Ein Kleinkind mit RS-Virus wird mit dem Stethoskop abgehört.
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RS-Virus: Symptome bei Kindern, Babys & Erwachsenen

Das RS-Virus verursacht lediglich eine Erkältung? Das ist nicht immer der Fall: Bei Babys oder Kleinkindern, die sich zum ersten Mal mit dem RS-Virus anstecken, können schwere Verläufe die Folge sein. Wie können Eltern die Symptome richtig einordnen und wie erfolgt die Behandlung?

Was ist das RS-Virus?

Das sogenannte RS-Virus ist unter verschiedenen Namen bekannt. Dazu gehören zum Beispiel:

  • RSV
  • (Humanes) respiratorisches Synzytial-Virus
  • Respiratory Syncytial Virus
  • Orthopneumovirus

Das Virus gehört zur Familie der Pneumoviridae und verursacht bei Betroffenen erkältungs- oder grippeähnliche Symptome. Fachleute unterteilen die RS-Viren in die Gruppen A und B. Variante A kommt in der Regel häufiger vor. Von ihr ist daher meist die Rede, wenn der*die Arzt*Ärztin eine Infektion mit dem RS-Virus feststellt.

Verbreitet hat sich das RSV auf der ganzen Welt. Grundsätzlich kann es jeden Menschen befallen, unabhängig von Alter oder anderen Einflüssen. Besonders empfänglich für eine Infektion mit dem RS-Virus – und speziell für einen schweren Verlauf – sind allerdings Babys und kleine Kinder bis zu einem Alter von etwa drei Jahren. Erkranken Erwachsene, zeigen sie überwiegend nur leichte bis moderate Symptome. 

Ähnlich wie bei typischen Erkältungs- und Grippeviren erhöht sich die Ansteckungsgefahr beim RS-Virus hierzulande vor allem im Herbst und Winter.

RS-Virus: Welche Symptome sind möglich?

Nach der Ansteckung dauert es für gewöhnlich zwei bis acht Tage, bis sich die ersten Beschwerden zeigen. In dieser Zeit nisten sich die RS-Viren in den Schleimhäuten der oberen Atemwege ein und vermehren sich. Gerade beim erstmaligen Kontakt mit dem Erreger kann sich die Erkrankung außerdem auf die unteren Atemwege ausweiten.

Die Beschwerden fallen bei dieser sogenannten Erstinfektion mit dem RS-Virus vergleichsweise heftig aus. Dann sind folgende Symptome möglich:

Gerade bei Säuglingen und kleinen Kindern mit RS-Virus sollten Eltern den Krankheitsverlauf genau verfolgen. Das Immunsystem von Babys und Kleinkindern lernt in diesem Alter stetig dazu – und ist manchmal noch nicht ausreichend auf den Kontakt mit einem Virustyp wie dem RSV vorbereitet. Die Gefahr für einen schweren Verlauf der Erkrankung ist in dieser Altersgruppe daher hoch.

RS-Virus: Symptome bei schwerem Verlauf

Zu den Warnzeichen für eine schwerwiegende RSV-Infektion bei Kindern, Säuglingen oder Frühgeborenen zählen insbesondere

  • Atemnot,
  • die Verweigerung von Nahrung und Flüssigkeit sowie
  • Fieber über 38 Grad Celsius.

Bemerken Eltern solche Beschwerden oder haben sie Schwierigkeiten, den Schweregrad richtig einzuschätzen, sollte möglichst schnell ärztlicher Rat hinzugezogen werden. Bekommt das Kind schwer oder gar keine Luft, sollten Eltern unverzüglich die Notaufnahme aufsuchen oder den Notruf (112) wählen.

RS-Virus: Symptome bei Erwachsenen

Infizieren sich Erwachsene mit dem RS-Virus, leiden diese meist unter leichten Symptomen, die einer milden Erkältung ähneln. Beschwerden sind oftmals Müdigkeit, Husten und Schnupfen. Mitunter bleibt eine Infektion mit dem RS-Virus bei Erwachsenen auch aufgrund der milden Symptome unentdeckt. Mit schweren Verläufen ist in der Regel nicht zu rechnen.

RSV: Risikofaktoren und Folgeerkrankungen

Bestimmte Einflüsse oder Faktoren können gerade bei einer ersten RSV-Infektion dazu beitragen, dass das Immunsystem dem Erregerbefall nur wenig entgegenzusetzen hat. Es ist dann nicht mehr dazu in der Lage, die Vermehrung der RS-Viren zügig einzudämmen.

Als Risikofaktoren für einen schweren Verlauf der RSV-Infektion gelten:

  • sehr junges Lebensalter (Abwehrkräfte entwickeln sich noch)
  • eine Ansteckung in den ersten drei Lebensmonaten
  • ein geschwächtes oder medikamentös unterdrücktes Immunsystem
  • Vorerkrankungen der Lunge oder des Herzens (zum Beispiel Asthma, Herzfehler)
  • die Geburt vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche (Frühgeburt)
  • Passivrauchen
  • die familiäre Häufung von Asthma

Bedingt durch die Corona-Pandemie nehmen seit dem Herbst 2021 die Ansteckungen mit dem RS-Virus zu – und damit einhergehend auch schwere Krankheitsfälle bei Kindern. In hohem Maß ist das auf eine fehlende natürliche Immunität zurückzuführen: Durch Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen hatte das Immunsystem der Kleinen bislang weniger Übung im Umgang mit Erregern.

Nimmt die Erkrankung einen schweren Verlauf, entwickeln sich Folgeerkrankungen wie die

  • spastische Bronchitis, bei der sich die Bronchien entzünden und verengen,
  • Bronchiolitis (eine Entzündung der Bronchiolen, also der engsten Atemwege, die in die Lungenbläschen münden)
  • Lungenentzündung (hier sind die Lungenbläschen und das umliegende Gewebe von einer Entzündung betroffen)

Besonders gefährlich ist die Atemnot, die mit diesen Komplikationen einhergehen kann. Eine engmaschige Kontrolle und die passende Therapie sind daher essenziell. Abhängig vom Alter der Betroffenen und dem Schweregrad der Erkrankung wird möglicherweise eine Behandlung im Krankenhaus notwendig. Schlimmstenfalls endet eine Infektion mit dem RS-Virus tödlich. Im Mittel versterben jedoch nur 0,2 Prozent der betroffenen Kinder ohne Vorerkrankungen, bei Frühgeborenen oder Kindern mit chronischen Krankheiten ist das Risiko etwas erhöht. 

RS-Virus: Diagnose und Behandlung einer Infektion

Feststellen lässt sich das RS-Virus über einen Rachenabstrich, bei dem das Laborpersonal den Erreger nachweist. Auch eine Blutuntersuchung im Hinblick auf die typischen Antigene kann Aufschluss geben. Allein anhand des Beschwerdebilds auf das Virus zu schließen, ist sowohl für Mediziner*innen als auch für Eltern kaum möglich. Im Umkehrschluss bedeutet das: Erkältungssymptome sollten immer ernst genommen werden. Halten sie ungewöhnlich lange an oder äußern sie sich sehr stark, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Behandlung einer RSV-Infektion

Ähnlich wie bei vielen anderen viralen Erkrankungen steht gegen das RS-Virus noch keine ursächliche Therapie zur Verfügung. Stattdessen richtet sich die Behandlung an den bestehenden Symptomen aus: Wenn nur leichte Beschwerden auftreten, sind meist keine besonderen Maßnahmen nötig. Betroffene sollten viel trinken und sich körperlich schonen, bis die Erkrankung abgeklungen ist. Moderate Symptome lassen sich medikamentös gut lindern, zum Beispiel über die Einnahme von Schmerztabletten oder -säften.

Bei einer stationären Therapie im Krankenhaus erhalten Kinder mitunter Sauerstoff über eine Atemmaske, in schweren Fällen ist auch eine Intubation und künstliche Beatmung notwendig. Auch Inhalationen, etwa mit Adrenalin, können im Krankenhaus zum Einsatz kommen.

RS-Virus: Übertragung und Vorbeugung

Einer Ansteckung mit dem RSV gänzlich aus dem Weg zu gehen, ist kaum möglich. Zum einen erweist sich der Erreger als hochansteckend – zum anderen macht nahezu jedes Kind bis zu einem Alter von drei Jahren eine Erkrankung durch. Prinzipiell ist das auch gut so, da später folgende, erneute Ansteckungen meist deutlich milder ausfallen. Hier kann sich das körpereigene Abwehrsystem auf das Virus einstellen. Bei sehr kleinen Kindern und Erwachsenen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf ergibt die Prävention dagegen durchaus Sinn.

Wie lässt sich einer RSV-Infektion vorbeugen?

Um einer Infektion möglichst effektiv vorzubeugen, ist es wichtig, grob zu verstehen, wie sich das RS-Virus ausbreitet. Fachleute sprechen von einer sogenannten Tröpfcheninfektion. Doch was heißt das genau?

Gemeinsam mit feinsten Speicheltröpfchen verteilen sich die Erreger beim Sprechen, Husten oder Niesen in der Umgebungsluft. Wer sie einatmet, läuft Gefahr, Beschwerden zu entwickeln. Darüber hinaus besteht das Risiko, sich über kontaminierte Gegenstände wie Spielzeuge anzustecken (Schmierinfektion). Erkrankte verbreiten die Viren nämlich bereits, bevor sich die ersten Symptome entwickeln. Nach etwa einer Woche legt sich die Gefahr einer Ansteckung mit dem RS-Virus wieder.

Grundsätzlich gelten beim RSV ähnliche Empfehlungen wie bei der Vorbeugung anderer Atemwegsinfektionen. Dazu gehört es beispielsweise,

  • regelmäßig, ausreichend lange und mit Seife die Hände zu waschen.
  • Kinder darauf hinzuweisen, Abstand zu Erkrankten zu halten.
  • auch bei leichten Beschwerden auf Liebkosungen und möglichst auf körperlichen Kontakt zu Neugeborenen zu verzichten.
  • Taschentücher nach der Benutzung sofort zu entsorgen.
  • den Temperaturen angemessene Kleidung zu tragen.
  • das Immunsystem durch gesunde Ernährung und Bewegung zu unterstützen.

In Einzelfällen, wenn ein besonders hohes Risiko für einen schweren Verlauf oder langfristige Folgen besteht, können Ärzt*innen eine monatliche Injektion von Palivizumab verordnen. Der Antikörper unterstützt das Immunsystem dabei, sich gegen die Erkrankung zur Wehr zu setzen.

Ein Impfstoff gegen das RS-Virus ist bislang noch nicht verfügbar. Das könnte sich in Zukunft aber ändern: Derzeit wird an mehreren, vielversprechenden Kandidaten geforscht.