Ein Mann sitzt am Frühstückstisch und schenkt sich ein Glas Milch ein.
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Listeriose

Für Menschen mit gesundem Immunsystem ist Listeriose kein Problem. In der Schwangerschaft oder bei einer Abwehrschwäche kann die Erkrankung allerdings sehr schwerwiegend sein und im Extremfall sogar tödlich enden.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Listeriose

Was ist Listeriose / was sind Listerien?

Listeriose ist eine durch Listerien verursachte Infektionskrankheit. Listerien sind Bakterien, die vor allem bei Haustieren und Wildtieren vorkommen. Besonders die Art Listeria monocytogenes kann aber auch den Menschen krank machen.

Damit gehört Listeriose im weiteren Sinne zu den Zoonosen: Das sind von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten. Allerdings findet die Übertragung von Listerien überwiegend durch verseuchte Lebensmittel statt.

Übrigens: Listeriose und Listerien sind benannt nach dem britischen Chirurgen Joseph Baron Lister (1827 bis 1912). Lister führte erfolgreich Untersuchungen zur Wundheilung durch und konnte zeigen, dass Wundinfektionen durch Erreger von außen entstehen.

Listeriose: Ursachen

Listerien

Listeriose entsteht durch eine Infektion mit Listerien: Diese stäbchenförmigen Bakterien sind weltweit verbreitet und kommen in der Natur praktisch überall vor: im Wasser, im Boden und auf Pflanzen.

Der für den Menschen wichtigste Erreger der Listeriose heißt Listeria monocytogenes. Diese Listerien-Art tummelt sich vor allem in der Erde, in Abwässern, in Futtermitteln sowie im Kot von Tier und Mensch. Selbst im Stuhl von gesunden Menschen ist Listeria monocytogenes nachweisbar.

Niedrige Temperaturen bieten keinen Schutz vor Listeriose: Listerien sind in der Lage, sich noch bei Umgebungstemperaturen bis knapp unter null Grad Celsius zu vermehren – also auch im Kühlschrank.

Übertragung

Die Übertragung von Listeriose geschieht meist durch den Verzehr von verseuchten tierischen Lebensmitteln. Listerien finden sich besonders:

  • in Milch und Milchprodukten (v.a. in Käse),
  • in rohem Fleisch (Hackfleisch) und Fleischerzeugnissen (z.B. Rohwurst wie Salami),
  • in Geflügel,
  • in geräuchertem oder mariniertem Fisch (z.B. Räucherlachs, Herings- oder Makrelenkarbonade) sowie
  • in Schalentieren.

Listerien können aber auch pflanzliche Lebensmittel verunreinigen oder durch nachfolgende Verarbeitung auf listerienfreie Lebensmittel gelangen. Wer verkeimte Lebensmittel isst, infiziert sich – und kann nachfolgend eine Listeriose entwickeln.

Daneben kann der Kontakt mit einem erkrankten Tier oder mit verunreinigtem Erdboden zu Listeriose führen – etwa in der Landwirtschaft oder bei der Gartenarbeit.

Zudem ist Listeriose direkt von Mensch zu Mensch übertragbar: Denn wer mit Listerien infiziert ist, kann die Bakterien mehrere Monate lang über den Stuhl ausscheiden. Erst wenn sich im Stuhl keine Listerien mehr befinden, besteht kein Ansteckungsrisiko mehr.

Dabei kann es auf unterschiedlichen Wegen zur Ansteckung mit Listeriose kommen:

  • Wenn aus dem Darm ausgeschiedene Listerien wegen unzureichender Hygiene auf Hände, Gegenstände oder Lebensmittel gelangen, können andere sie über den Mund aufnehmen.
  • Wenn der Urogenitaltrakt mit Listerien besiedelt ist, kann die Übertragung beim Geschlechtsverkehr passieren.
  • Wenn eine Schwangere mit Listerien infiziert ist, kann sich ihr Kind zu unterschiedlichen Zeitpunkten bei ihr anstecken:
    • In der Schwangerschaft können die Listerien über die Plazenta (transplazentar) zum Kind gelangen.
    • Während der Geburt kann sich das Kind bei der Passage durch den Geburtskanal anstecken.
    • Nach der Geburt kann enger Mutter-Kind-Kontakt zur Übertragung der Listeriose führen.

StillenDurch Muttermilch ist Listeriose jedoch nicht übertragbar, weshalb infizierte Frauen bedenkenlos stillen können.

Auch im Krankenhaus kann man sich mit Listeriose anstecken. Eine solche nosokomiale Infektion ist allerdings vergleichsweise selten. Betroffen sind Menschen mit geschwächter Immunabwehr – etwa zu früh geborene Kinder auf der Neugeborenenstation oder Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen auf der Intensivstation. Zu den möglichen Infektionsquellen im Krankenhaus gehören:

  • Mitpatienten
  • gesundes Klinikpersonal
  • verseuchte Lebensmittel

Inkubationszeit

Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch einer Erkrankung heißt Inkubationszeit. Listeriose hat eine Inkubationszeit von 1 bis 70 Tagen – je nach Infektionsweg. Durchschnittlich dauert es 3 Wochen, bis die ersten Anzeichen der Erkrankung auftreten.

Dauer der Ansteckungsgefahr

Wer mit Listerien infiziert ist, kann die Bakterien mehrere Monate lang über den Stuhl ausscheiden – auch wenn die Infektion unbemerkt verläuft oder die Listeriose längst überstanden ist. Erst wenn sich im Stuhl keine Listerien mehr befinden, besteht kein Ansteckungsrisiko mehr.

Häufigkeit

Im Jahr 2018 wurden insgesamt 701 Fälle von Listeriose gemeldet. Damit sind in Deutschland seit Jahren erstmals wieder weniger Menschen durch Listerien erkrankt als im Vorjahr.

Unter den gemeldeten Fällen waren 20 Fälle von Schwangerschafts- und 18 Fälle von Neugeborenen-Listeriose. Insgesamt waren die 2018 durch Listerien erkrankten Personen mehrheitlich jünger als ein Jahr oder älter als 60 Jahre.

Listeriose: Symptome

Wenn das Immunsystem fit ist

Funktioniert das Immunsystem gut, bleibt eine Listerien-Infektion oft unbemerkt oder verursacht nur eine milde Listeriose. Deren Symptome entsprechen am ehesten einer leichten fieberhaften Reaktion.

Bei manchen Menschen führt die Infektion über den Mund (etwa beim Verzehr verseuchter Lebensmittel) trotz funktionierendem Immunsystem zu Listeriose in Form einer Magen-Darm-Entzündung (Gastroenteritis). Die Symptome – vor allem Fieber, Erbrechen und Durchfall – treten wenige Stunden bis zwei Tage nach der Infektion auf, klingen aber von selbst wieder ab.

Wer mit verunreinigtem Erdboden oder infizierten Tieren in Berührung kommt, kann zudem pustelartige Veränderungen an den Kontaktstellen – meist an den Händen – bekommen.

Wenn das Immunsystem schwächelt

Bei einem geschwächten Immunsystem bedeutet eine Listerien-Infektion ein hohes Risiko für eine ausgeprägte Listeriose. Typische Symptome hierfür sind:

Erhöhtes Listeriose-Risiko durch Abwehrschwäche: Wer ist betroffen?

Eine Abwehrschwäche kann viele Gründe haben – etwa eine chronische Erkrankung, eine Glukokortikoid-Behandlung oder eine Transplantation. Aber auch bei Neugeborenen, Schwangeren und alten Menschen ist das Immunsystem im Allgemeinen geschwächt.

Im Extremfall kann Listeriose bei einer Immunschwäche zu einer schweren Blutvergiftung (Sepsis), Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Gehirnentzündung (Enzephalitis) führen. Grundsätzlich können Listerien jedes Organ befallen und verschiedene örtlich begrenzte eitrige Infektionen auslösen – wie etwa:

Listeriose in der Schwangerschaft

Meistens löst eine Infektion mit Listerien in der Schwangerschaft grippeähnliche Symptome bei der Frau aus – wie Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen. Harnwegsinfekte sind ebenfalls möglich. Manchmal verläuft Listeriose in der Schwangerschaft auch ohne Symptome.

Für das Kind kann Listeriose in der Schwangerschaft jedoch schwerwiegende Folgen haben. Wenn es sich im Mutterleib über die Plazenta mit Listerien ansteckt, kann das zu einer Fehlgeburt oder Totgeburt führen.

Kommt das Baby infiziert zur Welt, entwickelt es eine Neugeborenen-Listeriose. Die Symptome der Erkrankung sind deutlich zu erkennen: Das Baby ist teilnahmslos, trinkt auffällig wenig und kann einen Ausschlag am ganzen Körper bekommen.

Wann sich die Neugeborenen-Listeriose bemerkbar macht und welche Symptome dann am ehesten auftreten, hängt vom Zeitpunkt der Infektion ab:

  • Hat sich das Kind vor der Geburt in der Gebärmutter angesteckt (sog. Frühinfektion), tritt die Listeriose schon in der ersten Lebenswoche zutage. Typische Symptome sind
  • Findet die Infektion während der Geburt im Geburtskanal statt (sog. Spätinfektion), zeigt sich die Listeriose erst ab der zweiten Lebenswoche. Oft entwickeln die betroffenen Babys eine Hirnhautentzündung. Mögliche Anzeichen hierfür sind
    • Krampfanfälle und
    • Erbrechen.

Listeriose: Diagnose

Um Listeriose sicher zu diagnostizieren, muss der Arzt die Listerien nachweisen. Für den Nachweis eignen sich folgende Materialproben:

  • Blut
  • Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor)
  • Eiter
  • Fruchtwasser
  • Scheidensekret
  • Stuhl
  • erster Stuhl des Neugeborenen (Kindspech bzw. Mekonium)
  • Wochenfluss (Lochien)
  • Gewebeproben

Hingegen spielt ein serologischer Test – also die Überprüfung der Antikörperkonzentration im Blut – für die Diagnose von Listeriose kaum eine Rolle, denn: Die meisten Menschen haben sich bereits mit Listerien infiziert, sodass in ihrem Blut entsprechende Antikörper nachweisbar sind, obwohl sie gesund sind.

Rechtliches

Listeriose ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig, wenn ein direkter Nachweis von Listerien im Blut, in Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) oder in anderen Körperflüssigkeiten sowie beim Abstrich von Neugeborenen gelingt.

Listeriose: Therapie

Bei Listeriose kommen zur Therapie Antibiotika zum Einsatz, die gezielt gegen Listerien wirken. Besonders gut eignet sich Amoxicillin oder Ampicillin in hohen Dosen. Häufig verschreibt der Arzt zusätzlich ein Aminoglykosid. Als mögliche Alternative gilt Cotrimoxazol.

Damit die Antibiotika wirklich alle Listerien im Körper abtöten, ist es nötig, sie mindestens 3 Wochen lang einzunehmen. Bei schwerer Listeriose mit Gehirnentzündung oder Hirnabszess beträgt die empfohlene Behandlungsdauer sogar 6 Wochen, bei Herzinnenhautentzündung 4 bis 6 Wochen.

Listeriose: Verlauf

Für Menschen mit gesundem Immunsystem ist eine Infektion mit Listerien kein Problem. Weniger günstig ist die Prognose hauptsächlich bei geschwächter Immunabwehr. Dann kann sich eine schwere Listeriose entwickeln, in deren Verlauf es zu verschiedenen Komplikationen kommen kann – wie:

In solchen Fällen hilft auch eine gezielte Behandlung nicht immer. Entsprechend gehört Listeriose in Deutschland zu den am häufigsten tödlich verlaufenden meldepflichtigen Erkrankungen: Insgesamt lag die Sterblichkeit im Jahr 2018 bei fünf Prozent.

Listeriose: Vorbeugen

Eine Impfung gegen Listeriose gibt es nicht. Vorbeugen können Sie einer Infektion mit Listerien nur, indem Sie vor allem …

  • … beim Umgang mit Lebensmitteln auf Hygiene achten. Das heißt zum Beispiel:
    • Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich waschen
    • Hände waschen, bevor Sie Essen zubereiten
  • … auf möglicherweise mit Listerien verseuchte Nahrung verzichten. Das bedeutet:
    • Gekochte, gebratene, sterilisierte, pasteurisierte und salzige Lebensmittel bevorzugen, da diese Zubereitungs- oder Herstellungsverfahren Listerien abtöten
    • Keine rohen tierischen Lebensmittel (z.B. Rohmilchkäse, Rohschinken oder Sushi) essen
    • Keinen Weichkäse oder Sauermilchkäse aus pasteurisierter Milch essen
    • Nie die Rinde von Käse mitessen (auch wenn sie als essbar deklariert ist)
    • Wurst- und Käseaufschnitt (auch verpackten) nur in kleinen Mengen und möglichst lange vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums kaufen und schnell aufbrauchen
    • Auf vorgeschnittene, verpackte Mischsalate verzichten
  • … den Kontakt zu infizierten Tieren vermeiden.
  • … bei der Gartenarbeit Vorsicht walten lassen.

Diese vorbeugenden Maßnahmen sind hauptsächlich wichtig für Menschen, bei denen im Fall einer Listerien-Infektion ein erhöhtes Risiko für eine schwere Listeriose besteht – also etwa:

  • für Schwangere,
  • für Personen mit schwerer Grunderkrankung (z.B. Tumorerkrankung, Diabetes mellitus) oder
  • für Menschen, die Medikamente zur Unterdrückung der Immunabwehr (Immunsuppressiva) einnehmen.

Bei Listeriose in der Schwangerschaft kann eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika erfolgen, wenn der Geburtskanal nachweislich mit Listerien besiedelt ist.