren Arzt oder Ihre Ärztin.

Ernährung

Auch eine falsche Ernährung kann zu Wassereinlagerungen führen. Lebensmittel, die viel Salz enthalten, bringen den Wasserhaushalt durcheinander: Der Organismus beginnt, mehr Flüssigkeit zu speichern, wodurch Ödeme, also Wassereinlagerungen entstehen können.

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Hitze

Bei warmen Temperaturen weiten sich die Blutgefäße und Flüssigkeit wird ins umliegende Gewebe gepresst. Dadurch entstehen Wassereinlagerungen und es kann kurzfristig zu einer Gewichtszunahme kommen. Meist sind vor allem Beine, Füße, Fußknöchel und Hände betroffen.

Warum die Zahl auf der Waage allein wenig aussagt

Das Körpergewicht kann ein wichtiger Indikator sein, wenn man sein Gewicht kontrollieren und seine körperliche Gesundheit im Blick behalten will. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass eine gewisse Schwankung des Gewichts normal ist. Zudem gibt es noch andere Faktoren, die weitaus mehr über die körperliche Fitness aussagen.

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Zum einen wiegen Muskeln mehr als Fett. Es ist also möglich, dass Sie an Körperfett verlieren, sich die Zahl auf der Waage aber trotzdem nicht verändert oder sogar steigt. Wer dies genau nachvollziehen möchte, sollte sich eine Körperfettwaage zulegen. Solche Körperfettmessungen werden mitunter auch im Fitnessstudio durchgeführt.

Körperliche Veränderungen kann man zudem auch ohne tägliches Wiegen kontrollieren. Hilfreich sind hierfür andere Indikatoren, etwa:

  • die Dokumentation durch Fotos
  • Körpermessungen mithilfe eines Maßbandes
  • Kleidung: Sitzt sie enger oder lockerer?

Sich nur auf die Waage zu versteifen, kann den Blick für körperliche Veränderungen verzerren. Zudem kann tägliches, akribisches Wiegen zu einem kritischen Selbstbild führen und unter Umständen begünstigen, dass sich ein problematisches Essverhalten oder sogar einer Essstörung entwickelt.