Ein Arzt mit Stirnlampe hält einen Spachtel in die Kamera.
© Getty Images

Entzündungen im Mund- und Rachenraum

Entzündungen in Mund und Rachen treten meist in Form von Schwellungen und Rötungen auf, die äußerst schmerzhaft sein können. Lesen Sie hier, welche Ursachen hinter einer solchen Entzündung stecken kann und wie sie sich behandeln und vorbeugen lässt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Entzündungen im Mund- und Rachenraum

Geschwollen, gerötet, wund: Wenn sich der Mund- oder Rachenraum entzündet, ist das für Betroffene sehr unangenehm. Manchmal sind an den entzündeten Stellen weiße oder gelbliche Beläge sowie flüssigkeitsgefüllte Bläschen zu finden. Auch linsengroße oberflächliche Geschwüre der Mundschleimhaut, die von einem roten, entzündlichen Hof umgeben sind, können auftreten. Mitunter kommt es zu Blutungen.

Bei anhaltenden Entzündungen des Zahnfleisches kann es zur Lockerung der Zähne und Zahnausfall kommen. Schmerzen beim Schlucken, vermehrter Speichelfluss, Mundgeruch, sowie ein unangenehmer Geschmack im Mund können hinzukommen. Mitunter tritt Fieber auf.

Entzündungen im Mund- und Rachenraum: Ursachen

Mundhöhle und Rachen sind mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die dicht mit Mikroorganismen besiedelt ist. Pro Quadratzentimeter findet man etwa eine Million Bakterien. Die meisten sind harmlose und nützliche Mitbewohner unseres Körpers, aber einige sind mögliche Krankheitserreger.

Auf den Zähnen und in ihrer unmittelbaren Umgebung findet man vor allem solche Bakterien, die Zucker zu Säure abbauen. Insbesondere Bakterien aus der Familie der Streptokokken geben reichlich Milchsäure ab, die der Zahnsubstanz den Kalk entzieht und Zahnschäden verursacht. Auch das Zahnfleisch wird dabei manchmal in Mitleidenschaft gezogen.

Zahnfleischentzündungen

Zahnfleischentzündungen werden häufig von Bakterien wie Actinobacillus und Porphyromonas gingivalis verursacht. Sie siedeln sich in den Spalten zwischen Zahn und Zahnfleisch an, vor allem, wenn dort Nahrungsmittelreste zu finden sind. Ihre Stoffwechselprodukte schädigen die Schleimhaut und das darunterliegende Gewebe und führen so zu Schwellungen, Rötungen und Blutungen. Langfristig kann das Zahnfleisch schweren Schaden nehmen, wodurch sich die Zähne lockern. Erkrankungen des Zahnhalteapparates werden unter dem Begriff Parodontose zusammengefasst.

Insbesondere bei Säuglingen, bei Personen mit Abwehrschwäche sowie bei älteren Menschen können im Mundraum Hefepilzinfektionen auftreten. Die Erkrankung ist erkennbar durch weiße Beläge an Zunge, Wange oder Gaumen. Die Schleimhaut ist gerötet, schmerzt und neigt zu Blutungen.

Schmerzende und juckende Bläschen durch Herpes-Viren bleiben nicht immer auf die Lippen beschränkt, auch die Mundschleimhaut kann betroffen sein.

Apthen: Ursache bislang nicht bekannt

Nicht immer sind Bakterien, Pilze oder Viren an Schmerzen und Entzündungen schuld, sondern auch Aphten. Aphthen sind nicht infektiöse, linsengroße oberflächliche Geschwüre der Mundschleimhaut. Oft sind sie von einem roten, entzündlichen Hof umgeben. Man findet sie am Mundboden, seitlich und unten an der Zunge sowie an der Innenseite der Lippen. Aphthen sind sehr schmerzhaft und können Essen und Sprechen erheblich behindern. Nach einigen Tagen heilen sie meist narbenlos ab. Was genau diese Geschwüre auslöst, ist bislang unbekannt. Eine erbliche Veranlagung, Durchblutungsstörungen der Schleimhaut sowie ein Mangel an Vitamin B12 oder Eisen werden diskutiert.

Die Mundschleimhaut ist reich an kleinen Speicheldrüsen, die die Oberfläche feucht halten. Entzündungen der Mundschleimhaut werden durch mangelnden Speichelfluss gefördert. Eine trockene Mundschleimhaut ist leichter verletzbar und anfällig für Infektionen. Auch ein Mangel an Mineralien (zum Beispiel Eisen) oder Vitaminen kann die Mundschleimhaut beeinträchtigen.

Wenn die Immunabwehr nicht ausreicht

Im Rachenraum findet sich viel lymphatisches Gewebe, dazu gehören die Rachen- und die Gaumenmandeln. Hier sammeln sich Zellen der Immunabwehr um die Verteidigung gegen krankmachende Mikroorganismen zu organisieren. Manchmal reicht die Immunabwehr jedoch nicht aus und es kommt zu Infektionen. Häufig handelt es sich um Infektionen durch Streptokokken (Scharlach, Mandelentzündung), die von starken Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Fieber begleitet sind.

Eine akute Rachenentzündung (Pharyngitis) wird meist durch Schnupfen- oder andere Erkältungsviren hervorgerufen und führt zu Halsschmerzen und allgemeinem Unwohlsein.

Entzündungen im Mund- und Rachenraum: Diagnose

Wann zum Arzt?

Ein Arztbesuch ist notwendig, wenn die Ursache der Entzündung nicht bekannt ist und Schmerzen sowie weitere Entzündungszeichen stark sind oder über mehrere Tage anhalten. Ein weiteres Warnzeichen ist Fieber.

Bei Anzeichen für eine Pilzinfektion (weißliche Beläge), insbesondere bei Säuglingen, sollte umgehend ärztliche Hilfe aufgesucht werden.

Wenn Säuglinge oder Kleinkinder die Nahrungsaufnahme aufgrund von Entzündungen verweigern, kann es rasch zu schweren Störungen des Flüssigkeitshaushaltes kommen. Deshalb sollte bereits bei den ersten Anzeichen ein*e Ärzt*in zu Rate gezogen werden.

Diagnose und Untersuchung

Zunächst wird der*die Ärzt*in eine Anamnese durchführen und Sie befragen:

  • Seit wann besteht die Entzündung?
  • Wie war der Verlauf?
  • Welche begleitenden Beschwerden (z. B. Fieber) treten auf?
  • Kam es in der Vergangenheit bereits zu ähnlichen Entzündungen?
  • Haben Sie in letzter Zeit anders gegessen und/oder Kosmetika/Pflegemittel verwendet, die sie sonst nicht benutzt haben?

Anhand der Symptome und einer körperlichen Untersuchung wird der*die Ärzt*in die Ursache für die Entzündung ermitteln. Eventuell wird er*sie einen Schleimhautabstrich anfertigen.

Lesetipp: Einmal Herpes, immer Herpes?

Entzündungen im Mund- und Rachenraum: Therapie

Das können Sie selbst tun

Entzündungen des Mund- und Rachenraumes kann man durch sorgfältige Zahn- und Mundpflege vorbeugen. Das regelmäßige Anwenden von Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten schützt vor Zahnfleischentzündungen.

Eine ausgewogene Ernährung mit frischem Obst, Gemüse und Vollkornprodukten beugt Mineralien- und Vitaminmangel vor und stärkt die körpereigene Abwehr. Süßigkeiten sollten nur in Maßen verzehrt werden.

Bei der Ernährung von Säuglingen (Stillen oder Flaschennahrung) ist auf gute Hygiene zu achten. Bei kleinen Kindern sollte mit dem Erscheinen der ersten Zähne die Mundpflege beginnen.

Eine Zahnprothese muss gut angepasst und täglich gereinigt werden.

Mangelnder Speichelfluss kann durch das Kauen von Kaugummi oder das Lutschen zuckerfreier Bonbons angeregt werden. Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit gutem Spüleffekt ist zu achten.

Welche Medikamente helfen?

Entzündungen und Schmerzen im Mund- und Rachenraum können mit einer Vielzahl antiseptischer Mittel behandelt werden. Als pflanzliche Wirkstoffe stehen Extrakte aus Kamille, Salbei und Myrrhe zur Verfügung. Gängig sind außerdem folgende Medikamente:

  • Im Fall einer bakteriell bedingten Erkrankung wird der*die Ärzt*in Antibiotika, beispielsweise aus der Gruppe der Penicilline, Cephalosporine, oder Makrolid-Antibiotika verordnen.
  • Herpesbläschen können mit virenhemmenden Mitteln, die beispielsweise den Wirkstoff Aciclovirenthalten, behandelt werden.
  • Bei Hefepilzinfektionen helfen Mittel gegen Pilzerkrankungen, beispielsweise mit dem Wirkstoff Nystatin oder Micanzol.
  • Starke Entzündungen können mit Glucocorticoiden wie Triamcinolon therapiert werden.
  • Bei stärkeren Schmerzen können Lidocain-haltige Gele aufgetragen werden. Diese Mittel betäuben die Schleimhaut und lindern so den Schmerz. Diese Anwendungen empfehlen sich bei Aphten und unkomplizierten Virusinfektionen.
  • Eisenpräparate helfen bei Rissen der Mundschleimhaut durch Eisenmangel.