Das Bild zeigt ein Kind, das eine Spritze bekommt.
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Pneumokokken-Impfung

Die Pneumokokken-Impfung schützt vor Erkrankungen, die durch Pneumokokken ausgelöst werden. Insbesondere bei Babys, Kleinkindern, älteren Menschen und Personen mit einem geschwächten Immunsystem ist eine Pneumokokken-Impfung sinnvoll, da eine Infektion bei ihnen einen schweren Verlauf nehmen kann.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Allgemeines

Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) sind Bakterien, die zur Gruppe der Streptokokken gehören. Besonders in Kindergärten oder anderen Einrichtungen, in denen Menschen auf engem Raum zusammentreffen, verbreiten sich Pneumokokken leicht. Sie übertragen sich durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch, so zum Beispiel durch Husten oder Niesen.

Pneumokokken siedeln sich bevorzugt im Nasen-Rachen-Raum an und können ins Blut, in die Lunge sowie in die Hirnhäute eindringen. Im Körper können sie verschiedene Krankheiten auslösen – insbesondere dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Zu solchen Krankheiten gehören unter anderem:

Eine Pneumokokken-Impfung bietet vor allem Personen einen Schutz vor derartigen Erkrankungen, deren Immunsystem die Bakterien nur schlecht abwehren kann. So sollten sich etwa Säuglinge, Erwachsene mit bestimmten Vorerkrankungen oder Personen, die beruflich einem höheren Risiko ausgesetzt sind, impfen lassen.

Die Pneumokokken-Impfung zählt zu den sogenannten Standardimpfungen. Jeder Säugling sollte nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission eine Pneumokokken-Impfung erhalten.

Viele Pneumokokken sind von einer Hülle (Kapsel) umgeben, die unterschiedliche Eigenschaften aufweisen kann. Die Art der Hülle entscheidet darüber, um welchen Pneumokokken-Typ es sich handelt. Mediziner unterteilen die Bakterien in über 90 Pneumokokken-Typen – die Pneumokokken-Impfung schützt gegen eine bestimmte Auswahl dieser Typen.

Pneumokokken können Menschen, Ratten, Affen und Meerschweinchen besiedeln. Bei 4 bis 7 von 10 gesunden Menschen sind Pneumokokken in der Rachenschleimhaut vorhanden, führen jedoch nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen zu einer Erkrankung.

Video: 4 Impfmythen im Check

Anwendungsgebiete

Die Pneumokokken-Impfung soll besonders die Menschen schützen, deren Immunsystem sich nur schwer gegen die Bakterien wehren kann.

Bei gesunden und jungen Menschen wehrt das Immunsystem eindringende Pneumokokken in der Regel erfolgreich ab. Kleinkinder, ältere Menschen und Menschen, deren Immunsystem durch angeborene oder erworbene Krankheiten geschwächt ist, sind dagegen anfälliger. Bei diesen Personen kann eine Infektion durch Pneumokokken zu Erkrankungen führen, die lebensbedrohlich verlaufen oder ernste Folgen nach sich ziehen können. So kann eine durch Pneumokokken ausgelöste Hirnhautentzündung (Meningitis) bei einigen der Betroffenen zu bleibenden Schäden führen.

Wer sollte sich gegen Pneumokokken-Erkrankungen impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfiehlt eine Pneumokokken-Impfung für alle Kinder bis zum 14. Lebensmonat. Darüber hinaus wird eine Impfung für folgende Personengruppen empfohlen:

  • alle Menschen, die älter als 60 Jahre sind
  • alle Kinder, Jugendliche und Erwachsene, sofern diese ein erhöhtes Risiko für eine Pneumokokken-Infektion haben. Hierzu gehören:
    • Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche (z.B. nach Knochenmarktransplantation, HIV-Infektion, Funktionsstörungen der Milz, Sichelzellenanämie, chronisches Nierenversagen, chronischer Leberschwäche)
    • Menschen mit einer chronischen Erkrankung (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krankheiten der Atmungsorgane (z.B. Asthma, COPD), Diabetes, der mit Medikamenten oder Insulin behandelt wird, neurologische Erkrankungen)
  • Menschen mit bestimmten anatomischen Besonderheiten, z.B. mit
    • einer Liquorfistel (Öffnung der Liquorräume nach außen, z.B. im Rahmen einer Schädelverletzung)
    • einer Innenohrprothese (sog. Cochlea-Implantat); dabei sollte die Impfung möglichst schon vor dem Einsetzen des Implantats erfolgen
  • Menschen, die beruflich Metallrauch ausgesetzt sind (z.B. durch Tätigkeiten wie Schweißen oder Trennen von Metallen), da dies das Risiko für eine Pneumokokken-Infektion erhöht.

Die Personengruppen erhalten in der Regel einen sogenannten Polysaccharid-Impfstoff. In diesem Fall sollte die Impfung frühestens nach sechs Jahren wiederholt werden, sofern die Person noch als gefährdet gilt.

Wie wirksam ist eine Pneumokokken-Impfung?

Kinder bis zum Alter von einschließlich 4 Jahren impft man mit einem sogenannten Konjugatimpfstoff gegen Pneumokokken. Er schützt vor den Pneumokokken-Typen, die in Europa 80 Prozent aller Pneumokokken-Infektionen bei Kindern unter fünf Jahren auslösen. Die Wirksamkeit des Impfstoffs ist allgemein anerkannt.

Ältere Kinder und Erwachsene können mit einem Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff (PPV) geimpft werden. Dieser bietet Schutz vor 23 Pneumokokken-Typen, die für bis zu 95 Prozent der Pneumokokken-Krankheiten verantwortlich sind. Darüber hinaus steht auch ein Konjugatimpfstoff zur Verfügung, der sich gegen 13 verschiedene Pneumokokken-Typen richtet.

Durchführung

Wann und wie oft eine Pneumokokken-Impfung nötig ist, richtet sich nach der Personengruppe.

Standardimpfung für Kinder bis zum 24. Lebensmonat

Der Impfschutz gegen Pneumokokken sollte bei Babys und Kleinkindern so früh wie möglich gewährleistet sein. Seit August 2015 empfiehlt die Ständige Impfkommission drei Injektionen, die der Arzt in die Muskulatur spritzt:

  • Die erste Impfdosis spritzt der Mediziner im Alter von zwei Monaten.
  • Die zweite Impfdosis bekommt das Kind im Alter von vier Monaten.
  • Die dritte Impfung erhält das Kind im Alter von 11 bis 14 Monaten – es handelt sich hierbei um eine Auffrischimpfung, die das körpereigene Abwehrsystem gewissermaßen an den Erreger "erinnert".

Für gelten andere Empfehlungen: Sie bekommen im Alter von zwei, drei und vier Monaten je eine Impfung und erhalten im Alter von 11 bis 14 Monaten eine weitere Impfdosis. Im Gegensatz zu anderen Kindern sind bei Fühgeborenen also vier Injektionen nötig.

Die Pneumokokken-Impfung findet in der Regel zusammen mit anderen Standardimpfungen statt. Auch Kinder, die älter als drei Monate sind, können geimpft werden. Je nach Alter und Hersteller des Impfstoffs reduziert sich dann entsprechend die Anzahl der Impfungen.

Kinder ab dem 2. Lebensjahr, Jugendliche und Erwachsene

Personen über 60 Jahre sollten eine Standardimpfung gegen Pneumokokken erhalten. Je nach Gesundheitszustand der Person kann der Arzt die Impfung gegebenenfalls nach frühestens 6 Jahren wiederholen.

Menschen, deren Risiko für eine schwere Pneumokokken-Erkrankung erhöht ist, sollten die Impfung regelmäßig wiederholen, also ihren Impfschutz auffrischen. Hierzu zählen etwa Personen mit Immundefekten oder chronischen Nierenerkrankungen. Im Erwachsenenalter wird die Impfung alle 6 Jahre wiederholt.

Allerdings sollte der Arzt in jedem einzelnen Fall sorgfältig abwägen, ob eine wiederholte Impfung unbedingt nötig ist.

Nebenwirkungen

Wie jede Impfung kann auch eine Pneumokokken-Impfung mit Nebenwirkungen verbunden sein.

Impfung mit Konjugatimpfstoff

Babys und kleine Kinder bis zum Alter von einschließlich vier Jahren impft man mit dem sogenannten Konjugatimpfstoff. Er gilt als gut verträglich. Bei einem Konjugatimpfstoff ist der Teil des Erregers, der die Antikörperbildung auslöst, an ein Eiweiß gebunden. Das Eiweiß ist eine Art Transportmittel, das eine verstärkte Immunreaktion auslöst.

Nebenwirkungen können in der Regel innerhalb der ersten drei Tage auftreten. So kann die Einstichstelle schmerzen, druckempfindlich sein, anschwellen und sich röten. Dabei handelt es sich um ganz normale Reaktionen, die Anzeichen dafür sind, dass sich der Organismus mit dem Impfstoff auseinandersetzt.

Weitere Nebenwirkungen können Fieber, Gereiztheit und erhöhtes Schlafbedürfnis sein. Manche Babys schlafen nach der Pneumokokken-Impfung aber auch unruhig oder haben Magen-Darm-Beschwerden. Bis auf seltene allergische Reaktionen, die in der Regel ohne Folgen bleiben, sind keine Komplikationen bekannt. Laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts kann der Konjugatimpfstoff deshalb bedenkenlos verwendet werden.

Impfung mit Polysaccharid-Impfstoff

Jugendliche, Erwachsene und ältere Kinder erhalten vom Arzt häufig einen sogenannten Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff (PPV). Er besteht aus den Zuckern der Bakterienhüllen. Bei der ersten Impfung mit PPV können innerhalb der ersten drei Tage folgende Nebenwirkungen auftreten:

Die Nebenwirkungen sind in der Regel folgenlos und klingen rasch wieder ab. Nur in seltenen Fällen können Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. allergische Reaktionen) auftreten.

Eine Auffrischung mit dem Polysaccharid-Impfstoff kommt etwa für Menschen mit angeborenen und erworbenen Immundefekten sowie chronisch Nierenerkrankte infrage. Insbesondere, wenn die Auffrischung früher erfolgt als empfohlen, können nach einer Auffrischungsimpfung starke Reaktionen an der Stelle, an der der Impfstoff gespritzt wurde, auftreten. Aus diesem Grund sollte der Arzt gemeinsam mit dem Betroffenen Nutzen und Risiken genau abwägen und besprechen, inwieweit eine Wiederholungsimpfung im jeweiligen Einzelfall empfehlenswert ist.