Das Bild zeigt den Nil mit einer Herde Büffel.
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West-Nil-Fieber

Das West-Nil-Fieber ist eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit, die meist nicht allzu schwer verläuft. Vor allem Vögel tragen das West-Nil-Virus (WNV) in sich, doch auch andere Tiere und Menschen können sich infizieren. Für die Übertragung der Krankheit sind Stechmücken verantwortlich.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Die Bezeichnung West-Nil-Fieber erhielt die Erkrankung im Jahr 1937, als man den bis dahin unbekannten Erreger erstmals im West-Nil-Distrikt von Uganda entdeckte. Da das West-Nil-Virus vom Tier auf den Menschen übertragbar ist, gilt die Erkrankung als sogenannte Zoonose.

Für das West-Nil-Fieber beim Menschen besteht keine Anzeigepflicht. Aber die Infektion mit dem West-Nil-Virus beim Vogel oder Pferd gehört – wie beispielsweise die Maul- und Klauenseuche und Tollwut – zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen.

Durch frei lebende Vögel hat sich das West-Nil-Virus mittlerweile sehr weit verbreitet. In Europa trat das West-Nil-Fieber in den letzten Jahren vor allem in ost- und südeuropäischen Ländern auf (v.a. in Südrussland und Griechenland, aber auch z.B. in Rumänien, Ungarn und Italien) – besonders in Gegenden, in denen es im Spätsommer und Frühherbst viele Mücken gibt.

Die meisten Infektionen des Menschen mit dem West-Nil-Virus verlaufen ohne Symptome: Nur jeder fünfte Infizierte entwickelt ein West-Nil-Fieber mit typischerweise leichten grippeähnlichen Beschwerden.

Meist hält das West-Nil-Fieber nur ein paar Tage an und heilt dann von selbst. Vor allem bei alten oder immungeschwächten Menschen kann die Infektion allerdings in seltenen Fällen schwer oder sogar lebensbedrohlich verlaufen. Dann ist eine Behandlung im Krankenhaus ratsam, um bei Komplikationen sofort eingreifen zu können – wie zum Beispiel:

Es steht weder ein spezielles Medikament zur Behandlung noch eine Impfung gegen das West-Nil-Fieber zur Verfügung. Wirksame vorbeugende Maßnahmen bestehen darin, die Mücken zu bekämpfen und sich allgemein vor Insektenstichen zu schützen.

Definition

Das West-Nil-Fieber ist eine durch das West-Nil-Virus (WNV) hervorgerufene Infektionskrankheit. Die Bezeichnung leitet sich vom West-Nil-Distrikt ab – dem Gebiet in Uganda, in dem es im Jahr 1937 zum ersten Mal gelang, die Virusinfektion nachzuweisen.

Das West-Nil-Virus ist vom Tier auf den Menschen übertragbar – dementsprechend ist das West-Nil-Fieber eine sogenannte Zoonose.

Vor allem wild lebende Vögel tragen das West-Nil-Virus in sich. Erste Anzeichen für den Ausbruch der Virusinfektion sind daher oft tote Vögel, vor allem Krähen. Daneben können sich auch Säugetiere (besonders Pferde, aber auch Katzen) und Reptilien infizieren. Als Überträger des West-Nil-Fiebers sind mehrere Stechmückenarten bekannt.

Das West-Nil-Fieber beim Menschen ist nicht meldepflichtig. Die Infektion mit dem West-Nil-Virus beim Vogel oder Pferd ist hingegen eine anzeigepflichtige Tierseuche. Weitere anzeigepflichtige Tierseuchen sind zum Beispiel:

Häufigkeit

In Afrika tritt das West-Nil-Fieber besonders häufig in Uganda und Mosambik auf. Aber auch in Ägypten, Israel, dem Mittleren Osten, Indien, Teilen Südostasiens und inzwischen auch in Amerika sind Infektionen mit dem West-Nil-Virus verbreitet. Da die Infektion beim Menschen meist unerkannt bleibt, sind genaue Angaben zur Häufigkeit allerdings nicht möglich. In Ägypten und im Sudan ließen sich jedoch – als Zeichen einer stattgefundenen Infektion – bei 40 bis 70 Prozent der Einwohner Antikörper gegen das Virus feststellen.

Seit das West-Nil-Virus in Nordamerika erstmals im Jahr 1999 in New York aufgetaucht ist, hat es sich in den gesamten USA und in Kanada ausgebreitet und ist nachfolgend auch in der Karibik sowie in Mittel- und Südamerika aufgetaucht. Im Sommer 2002 kam es in Nordamerika zu einer extremen West-Nil-Fieber-Epidemie – mit über 4.000 registrierten Infektionen und 263 Sterbefällen. Im Jahr 2014 traten in den USA 1.347 Infektionen und 97 Todesfälle auf.

In Europa kommt das West-Nil-Fieber inzwischen auch zunehmend öfter vor: In den vergangenen Jahren haben sich immer wieder Menschen in mehreren Ländern Ost- und Südeuropas mit dem West-Nil-Virus infiziert – zum Beispiel in Südrussland, Griechenland, Italien, Rumänien, Serbien, Ungarn und im Westen der Türkei. Betroffen sind überwiegend Gegenden, in denen im Spätsommer und Frühherbst eine Mückenplage herrscht (wie an Flussufern oder in Sumpfgebieten).

In Deutschland tritt das West-Nil-Fieber nur vereinzelt auf, wobei es sich bisher immer um aus dem Ausland eingeschleppte Fälle handelte. Noch scheint es hier für den Erreger nicht warm genug zu sein, um überleben und sich vermehren zu können: Für eine ausreichende Vermehrung in den Überträgermücken benötigt das West-Nil-Virus eine höhere durchschnittliche Tagestemperatur.

Bei entsprechenden klimatischen Veränderungen ist aber nicht auszuschließen, dass das West-Nil-Virus zukünftig auch in Deutschland heimisch wird und das West-Nil-Fieber auch hier zunehmend häufiger auftritt.

Ursachen

Erreger

Das West-Nil-Fieber entsteht durch eine Infektion mit dem West-Nil-Virus (WNV), einem sogenannten Flavivirus: Namensgebend für die Flaviviren war der Erreger des Gelbfiebers (lateinisch flavus = gelb).

Viele Flaviviren können beim Menschen Erkrankungen verursachen, die sich häufig als Enzephalitis (d.h. als Entzündung des Hirngewebes) äußern: So haben zum Beispiel die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis oder die japanische Enzephalitis Flaviviren als Erreger. Auch das West-Nil-Fieber kann in seltenen Fällen mit einer Enzephalitis einhergehen.

Flaviviren zählen zur Gruppe der sogenannten Arboviren: Diese Bezeichnung steht für den englischen Begriff arthropod-borne viruses, was durch Arthropoden übertragbare Viren bedeutet. Arthropoden sind Gliederfüßer, zu denen unter anderem die Insekten gehören – und somit auch die Stechmücken, die das West-Nil-Virus durch ihre Stiche übertragen.

Kein anderes durch Mücken übertragenes Virus ist heute geografisch weiter verbreitet als der Erreger des West-Nil-Fiebers: Schon auf allen fünf Kontinenten hat man Infektionen mit dem West-Nil-Virus nachweisen können.

Übertragung

Häufigste Ursache für das West-Nil-Fieber beim Menschen ist die Übertragung vom Tier zum Menschen über Stechmücken: Das West-Nil-Virus kommt hauptsächlich in wild lebenden Vögeln vor – wenn eine Mücke zuerst bei einem infizierten Vogel Blut saugt und dann einen Menschen sticht, kann das Virus in den menschlichen Körper gelangen.

Vom Tier auf den Menschen übertragbare Erkrankungen wie das West-Nil-Fieber bezeichnet man als Zoonosen.

Ursprünglich war das West-Nil-Virus vor allem in Afrika, Israel, dem Mittleren Osten, Indien und Teilen Südostasiens verbreitet. Die ersten Fällen von West-Nil-Fieber auf dem nordamerikanischen Kontinent im Jahr 1999 entstanden wahrscheinlich durch importierte infizierte Vögel, die vermutlich in Flugzeugen über den Ozean gelangten. Nach der bisher größten Epidemie im Jahr 2002 versuchten die Amerikaner, die Anzahl Überträgermücken durch weiträumig versprühte Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide) zu verringern – mit geringem Erfolg.

Statt über Mückenstiche können Menschen sich auch direkt bei einem Tier mit dem West-Nil-Fieber anstecken: So kann sich das West-Nil-Virus zum Beispiel bei einer Autopsie eines infizierten Tieres (z.B. Vogel, Pferd) auf den Menschen übertragen.

Außerdem kann sich das West-Nil-Fieber von Mensch zu Mensch verbreiten: So ist das West-Nil-Virus in der Schwangerschaft von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragbar. Auch eine Übertragung durch Muttermilch ist nicht auszuschließen. Weitere mögliche Übertragungswege von Mensch zu Mensch sind:

 

 

 

Inkubationszeit

Beim West-Nil-Fieber beträgt die Inkubationszeit (d.h. die Zeit zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Erkrankung) 2 bis 14 Tage, in der Regel etwa 3 bis 6 Tage.

Symptome

Die für das West-Nil-Fieber beim Menschen typischen Symptome ähneln denen einer leichten Grippe – es kommt zu:

Oft verursacht die Infektion mit dem West-Nil-Virus weitere Symptome in Form von Übelkeit und Erbrechen oder Durchfall. Zusätzlich können dann in mehreren Körperregionen die Lymphknoten anschwellen. Nach wenigen (meist nach drei bis sechs) Tagen heilt das West-Nil-Fieber ohne Behandlung ab. In jedem zweiten Fall ist ab diesem Zeitpunkt ein Hautausschlag (Exanthem) sichtbar.

Doch längst nicht jede Infektion des Menschen mit dem West-Nil-Virus macht auch krank: Nur jeder fünfte Infizierte entwickelt ein West-Nil-Fieber. Die meisten Infektionen rufen also gar keine Symptome hervor.

Andererseits kann sich in seltenen Fällen auch ein schweres West-Nil-Fieber entwickeln: Insgesamt ist etwa 1 von 150 Infizierten betroffen. Vor allem bei älteren Menschen und bei einem geschwächten Immunsystem (z.B. durch Diabetes mellitus, Lebererkrankungen, Krebs, AIDS oder eine Transplantation) kann die Infektion mit dem West-Nil-Virus schwerwiegende Symptome auslösen – wie:

Im Extremfall können diese seltenen Komplikationen bei einem West-Nil-Fieber zum Tod führen.

Diagnose

Um das West-Nil-Fieber sicher diagnostizieren zu können, muss man den Erreger (das West-Nil-Virus, WNV) nachweisen. In der ersten Woche nach Ausbruch der Viruserkrankung ist es möglich, das Virus im Blut direkt nachzuweisen. Dabei ergeben sich allerdings oft Schwierigkeiten, da es notwendig ist, die Blutprobe rechtzeitig zu entnehmen und schnell und fachgerecht zu transportieren.

Es besteht aber auch die Möglichkeit, das West-Nil-Fieber durch einen indirekten Erregernachweis festzustellen: Sobald das Immunsystem spezifische Antikörper gegen das West-Nil-Virus gebildet hat, finden sich diese Antikörper im Blut oder in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor). In 90 Prozent der Fälle trifft dies etwa acht Tage nach Auftreten der ersten Beschwerden zu.

Daher spielt beim West-Nil-Fieber neben der Blutabnahme auch die Liquorpunktion eine wichtige Rolle für die Diagnose.

Therapie

Meistens hält das West-Nil-Fieber nur drei bis sechs Tage an und heilt dann ohne Therapie von selbst. Die Behandlung beschränkt sich daher darauf, die Infizierten zu pflegen und die vorliegenden Symptome zu lindern – das bedeutet zum Beispiel:

Eine ursächliche Behandlung ist beim West-Nil-Fieber nicht möglich: Ein Medikament gegen das West-Nil-Virus, vergleichbar mit Antibiotika gegen bestimmte Bakterien, steht bisher nicht zur Verfügung.

Wenn das West-Nil-Fieber schwer verläuft (was selten der Fall ist), ist es ratsam, sich im Krankenhaus behandeln zu lassen: Dort kann eine ständige Überwachung gewährleisten, dass die Ärzte bei eventuellen Komplikationen – wie zum Beispiel einer Enzephalitis (Entzündung des Hirngewebes) oder Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels) – sofort eingreifen können.

Verlauf

Das West-Nil-Fieber zeigt typischerweise einen sogenannten selbstlimitierenden Verlauf – das heißt: Die Beschwerden halten nur drei bis sechs Tage an und verschwinden dann ohne Behandlung von alleine wieder.

Allerdings führt nur jede fünfte Infektion mit dem ursächlichen Virus zu einem West-Nil-Fieber: Die meisten Menschen, die sich mit dem West-Nil-Virus infizieren, entwickeln gar keine Anzeichen einer Infektion.

Prognose

Meist verläuft das West-Nil-Fieber unkompliziert und hat insgesamt eine relativ gute Prognose. Die Aussichten hängen jedoch – wie bei jeder anderen Erkrankung – stark von den einzelnen Gegebenheiten wie dem Alter, der körperlichen und seelischen Verfassung sowie dem Zustand des Immunsystems ab.

Entsprechend haben manche Menschen ein höheres Risiko, ein schweres West-Nil-Fieber zu entwickeln – die Prognose ist zum Beispiel ungünstiger durch:

Komplikationen

Sehr selten führt das West-Nil-Fieber zu Komplikationen: Nur bei jeder 150. Infektion mit dem West-Nil-Virus kommt es zu einer schweren Erkrankung, wobei ausschließlich ältere und immungeschwächte Menschen betroffen sind. Schwere Verläufe können mit folgenden Komplikationen verbunden sein:

Daneben kann auch ein überstandenes West-Nil-Fieber Spätfolgen haben: Auch wenn während der Infektion keine Komplikationen auftreten, können noch Monate später Beschwerden – wie Müdigkeit, Muskelschmerzen, Konzentrationsstörungen und Gedächtnisstörungen – bestehen.

 

 

 

Sterblichkeit

Beim West-Nil-Fieber ist die Sterblichkeit äußerst gering. Nur wenn die Infektion mit dem West-Nil-Virus schwer verläuft, ist vereinzelt mit Todesfällen zu rechnen.

Vorbeugen

Die Möglichkeiten, mit denen Sie einem West-Nil-Fieber vorbeugen können, sind begrenzt: Eine Impfung für Menschen gegen das West-Nil-Virus steht bislang noch nicht zur Verfügung.

Vorbeugende Maßnahmen bestehen beim West-Nil-Fieber daher in der sogenannten Expositionsprophylaxe – dies bedeutet: Mückenstiche vermeiden! Dies gilt besonders bei Reisen in betroffene Gebiete. Um sich vor einer Übertragung des West-Nil-Virus durch Mücken zu schützen, können Sie Folgendes tun:

  • Tragen Sie entsprechende Kleidung (z.B. langärmelige Oberteile, lange Hosen).
  • Tragen Sie Anti-Mücken-Sprays auf Ihren Körper auf.

Nicht nur der Einzelne kann dem West-Nil-Fieber vorbeugen: Eine Expositionsprophylaxe zur Eindämmung des West-Nil-Virus umfasst auch allgemeine Maßnahmen zur Bekämpfung der Mücken – wie großräumig versprühte Chemikalien (Insektizide).