Jemand hält ein Teströhrchen mit roter Flüssigkeit und der Aufschrift CMV.
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Zytomegalie

Von einer Zytomegalie (Cytomegalie, CMV-Infektion, Einschlusskörperchenkrankheit) ist in Europa die Hälfte der Bevölkerung betroffen, meist ohne etwas davon zu merken. Für Menschen mit einer Abwehrschwäche oder für Neugeborene kann die Erkrankung jedoch einen schwerwiegenden Verlauf nehmen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist Zytomegalie

Zytomegalie ist eine Infektionskrankheit, die durch das Zytomegalie-Virus (CMV) verursacht wird. In Europa ist etwa jeder Zweite mit dem Virus infiziert – in Entwicklungsländern sind es mehr als 90 Prozent.

Zytomegalie-Erkrankungen in der Schwangerschaft können gefährlich für das Ungeborene sein, denn das Virus kann von der Schwangeren über die Plazenta auf das Ungeborene übergehen. Die meisten Kinder, die sich im Mutterleib mit Zytomegalie anstecken, kommen gesund zur Welt. Eine Infektion mit dem Zytomegalie-Virus (CMV) in der Schwangerschaft kann für das Ungeborene aber auch gefährlich sein.

Auch in Risikogruppen (AIDS-Kranke, Prostituierte, Homosexuelle) sind etwa 90 Prozent mit dem Zytomegalie-Virus in Kontakt gekommen und weisen entsprechende Antikörper auf.

Zytomegalie: Ursachen

Zytomegalie-Viren (CMV) als Ursachen der Zytomegalie gehören zur Gruppe der Herpesviren. Das Zytomegalie-Virus verbreitet sich über

Auch durch eine Organtransplantation kann das Zytomegalie-Virus in den Körper gelangen. Ein infiziertes Transplantat zählt bei Zytomegalie somit zu den möglichen Ursachen. Die Transplantation kann außerdem dazu führen, dass eine CMV-Infektion, die zuvor unbemerkt verlief, nun Beschwerden hervorruft. In beiden Fällen nimmt der Körper das Spenderorgan vergleichsweise häufig nicht an, sondern stößt es ab.

Die Inkubationszeit bei Zytomegalie, also die Zeit von der Ansteckung mit dem Zytomegalie-Virus bis zum Ausbruch der Erkrankung, ist nicht genau bekannt. Experten vermuten eine Dauer zwischen zwei und zehn Wochen.

Zytomegalie: Symptome

Bei gesunden Kindern und Säuglingen verläuft eine Zytomegalie-Infektion meist ohne erkennbare Symptome. Für Ungeborene kann die Infektion jedoch gefährlich sein: Infiziert sich die Mutter während der Schwangerschaft mit CMV, kann es zu Fehlbildungen des Fötus bis hin zur Fehlgeburt kommen. Die meisten Babys, die sich im Mutterleib mit dem Zytomegalie-Virus anstecken, kommen aber gesund zur Welt.

Bei gesunden Erwachsenen verursacht die Zytomegalie in der Regel keine erkennbaren Symptome. Bei einigen Erkrankten können die Lymphknoten anschwellen und die Betroffenen fühlen sich oft über Wochen müde.

Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z.B. durch AIDS oder Organtransplantationen) kann eine Zytomegalie-Infektion schwere Begleiterscheinungen verursachen, beispielsweise:

Weitere Zytomegalie-Symptome bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind zum Beispiel:

Außerdem sind weniger weiße Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut vorhanden. Das Zytomegalie-Virus kann auch das Gehirn befallen und eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) hervorrufen.

CMV-Retinitis

Die CMV-Retinitis ist eine durch das Zytomegalie-Virus verursachte Netzhaut-Entzündung, bei der Symptome auftreten können wie:

Das Auge selbst ist dabei schmerzfrei und äußerlich unauffällig. Unbehandelt kann die CMV-Retinitis letztendlich zur Erblindung führen. Bei der Augenuntersuchung erkennt der Arzt weißliche Veränderungen oder Blutungen am Augenhintergrund.

CMV-Manifestation im Magen-Darm-Trakt

Eine Zytomegalie-Infektion ruft auch Symptome hervor, die den Magen-Darm-Trakt betreffen. Dazu gehören:

Sie entstehen, wenn sich im Rahmen der CMV-Infektion die Schleimhäute im Magen oder in der Speiseröhre entzünden. Manchmal treten Entzündungen des Dickdarms auf (Kolitis), die sich auf den gesamten Magen-Darm-Trakt ausbreiten können. Bei starken Entzündungen entstehen teilweise Geschwüre der Schleimhaut. Oft haben Betroffene mit einer CMV-Infektion keinen Appetit.

CMV-Lungenentzündung

Bei einer durch Zytomegalie-Viren ausgelösten Lungenentzündung (virale/interstitielle Pneumonie) kommt es zu trockenem Husten, das heißt ohne Schleim. Im Röntgenbild des Brustkorbs zeigen sich Flüssigkeitsansammlungen zwischen den Geweben (sog. interstitielles Infiltrat).

Zytomegalie: Diagnose

Aufgrund der uncharakteristischen Symptome einer Zytomegalie ist die Diagnose schwierig. Eine ganze Reihe anderer viraler, bakterieller oder pilzbedingter Infektionen können ähnliche Symptome verursachen. In der Regel handelt es sich bei der Zytomegalie deshalb um eine sogenannte Ausschlussdiagnostik: Der Arzt schließt alle anderen Erkrankungen aus, bis nur noch "Zytomegalie" als Diagnose übrig bleibt.

Die Blutwerte sind bei Zytomegalie meist unspezifisch verändert, zum Beispiel zeigen sich häufig erhöhte Bilirubinwerte, was auf eine Hepatitis hinweist. Dagegen lassen sich in Gewebeproben typische, sogenannte Eulenaugenzellen nachweisen. Der Nachweis von Antikörpern gegen das Zytomegalie-Virus ist zwar möglich, kann aber nicht zwischen akuter Erkrankung und lang zurückliegender Infektion unterscheiden.

Es ist auch möglich, die Viren direkt im Blut, Urin oder in Gewebeproben nachzuweisen.

Ob sich das Ungeborene bei einer CMV-Infektion der Mutter ebenfalls angesteckt hat, lässt sich durch eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Blutuntersuchung des ungeborenen Kindes feststellen.

Zytomegalie: Therapie

Bei Kindern und Erwachsen mit einem funktionierenden Immunsystem ist bei Zytomegalie in der Regel keine Therapie nötig – allerdings verbleibt das Zytomegalie-Virus (CMV) im Körper und die Infektion kann jederzeit wieder auftreten, wenn das Abwehrsystem geschwächt ist. Bei Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr erfolgt eine spezifische Zytomegalie-Therapie. Mögliche Wirkstoffe sind Ganciclovir sowie Aciclovir. Manchmal setzen die Ärzte auch Foscarnet ein.

Schwangere mit Zytomegalie-Infektion erhalten spezielle Antikörper gegen das Virus (sog. CMV-Immunglobulin).

Zytomegalie: Verlauf

Die Prognose der Zytomegalie und ihr Verlauf hängen vom Zustand des Immunsystems ab. Bei einer Infektion im Mutterleib sind Fehlgeburten und Fehlbildungen des Ungeborenen möglich. Bei gesunden Menschen verläuft die CMV-Infektion meist beschwerdefrei – die Viren verbleiben jedoch lebenslang im Körper und können unter Umständen zu einer erneuten Erkrankung führen (z.B. bei einer Organtransplantation).

Bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem (z.B. durch AIDS) können die Zytomegalie-Viren einen schweren Verlauf mit Entzündungen der befallenen Organe verursachen – im schlimmsten Fall kann eine Zytomegalie tödlich enden.

Zytomegalie: Vorbeugen

Eine Impfung, mit der man einer Zytomegalie vorbeugen kann, gibt es bislang nicht. Bei Organtransplantationen hat sich die Situation bei einer CMV-Infektion deutlich gebessert, weil heute wirksame Medikamente zur Vorbeugung und Behandlung der Zytomegalie verfügbar sind, zum Beispiel Ganciclovir.

Grundsätzlich können Hygienemaßnahmen wie häufiges Händewaschen einer Zytomegalie vorbeugen. Dies ist insbesondere für Schwangere wichtig. Werdende Mütter, die noch nicht mit CMV infiziert sind, dürfen zudem nicht mehr als Erzieherinnen arbeiten, sofern sie während ihrer Arbeit Kinder wickeln müssen – denn dabei ist die Infektionsgefahr besonders hoch. Ist bei einer Schwangeren bekannt, dass sie das Zytomegalie-Virus in sich trägt, darf die betroffene Frau ihr neugeborenes Kind nicht stillen.