Eine junge Frau in Klinikkleidung verabreicht einem Mädchen eine Spritze in den Oberarm.
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HPV-Impfung

Die HPV-Impfung soll vor allem Frauen vor Gebärmutterhalskrebs und seinen Vorstufen schützen. Doch die Impfstoffe können noch weitere Krebserkrankungen sowie Genitalwarzen verhindern – auch bei Männern.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

HPV-Impfung: Schutz vor Gebärmutterhalskrebs – und mehr

Was ist HPV?

HPV steht für humane Papillomaviren. Diese Erreger kommen weltweit vor und sind sexuell übertragbar. Die Mehrzahl der sexuell aktiven Menschen infiziert sich mindestens einmal im Leben mit HPV.

Meistens verschwindet eine HPV-Infektion nach einer Weile von selbst wieder. Manchmal dauert sie aber auch an, was je nach HPV-Typ unterschiedliche Folgen haben kann:

Etwa 16 Prozent aller Krebsarten weltweit sind infektionsbedingt. Die Hälfte davon durch HPV. Ziel der HPV-Impfung ist es, zu verhindern, dass sich Zellen als Folge der Virusinfektion verändern und zu einer Vorstufe von Krebs werden. Auf lange Sicht soll auch die Entstehung von HPV-bedingten Krebserkrankungen verhindert werden.

Übrigens: Auch Frauen, die die HPV-Impfung in Anspruch nehmen, sollten weiterhin regelmäßig zur Krebsfrüherkennung beim Frauenarzt gehen. Sie trägt dazu bei, Krebsvorstufen oder bereits bestehenden Krebs möglichst früh zu entdecken – was die Chancen auf Heilung erhöht.

HPV-Impfung: Studienlage

Eine Impfung gegen HP-Viren senkt das Risiko für Gebärmutterhalskrebs um bis zu 88 Prozent. Das zeigt eine Datenanalyse aus Schweden. Je früher Mädchen die Impfung erhalten, desto besser sind sie vor der Krebserkrankung geschützt. Aber auch Jungen sollten unbedingt rechtzeitig geimpft werden.

Für die Studie haben Forscher die Daten von über 1,6 Millionen Mädchen und Frauen aus dem schwedischen Gesundheits- und Bevölkerungsregister aus den Jahren 2006 bis 2017 ausgewertet.

Das Ergebnis: Von den 518.319 Frauen, die vor ihrem 18. Geburtstag geimpft wurden, erkrankten nur 19 an Gebärmutterhalskrebs. Von den 528.347 Frauen ohne Impfung dagegen 538 – also fast 30 Mal so viele. "Wir zeigen zum ersten Mal auf Bevölkerungsebene, dass die HPV-Impfung nicht nur vor Zellveränderungen schützt, die Vorläufer von Gebärmutterhalskrebs sind, sondern vor Gebärmutterhalskrebs selbst", sagt Jiayao Lei, Wissenschaftlerin am schwedischen "Karolinska Institutet" und Autorin der Studie in einer Mitteilung ihres Institutes.

Der moderne Neunfach-Impfstoff ist dem im Untersuchungszeitraum verwendeten Impfstoff sogar überlegen. Dieser enthielt nämlich nur Antigene gegen vier Viren. "Die Impfung gegen Krebs ist keine Pflicht. Aber sie ist ein Must-have", sagt Gynäkologe Albring.

In Schweden liegt die Impfrate bei etwa 70 bis 80 Prozent. Bei rund 50 Prozent Impfrate machen sich Effekte einer Herdenimmunität bemerkbar. Das bedeutet, dass auch Menschen geschützt sind, die selbst nicht geimpft sind. Ein flächendeckender Schutz ist bei einer Quote von mindestens 70 Prozent gegeben. In Deutschland sind zurzeit nur etwa 31 Prozent der Jugendlichen im Alter bis 15 Jahren geimpft.

HPV-Impfung: Durchführung

Die HPV-Impfung wirkt am besten, wenn sie vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgt. Denn schon beim allerersten Sexualkontakt kann man sich mit HPV infizieren. Entsteht daraus eine dauerhafte Infektion, kann das Immunsystem keinen ausreichenden Schutz mehr vor den jeweiligen HPV-Typen aufbauen. Bis zum Alter von 18 Jahren ist die Impfung kostenlos.

Wer bereits Sex hatte und noch ungeimpft ist, sollte sich aber trotzdem impfen lassen. Denn die HPV-Impfung kann dann immer noch vor den anderen im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen schützen.

Lesetipp: Gebärmutterhalskrebs: Symptome, Ursachen & Behandlung

Für die HPV-Impfung stehen derzeit zwei verschiedene Impfstoffe zur Verfügung, die beide das Risiko HPV-bedingter Krebserkrankungen deutlich senken:

  • ein zweivalenter HPV-Impfstoff gegen die HPV-Typen 16 und 18 sowie
  • ein neunvalenter HPV-Impfstoff gegen die Typen 6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58. Er löste den bis 2017 verwendeten viervalenten Impfstoff ab und schützt zusätzlich vor Feigwarzen.

Egal, welcher Impfstoff zum Einsatz kommt: Die Immunisierung erfolgt idealerweise bei Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren in zwei Dosen. Dabei sollten zwischen dem ersten und zweiten Impftermin mindestens fünf Monate liegen. War der Abstand zwischen den beiden Impfterminen kürzer, ist noch eine dritte Impfung ratsam.

Wer im Alter von 15 Jahren noch nicht geimpft wurde, kann das bis zum Ende des 17. Lebensjahres nachholen. Danach ist eine Impfung häufig nicht mehr sinnvoll. Denn eine Impfung kann nicht mehr schützen, nachdem es bereits zu einer fortbestehenden Infektion mit dem Virus gekommen ist.

Wer die Immunisierung erst ab dem Alter von 15 Jahren beginnt, muss drei Impftermine wahrnehmen – am besten nach folgendem Schema:

  • beim zweivalenten Impfstoff
    • 2. Impfung einen Monat nach der 1. Impfung
    • 3. Impfung sechs Monate nach der 1. Impfung
  • beim neunvalenten Impfstoff
    • 2. Impfung zwei Monate nach der 1. Impfung
    • 3. Impfung sechs Monate nach der 1. Impfung

Die HPV-Impfstoffe schützen mit fast 100-prozentiger Sicherheit vor Infektionen mit den HPV-Typen, die sie enthalten. Doch nur bei vollständiger Immunisierung ist ein optimaler Schutz vor den jeweiligen HPV-Typen gewährleistet. Auffrischimpfungen sind nach heutigem Kenntnisstand nicht notwendig.

Im Einzelfall kann die HPV-Impfung auch für Erwachsene ab 18 Jahren nützlich sein. Denn selbst wenn dann schon eine dauerhafte HPV-Infektion vorliegt, kann die Impfung zumindest noch vor den anderen im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen schützen.

Die HPV-Impfung kann der Hausarzt oder Frauenarzt vornehmen. Er spritzt den Impfstoff in die Muskulatur des Oberarms (intramuskulär).

HPV-Impfung für Jungen und Männer

In Deutschland bekommen jedes Jahr etwa 6.250 Frauen und 1.600 Männer eine HPV-bedingte Krebserkrankung:

Frauen sind also deutlich häufiger betroffen als Männer. Darum hat die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts die HPV-Impfung ursprünglich nur für Mädchen empfohlen – mit dem Ziel, sie vor Gebärmutterhalskrebs zu schützen.

Von der HPV-Impfung für Mädchen profitierten auch viele Jungen und Männer. Denn wer einen ausreichenden Impfschutz hat, kann auch niemanden mehr mit HPV anstecken.

Um den Impfschutz auszuweiten, empfiehlt die STIKO die HPV-Impfung seit Juni 2018 auch für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Die Ausweitung der Impfempfehlung hat mehrere Vorteile.

So sind nun beide Geschlechter gleichermaßen verantwortlich dafür, die Risiken von HPV-Infektionen zu verringern. Zudem können Jungen und Männer ihren eigenen Impfschutz aufbauen. Dadurch sind auch die Männer vor HPV geschützt, die sexuelle Kontakte zu Männern haben und denen die Mädchenimpfung darum nichts genützt hat.

Wenn ebenso viele Jungen wie Mädchen gegen HPV geimpft würden, gäbe es bei Männern und Frauen mindestens 76.000 HPV-bedingte Krebsfälle weniger.

HPV-Impfung: Kosten

Für alle Mädchen und Jungen zwischen 9 und 17 Jahren ist die HPV-Impfung kostenlos: Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen.

Auch wer älter als 17 Jahre ist, kann sich noch für eine HPV-Impfung entscheiden. Die Kosten für die Impfung muss man dann allerdings eventuell selber tragen. Darum erkundigen Sie sich in dem Fall am besten vorher bei Ihrer Krankenkasse – egal, ob gesetzlich oder privat – nach der Kostenübernahme.

Video: 4 Impfmythen im Check

HPV-Impfung: Nebenwirkungen

Die HPV-Impfstoffe gelten als sehr gut verträglich. Ihre Sicherheit, Verträglichkeit und langfristige Wirksamkeit wurde und wird seit Einführung der HPV-Impfung in vielen groß angelegten Beobachtungsstudien überprüft. Danach kam es nach einer HPV-Impfung noch nie zu schweren Nebenwirkungen, die nachweislich direkt durch die Impfung verursacht wurden.

Nach aktuellem Wissensstand sind die HPV-Impfstoffe für Mädchen und Jungen sicher. Die HPV-Impfung ist nicht mit einem erhöhten Risiko für schwere Nebenwirkungen verbunden.

Allerdings können bei einer HPV-Impfung harmlose örtliche Nebenwirkungen auftreten. Häufig kommt es an der Einstichstelle zum Beispiel vorübergehend zu:

Einige Jugendliche verspüren nach der HPV-Impfung auch Kreislaufprobleme: So wird ihnen zum Beispiel schwindelig oder schwarz vor Augen. Ähnlich reagieren manche Jugendliche auch auf andere Impfungen. Solche Nebenwirkungen sind oft angst- oder stressbedingt. Darum ist es ratsam, dass die zu impfende Person sitzt oder liegt, während sie den Impfstoff gespritzt bekommt.

HPV-Impfung: Gegenanzeigen

Die HPV-Impfung ist nicht geeignet für Menschen mit einer Überempfindlichkeit beziehungsweise Allergie gegen den Impfstoff oder einen seiner Bestandteile. Wer bereits auf eine frühere HPV-Impfung überempfindlich reagiert hat, darf keine weitere Impfung erhalten.

Eine allergische Reaktion auf den HPV-Impfstoff kann sich beispielsweise durch Hautausschlag, Nesselsucht (Urtikaria) und Atembeschwerden äußern.

Zudem wird Frauen während der Schwangerschaft von der HPV-Impfung abgeraten.