Abhängigkeit: Frau raucht eine Zigarette.
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Sucht: Definition, Ursachen und Symptome

Suchterkrankungen wie Alkoholsucht, Drogensucht oder Nikotinsucht sind weit verbreitet und ziehen ernste gesundheitliche Folgen nach sich. Wie kommt es zu einer Sucht, welche Anzeichen können auf eine Abhängigkeit hindeuten und was hilft Betroffenen beim Entzug?

Was ist eine Sucht?

Eine Sucht bezeichnet das zwanghafte Bedürfnis, also die psychische oder körperliche Abhängigkeit nach einer Substanz oder einem Verhalten. Im Volksmund werden die Begriffe Sucht und Abhängigkeit oft synonym verwendet. Fachleute unterscheiden wie folgt:

  • Abhängigkeit: Eine Abhängigkeit ist immer auf eine bestimmte Substanz bezogen – zum Beispiel auf Alkohol oder Cannabis.

  • Sucht: Eine Sucht kann sich auch auf Verhaltensweisen beziehen, so etwa bei Spielsucht, Kaufsucht oder Internetsucht – sie muss also nicht stoffgebunden sein. Zudem kann mit Sucht auch eine menschliche Eigenschaft wie Streitsucht oder Eifersucht gemeint sein.

Da der Begriff Sucht mehrdeutig und unspezifisch ist, bezeichnen Fachleute substanzgebundene Süchte mittlerweile als Abhängigkeit.

Wie lässt sich eine Sucht erkennen?

Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) müssen mindestens drei der sechs folgenden Kriterien erfüllt sein, damit eine Sucht diagnostiziert wird.

  • Starkes Verlangen: Die abhängige Person verspürt ein starkes Verlangen, die Droge zu konsumieren.

  • Toleranzentwicklung: Die betroffene Person benötigt immer größere Mengen der Droge, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

  • Kontrollverlust: Suchtkranke haben Probleme damit, ihr Verhalten in Bezug auf die Droge zu kontrollieren. So fällt es ihnen beispielsweise schwer, sich an eine festgelegte Dosis zu halten.

  • Entzugserscheinungen: Wird die Menge reduziert oder die Droge abgesetzt, treten körperliche Entzugserscheinungen auf.

  • Sozialer Rückzug und Interessenverlust: Betroffene vernachlässigen zunehmend ihren Beruf sowie Personen und Interessen, die ihnen vorher wichtig waren.

  • Abstinenzunfähigkeit: Obwohl die Person weiß, dass der Konsum bereits zu sozialen, körperlichen oder psychischen Schäden geführt hat, ist sie nicht in der Lage, die Sucht zu stoppen.

Typisch ist zudem, dass Suchterkrankte mit der Zeit eine Konsumroutine entwickeln. Einige Betroffene haben nach dem Konsum Schuldgefühle, andere leugnen ihre Sucht vor anderen oder verheimlichen diese. Negative Folgen des Konsums werden ignoriert. Häufig sind betroffene Personen kaum wiederzuerkennen: Persönlichkeit, Verhalten, Gewohnheiten und auch das Aussehen verändern sich zunehmend.

Heute zählt die Sucht zu den größten gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Problemen unserer Zeit – insbesondere die Alkoholabhängigkeit. Einerseits entstehen durch verringerte Arbeitsleistung oder Unfälle hohe direkte und indirekte Kosten, andererseits sorgt Abhängigkeit im sozialen Umfeld für schwerwiegende Folgen. Auch nahestehende Angehörige und Freunde leiden unter der Sucht (Co-Abhängigkeit).

Häufigkeit von Suchterkrankungen

Etwa fünf bis sieben Prozent der allgemeinen Bevölkerung leiden unter einer Sucht. Dabei kommt der Alkoholabhängigkeit die größte Bedeutung zu. In Deutschland sind etwa 1,6 Millionen Menschen von Alkohol abhängig. Die Zahl der Medikamentenabhängigen liegt bei rund 1,4 Millionen. Circa 250.000 Menschen in Deutschland sind von harten Drogen wie Kokain oder Heroin abhängig. Unter den Alkohol- und Drogenabhängigen finden sich mehr Männer, Frauen hingegen sind häufiger von Medikamentenabhängigkeit betroffen.

Häufige Substanzen, die eine Sucht auslösen

Eine Suchterkrankung kann durch unterschiedliche Drogen ausgelöst werden – an erster Stelle rangiert in Deutschland die Alkoholabhängigkeit mit etwa 1,6 Millionen Betroffenen. Weitere suchtfördernde Drogen sind beispielsweise:

Aber auch Nikotin kann in die Abhängigkeit führen. Nikotinabhängigkeit macht neben Alkoholismus den größten Teil aller Suchterkrankungen in Deutschland aus.

Ursachen von Sucht

Suchterkrankungen können vielfältige Ursachen haben. Sie entwickeln sich durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren, so zum Beispiel:

  • die Art der Droge
  • die Persönlichkeit des Menschen
  • die persönliche Lerngeschichte
  • das soziale Umfeld
  • genetische Einflüsse

Die Entstehung einer Sucht wird also aus einer Kombination verschiedener Risikofaktoren und Ursachen begünstigt. Kinder schauen sich den Konsum von Drogen wie Alkohol oft von ihren Eltern ab. Sie erleben, dass Alkohol zur Freizeit gehört und auch zur Problemlösung eingesetzt wird und übernehmen später häufig dieses Verhalten. Aber auch der Einfluss von Gleichaltrigen ist groß.

Medikamentenmissbrauch beruht häufig auf körperlichen Beschwerden und psychosomatischen Störungen (z. B. Angst, Unruhe, affektive Störungen). Diese Beschwerden entstehen oft durch Arbeits- und Lebensbedingungen wie Zeitdruck, emotionale Belastung und Isolation, die zu Konflikten und Spannungen führen. Gegen die Symptome nehmen Erkrankte selbstgewählte oder verordnete Medikamente unkontrolliert ein, bis schließlich eine Sucht entsteht.

Bestimmte Merkmale der Suchtmittel können Abhängigkeit begünstigen

Ob sich eine Sucht entwickelt, hängt zudem von bestimmten Merkmalen der Droge ab. Zum einen ist entscheidend, wie leicht verfügbar ein bestimmtes Suchtmittel ist. Die Tatsache, dass Alkoholsucht den größten Teil aller Suchterkrankungen ausmacht, ist zumindest teilweise darauf zurückzuführen, dass Alkohol in Deutschland sehr leicht zu beschaffen ist.

Jedoch scheint auch der "Reiz des Verbotenen" bei illegalen Substanzen eine Sucht zu begünstigen. Darüber hinaus spielt die Wirkung des jeweiligen Suchtmittels eine wichtige Rolle. So führt zum Beispiel Alkoholkonsum zur Enthemmung und löst Ängste. Bei Medikamentenabhängigkeit steht zumindest am Anfang die schmerzlindernde oder beruhigende Wirkung im Vordergrund.

Ein weiteres einflussreiches Merkmal der Substanz ist ihr Abhängigkeitspotenzial, das heißt wie leicht sie zu psychischer oder körperlicher Abhängigkeit führt.

Gruppendynamik als Risikofaktor für Suchterkrankungen

Auch bestimmte Lebenssituationen und soziale Umfelder können suchtfördernd wirken. So wird beispielsweise in unserer Gesellschaft Alkoholkonsum nicht nur toleriert, sondern gehört fast schon zum Alltag. In bestimmten Gruppen gibt es feste Trinkrituale. Abstinenz stößt auf Unverständnis, Trinkfestigkeit wird gelobt. Auch ideologische Faktoren spielen eine Rolle – in der Hippie-Bewegung gehörte etwa Haschisch zum Lebensgefühl.

Formen der Sucht

Je nach Droge unterscheiden Fachleute folgende Formen der Abhängigkeit:

  • Morphin-/Opiat-Typ: Opium, Heroin, Methadon und einige stark wirksame Schmerzmittel besitzen unter den Suchtmitteln das höchste Abhängigkeitspotenzial. Es entsteht sowohl eine psychische als auch körperliche Sucht mit rascher Dosissteigerung.

  • Barbiturat-Typ: Bei Schlafmitteln (Barbituraten) besteht ein beträchtliches Abhängigkeitspotenzial. Nach dem Absetzen kommt es zu Symptomen wie Unruhe, Zittern (Tremor) oder Angst. Das Medikament muss langsam ausgeschlichen werden.

  • Alkohol-Typ: Alkohol kann sowohl psychisch als auch körperlich süchtig machen. Typisch sind ein maßloser Konsum und Kontrollverlust.

  • Kokain-Typ: Bei Kokain-Konsum entsteht eine starke psychische, aber keine körperliche Abhängigkeit. Beim Entzug stellt sich depressive Stimmung mit Reizbarkeit und Ängsten ein.

  • Cannabis-/Marihuana-Typ: Beim Konsum von Cannabis beziehungsweise Marihuana entwickeln Konsumierende eine psychische Abhängigkeit. Ein charakteristisches Entzugssyndrom gibt es nicht. Relativ häufig treten akute Angstreaktionen oder depressive Verstimmungen auf. Möglich ist auch ein Nachrausch ohne Einnahme der Droge.

  • Amphetamin-Typ: Amphetamine – synthetisch hergestellte, stimulierende Substanzen – werden zur Antriebs- und Leistungssteigerung (Doping) und als Appetitzügler eingenommen. Zu den Amphetaminen zählt auch die vollsynthetisch hergestellte Droge Ecstasy. Es entsteht eine psychische, aber keine körperliche Abhängigkeit.

  • Halluzinogen-Typ: Beim Halluzinogen-Typ besteht starke psychische Abhängigkeit mit Tendenz zur raschen Dosissteigerung, es bildet sich aber keine körperliche Abhängigkeit. Die Substanzen sind teils synthetischen (LSD, Mescalin), teils pflanzlichen (Pilze, Kakteen) Ursprungs. Bei Entzug reagieren Betroffene depressiv und gereizt.

Zunehmend dienen auch Lösungsmittel, Klebstoffe oder Lacke als Suchtmittel ("Schnüffelsucht").

Einige Suchtkranke leiden unter einer Mehrfachabhängigkeit (Polytoxikomanie). So konsumieren viele Drogenabhängige zusätzlich zu anderen Suchtmitteln Alkohol und Medikamente als Ersatzstoffe gegen Entzugserscheinungen. Dadurch wird die Entzugsbehandlung erheblich erschwert.

Nicht zuletzt spielen auch nicht-stoffgebundene Süchte eine große Rolle, so zum Beispiel:

  • Spielsucht
  • Internetsucht
  • Kaufsucht
  • Sexsucht
  • Arbeitssucht (Workaholism)
  • Sucht nach Extremsituationen (Thrilling)

Folgen von Sucht

Die Einnahme süchtig machender Substanzen geht zunächst mit angenehmen Effekten einher, zum Beispiel mit

  • Euphorie,
  • Glücksgefühlen,
  • Abbau von Hemmungen und
  • Leistungssteigerung.

Mit der Zeit treten allerdings diverse unerwünschte Nebenwirkungen auf, die verheerende Folgen mit sich bringen können. Hierzu zählen körperliche Symptome, aber auch psychische und soziale Probleme.

Bei einer Sucht treten häufig Symptome und Entzugserscheinungen auf wie:

Häufig kommt es im Rahmen einer substanzabhängigen Abhängigkeit zu Vergiftungserscheinungen. Diese reichen zunächst von gesteigertem Leistungsgefühl, Euphorie und Reaktionsverlangsamung über Veränderungen der Muskelfeinbewegung und Sehstörungen bis hin zu möglichem Umschlagen in depressive Verstimmung und Übergang in einen narkotischen Zustand.

Eine Suchterkrankung kann zudem existenzielle Folgen haben: Betroffene vernachlässigen häufig ihre Pflichten, was sich auch negativ auf den Job auswirken und beispielsweise eine Kündigung zur Folge haben kann. Damit beginnt die Abwärtsspirale oft. Auch im sozialen Umfeld kann eine Sucht zu großen Problemen führen. Hilflose Angehörige wissen oft nicht weiter, wenden sich ab oder entwickeln sogar eine Co-Abhängigkeit.

Wie wird eine Suchterkrankung behandelt?

Die Therapie einer Abhängigkeit erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst muss die Motivation gegeben sein, von der Droge loszukommen. Erst dann können Abhängige einen Entzug machen. In der anschließenden Entwöhnungsphase soll erlernt werden, auf Dauer ohne die schädigende Substanz zu leben. Um einen Rückfall zu vermeiden, ist die Nachsorge durch medizinische Fachleute, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen sehr wichtig.

Bei einer Sucht dient die Therapie dazu, die betroffene Person in ihrer Persönlichkeit zu stabilisieren, sie zu rehabilitieren und vor allem zu reintegrieren. Ziel ist die vollständige Abstinenz. Entscheidend ist dabei, die erkrankte Person zu motivieren und Rückfällen vorzubeugen.

Die Suchttherapie einer substanzgebundenen Abhängigkeit von Substanzen wie Alkohol, Medikamente oder harten Drogen gliedert sich in mehrere Phasen.

  • Kontakt- und Motivationsphase: In dieser ersten Phase der Therapie geht es darum, die Abhängigkeit zu erkennen, was aufgrund der Tendenz zur Verheimlichung oft erst sehr spät geschieht. Der*die Suchtkranke muss zur Therapie motiviert werden, wobei der Einfluss von Selbsthilfegruppen hilfreich sein kann.

  • Entgiftungsphase (körperlicher Entzug): In der Entgiftungsphase, die meist stationär erfolgt, muss besondere Aufmerksamkeit auf Entzugserscheinungen gerichtet werden.

  • Entwöhnungsbehandlung: In der Entwöhnungsphase soll der*die Betroffene lernen, ohne die Droge zu leben; dabei kommen vielfältige psychotherapeutische Maßnahmen zum Einsatz. Erkrankte sollen beispielsweise durch die Gruppentherapie erneut Eigenverantwortung entwickeln und größeres Selbstbewusstsein aufbauen.

  • Nachsorge- und Rehabilitationsphase und Rückfall-Vorbeugung: In der folgenden Nachsorge- und Rehabilitationsphase geht es um eine langfristige Stabilisierung der Betroffenen. Dabei spielen die Unterstützung beim Wiedereinstieg in den Beruf und das gewohnte Umfeld eine entscheidende Rolle. Um Rückfällen vorzubeugen, ist das Treffen mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oft hilfreich.

Bei der Suchttherapie arbeiten verschiedene Stellen eng zusammen: Der erste Kontakt erfolgt meist durch Drogenberatungsstellen, die hausärztliche Praxis oder Psychiater*innen.

Die Entzugs- und Entwöhnungsbehandlung erfolgt dann überwiegend in Kliniken mit ärztlicher und psychologischer Unterstützung. Bei der anschließenden Nachsorge und Rehabilitation kommt Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen eine entscheidende Bedeutung zu. Der Wiedereinstieg in den Beruf wird in der Regel von Sozialarbeiter*innen unterstützend begleitet.

Sucht: Typischer Verlauf

Suchterkrankungen nehmen häufig einen chronischen Verlauf. Nur ein geringer Prozentsatz schafft den Selbstentzug von einer substanzabhängigen Sucht. Die Lebenserwartung von Alkohol- und Drogenabhängigen ist deutlich reduziert.

Aber auch Personen, die nicht von einer Substanz abhängig, sondern süchtig nach etwas anderem sind – zum Beispiel Einkaufen, Glücksspielen oder Arbeiten – leiden sehr unter ihrem Verhalten und schaffen es ohne Hilfe oft nicht, davon loszukommen. Sie geraten beispielsweise in finanzielle Schwierigkeiten oder isolieren sich zunehmend.

Wie lässt sich einer Sucht vorbeugen?

Suchtprävention hat das Ziel, Abhängigkeiten vorzubeugen – egal, ob es sich um Alkoholsucht, Spielsucht oder eine andere Sucht handelt.

Damit Abhängigkeit und Sucht gar nicht erst entstehen können, sollten Kinder und Jugendliche schon frühzeitig über die schädigende Wirkung von Drogen aufgeklärt werden. Ein gesundes Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, "Nein" sagen zu können, sind wichtige Voraussetzungen, um zu widerstehen.

Je stärker die Persönlichkeit eines Kindes oder eines*einer Jugendlichen ist, desto eher lässt sich eine Abhängigkeit von bestimmten Substanzen verhindern. Daher ist es in der primären Suchtprävention wichtig, junge Menschen entsprechend zu fördern und ihnen Kompetenzen an die Hand zu geben, um verantwortungsvoll mit Suchtmitteln umzugehen.

Eltern sowie andere Vertrauenspersonen sollten Vorbild sein und Kinder und Jugendliche frühzeitig über die Risiken von Drogenkonsum aufklären. Aufklärende Programme an Schulen und gemeinnützigen Zentren können dies unterstützen.

Sekundäre und tertiäre Suchtprävention

Wenn jemand bereits gefährdet ist, abhängig oder süchtig zu werden, setzt die sogenannte sekundäre Suchtprävention an: So können beispielsweise Sozialarbeiter*innen dabei helfen, Jugendliche zu stärken und ihnen alternative Freizeitmöglichkeiten bieten.

Bei Menschen, die abhängig waren, greift die tertiäre Suchtprävention: Ziel ist es, einen Rückfall zu verhindern, so zum Beispiel in Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen.

Damit eine Sucht gar nicht erst entsteht ist es wichtig, schon bei den ersten Anzeichen zu reagieren. Hilfe erhalten Betroffene bei verschiedenen Beratungsstellen: