Das Bild zeigt zwei afrikanische Frauen am Wasser.
© Jupiterimages/iStockphoto

Cholera

Cholera ist eine durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöste Durchfallerkrankung. Die Übertragung der Bakterien erfolgt in erster Linie durch mit Fäkalien verunreinigtes Trinkwasser. Unbehandelt kann eine Cholera lebensbedrohlich verlaufen, da der Körper viel Flüssigkeit verliert und dadurch sehr stark austrocknet.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Die Cholera-Erreger bilden ein Gift (Toxin), das im Darm zu massiven Flüssigkeitsverlusten von bis zu 20 Litern am Tag führen kann. Typisch für Cholera sind die plötzlich einsetzenden, wässrigen Durchfälle ("Reiswasserstühle"). Fieber tritt meist nicht auf, dafür Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Durch den großen Verlust von Flüssigkeit und Salzen (Elektrolyte) treten mitunter starke Muskelkrämpfe auf und der Stoffwechsel gerät aus dem Gleichgewicht. Dies kann bis zum Kreislaufschock führen. Unbehandelt können Kreislaufkollaps und Nierenversagen zum Tode führen.

Die wichtigste Therapiemaßnahme bei Cholera ist der schnellstmögliche Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten. Hierfür stehen Trinklösungen und vor allem Infusionen zur Verfügung. Manchmal verschreibt der Arzt zusätzlich Antibiotika (z.B. Tetracycline, Ciprofloxacin, Cotrimoxazol, Chinolone oder Makrolid-Antibiotika). Wird die Erkrankung angemessen behandelt, liegt die Sterblichkeitsrate unter einem Prozent.

Cholera ist in Deutschland laut Infektionsschutzgesetz eine meldepflichtige Erkrankung. Sie tritt vor allem in Afrika, Südamerika und Südostasien auf. In Deutschland werden nur vereinzelt Fälle gemeldet – im Jahr 2012 gab es keinen einzigen Cholera-Fall in Deutschland, im Jahr 2013 wurde ein Fall gemeldet. Die Betroffenen stecken sich normalerweise im Ausland an. Deshalb ist es auf Reisen in Regionen, in denen Cholera häufig auftritt, wichtig, bestimmte Verhaltensregeln einzuhalten.

Die wichtigste Schutzmaßnahme gegen Cholera auf Reisen ist, immer an die Lebensmittelhygiene zu denken (z.B. nie unbehandeltes Wasser trinken).

Definition

Cholera ist eine Infektionskrankheit. Sie wird durch die Bakterienart Vibrio cholerae ausgelöst und führt zu massiven Durchfällen.

 

 

Häufigkeit

Weltweit muss man von drei bis fünf Millionen Cholera-Fällen pro Jahr ausgehen – bis zu 120.000 Erkrankte erliegen der Infektion.

In Deutschland wurden in den letzten Jahren sehr wenige Cholera-Fälle gemeldet: Im Jahr 2010 waren es sechs Fälle, im Jahr 2012 keiner und im Jahr 2013 ein einziger Fall. Cholera wird hierzulande normalerweise durch Reisen in sogenannte Endemiegebiete eingeschleppt – also Reisen in Regionen, in denen die Erkrankung gehäuft auftritt.

Rechtliches

Laut Infektionsschutzgesetz sind der Verdacht auf Cholera, die Erkrankung, der Tod sowie der direkte und indirekte Nachweis des Erregers namentlich zu melden. Der behandelnde Arzt informiert in der Regel das örtliche Gesundheitsamt. Das Gesundheitsamt reicht dann die Daten an die oberste Landesgesundheitsbehörde und an das Robert Koch-Institut in Berlin weiter. Cholera zählt zu den Erkrankungen, für die international Quarantäne-Maßnahmen vorgeschrieben sind.

 

 

Historisches

Die Cholera ist seit dem 4. Jahrhundert vor Christus in Indien bekannt; dort ist ihr Hauptverbreitungsgebiet das Gangestal.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts breitete sie sich in mehreren Krankheitswellen weiter aus und erreichte auch Europa. Durch die Dampfschifffahrt begünstigt, verbreitete sich die Cholera seit 1826 weltweit und erreichte 1831/32 Deutschland. Gehäuft (endemisch) tritt sie in Ländern mit einem niedrigen Hygienestandard auf – zum Beispiel mit schlechter Abwasserentsorgung.

Erstmals beschrieben wurde das kommaförmig gekrümmte und hochbewegliche Stäbchenbakterium Vibrio cholerae im Jahr 1854 von Filippo Pacini, einem italienischen Anatom. Damals war jedoch die Vorstellung, dass Mikroorganismen eine Krankheit auslösen können, noch neu und Pacinis Entdeckung wurde deshalb größtenteils ignoriert. Zu dieser Zeit glaubte man noch, dass giftige, aus dem Boden aufsteigende Dämpfe (sog. Miasmen) die Cholera auslösen würden. Erst 30 Jahre später wies der deutsche Mediziner Robert Koch eindeutig einen Zusammenhang zwischen der Erkrankung und der Bakterienart nach.

Seuchenhistorisch gesehen lassen sich sieben Cholera-Krankheitswellen unterscheiden. Die momentane (siebte) Seuchenwelle begann 1961 in Südasien und breitete sich über Afrika und Südamerika weiter aus. Seit 1991 tritt die Cholera vor allem in Südamerika (Peru), Südostasien (Indonesien) und Afrika auf. In Deutschland kommen heutzutage nur vereinzelte Cholera-Fälle vor; sie werden in der Regel durch Reisende aus Risikogebieten eingeschleppt.

Ursachen

Die Ursache für Cholera ist eine Infektion mit der Bakterienart Vibrio cholerae, die zur Gattung der Vibrionen gehört.

Erreger

Vor allem zwei Erreger-Gruppen (sog. Serogruppen) von Vibrio cholerae lösen die Infektionskrankheit aus:

  • Serogruppe O1 und
  • Serogruppe O139

Für die großen Krankheitswellen der Cholera waren vor allem Vibrionen der Serogruppe O1 verantwortlich, nämlich

  • der klassische Biotyp "Vibrio cholerae O:1, Biovar cholerae" und
  • der Biotyp "Vibrio cholerae O:1, Biovar El Tor".

Der Biotyp El Tor ist in der Mehrzahl der aktuellen Cholera-Fälle der Auslöser. Seit 1992 breiten sich außerdem Vibrionen der Serogruppe O139 aus und führen zu Krankheitsfällen.

Der Mensch ist vermutlich das einzige Reservoir für die Vibrionen. Das heißt, die Cholera-Erreger besiedeln in der Regel nur den Menschen – andere Krankheitserreger leben und überdauern dagegen zum Beispiel auch in bestimmten Tierarten wie Fledermäusen oder Affen.
Auch wenn eine Person eine Cholera überstanden hat, kann sie noch Wochen bis Monate später die Erreger mit dem Stuhl ausscheiden. Die Zeit zwischen der Ansteckung mit dem Erreger und dem Krankheitsausbruch (sog. Inkubationszeit) beträgt bei der Cholera wenige Stunden bis fünf Tage. Meist treten die ersten Beschwerden nach zwei bis drei Tagen auf.

Übertragung und Krankheitsentstehung

Die Cholera-Erreger gelangen durch mit Stuhl verunreinigtes Wasser oder mit verunreinigter Nahrung in den Magen-Darm-Trakt des Menschen. Die Magensäure tötet den größten Teil der säureempfindlichen Cholera-Erreger ab. Zu einer Cholera-Infektion kommt es deshalb erst, wenn eine große Anzahl der Erreger in den Körper gelangt.

Im Dünndarm können sich Cholera-Bakterien, die die Säurebarriere des Magens überlebt haben, gut vermehren. Hier durchdringen sie die Schleimschicht der Darmschleimhaut und gelangen in die Darmepithelzellen. Dort heften sich die Cholera-Erreger an bestimmte Kontaktstellen (sog. Rezeptoren) der Darmschleimhautzellen und produzieren das Cholera-Gift (Cholera-Toxin).

Dieses Gift bindet sich an die Darmzellen und hemmt dort Vorgänge, die den Elektrolythaushalt regeln. Dadurch gehen Natrium, Kalium und Chlorid aus der Zelle ins Innere des Darms verloren. Das Wasser aus den Darmzellen folgt den Salzen nach. Hierdurch entstehen die für Cholera typischen, starken Durchfälle, die ein rasches Austrocknen des Körpers (Dehydration) zur Folge haben. Dies führt unbehandelt oft zum lebensbedrohlichen Kreislaufzusammenbruch und Schock.

Nicht jeder, der sich mit dem Cholera-Erreger infiziert hat, wird auch krank. In solchen Fällen scheiden Betroffene allerdings dennoch für einige Wochen ansteckungsfähige Bakterien mit dem Stuhl aus (sog. „stummer Überträger“).

Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Symptome (sog. Inkubationszeit) vergehen bei der Cholera wenige Stunden bis fünf Tage. Meist treten die ersten Beschwerden nach zwei bis drei Tagen auf.

Symptome

Bei Cholera kann es zu verschiedenen Symptomen kommen. Bei einem Großteil der Menschen, die sich mit Cholera infizieren, treten jedoch gar keine Symptome auf. Trotzdem scheiden die symptomlosen Infizierten die Bakterien für ein bis zwei Wochen mit dem Stuhl aus und sind daher in dieser Phase auch ansteckend (sog. „stumme Überträger“).

Wenn der Erreger Durchfall hervorruft, sind die Symptome in neun von zehn Fällen nicht von einer gewöhnlichen Durchfallerkrankung zu unterscheiden. In der Regel verläuft die Cholera also sehr mild. Weitere Symptome der leichten Form, auch Cholerine genannt, können sein:

In schweren Fällen verlieren Betroffene durch starke, reiswasserähnliche Durchfälle bis zu 20 Liter Flüssigkeit pro Tag. Der Körper trocknet dadurch in kurzer Zeit stark aus.

Die Durchfälle bezeichnet man als "Reiswasserdurchfälle", weil der Stuhl farblos und leicht trüb aussieht und Schleimflocken enthält – in seinem Aussehen also Reiswasser ähnelt.

Zu den schweren Cholera-Durchfällen kommen entsprechend Austrocknungs-Symptome hinzu – oftmals zuerst Heiserkeit, aber zum Beispiel auch tiefliegende Augen oder Hautfalten. Im Verlauf der Cholera kann es dann zu starken Muskelkrämpfen in den Waden, zu Nierenversagen und zum Kreislaufkollaps kommen. Das Blut kann durch den Flüssigkeitsverlust so stark eindicken, dass es in kleineren Blutgefäßen zu Verschlüssen (Thrombose) kommt.

Eine sehr schwere Form der Cholera ist die Cholera siderans, bei der die Betroffenen bereits innerhalb von zwei bis drei Stunden nach einsetzen der Symptome versterben. Vereinzelt treten auch gar keine Symptome wie Durchfall auf, bevor die Erkrankten versterben. Mediziner sprechen dann von einer Cholera sicca.

Auch wenn eine Person eine Cholera überstanden hat, kann sie noch Wochen bis Monate später ansteckungsfähige Erreger mit dem Stuhl ausscheiden (sog. „stumme Überträger“).

Diagnose

Schwere, reiswasserartige Durchfälle geben dem Arzt einen ersten Hinweis auf eine Cholera-Erkrankung. Die genaue Diagnose erfordert allerdings eine Untersuchung von Stuhl, Erbrochenem oder Enddarmabstrichen. Der Nachweis des Cholera-Erregers sichert dann die Diagnose.

Die Cholera-Erreger reagieren sehr empfindlich auf Trockenheit, daher müssen die Proben während des Transports ins Labor mittels einer bestimmten Lösung (Pepton) feuchtgehalten oder sehr schnell und gekühlt versandt werden. In der Stuhlprobe eines Cholera-Patienten erkennt man unter dem Mikroskop massenhaft kommaförmige, bewegliche Stäbchenbakterien – die Bakterienart Vibrio cholerae .

Bei Verdacht auf Cholera muss die Erkrankung unverzüglich dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden (sog. meldepflichtige Krankheit).

Therapie

Bei der Behandlung von Cholera steht der rasche Ersatz der verlorenen Flüssigkeit, der Elektrolyte und von Zucker (Glukose) an erster Stelle. Für die Therapie in Gebieten, in denen keine ausreichenden Infusionsmengen zur Verfügung stehen, hat die WHO eine salz- und glukosehaltige Trinklösung entwickelt. Diese besteht aus folgenden Komponenten:

Die Glukose in der Lösung fördert die Aufnahme von Natriumionen in die Dünndarmzellen. Den aufgenommenen Natriumionen und der Glukose folgt Wasser in die Zellen nach. Dadurch sorgt die Lösung dafür, dass die Zellen wieder besser mit Flüssigkeit versorgt werden und gleicht die Flüssigkeitsverluste aus.

Bei schweren Cholera-Fällen verlieren die Betroffenen enorme Flüssigkeitsmengen. Dann sind Infusionen über die Venen notwendig, um die Verluste wieder auszugleichen.

Zusätzlich ist möglichst früh die Gabe von Antibiotika ratsam, zum Beispiel:

Die Antibiotika töten zwar die Bakterien im Darm ab, können aber den Flüssigkeitsverlust nicht beheben. Sie spielen daher im Vergleich zum Flüssigkeits- und Elektrolytersatz bei der Cholera-Therapie eine untergeordnete Rolle.

Verlauf

In etwa 80 Prozent aller Cholera-Fälle bei denen Symptome auftreten, kommt es zu einem milden Verlauf. Die Cholera kann dann mit anderen Durchfallerkrankungen verwechselt werden.

Weniger als 20 Prozent der Erkrankten weisen schwere Anzeichen einer Cholera auf. Der Verlauf kann hier lebensbedrohlich sein, wenn die Cholera mangelhaft oder gar nicht behandelt wird. In unbehandelten Fällen versterben etwa 40 Prozent der Betroffenen. Bei angemessener Behandlung der Cholera überleben über 99 Prozent der Erkrankten.

Der Erreger-Typ El Tor verursacht eine leichtere Form der Cholera, die Infektion verläuft milder. Auch unbehandelt überleben 70 bis 85 Prozent der Betroffenen.

Vorbeugen

Cholera können Sie am besten vorbeugen, indem Sie sich auf Reisen in Gebiete, in denen die Erkrankung häufig auftritt, an bestimmte Verhaltensregeln halten und Infektionsquellen meiden.

Cholera zählt zu den sogenannten Quarantänekrankheiten, wie beispielsweise auch:

Liegt nachweislich eine Cholera vor oder besteht auch nur der Verdacht darauf, muss der Betroffene in einem Einzelzimmer isoliert werden (sog. Quarantäne).

Wenn Sie in Länder oder Kontinente reisen, in denen es häufig zu Cholera-Fällen kommt (z.B. Südamerika), sind einige Verhaltensregeln wichtig, mit denen Sie einer Infektion vorbeugen können:
- Trinken Sie kein unbehandeltes Wasser – verwenden Sie auch zum Zähneputzen nur sauberes, keimfreies Wasser.
- Verzichten Sie auf Eiswürfel, wenn Sie nicht wissen, ob diese aus keimfreien Wasser hergestellt wurden.
- Schälen Sie Obst und Gemüse oder verzehren Sie es gekocht ("Cook it, peel it, or forget it").
- Seien Sie vorsichtig mit Meeresfrüchten wie Muscheln. Diese Lebensmittel können Cholera-Erreger, aber auch vermehrt Hepatitis-A-Viren enthalten.
- Vermeiden Sie ungekochte Nahrung wie Milchprodukte (z.B. Eiscreme) und achten Sie auch bei Fisch und Fleisch darauf, dass die Lebensmittel gekocht oder gebraten sind.
- Vermeiden Sie in gefährdeten Gebieten das Baden in öffentlichen Schwimmbädern, Flüssen oder Lagunen.
- Achten Sie auf Hygiene nach dem Toilettegang, in der Küche und im persönlichen Umgang (Hände waschen !).

Cholera-Impfung

Für Personen, die einem erhöhten Risiko für Cholera ausgesetzt sind, steht eine Schutzimpfung mit abgetöteten, inaktivierten Cholera-Bakterien – also eine sogenannte aktive Impfung – zur Verfügung. Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem bei einem längeren Aufenthalt in Infektionsgebieten, insbesondere wenn mangelhafte hygienische Bedingungen vorherrschen. Dies ist oft in Flüchtlingslagern oder bei Naturkatastrophen der Fall. Zu den gefährdeten Personengruppen, die einer Cholera-Infektion mittels Impfung vorbeugen sollte, gehören unter anderem:

  • Flüchtlingshelfer
  • Ärzte
  • Pflegepersonal
  • Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks

Die Cholera-Impfung ist eine Schluckimpfung und verleiht einen circa 90-prozentigen Impfschutz, der bei Erwachsenen nach 2 Jahren wieder aufgefrischt werden muss.

Allerdings schützt die Cholera-Impfung ausschließlich vor der Serogruppe O1 – eine Infektion mit dem Serotyp O139 ist daher trotz Impfung möglich.

Weitere Informationen zu bestimmten Reiseländern und den vorbeugenden Maßnahmen erhalten Sie beispielsweise in jedem örtlichen Gesundheitsamt oder auf den Internetseiten des Auswärtigen Amts.