Ein Kleinkind mit RS-Virus wird mit dem Stethoskop abgehört.
© GettyImages/Emely

Infektionen mit dem RS-Virus: Schwere Verläufe möglich

Das RS-Virus verursacht lediglich eine Erkältung? Das gilt nicht immer: Bei Babys oder Kleinkindern, die sich zum ersten Mal mit dem Erreger anstecken, können schwerste Verläufe die Folge sein. Entscheidend ist, die Beschwerden richtig einzuordnen und eine passende Behandlung in die Wege zu leiten.

RS-Virus – was ist das?

Das sogenannte RS-Virus ist unter vielen verschiedenen Namen bekannt. Dazu gehören zum Beispiel:

  • RSV
  • (Humanes) respiratorisches Synzytial-Virus
  • Respiratory Syncytial Virus
  • Orthopneumovirus

Egal unter welchem Namen das Virus in Erscheinung tritt: Klar ist, es gehört zur Familie der Pneumoviridae und verursacht bei den Betroffenen erkältungs- oder grippeähnliche Symptome. Wissenschaftlich korrekt werden die RS-Viren dabei weiterhin in die Gruppen A und B unterteilt. Variante A kommt in der Regel häufiger vor. Von ihr ist daher meist die Rede, wenn der*die Ärzt*in eine Infektion mit dem RS-Virus feststellt.

Verbreitet hat sich das RSV auf der ganzen Welt. Grundsätzlich kann es jeden Menschen befallen, unabhängig von seinem Alter oder anderen Einflüssen. Besonders empfänglich für eine Infektion – und speziell für einen schweren Verlauf – sind allerdings Babys und kleine Kinder bis zu einem Alter von etwa drei Jahren. Erkranken Erwachsene, zeigen sie meist nur leichte bis moderate Beschwerden.

Ähnlich wie bei typischen Erkältungs- und Grippeviren erhöht sich die Ansteckungsgefahr beim RS-Virus hierzulande vor allem im Herbst und Winter.

Typische Beschwerden bei einer Infektion mit RSV

Nach der Ansteckung dauert es für gewöhnlich zwei bis acht Tage, bis sich die ersten Beschwerden zeigen. In dieser Zeit nisten sich die RS-Viren in den Schleimhäuten der oberen Atemwege ein und vermehren sich. Gerade beim erstmaligen Kontakt mit dem Erreger kann sich die Erkrankung außerdem auf die unteren Atemwege ausweiten.

Die Beschwerden fallen bei dieser sogenannten Erstinfektion vergleichsweise heftig aus. Möglich sind:

  • Halsschmerzen
  • Schnupfen
  • starker, anfangs trockener, später produktiver (schleimiger) Husten
  • Schlappheit, allgemeines Krankheitsgefühl
  • erhöhte Temperatur bis hin zum Fieber
  • Schmerzen in der Brust
  • Bei Kindern wird die Infektion in vielen Fällen von einer Mittelohrentzündung begleitet.

Gerade bei kleinen Patient*innen sollten Eltern den Krankheitsverlauf genau verfolgen. Das Immunsystem von Babys und Kleinkindern lernt in diesem Alter stetig dazu – und ist manchmal noch nicht ausreichend auf den Kontakt mit einem Virustyp wie dem RSV vorbereitet. Die Gefahr für einen schweren Verlauf der Erkrankung ist in dieser Altersgruppe daher hoch.

Zu den Warnzeichen für eine schwerwiegende RSV-Infektion zählen insbesondere Atemnot, die Verweigerung von Nahrung und Fieber über 38 Grad. Bemerken Eltern solche Beschwerden oder haben sie Schwierigkeiten, den Schweregrad richtig einzuschätzen, vereinbaren sie am besten einen Arzttermin. Bekommt das Kind schwer oder gar keine Luft, sollten Eltern die Notaufnahme aufsuchen oder den Notruf wählen.

Ältere Kinder oder Erwachsene, die sich später im Leben nochmals mit dem RS-Virus anstecken, können typischerweise mit weniger starken Symptomen rechnen. Bei ihnen "erinnert" sich das körpereigene Abwehrsystem an den Erreger und hat meist ausreichend Erfahrung, um die Infektion in Schach zu halten. Die Erkrankung bleibt dann in der Regel auf die oberen Atemwege beschränkt und zeigt sich mit ähnlichen Beschwerden wie ein leichter grippaler Infekt.

Risikofaktoren und Folgeerkrankungen

Bestimmte Einflüsse oder Grundvoraussetzungen können gerade bei einer ersten Infektion dazu beitragen, dass das Immunsystem dem Erregerbefall nur wenig entgegenzusetzen hat. Es ist dann nicht mehr dazu in der Lage, die Vermehrung der RS-Viren zügig wieder einzudämmen.

Als Risikofaktoren für einen schweren Verlauf der Infektion gelten:

  • sehr junges Lebensalter (Abwehrkräfte entwickeln sich noch)
  • eine Ansteckung in den ersten drei Lebensmonaten
  • ein geschwächtes oder medikamentös unterdrücktes Immunsystem
  • Vorerkrankungen der Lunge oder des Herzens (zum Beispiel Asthma, Herzfehler)
  • die Geburt vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche (Frühgeburt)
  • Passivrauchen
  • die familiäre Häufung von Asthma

Bedingt durch die Corona-Pandemie nehmen seit dem Herbst 2021 die Ansteckungen mit dem RS-Virus zu – und damit einhergehend auch die schweren Krankheitsfälle bei Kindern. In hohem Maß ist das auf eine fehlende natürliche Immunität zurückzuführen: Durch Abstandsregeln und Co. hatte das Immunsystem der Kleinen bislang weniger Übung im Umgang mit Erregern.

Nimmt die Erkrankung einen schweren Verlauf, entwickeln sich Folgeerkrankungen wie die

  • spastische Bronchitis, bei der sich die Bronchien entzünden und verengen,
  • Bronchiolitis (eine Entzündung der Bronchiolen, also der engsten Atemwege, die in die Lungenbläschen münden)
  • Lungenentzündung (hier sind die Lungenbläschen und das umliegende Gewebe von einer Entzündung betroffen)

Besonders gefährlich ist die Atemnot, die mit diesen Komplikationen einhergehen kann. Ein engmaschiges Monitoring und die passende Therapie sind daher absolut essenziell. Abhängig vom Alter der Betroffenen und dem Schweregrad der Erkrankung wird möglicherweise eine Behandlung im Krankenhaus notwendig. Schlimmstenfalls endet eine Infektion mit dem RS-Virus tödlich.

Diagnose und Behandlung einer RS-Virus-Infektion

Feststellen lässt sich das RS-Virus über einen Rachenabstrich, bei dem das Laborpersonal den Erreger nachweist, oder eine Blutuntersuchung im Hinblick auf die typischen Antigene. Allein anhand des Beschwerdebilds auf das Virus zu schließen, ist sowohl für Mediziner*innen als auch für Eltern kaum möglich. Im Umkehrschluss bedeutet das: Erkältungssymptome sollten immer ernst genommen werden. Halten sie ungewöhnlich lange an oder äußern sie sich sehr stark, macht eine ärztliche Abklärung Sinn.

Wie geht es nach der Diagnose weiter? Ähnlich wie bei vielen anderen viralen Erkrankungen steht gegen das RS-Virus noch keine ursächliche Therapie zur Verfügung. Stattdessen richtet sich die Behandlung an den bestehenden Symptomen aus: Wenn nur leichte Beschwerden auftreten, sind meist keine besonderen Maßnahmen nötig. Betroffene sollten viel trinken und sich körperlich schonen, bis die Erkrankung abgeklungen ist. Moderate Symptome lassen sich medikamentös gut lindern, zum Beispiel über die Einnahme von Schmerztabletten oder -säften.

RS-Virus: Übertragung und Vorbeugung

Einer Ansteckung mit dem RSV gänzlich aus dem Weg zu gehen, ist leider kaum machbar. Zum einen erweist sich der Erreger als hochansteckend – zum anderen macht nahezu jedes Kind bis zu einem Alter von drei Jahren eine Erkrankung durch. Prinzipiell ist das auch gut so, da später folgende, erneute Ansteckungen meist deutlich milder ausfallen. Hier kann sich das körpereigene Abwehrsystem auf das Virus einstellen. Bei sehr kleinen Kindern und anderen Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf ergibt die Prävention dagegen durchaus Sinn.

So kann man dem RS-Virus vorbeugen

Um einer Infektion möglichst effektiv vorzubeugen, ist es wichtig, grob zu verstehen, wie sich das RS-Virus ausbreitet. Expert*innen sprechen von einer sogenannten Tröpfcheninfektion. Doch was heißt das genau?

Gemeinsam mit feinsten Speicheltröpfchen verteilen sich die Erreger beim Sprechen, Husten oder Niesen in der Umgebungsluft. Wer sie einatmet, läuft Gefahr, Beschwerden zu entwickeln. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich über kontaminierte Gegenstände anzustecken. Erkrankte verbreiten die Viren nämlich bereits, bevor sich die ersten Symptome entwickeln. Nach etwa einer Woche legt sich die Ansteckungsfähigkeit wieder.

Grundsätzlich gelten beim RSV ähnliche Empfehlungen wie bei der Vorbeugung anderer Atemwegsinfekte. Dazu gehört es beispielsweise,

  • regelmäßig, ausreichend lange und mit Seife die Hände zu waschen.
  • Kinder zu ermahnen, Abstand zu Erkrankten zu halten.
  • auch bei leichten Beschwerden auf Liebkosungen und möglichst auf Kontakt zu Neugeborenen zu verzichten.
  • Taschentücher nach der Benutzung sofort zu entsorgen.
  • den Temperaturen angemessene Kleidung zu tragen.
  • das Immunsystem durch gesunde Ernährung und Bewegung zu unterstützen.

In Einzelfällen, wenn ein besonders hohes Risiko für einen schweren Verlauf oder langfristige Folgen besteht, können Ärzt*innen eine monatliche Injektion von Palivizumab verordnen. Der Antikörper unterstützt das Immunsystem dabei, sich gegen die Erkrankung zur Wehr zu setzen.

Ein Impfstoff gegen das RS-Virus ist bislang noch nicht verfügbar. Das könnte sich in Zukunft aber ändern: Derzeit wird an mehreren, vielversprechenden Kandidaten geforscht.