Ein Mann blickt in seine Boxershorts.
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Ulcus molle (weicher Schanker)

Das Ulcus molle – umgangssprachlich auch weicher Schanker genannt – ist eine sexuell übertragbare Erkrankung, die sich überwiegend im Genitalbereich zeigt. Auslöser ist eine Infektion mit Bakterien der Art Haemophilus ducreyi.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Ulcus molle zählt – wie Syphilis, Gonorrhö (Tripper) und Lymphogranuloma venereum – zu den klassischen Geschlechtskrankheiten. Anders als Syphilis ist weicher Schanker jedoch nicht meldepflichtig.

In Deutschland und anderen Ländern Europas ist weicher Schanker selten: Das ursächliche Bakterium kommt vor allem in tropischen Gebieten vor. Seine Übertragung erfolgt praktisch ausschließlich durch Geschlechtsverkehr. Bei einer Infektion mit dem Erreger kommt es an dessen Eintrittsstelle zu einer für Ulcus molle kennzeichnenden Geschwürbildung (lat. ulcus = Ulkus bzw. Geschwür). In Afrika ist weicher Schanker die häufigste Ursache für Geschwüre im Genitalbereich, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen.

Die für Ulcus molle typischen Geschwüre am Penis beziehungsweise am Eingang der Scheide sind schmerzhaft. Breiten sich die ursächlichen Bakterien aus, kann es in der Leistengegend zusätzlich zu Lymphknotenentzündungen und -schwellungen kommen. Bleibt ein weicher Schanker unbehandelt, können sich die entzündlich geschwollenen und schmerzhaften Lymphknoten im weiteren Verlauf dann ebenfalls geschwürartig verändern.

Ein Ulcus molle ermöglicht anhand seiner Symptome eine schnelle erste Diagnose. Um die Blickdiagnose zu bestätigen, ist ein mikroskopischer Nachweis der Erreger geeignet: Hierzu ist ein Abstrich von einem Geschwür nötig.

Zur Therapie des Ulcus molle kommen Antibiotika zum Einsatz, die den Erreger direkt bekämpfen. Dabei ist es ratsam, auch die Partner(innen) der Betroffenen mitzubehandeln. Konsequent behandelt verläuft ein weicher Schanker gut und heilt folgenlos aus.

Da Ulcus molle sexuell übertragbar ist, besteht ein wirksamer Schutz vor dieser Krankheit darin, beim Geschlechtsverkehr Kondome zu verwenden.

Was ist das?

Der Begriff Ulcus molle – auch (engl.) Chancroid oder umgangssprachlich weicher Schanker genannt (lat. ulcus = Ulkus bzw. Geschwür, mollis = weich) – bezeichnet eine durch die Bakterienart Haemophilus ducreyi hervorgerufene Krankheit, die durch Geschwürbildung gekennzeichnet ist.

Die für Ulcus molle typischen Geschwüre bilden sich überwiegend im Genitalbereich. In jedem zweiten Fall verursacht ein weicher Schanker außerdem entzündliche Lymphknotenschwellungen (sog. Bubonen) in der Leistengegend: In der Regel sind die betroffenen Lymphknotenneigen weich und schmerzhaft und neigen zur Vereiterung.

Das Ulcus molle gehört – neben Syphilis, Gonorrhö (Tripper) und Lymphogranuloma venereum (venerische Lymphknotenentzündung) – zu den klassischen Geschlechtskrankheiten.

Anders als die Syphilis ist laut Infektionsschutzgesetz vom 1. Januar 2001 in Deutschland weder weicher Schanker noch der Nachweis seines Erregers meldepflichtig.

Häufigkeit

Das für Ulcus molle verantwortliche Bakterium Haemophilus ducreyi kommt mit größter Häufigkeit in den Tropen vor, obwohl es weltweit verbreitet ist. Daher tritt die Geschlechtskrankheit vor allem in tropischen Gebieten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas auf: In Afrika ist weicher Schanker die häufigste Ursache für Geschwüre im Genitalbereich. In Europa ist das Ulcus molle selten.

Weltweit stecken sich jedes Jahr etwa sieben Millionen Menschen neu mit Ulcus molle an. Bei Männern ist weicher Schanker etwa zehnmal häufiger als bei Frauen, wobei beschnittene Männer seltener betroffen sind als unbeschnittene.

Ursachen

Ursache von Ulcus molle (weicher Schanker) ist eine Infektion mit dem Bakterium Haemophilus ducreyi: Dieses stäbchenförmige Bakterium ist vor allem in einigen tropischen Ländern weit verbreitet – in Deutschland und dem restlichen Europa tritt Ulcus molle nur vereinzelt auf.

Ulcus molle kommt nur beim Menschen vor und ist sehr ansteckend – Infektionsquelle kann dabei auch ein Mensch sein, der zwar mit Haemophilus ducreyi infiziert ist, bei dem sich aber kein weicher Schanker bemerkbar macht: Vor allem bei Frauen verursacht die Infektion häufig keine Symptome.

Zur Übertragung des Ulcus molle kommt es fast immer durch Geschlechtsverkehr. Deshalb zählt weicher Schanker zu den Geschlechtskrankheiten. Eine mangelnde persönliche Hygiene begünstigt die Ausbreitung der Geschlechtskrankheit.

Die Ansteckung mit Ulcus molle erfolgt, indem Haemophilus ducreyi durch verletzte Haut oder über die Schleimhaut in das Gewebe eindringt. An der Eintrittsstelle löst der Erreger die für Ulcus molle typische Geschwürbildung aus. Deshalb bedeutet weicher Schanker auch ein Risiko für weitere Infektionen: Durch die Hautveränderungen können andere sexuell übertragbare Erreger (wie HIV) leichter eindringen.

Inkubationszeit

Beim Ulcus molle beträgt die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Ansteckung und den ersten Symptomen – vier bis zehn Tage, gelegentlich auch länger.

typische Symptome

Die für Ulcus molle (weicher Schanker) typischen Symptome entwickeln sich etwa vier bis zehn Tage nach der Infektion mit dem Bakterium Haemophilus ducreyi.

  • Erstes Anzeichen für die sexuell übertragbare Erkrankung ist eine örtliche Entzündungsreaktion an der Eintrittsstelle des Erregers, an deren Boden sich ein kleines Knötchen bildet.
  • Nach einigen Tagen entsteht daraus eine flache Wunde, die aufbricht und sich zu einem Geschwür ausbildet.

Typischerweise ist das Geschwür flach, unregelmäßig begrenzt, rot gerändert, schmerzhaft und eitrig und hat einen weichen Rand (daher auch die Bezeichnung Ulcus molle: lat. ulcus = Ulkus bzw. Geschwür, mollis = weich). In der Regel ruft ein weicher Schanker mehrere Geschwüre hervor, die ineinander übergehen können.

Beim Mann treten diese für Ulcus molle kennzeichnenden Symptome meist am Penis – an der Vorhaut oder am Hautbändchen unterhalb der Eichel (Frenelum). Bei der Frau verursacht ein weicher Schanker die Geschwürbildung überwiegend am Eingang der Scheide (Vagina).

Ein weicher Schanker macht sich allerdings nicht bei jeder Infektion mit Haemophilus ducreyi bemerkbar: Vor allem Frauen können den Erreger des Ulcus molle in sich tragen, ohne Symptome der Geschlechtskrankheit zu entwickeln.

Neben der Geschwürbildung im Genitalbereich ruft Ulcus molle in jedem zweiten Fall weitere Symptome hervor: Wenn sich die Infektion nachfolgend weiter ausbreitet, verursacht weicher Schanker zusätzlich eine schmerzhafte Entzündung und Schwellung der Lymphknoten in der Leistengegend. Die entzündlich geschwollenen Lymphknoten (sog. Bubonen) können sich ebenfalls zu einem Geschwür verändern und an der Hautoberfläche durchbrechen.

Diagnose

Beim Ulcus molle (weicher Schanker) erfolgt die Diagnose anhand der typischen Symptome sowie durch einen mikroskopischen Nachweis der ursächlichen Erreger im Labor. Dazu ist ein Abstrich vom Geschwürgrund nötig, um den Erreger (das Bakterium Haemophilus ducreyi) anzüchten zu können (d.h. eine Erregerkultur anlegen zu können). Nach einer entsprechenden Färbung lässt sich Haemophilus ducreyi unter dem Mikroskop identifizieren.

Bei der Diagnose ist zu beachten, dass die für Ulcus molle typischen Geschwüre leicht mit anderen Geschwüren zu verwechseln sind: So verursacht weicher Schanker ähnliche Symptom-Bilder wie zum Beispiel die Geschlechtskrankheiten Syphilis und Genitalherpes. Um ein Ulcus molle sicher zu diagnostizieren, ist es also nötig, diese Krankheiten auszuschließen (sog. Differentialdiagnose).

Therapie

Beim Ulcus molle (weicher Schanker) kommen zur Therapie Antibiotika zum Einsatz, um die ursächlichen Bakterien gezielt zu bekämpfen. Besonders erfolgreich ist eine siebentägige Behandlung mit Erythromycin oder alternativ eine dreitägige Therapie mit Ciprofloxacin.

Das für Ulcus molle verantwortliche Bakterium Haemophilus ducreyi kann eine Widerstandsfähigkeit (sog. Resistenz) gegen Antibiotika ausbilden: Gegen Penicilline, Sulfonamide und Tetrazykline ist es bereits resistent. Darum sind diese Antibiotika nicht mehr gegen weichen Schanker wirksam.

Bei Ulcus molle ist es neben der Antibiotika-Therapie wichtig, aufgebrochene Geschwüre regelmäßig mit Wasser und Seife zu säubern und trocken zu halten. Ist ein weicher Schanker mit einer eitrigen Entzündung der Lymphknoten verbunden, kann die Behandlung zusätzlich in einer Punktion und Eiterentleerung bestehen: Dann spaltet der Arzt den entzündlich geschwollenen Lymphknoten (sog. Bubo) und saugt die darin enthaltene Flüssigkeit ab.

Ulcus molle ist eine sehr ansteckende Geschlechtskrankheit. Damit die Therapie Erfolg hat und um zu verhindern, dass sich weicher Schanker ausbreitet oder Sie sich erneut anstecken, ist es daher wichtig, Ihre(n) Sexualpartner(in) immer mitzubehandeln!

Verlauf

Das Ulcus molle (weicher Schanker) lässt sich in seinem Verlauf durch frühzeitige Behandlung günstig beeinflussen: Vier bis zehn Tagen nach der Infektion mit dem ursächlichen Bakterium entwickeln sich die für die Geschlechtskrankheit typischen Geschwüre im Genitalbereich. Ohne Antibiotika-Therapie können die nahe gelegenen Lymphknoten im weiteren Verlauf des Ulcus molle entzündlich anschwellen, sich nachfolgend auch zu einem Geschwür verändern und an der Oberfläche der Haut durchbrechen. Konsequent behandelt hat weicher Schanker jedoch auch dann eine sehr gute Prognose.

Vorbeugen

Dem Ulcus molle (weicher Schanker) können Sie vorbeugen, indem Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome verwenden.

Bei einem schon bestehenden Ulcus molle ist es vorbeugend ratsam, auch nicht betroffene Partner(innen) mitzubehandeln. Anders als bei vielen anderen Infektionskrankheiten verleiht die Infektion mit dem Bakterium Haemophilus ducreyi keine Immunität: Auch wenn Sie bereits einen weichen Schanker durchgemacht haben, können Sie sich erneut anstecken.