Fluconazol: Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen

Anwendung von Fluconazol

Fluconazol zählt zu den Antimykotika (Antipilzmitteln). Die Anwendung des rezeptpflichtigen Medikaments erfolgt vor allem bei Infektionen mit Hefepilzen der Gattung Candida. Bei den dadurch verursachten Erkrankungen, den Candidosen, können in seltenen Fällen auch innere Organe betroffen sein. Meist handelt es sich aber um oberflächliche Pilzerkrankungen der Schleimhäute.

Fluconazol ist als Pulver, Hartkapseln, Infusionslösung und Lösung erhältlich und wird entweder oral eingenommen oder als Infusion verabreicht.

Wirkung von Flusonazol

Fluconazol ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Imidazole und Triazole. Der Wirkstoff hemmt die Bildung der Zellwand der Pilze, was ihr Wachstum behindert (fungistatische Wirkung) und damit die Vermehrung der Erreger. Dabei ist Fluconazol besonders gut gegen Hefepilze wie Candida wirksam. Gegenüber älteren Vertretern der Imidazole und Triazole zeichnet sich der Wirkstoff durch wesentlich weniger Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten aus.

In bis zu zehn Prozent aller Fälle entwickeln Hefepilze eine Widerstandsfähigkeit (Resistenz) gegen Fluconazol. Dann kann die kombinierte Gabe von Amphotericin B und Flucytosin eine wirksame Alternative darstellen.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

Fluconazol kann:

  • Pilzwachstum hemmen
  • zytostatische Behandlungen (Chemotherapie) unterstützen
  • Pilzinfektion in der immununterdrückenden Therapie vorbeugen

Die Indikationen sind:

  • Candidosen (Pilzerkrankungen, die durch verschiedene Pilzarten ausgelöst werden), wie beispielsweise Scheidenpilz, Hautpilz, Mundsoor, aber auch Fuß- und Nagelpilz
  • Vorbeugung von Pilzerkrankungen bei Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, beispielsweise bei Krebserkrankungen, nach Organtransplantation und HIV-Infektion
  • Hirnhautentzündungen, die durch den Pilz Cryptococcus neoformans verursacht werden

Wann darf Fluconazol nicht verwendet werden?

In manchen Fällen darf Fluconazol nicht angewendet werden. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform (beispielsweise Tablette, Lösung, Pulver) unterschiedlich sein können.

Kontraindikationen von Fluconazol sind:

  • Überempfindlichkeit gegen Fluconazol oder andere Pilzmittel vom Azol-Typ
  • schwere Leberfunktionsstörungen
  • Herzrhythmusstörungen
  • verminderte Herzleistung
  • Einnahmen von Cisaprid oder Terfenadin (Antihistaminikum)

Was ist in der Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Fluconazol sollte in der Schwangerschaft möglichst nicht eingenommen werden und wenn, dann nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung. Im 1. Trimester ist von der Einnahme unbedingt abzuraten, da in Studien ein erhöhtes Risiko für spezielle Fehlbildungen wie Herzfehler und  Lippen-Kiefer-Gaumenspalten festgestellt wurde. Nach einer einmaligen Einnahme von Fluconazol wurden keine erhöhten Risiken festgestellt. Bevorzugt werden sollte bei Scheidenpilz in der Schwangerschaft die Behandlung mit ClotrimazolMiconazol oder Nystatin.

Fluconazol geht in die Muttermilch und damit in den Säugling über. Die Einnahme in der Stillzeit wird deshalb nicht empfohlen. Bei einmaliger Einnahme von Fluconazol in einer Dosis von höchstens 200 mg kann weiter gestillt werden. 

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sollten Fluconazol nur anwenden, wenn eine Behandlung mit anderen Wirkstoffen ausgeschlossen ist. Es empfiehlt sich besonders die Anwendung in Form eines Safts.

Welche Nebenwirkungen kann Fluconazol haben?

Unter der Einnahme von Fluconazol können Nebenwirkungen auftreten. Folgende Nebenwirkungen können auftreten:

Häufige Nebenwirkungen:
Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Appetitverlust, Verstopfung, Verdauungsstörungen, Blähungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Krampfanfälle, Mundtrockenheit, Schwitzen (vermehrt), Nervenstörungen (Kribbeln, Zittern), Geschmacksstörungen, Gallenstau, Leberentzündung, Gelbsucht, Leberzellschädigung, Blutarmut, Muskelschmerzen, Schlaflosigkeit, Schläfrigkeit, Müdigkeit, Unwohlsein, Schwäche, Fieber

Seltene Nebenwirkungen:
allergische Reaktion (Nesselsucht), Haarausfall (vorübergehend), Hautausschlag, Leberversagen, Nierenveränderungen, Blutveränderungen (Cholesterinanstieg, Erhöhung der Blutfettwerte)

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Angioödem, Gesichtsschwellungen, Juckreiz, Leberzerfall (Leberzirrhose), Überempfindlichkeitsreaktionen, Stevens-Johnson-Syndrom (Hautreaktion mit schwer gestörtem Allgemeinbefinden), Nekrosen des Gewebes (Gewebetod mit Auflösung oder Einschmelzung der Haut).

Besonderheiten:
Bei Menschen, die HIV-infiziert sind, treten die Nebenwirkungen mit einer größeren Häufigkeit auf als bei nicht infizierten Personen.

 

Welche Wechselwirkungen zeigt Fluconazol?

Fluconazol kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Es darf nicht zusammen mit folgenden Medikamenten angewendet werden:

  • Cisaprid (Magenmittel )
  • Astemizol (Antiallergikum)
  • Pimozid (neuroleptikum)

Die gleichzeitige Gabe dieser Medikamente kann die Ausscheidung der Wirkstoffe so weit verringern, dass diese zu Herzrhythmusstörungen und Herzstillstand führen können. Gefährlich ist auch die Kombination mit dem Antiallgikum Terfenadin, wenn Fluconazol in Dosierungen über 400mg/Tag gegeben wird. Darunter ist die Kombination möglich, wenn auch unter enger ärztlicher Kontrolle.

Die gleichzeitige Gabe der folgenden Wirkstoffe ist nur erlaubt, wenn keine anderen Möglichkeiten bestehen oder eine gründliche Nutzen-Risiko-Abwägung durch den*die Arzt*Ärztin erfolgte:

  • Erythromycin (Makrolid-Antibiotikum)
  • das Entwässerungsmittel Hydrochlorothiazid
  • die Tuberkulose-Mittel Rifampicin, weil es die Wirkung von Fluconazol stark abschwächt und Rifabutin, weil es Augapfelentzündungen hervorrufen kann
  • Alfentanil (ein Narkosemittel zum Einatmen), aufgrund seiner Wirkungsverlängerung
  • die Psychopharmaka Amitriptylin und Nortriptylin wegen der Verstärkung ihrer Wirkung und Nebenwirkungen
  • Antikoagulanzien zur Blutverdünnung wegen der Gefahr von Blutungen
  • Benzodiazepine (Beruhigungsmittel) wegen Verstärkung derer Wirkung
  • Calciumkanalblocker wie Felodipin, Isradipin oder Nifedipin wegen der Gefahr von Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme)
  • die Antiepileptika Carbamazepin und Phenytoin wegen der Erhöhung von deren Giftigkeit, beziehungsweise Wirkung
  • das Antirheumatikum Celecoxib, weil es doppelt so stark wirkt und mehr Nebenwirkungen zeigt
  • Ciclosporin (Immunologikum gegen Organabstoßungen), weil es stärker wirkt und mehr Nebenwirkungen zeigt
  • das Zytostatikum Cyclophosphamid, wegen der Verschlechterung der Blutwerte von Leber und Nieren
  • Fentanyl (Schmerzmittel zur Narkose), wegen gesteigerter Giftigkeit
  • Statine (gegen Fettstoffwechselstörungen) wegen der erhöhten Gefahr des Muskelzerfalls
  • das Malaria-Mittel Halofantrin wegen vermehrter Nebenwirkungen
  • der Blutdrucksenker Losartan wegen der gesteigerten Wirkung
  • das Drogen-Ersatzmittel Methadon, weil seine Wirkung verstärkt wird
  • nicht steroidale Antirheumatika, weil sie stärker wirken und mehr Nebenwirkungen zeigen
  • das Glukokortikoid Prednison wegen seiner verstärkten Wirkung auf die Nebenniere
  • der HIV-1-Proteasehemmer Saquinavir wegen der Wirkungsverstärkung
  • die Immunologika Sirolimus und Tacrolimus wegen einer gesteigerten Giftigkeit für die Blutbildung beziehungsweise für die Nieren
  • Sulfonylharnstoffe (bei Diabetes mellitus vom Typ 2) wegen der Gefahr einer Unterzuckerung
  • das Antiasthmatikum Theophyllin wegen erhöhter Nebenwirkungen
  • die Zytostatika Vincristin und Vinblastin wegen derer erhöhten Giftigkeit für die Nerven
  • Vitamin A-Säure (gegen Akne) wegen möglicher Nebenwirkungen auf das Gehirn
  • der Reverse-Transkriptase-Hemmer Zidovudin wegen möglicherweise verstärkten Nebenwirkungen.

Besonderheiten:
Aufgrund der langsamen Ausscheidung des Wirkstoffs aus dem Körper halten die hemmenden Effekte auf die Verstoffwechselung anderer Wirkstoffe von Fluconazol vier bis fünf Tage nach dessen Absetzen an.

Alle Substanzen, die Herzrhythmusstörungen verursachen können, tun dies möglicherweise verstärkt in der Kombination mit Fluconazol. Gefährdete Patienten sind daher vom Arzt besonders sorgfältig zu überwachen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Patient*innen mit angeborener oder erworbener Reizleitungsstörung am Herzen (Long-QT-Syndrom) oder anderen Herzrhythmusstörungen sollten das Medikament nur unter ärztlicher Kontrolle anwenden. Gleiches gilt für Menschen mit Herzmuskelerkrankungen wie Herzschwäche.
  • Bei Nierenfunktionsstörungen muss die Dosis ärztlich entsprechend verringert werden.
  • Störungen im Mineralhaushalt sollten vor Behandlungsbeginn behoben werden.
  • Bei Behandlung mit dem Medikament müssen die Leberwerte regelmäßig ärztlich kontrolliert werden. Bei deutlicher Erhöhung ist die Therapie abzubrechen.
  • Eine Schwangerschaft sollte bei Anwendung des Medikaments ausgeschlossen werden.
  • Bei Entwicklung von Blasen oder einer flächenhaften Hautrötung (Erythema multiforme) ist das Medikament abzusetzen.
  • Das Medikament kann das Reaktionsvermögen beeinflussen; Autofahren und das Bedienen von Maschinen sind gefährlich. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihre*n Ärztin*Arzt oder Apotheker*in.

 

Welche Medikamente beinhalten Fluconazol?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Fluconazol enthalten ist. Sie sind von verschiedenen Herstellern auch als Generika erhältlich.

 
Medikament
Darreichungsform
Diflucan 50, 100 und 200 mg
Hartkapseln
Diflucan 40 mg/ml
Pulver
Diflucan Trockensaft 10 mg/ml
Pulver
Flucoderm 50 und 150 mg
Kapseln
Fluconazol 50, 100, 150 und 200 mg 
Hartkapseln/Kapseln
Fluconazol 2 mg/ml
Infusionslösung
Fluconazol 50, 100, 150 und 200 mg
Hartkapseln
Fungata 150 mg
Hartkapseln

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.