Bild einer Sandfliege, die Überträger von Leishmaniose ist.
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Leishmaniose – parasitäre Infektionskrankheit

Die Leishmaniose ist eine Infektionskrankheit, die durch einzellige Parasiten, die Leishmanien, ausgelöst wird. Übertragen wird die Erkrankung durch infizierte Sandmücken, die innerhalb Europas vor allem im Mittelmeerraum verbreitet sind. Welche Symptome sind möglich und wie erfolgt die Behandlung bei Leishmaniose?

Was ist eine Leishmaniose?

Die Leishmaniose ist eine durch einzellige Krankheitserreger der Gattung Leishmania ausgelöste Infektionskrankheit, die – je nach Leishmanien-Art – unterschiedliche Organe befällt. Der Parasit wird in der Regel durch den Stich infizierter Sandmücken übertragen und ist vor allem in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet. Dazu zählen neben Mittel- und Südamerika vor allem größere Teile Asiens und Afrikas sowie der Mittelmeerraum.

Hierzulande sind Leishmaniose-Infektionen selten. Betroffen sind vor allem Reiserückkehrer, die sich im Ausland mit dem Erreger infiziert haben. Allerdings beobachten Fachleute, dass sich einige Arten der Sandmücke aufgrund des Klimawandels zunehmend auch in Deutschland ausbreiten.

Welche Leishmaniose-Formen gibt es?

Bisher sind über 20 Leishmanien-Arten bekannt, die beim Menschen eine Leishmaniose auslösen können. Sie befallen unterschiedliche Organe, weshalb Fachleute verschiedene Formen unterscheiden:

  • Die kutane Leishmaniose (auch Orientbeule, Nilbeule oder Aleppobeule genannt) ist vor allem im Mittleren Osten und Südeuropa verbreitet. Sie betrifft die Haut und führt besonders an Kopf, Hals und Armen zur Bildung von Knötchen, die im Krankheitsverlauf aufbrechen und Geschwüre bilden (Ulzeration).

  • Die viszerale Leishmaniose, auch Kala-Azar genannt, kommt vor allem in Indien und Ostafrika vor. Sie verursacht eine akute oder chronisch verlaufende Allgemeininfektion. Besonders oft betroffen sind die Leber, die Milz, das Knochenmark und die Lymphknoten.

  • Die mukokutane Leishmaniose ist in Süd- und Mittelamerika verbreitet und verursacht Geschwüre in Nase, Mund und Hals, wobei neben der Schleimhaut auch die Muskulatur und das Knorpelgewebe beteiligt sind.

Welche Symptome treten bei einer Leishmaniose auf?

Die Symptome der Leishmaniose unterscheiden sich bei den einzelnen Krankheitsformen. 

Symptome der kutanen Leishmaniose

Bei der kutanen Leishmaniose entwickeln sich die Symptome häufig erst Wochen bis Monate nach der Infektion. Im Bereich der Einstichstelle entwickeln sich dabei rötlich gefärbte Knötchen, die sich rasch zu einer Beule vergrößern und schließlich aufbrechen. Die Geschwüre heilen unter Narbenbildung in der Regel innerhalb von sechs bis 15 Monaten ab.

Wie äußert sich eine viszeralen Leishmaniose?

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome, beträgt bei der viszeralen Leishmaniose etwa drei bis sechs Monate. Die Krankheit verläuft individuell unterschiedlich. Zu den allgemeinen Krankheitssymptomen zählen:

Zudem vergrößern sich im Krankheitsverlauf häufig Leber und Milz. Durch den Befall des Knochenmarks, das bei gesunden Menschen Blutzellen bildet, kommt es zu einer schweren Blutarmut. Der daraus resultierende Mangel an Blutplättchen führt zu einer gestörten Blutgerinnung und einer erhöhten Blutungsneigung. 

Auch die Immunabwehr, für welche die weißen Blutkörperchen verantwortlich sind, gerät in Mitleidenschaft: Der Körper kann sich nicht mehr wirksam vor anderen Krankheitserregern schützen und es kommt zu schweren Folgeinfektionen.

Symptome der mukokutanen Leishmaniose

Bei der mukokutanen Leishmaniose vergehen Wochen bis Jahre bis zum Auftreten der ersten Symptome. Ähnlich wie bei der kutanen Form bilden sich zunächst Knötchen im Bereich der Schleimhäute, die im Verlauf aufbrechen. Die Geschwüre betreffen jedoch nicht nur die Schleimhaut, sondern auch die umgebende Muskulatur und das Knorpelgewebe im Mund-Nasen-Rachen-Raum. Im Verlauf geht die Erkrankung häufig auch auf Gewebe im Brustraum sowie auf Kehlkopf und Luftröhre über.

Was verursacht eine Leishmaniose?

Die Leishmaniose wird durch Leishmanien ausgelöst, also parasitäre Einzeller (Protozoen), die sich nur mithilfe eines Wirtsorganismus vermehren können. Als Wirt dienen den Erregern verschiedene Säugetiere, insbesondere Hunde und kleine Nagetiere. Etwa 20 Leishmanien-Arten können auch beim Menschen die Erkrankung verursachen.

Leishmanien werden in der Regel durch verschiedene, vorwiegend dämmerungs- und nachtaktive Sandmücken-Arten übertragen. Diese nehmen den Erreger im Rahmen einer Blutmahlzeit bei einem infizierten Wirt auf und übertragen ihn bei der nächsten Blutmahlzeit auf einen anderen Wirt.

Leidet ein Hund unter der Infektionskrankheit, ist dies auch für Besitzer*innen und andere Kontaktpersonen relevant, da eine Übertragung des Parasiten vom Hund auf den Menschen möglich ist. Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem bei Verletzungen durch ein infiziertes Tier oder auch, wenn der Hund an offenen Ekzemen leidet. Vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und kleine Kinder sollten deshalb Kontakt zu infizierten Hunden meiden.

Wie sieht die Behandlung bei Leishmaniose aus?

Die Behandlung richtet sich bei einer Leishmaniose nach der auslösenden Leishmanien-Art und somit nach der Krankheitsform.

Bei der kutanen Form ist in manchen Fällen gar keine Behandlung erforderlich, da die Geschwüre von alleine abheilen. Bei schwerwiegenderen Läsionen, die nur schlecht abheilen oder eine bestimmte Größe überschreiten, kommen örtlich (lokal) verabreichte oder systemisch (im ganzen Körper) wirkende Antimon-Präparate zum Einsatz.

Antimon ist ein chemisches Element, das in der Medizin als Antiparasitikum eingesetzt wird. Es bekämpft die Erreger, indem es in ihren Stoffwechsel eingreift. Bei der Leishmaniose wird Antimon häufig mit verschiedenen Wirkstoffen gegen Pilzinfektionen (Antimykotika) kombiniert. Dazu zählen beispielsweise Amphotericin B, Ketoconazol oder Fluconazol. Zudem ist es möglich, die Hautläsionen zusätzlich zu vereisen (lokale Kryotherapie).

Bei der Behandlung der mukokutanen Form kommen prinzipiell die gleichen Wirkstoffe wie bei der kutanen Leishmaniose zum Einsatz, allerdings werden diese normalerweise systemisch angewendet.

Die Therapie der viszeralen Leishmaniose erfolgt in der Regel mit dem Antimykotikum Amphotericin B. Häufig wird das Medikament mit Miltefosin kombiniert, einem gegen Protozoen wirksamen Antiparasitikum. Wie bei der kutanen Leishmaniose kommen zum Teil auch Antimon-Präparate zum Einsatz.

Wie erfolgt bei einer Leishmaniose die Diagnose?

Erste Anhaltspunkte für die Erkrankung ergeben sich in der Regel aus den für die verschiedenen Formen typischen Symptome in Kombination mit einem vorausgegangenen Aufenthalt in einem der bekannten Risikogebiete.

Bestätigen lässt sich der Verdacht allerdings nur durch den Nachweis des Erregers in einer Gewebeprobe (Biopsie). Bei den Erkrankungsformen, welche die Haut oder die Schleimhäute betreffen, ist hierzu die Entnahme einer Hautprobe erforderlich (Stanzbiopsie). Bei der viszeralen Form erfolgt stattdessen eine Blut- oder Knochenmarksentnahme.

Einige Leishmanien-Arten lassen sich bereits mit einer relativ einfach und schnell durchzuführenden mikroskopische Untersuchung erkennen. In anderen Fällen sind aufwändigere, aber auch empfindlichere molekulargenetischer Verfahren besser geeignet. Bei der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion (PCR) werden beispielsweise Teile des Erbguts des Erregers vervielfältigt und dadurch nachweisbar gemacht.

Wie verläuft eine Leishmaniose?

Wie eine Leishmaniose verläuft, ist für jede Krankheitsform unterschiedlich. Bei der kutanen Form ist die Prognose insgesamt gut, die Geschwüre heilen unter Umständen sogar ohne Therapie innerhalb einiger Monate aus. Bei etwa 10 von 100 Betroffenen entwickelt sich allerdings ein chronisches Krankheitsbild mit unvollständiger Heilung.

Im Fall einer mukokutanen Form stehen die Heilungschancen eher schlecht. Die Erkrankung schreitet oftmals weiter fort und in der Regel sind mehrere Behandlungszyklen erforderlich. Unbehandelt endet die Erkrankung häufig tödlich, da es infolge der zunehmenden Gewebezerstörung zu schweren Folgeinfektionen kommt.

Die viszerale Leishmaniose verläuft unbehandelt nahezu immer tödlich, bei rechtzeitiger Therapie ist die Prognose hingegen gut. Etwa 20 von 100 Betroffenen entwickeln als Spätfolge eine sogenannte Post-Kala-Azar-Hautleishmaniose. Die Hautveränderungen betreffen vor allem das Gesicht, seltener Rücken und Arme, und werden genauso behandelt wie die viszerale Form selbst.

Lässt sich einer Leishmaniose vorbeugen?

Bislang stehen keine Impfstoffe gegen die Leishmaniose zur Verfügung, ebenso wenig lässt sich die Erkrankung mithilfe vorbeugend angewendeter Medikamente verhindern. Der beste Schutz vor der Erkrankung besteht somit darin, sich bei Reisen in Risikogebiete wirksam gegen Mückenstiche zu schützen. Das ist beispielsweise mithilfe von körperbedeckender Bekleidung, Mückensprays (Repellents) und imprägnierten Moskitonetzen möglich.