Ein Arzt tastet beim Patienten die Lymphknoten ab.
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Geschwollene Lymphknoten (Lymphknoten­schwellung)

Fast jeder hatte schon einmal geschwollene Lymphknoten – zum Beispiel am Hals, unter der Achsel, hinter dem Ohr oder in der Leiste. Ängstliche Menschen denken bei einer Lymphknotenschwellung direkt an Krebs. Meist sind jedoch harmlose Infekte die Ursache.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Geschwollene Lymphknoten

Die Lymphknoten sind Teil des Immunsystems und wichtige Filterstationen des Körpers. Eine ihrer Aufgaben ist es, Krankheitserreger, Fremdkörper oder andere schädliche Stoffe zu beseitigen.

Sind Lymphknoten geschwollen, ist das ein Hinweis darauf, dass sich der Körper gerade zur Wehr setzt – zum Beispiel gegen bestimmte Viren oder Bakterien. Die Lymphknoten sind dann deutlich größer und lassen sich von außen ertasten.

Häufig zeigen sich vergrößerte Lymphknoten

  • am Kopf,
  • am Hals,
  • im Bereich vor oder hinter den Ohren,
  • unter der Achsel oder
  • in der Leiste.

Grundsätzlich kann jedoch jeder Lymphknoten im Körper anschwellen, etwa in den Kniekehlen, im Bereich des Kiefers oder an der Bauchvorderseite.

Geschwollene Lymphknoten können in unterschiedlicher Form in Erscheinung treten. Sie können

  • schmerzen (z.B. beim Abtasten) oder schmerzlos sein
  • eine feste oder eine eher weiche Struktur haben
  • verschieblich oder nicht-verschieblich sein
  • nur in einer Körperregion (z.B. am Hals) oder gleichzeitig an mehreren Stellen des Körpers vorkommen

Ist eine Lymphknotenschwellung auf eine Körperregion begrenzt, sprechen Ärzte von einer lokalisierten Lymphknotenschwellung. Häufige entsteht diese durch eine Entzündung im betroffenen Bereich. Anhand der genauen Position des/der geschwollenen Lymphknoten(s) kann der Arzt die möglichen Ursachen bereits eingrenzen.

Geschwollene Lymphknoten an Kopf, Hals und im Bereich der Ohren

Im Kopf-Hals-Bereich befinden sich besonders viele Lymphknoten. Lymphknoten am Hals – Ärzte nennen sie auch zervikale Lymphknoten – sind oft einseitig geschwollen. Nicht selten kann man vergrößerte Knoten direkt vor oder hinter dem Ohr ertasten.

Die Ursachen für solche Veränderungen sind häufig im Bereich des Kopfes beziehungsweise Halses zu finden. Dazu zählen zum Beispiel

Aber auch Erkrankungen, die den ganzen Körper betreffen, können zu geschwollenen Lymphknoten am Hals führen – etwa das pfeiffersche Drüsenfieber (Mononukleose) oder eine Kinderkrankheit wie die Masern.

Geschwollene Lymphknoten unter der Achsel

Vergrößerte Lymphknoten unter der Achsel – sogenannte axilläre Lymphknoten – können vor allem für Frauen beunruhigend sein: Viele denken unweigerlich an Brustkrebs, wenn sie beim Abtasten der Brust einen Knoten unter der Achsel entdecken.

Brustkrebsmetastasen können zwar tatsächlich zu Lymphknotenschwellungen unter der Achsel führen. In den meisten Fällen sind die Ursachen jedoch harmlos: Es kann sich zum Beispiel um die Folge einer lokalen Hautinfektion handeln, die beim Rasieren entstanden ist.

Geschwollene Lymphknoten in der Leiste

Lymphknoten heißen auch inguinale Lymphknoten. Der Arzt kann sie besonders gut ertasten, wenn der Patient liegt. Mögliche Ursachen sind

Geschwollene Lymphknoten am ganzen Körper

Manchmal zeigen sich geschwollene Lymphknoten am gesamten Körper oder an verschiedenen Körperstellen gleichzeitig. Mediziner sprechen dann von einer systemischen oder generalisierten Lymphknotenschwellung.

Solche Schwellungen können viele Ursachen haben. In der Regel sind sie ein Hinweis auf eine Erkrankung, die nicht auf eine Körperregion begrenzt ist, sondern den ganzen Körper betrifft.

Was sind Lymphknoten und wozu sind sie da?

Überall im Körper befinden sich kleine Gewebeknoten – die Lymphknoten. Sie haben eine rundlich-ovale, leicht platte Form. Ihre Größe schwankt bei gesunden Personen zwischen der einer Linse und der einer Bohne. Geschwollene Lymphknoten können sich entzünden (Lymphadenitis) und deutlich größer werden. Sie sind ein Hinweis darauf, dass sich der Körper gerade zur Wehr setzt.

Die Lymphknoten gehören zum Lymphsystem. Es dient unter anderem der Abwehr von Krankheitserregern und ist somit Teil des Immunsystems. Ähnlich wie die Blutgefäße durchzieht das Lymphsystem mit seinen Lymphbahnen den ganzen Körper.

Die Lymphbahnen befördern Flüssigkeit aus dem Gewebe. Diese Flüssigkeit heißt Lymphe. Über die Lymphbahnen gelangt die Lymphe in die Lymphknoten.

Spezielle Abwehrzellen in den Lymphknoten filtern die Lymphe. Sie reinigen sie von Abfallstoffen wie Bakterien und Fremdkörpern und fördern die Bildung von Antikörpern. Anschließend fließt die gereinigte Lymphe zurück ins Blut.

Geschwollene Lymphknoten: Ursachen

In den meisten Fällen sind Infektionen mit Krankheitserregern für geschwollene Lymphknoten verantwortlich. Dazu zählen zum Beispiel ein Virusinfekt wie eine Erkältung oder eine bakterielle Entzündung, etwa am Zahn oder in der Haut.

Mögliche Ursachen einer Lymphknotenschwellung sind:

  • Infektionen mit Viren, darunter viele Kinderkrankheiten
  • Infektionen mit Bakterien
  • Infektionen mit anderen Krankheitserregern wie Pilzen oder Parasiten
  • Erkrankungen/Fehlregulationen des Immunsystems
  • Seltener: Krebserkrankungen

Daneben gibt es zahlreiche weitere Ursachen für geschwollene Lymphknoten. Manche vernarben im Rahmen einer Entzündung und bleiben dann vergrößert tastbar, wenn die Entzündung längst abgeklungen ist.

Geschwollene Lymphknoten durch Virusinfektionen

Eine Lymphknotenschwellung entsteht häufig durch Infektionen mit Viren. Einige Beispiele:

  • pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose): Typische Symptome der durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) ausgelösten Erkrankung sind Fieber, geschwollene Lymphknoten und Mandeln sowie eine vergrößerte Milz. Meist bemerkt der Patient zunächst Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Im weiteren Verlauf treten weitere Beschwerden hinzu, die meist den Halsbereich betreffen.
  • Zytomegalie: Das Zytomegalie-Virus kann für Neugeborene und Immungeschwächte gefährlich sein. Ansonsten gesunde Personen bemerken dagegen höchstens leichte Symptome wie eine Lymphknotenschwellung oder länger anhaltende Müdigkeit.
  • Masern: Im akuten Stadium, in dem der typische Hautausschlag sichtbar wird, kommt es gelegentlich zu leichten Lymphknotenschwellungen.
  • Röteln: Mögliche erste Anzeichen der Kinderkrankheit sind vergrößerte schmerzlose Lymphknoten, die vor allem im Nacken und hinter den Ohren auftreten, Fieber und entzündete Schleimhäute der oberen Atemwege. Kurze Zeit später entwickelt sich am Körper ein kleinfleckiger Ausschlag.
  • Mumps: Klassische Symptome sind Fieber und die (oft einseitig) geschwollenen Ohrspeicheldrüsen, die zu den typischen "Hamsterbacken" führen. Die Lymphknoten in der Nähe der Ohrspeicheldrüsen können angeschwollen sein.
  • HIV-Infektion: Einige Wochen nach der Ansteckung mit HI-Virus leiden viele Betroffene unter Symptomen, die einer Erkältung ähneln – darunter meist Fieber, geschwollene Lymphknoten oder eine Halsentzündung.

Geschwollene Lymphknoten durch Bakterien

Zu möglichen bakteriellen Ursachen geschwollener Lymphknoten zählen:

  • bakterielle Mandelentzündung: Oft entsteht sie durch Streptokokken. Halsschmerzen, geschwollene, eitrige Mandeln und Fieber sind klassische Symptome. Häufig sind auch die Lymphknoten im Bereich des Halses geschwollen und schmerzen beim Abtasten.
  • Syphilis: Bleibt die Geschlechtskrankheit unbehandelt, breiten sich die Bakterien über die Lymphbahnen und das Blut im ganzen Körper aus. Typisch sind dann geschwollene Lymphknoten und grippeähnliche Beschwerden.
  • Chlamydien-Infektion: Chlamydien können unterschiedliche Symptome hervorrufen. Bei der durch die Bakterienart Chlamydia trachomatis hervorgerufenen Erkrankung Lymphogranuloma venereum schwellen z.B. die Lymphknoten im Leistenbereich schmerzhaft an.
  • Ulcus molle (weicher Schanker): Bei dieser Geschlechtskrankheit entstehen am Penis bzw. am Scheideneingang Geschwüre. Breiten sich die Erreger aus, können sich die Lymphknoten entzünden und anschwellen.
  • Tuberkulose: Die chronisch verlaufende Bakterieninfektion kann viele unterschiedliche Symptome hervorrufen. Die Bakterien befallen meist die Lunge, sie können sich aber auch in anderen Körperbereichen ausbreiten, z.B. in den Lymphknoten, den Harnwegen oder den Knochen.
  • Katzenkratzkrankheit: Diese Erkrankung wird meist durch Kratzverletzungen von Katzen übertragen. Nach der Infektion schwellen die Lymphknoten in der Nähe der Eintrittstelle an. Auch können die Lymphknoten am Hals oder unter den Achseln vergrößert sein.

Geschwollene Lymphknoten durch andere Erreger

Nicht nur Erkrankungen durch Bakterien und Viren, auch Erkrankungen andere Erreger wie Parasiten können geschwollene Lymphknoten hervorrufen.

Ein Beispiel ist die Toxoplasmose, eine durch Parasiten übertragene Infektionskrankheit. Meist bemerken die Betroffenen keine Symptome. Selten kommt es Beschwerden, die an einen grippalen Infekt erinnern. Dazu zählen neben geschwollenen Lymphknoten leichtes Fieber oder Abgeschlagenheit.

Geschwollene Lymphknoten durch Immunreaktionen

Wenn das Immunsystem fehlerhaft oder unangemessen stark reagiert, kann dies ebenfalls zu geschwollenen Lymphknoten führen, z.B. bei

  • Sarkoidose (Morbus Boeck), einer Erkrankung, bei der sich durch einen Fehler des Immunsystems knötchenartige Neubildungen entwickeln; sind die Lymphknoten befallen, schwellen sie an
  • Systemischem Lupus erythematodes, einer seltenen Autoimmunerkrankung, bei der überall im Körper Entzündungen entstehen können
  • Rheumatoider Arthritis, einer chronisch-entzündlichen Erkrankung, die vor allem die Gelenke betrifft
  • vorübergehenden Reaktionen auf Impfungen
  • Allergien, z.B. gegen Medikamente wie Antibiotika

Geschwollene Lymphknoten bei Krebs

Viele Menschen haben bei geschwollenen Lymphknoten Angst, es könne sich um Krebs handeln. Geschwollene Lymphknoten haben jedoch meist harmlose Ursachen.

Eher selten steckt eine Krebserkrankung dahinter, zum Beispiel sogenannte maligne Lymphome. Darunter versteht man bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems wie

Auch Tochtergeschwulste (Metastasen) können zu Lymphknotenschwellungen führen, wenn sie in die Lymphknoten gestreut haben. Dies kann unter anderem bei Lungenkrebs oder Karzinomen im Magen-Darm-Trakt der Fall sein.

Geschwollene Lymphknoten: Wann zum Arzt?

Oft ist eine Lymphknotenschwellung harmlos und geht von alleine zurück. Manchmal steckt aber auch eine behandlungsbedürftige Erkrankung dahinter.

Suchen Sie in jedem Fall einen Arzt auf, wenn

  • Sie einen Lymphknoten bemerken, der größer als 1 bis 2 cm ist,
  • ein Lymphknoten sehr plötzlich und sehr stark anschwillt,
  • die Schwellung dauerhaft bestehen bleibt (länger als 4 Wochen),
  • ein deutlich vergrößerter Lymphknoten nicht druckschmerzhaft ist und/oder
  • Sie weitere Beschwerden haben, z.B. Fieber, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust.

Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt. Er wird sich unter anderem nach weiteren Symptomen erkundigen und fragen, seit wann die Schwellung besteht und ob einer oder mehrere Lymphknoten betroffen sind.

Der Arzt schaut sich den oder die vergrößerten Lymphknoten an und tastet sie ab. Dabei beurteilt er auch die Konsistenz der Knoten. Zudem prüft er, ob sich die geschwollenen Lymphknoten verschieben lassen. Auch wird er wissen wollen, ob der Betroffene über Schmerzen klagt, wenn man mit dem Finger auf den Knoten drückt. Zudem prüft der Arzt, ob weitere Lymphknoten am Körper geschwollen sind.

Weitere mögliche Untersuchungen

Je nachdem, welche Ursache der Arzt für die geschwollenen Lymphknoten vermutet, können weitere Untersuchungen nötig sein.

Dazu zählen unter anderem:

Geschwollene Lymphknoten: Therapie

In vielen Fällen bedürfen geschwollene Lymphknoten keiner speziellen Therapie – zum Beispiel, wenn die Ursache zum Beispiel eine harmlose Erkältung ist. Die Lymphknoten schwellen von selbst wieder ab, wenn die Infektion abgeklungen ist.

Stecken jedoch ernsthafte Erkrankungen hinter der Schwellung, wird der Arzt eine Therapie veranlassen. Wie die Behandlung genau aussieht, ist dabei von der Ursache abhängig. Einige Beispiele:

  • Bei bakteriellen Infektionen sind gegebenenfalls Antibiotika notwendig, z.B. bei einer Mandelentzündung.
  • Bei Infekten durch Viren wie z.B. dem pfeifferschen Drüsenfieber werden in der Regel nur die Symptome behandelt. Für einige wenige Viruskrankheiten stehen aber auch sog. Virostatika zur Verfügung, welche die Viren gezielt bekämpfen.
  • Krebserkrankungen wie Morbus Hodgkin oder Non-Hodgkin-Lymphome erfordern eine spezielle Tumorbehandlung, so etwa mit Chemotherapie und/oder einer Bestrahlung.