Eine Frau sitzt auf der Wiese und putzt sich die Nase, im Vordergrund liegt eine Handtasche mit Pollenkalender und Tabletten.
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Antiallergikum

Wer unter Heuschnupfen leidet, braucht meist ein Antiallergikum, um beschwerdefrei durch die Pollensaison zu kommen. Zum Beispiel Allergiemittel wie Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren. Erfahren Sie, welche Antiallergika es noch gibt und wie diese wirken.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Antiallergikum: Antihistaminika und andere Allergiemittel

Als Antiallergikum bezeichnet man ein Medikament, das allergische Beschwerden (z. B. bei Heuschnupfen) unterdrückt, abschwächt oder der Entstehung vorbeugt. Durch allergische Beschwerden kann die Lebensqualität stark leiden. Dank Antiallergika können viele Menschen trotz Allergie relativ uneingeschränkt und beschwerdefrei leben.

Aus der Gruppe der Antiallergika eignen sich verschiedene Wirkstoffe dazu, eine Allergie zu bekämpfen. Welches Medikament im Einzelfall hilft, richtet sich unter anderem nach:

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Je nach Wirkstoff greift ein Antiallergikum in einen anderen Teil der allergischen Reaktion ein. Man unterscheidet grob vier Arten von Antiallergika:

  1. Wirkstoffe, die Histamin-Rezeptoren blockieren (wie z. B. H1-Antihistaminika, die den Histamin-H1-Rezeptor blockieren).
  2. Wirkstoffe, die Mastzellen stabilisieren (sog. Mastzellstabilisatoren).
  3. Wirkstoffe, die Leukotrien-Rezeptoren blockieren (z. B. Montelukast).
  4. Wirkstoffe, die als Gegenspieler von Substanzen wirken, die an einer Allergie beteiligt sind (z. B. Glukokortikoide, Alpha-Sympathomimetika).

Welches Antiallergikum sich im Einzelfall am besten eignet, sollte man mit dem Arzt oder der Ärztin besprechen. Oft braucht es eine gewisse Zeit, bis sich herausstellt, welcher Wirkstoff in welcher Dosis die Beschwerden am effektivsten lindert.

H1-Antihistaminika

Wirkstoffe aus der Gruppe der H-Antihistaminika schwächen die Wirkung von Histamin ab beziehungsweise heben diese auf.

Histamin ist ein körpereigener Botenstoff und wird im Körper unter anderem in den Mastzellen gespeichert. Während einer allergischen Reaktion setzen die Mastzellen das Histamin frei. Als Folge kommt es zu allergischen Symptomen wie

H1-Antihistaminika wirken, indem sie die Histamin-H1-Rezeptoren blockieren. Diese gibt es im Körper an vielen Stellen – etwa bei Mastzellen, Zellen der glatten Muskulatur (z. B. in den Bronchien) oder Nervenzellen.

Die Blockade verhindert, dass Histamin an die Rezeptoren andockt und eine Entzündungsreaktion vermittelt. Allergische Beschwerden lassen sich dadurch abschwächen oder abwenden.

H1-Antihistaminika unterteilt man in Wirkstoffe der 1. Generation und der 2. Generation, also in ältere und neuere Wirkstoffe. Eine 3. Generation gibt es genau genommen nicht. Dennoch findet der Begriff in Bezug auf bestimmte Antihistaminika manchmal Verwendung.

H1-Antihistaminika der 1. Generation

H1-Antihistaminika setzt man vor allem bei Allergien ein, zum Teil aber auch als Beruhigungsmittel oder als Mittel gegen Übelkeit. H1-Antihistaminika der 1. Generation haben den Nachteil, dass sie müde machen. Denn sie blockieren nicht nur die Histamin-H1-Rezeptoren der Mastzellen, sondern auch andere H1-Rezeptoren im Körper.

Bei der Gabe solcher Wirkstoffe als Schlafmittel nutzt man den müde machenden Effekt aus. Bei der Anwendung der Wirkstoffe als Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen ist Müdigkeit eine teilweise erwünschte Begleiterscheinung.

Personen, die am Straßenverkehr teilnehmen oder aus anderen Gründen leistungsfähig bleiben müssen, dürfen Antihistaminika der 1. Generation aufgrund der müde machenden (sedierenden) Wirkung nicht verwenden.

Folgende H1-Antihistaminika der 1. Generation werden zur Behandlung von allergischen Reaktionen und teilweise auch von Asthma angewendet:

Um den müde machenden Effekt zu umgehen, setzt man die meisten Wirkstoffe dieser Gruppe nur noch selten in Form von Tabletten oder anderen Arzneiformen ein, die im gesamten Körper wirken.

Einige H1-Antihistaminika der 1. Generation haben eine große Bedeutung bei der Behandlung von allergischen Hautreaktionen, beispielsweise nach Insektenstichen. Hierfür eignen sich Cremes oder Gele, die H1-Antihistaminika enthalten. Gele haben außerdem den Vorteil, dass sie kühlend wirken. Bei allergischen Hautreaktionen empfinden viele Menschen das als angenehm.

Weitere Nebenwirkungen neben Müdigkeit, die bei innerer Anwendung (z. B. als Tablette) auftreten können, sind:

In Einzelfällen kann es auch zu folgenden Beschwerden kommen:

Bei äußerlicher Anwendung von Antihistaminika können örtlich begrenzte Überempfindlichkeitsreaktionen in Form von Hautveränderungen auftreten.

H1-Antihistaminika der 2. Generation und der "3. Generation"

H1-Antihistaminika der 2. Generation haben gegenüber den Wirkstoffen der 1. Generation eine veränderte chemische Struktur. Dadurch gelangen sie kaum oder gar nicht ins zentrale Nervensystem.

Als Folge ist die müde machende Wirkung nicht mehr oder nur noch in geringem Maße vorhanden. Trotzdem sollte man bei Einnahme immer mit einer herabgesetzten Reaktionsfähigkeit rechnen.

Folgende H1-Antihistaminika der 2. Generation sind gebräuchlich:

Weiterentwicklungen der Wirkstoffe aus der 2. Generation sind:

Diese werden manchmal auch als H1-Antihistaminika der 3. Generation bezeichnet.

Als mögliche Nebenwirkungen können bei der Einnahme unter anderem auftreten:

Auch Magen-Darm-Beschwerden sind möglich, wie:

Mastzellstabilisatoren

Mastzellstabilisatoren zählen zu den relativ schwach wirksamen Allergiemitteln. Diese Antiallergika bewirken, dass die Mastzellen im Körper weniger vom Botenstoff Histamin ausschütten. Botenstoffe sind Substanzen, die von verschiedenen Geweben beziehungsweise Zellen gebildet werden und im Körper Reaktionen vermitteln.

Der Botenstoff Histamin wird vor allem in Mastzellen gespeichert. Nach der Freisetzung von Histamin, beispielsweise durch Antigen-Antikörper-Reaktionen oder nach einer Zerstörung der Mastzellen, bindet es an die Histaminrezeptoren in anderen Körpergeweben und löst dort Entzündungsreaktionen aus.

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Wirkstoffe aus der Gruppe der Mastzellstabilisatoren helfen bei akuten allergischen Beschwerden nur wenig. Sie können diesen jedoch vorbeugen, indem sie Sofort- und Spätreaktionen verhindern, die durch die Freisetzung der Entzündungsmediatoren ausgelöst werden. Wurde Histamin jedoch bereits ausgeschüttet, können Mastzellstabilisatoren die nachfolgenden Auswirkungen von Histamin nicht verhindern.

Mit Mastzellstabilisatoren sollte man daher am besten bereits etwa eine Woche vor Beginn der allergischen Beschwerden starten und dann regelmäßig anwenden, bis die allergische Belastung nachlässt.

Sind bereits allergische Beschwerden vorhanden, können Mastzellstabilisatoren dazu dienen, einer weiteren Freisetzung von Histamin entgegenzuwirken.

Mastzellstabilisatoren werden lokal angewendet, also dort, wo die allergischen Beschwerden auftreten (z. B. in Form von Nasensprays, Augentropfen oder Dosieraerosolen). Folgende Substanzen gehören zu dieser Wirkstoffklasse:

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Bei der Anwendung von Mastzellstabilisatoren kann es zu Überempfindlichkeitsreaktionen kommen, wie

Weitere mögliche Nebenwirkungen können gelegentlich im Bereich der Atemwege auftreten, wie zum Beispiel

Kommen Mastzellstabilisatoren als Augentropfen zum Einsatz, kann es als Nebenwirkung zu einer Schwellung der Bindehaut aufgrund von Wassereinlagerung kommen (sog. Bindehautödem). In seltenen Fällen tritt ein Augenbrennen oder Fremdkörpergefühl im Auge auf.

In Einzelfällen zeigen sich Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, wie

Hemmstoffe für Leukotrien-Rezeptoren

Hemmstoffe für Leukotrien-Rezeptoren (Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten, LTRA) entkrampfen die Muskulatur der Bronchien und hemmen allergische Entzündungsreaktionen der Bronchialschleimhaut. Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten setzt man vor allem zur Dauertherapie bei Asthma, aber auch bei allergischem Schnupfen ein.

Leukotriene sind körpereigene Botenstoffe, die ähnlich wie Histamin innerhalb von Sekunden aus verschiedenen Körperzellen (z. B. Mastzellen) freigesetzt werden und allergische beziehungsweise entzündliche Reaktionen hervorrufen können. Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten blockieren die entsprechenden Rezeptoren und verhindern, dass Leukotriene freigesetzt werden.

Ein häufig verwendeter Leukotrien-Rezeptor-Antagonist ist der Wirkstoff Montelukast. Mögliche Nebenwirkungen sind

Hemmstoffe für Allergie-vermittelnde Botenstoffe

Hemmstoffe für Allergie-vermittelnde Botenstoffe verhindern nicht die Ursache der allergischen Reaktion (wie die Ausschüttung von Histamin), sondern die Wirkung dieser Botenstoffe (also die entzündlichen Prozesse).

Zu diesen funktionellen Antagonisten zählen:

Glukokortikoide

Glukokortikoide (Kortikosteroide) wirken sehr gut antiallergisch, da sie offenbar an mehreren Stellen in den Mechanismus der allergischen Reaktion eingreifen. In hohen Dosierungen können Glukokortikoide Entzündungsreaktionen unterdrücken. Zu den Glukokortikoiden zählt auch Kortison, die inaktivierte Form von Kortisol.

Glukokortikoide setzt man vor allem ein bei:

  • Heuschnupfen
  • Asthma

Häufig verwendete Glukokortikoide sind zum Beispiel die Wirkstoffe Budesonid und Mometason.

Wendet man Glukokortikoide richtig an, sind nur geringe Nebenwirkungen zu erwarten. So kann es etwa zu einer vorübergehenden Mundtrockenheit, leichten Pilzinfektionen oder Heiserkeit kommen. Nach Absetzen der Medikamente verschwinden die Nebenwirkungen.

Alpha-Sympathomimetika

Alpha-Sympathomimetika wirken an den Alpha-Rezeptoren der Gefäße und ahmen dort körpereigene Substanzen nach. Sie eignen sich für eine örtliche Therapie an der Bindehaut des Auges und an der Nasenschleimhaut. Alpha-Sympathomimetika sind vor allem in Nasensprays oder Nasentropfen enthalten und wirken abschwellend.

Häufig verwendete Wirkstoffe aus der Gruppe der Alpha-Sympathomimetika sind:

Vor allem in Form von Nasentropfen oder -sprays führen diese Wirkstoffe dazu, dass die Nasenschleimhäute abschwellen und die Nebenhöhlen besser belüftet werden.

Von einer Anwendung als Nasentropfen profitieren insbesondere Menschen, die bei zugeschwollenen Nasennebenhöhlen dazu neigen, eine Mittelohrentzündung zu entwickeln. Kinder sind von dieser Folgeerkrankung häufig betroffen. Bei ihnen kann der rechtzeitige Einsatz abschwellender Nasentropfen im Idealfall eine Mittelohrentzündung verhindern. Die Einnahme von Antibiotika ist dann meist nicht nötig.

Wer abschwellende Nasensprays oder Nasentropfen nimmt, sollte unbedingt darauf achten, diese ohne ärztlichen Rat nicht länger als etwa 7 bis maximal 10 Tage am Stück anzuwenden.

Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Nasenschleimhäute Schaden nehmen und einer wichtigen Funktion nicht mehr nachkommen können: der Reinigung und Anfeuchtung der Atemluft. Eine geschädigte Nasenschleimhaut erhöht die Anfälligkeit für Infekte. Außerdem schwillt die Nasenschleimhaut häufiger an, auch ohne bestehende Erkältung. Betroffene greifen dann meist erneut zu den abschwellenden Nasentropfen – ein Teufelskreis entsteht.

Der kurzfristige Einsatz von abschwellenden Nasensprays oder Nasentropfen bei einem allergischen Schnupfen ist akzeptabel, wenn andere Maßnahmen nicht zu einer ausreichenden Belüftung der Nasennebenhöhlen führen. Da aber ein allergischer Schnupfen wie zum Beispiel Heuschnupfen meist über einen längeren Zeitraum als ein bis zwei Wochen anhält, reichen abschwellende Nasensprays oder Nasentropfen alleine oft nicht aus und sind in diesem Fall auch nicht empfehlenswert.

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Beta-2-Sympathomimetika

Beta-2-Sympathomimetika wirken an den Beta-2-Rezeptoren der Gefäße und ahmen dort körpereigene Substanzen nach. Sie erweitern die Bronchien und werden deshalb vor allem bei akuten Asthma-Anfällen eingesetzt. Die Wirkstoffe, zum Beispiel Terbutalin, Fenoterol oder Salbutamol, inhaliert man dabei in der Regel als Aerosol.

Beta-2-Sympathomimetika können zu verschiedenen Nebenwirkungen führen, zum Beispiel zu Herzklopfen, Zittern oder Unruhe.

Theophyllin

Der Wirkstoff Theophyllin wirkt stark bronchienerweiternd und kommt häufig zum Einsatz, um akuten Asthma-Anfällen vorzubeugen. Der Wirkstoff hemmt auch die Freisetzung verschiedener Mediatoren.

Wird Theophyllin überdosiert, kann es zu Krämpfen und zu einem unregelmäßigen Herzschlag kommen.

Adrenalin

Adrenalin kommt vor allem in der Nofallmedizin zum Einsatz, etwa um bei einem anaphylaktischen Schock den Blutdruck beziehungsweise die Kreislauffunktion aufrechtzuerhalten. Der körpereigene Stoff verengt unter anderem die Blutgefäße und wirkt bronchienerweiternd.