Banane und Stethoskop als Penis-Symbol
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Phimose (Vorhautverengung)

Bei einer Phimose (Vorhautverengung) lässt sich die Vorhaut am Penis nicht oder nur schwer über die Eichel zurückziehen. Ab wann dann bei Kindern und Erwachsene eine Operation nötig wird und bei wem Salben die Vorhaut ausreichend zu weiten helfen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Phimose (Vorhautverengung)

Was ist eine Phimose/Vorhautverengung?

Bei einer Phimose bzw. Vorhautverengung besteht ein Missverhältnis zwischen der Größe der Eichel und der dehnbaren Weite der Vorhautöffnung. Dadurch lässt sich die Vorhaut (Präputium) gar nicht oder nur unter Schwierigkeiten über die Eichel des Penis zurückziehen.

Man unterscheidet bei der Vorhautverengung zwei Formen:

  1. die primäre und
  2. die sekundäre Phimose.

Primäre Phimose: Angeborene Vorhautverengung

Die primäre Phimose ist eine angeborene Vorhautverengung. Die Vorhaut ist also von Geburt an verengt. Allerdings ist zu beachten, dass bei Kleinkindern eine nicht zurückziehbare Vorhaut völlig normal ist (sog. Vorhautverklebung oder physiologische Phimose). Daher ist es wichtig, die Vorhaut bei Kindern in den ersten Lebensjahren niemals gewaltsam zurückzuziehen.

Meist lässt sich die Vorhaut ab dem dritten bis fünften Lebensjahr zumindest weitgehend zurückziehen. Ist dies nicht möglich, kann das auf eine krankhafte primäre Phimose hindeuten. Aber auch dann kann sich die Vorhautverengung noch von selbst geben:

  • Bei Eintritt ins schulpflichtige Alter kann etwa die Hälfte aller Jungen die Vorhaut nicht zurückstreifen, im Alter von zehn Jahren hat entwicklungsbedingt noch ein Drittel eine zumindest partielle Enge oder Verklebung.
  • Bei Jugendlichen liegt der Anteil dann zwischen 0,6 und 1,5 Prozent.

Eine Behandlung der Phimose ist dann notwendig, wenn in den ersten Lebensjahren wiederholt Entzündungen oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen auftreten. Wenn sich bei den Kindern die Vorhaut beim Wasserlassen aufbläht, ohne dass der Harnstrahl abgeschwächt ist, ist dies alleine allerdings noch kein Zeichen für eine krankhafte Vorhautverengung.

Sekundäre Phimose: Vor allem bei Erwachsenen

Als sekundäre Phimose bezeichnet man eine erworbene – also erst im Lauf des Lebens entstandene – Vorhautverengung: Zunächst ist die Vorhaut bei den betroffenen Kindern oder Erwachsenen normal weit. Durch wiederholte Entzündungen oder durch gewaltsame Einwirkungen mit Einrissen, Blutungen oder entzündlicher oder narbiger Abheilung kann jedoch eine narbige Phimose entstehen: Narbengewebe neigt dazu, zu schrumpfen. Das schrumpfende Narbengewebe kann die Vorhaut so stark verengen, dass es ratsam ist, die Verengung zu beseitigen.

Die sekundäre Phimose tritt häufig bei Diabetikern auf.

Paraphimose

Wenn jemand bei bestehender Phimose die enge Vorhaut hinter die Eichel des Penis zurückstreift und diese im Eichelkranz hängen bleibt, entsteht eine Paraphimose – auch Spanischer Kragen genannt: An der Stelle, an der die Vorhaut hängen geblieben ist, bildet sie dann einen schmerzhaften Schnürring, der die Durchblutung mindert. Zur Paraphimose kann es auch bei Erektionen kommen.

Bei einer akuten Paraphimose heißt es: Ab zum Arzt! Denn ohne sofortige Behandlung kann die Abschnürung das Gewebe schädigen.

Vorhautverklebung

Abzugrenzen von einer Phimose ist die sogenannte Vorhautverklebung (auch physiologische Vorhautverengung genannt): Die Vorhautverklebung ist in der Regel ein normaler körperlicher Entwicklungszustand. Die verklebte Vorhaut löst sich von selbst (spontan) durch das Wachstum, durch Erektionen und durch die allgemeine Körperhygiene. Die einzigen medizinischen Gründe, die Vorhautverklebung zu lösen, sind:

  • Entzündungen
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen

Phimose: Symptome

Ob bei einer Phimose (Vorhautverengung) die Symptome krankhaft sind oder nicht, hängt vor allem vom Alter ab: Kennzeichnend für eine zu enge Vorhaut ist, dass sie sich nicht oder nur unter Schmerzen zurückziehen lässt. Allerdings besteht die sogenannte physiologische Phimose (Vorhautverklebung) bei jedem Kind von Geburt an und ist völlig normal.

Erst wenn es ab dem dritten bis fünften Lebensjahr noch immer nicht gelingt, die Vorhaut ohne Gewalt zurückzuziehen, besteht möglicherweise eine krankhafte Phimose. In manchen Fällen dauert es auch länger, bis sich die Vorhautverklebung löst.

Wenn in den ersten Lebensjahren, in denen die physiologische Phimose der Normalzustand ist, zusätzlich Symptome wie Schmerzen, Entzündungen und Narben auftreten, spricht dies ebenfalls für eine krankhafte Vorhautverengung. Aber auch später kann sich die Vorhaut noch verengen.

Neben der nicht zurückziehbaren Vorhaut können bei einer krankhaften Phimose folgende Symptome auftreten:

  • Bei einer Erektion kommt es zu einem Spannungsgefühl oder zu Einrissen.
  • Beim Wasserlassen bläht sich die Vorhaut auf.
  • Die Harnentleerung ist erschwert, der Harnstrahl ist dünn und/oder abgelenkt.
  • Eichel und Vorhaut sind häufig entzündet.
  • Auf der Eichel bilden sich weißliche Ablagerungen infolge der erschwerten Intimhygiene.

Durch gewaltsames Zurückstreifen der Vorhaut hinter die Eichel trotz Phimose kann eine Paraphimose entstehen: Die Vorhaut ist dann hinter dem Eichelkranz eingeklemmt und lässt sich nicht mehr in ihre richtige Position bringen. Dann ist die Eichel nicht mehr richtig durchblutet. Als typische Symptome hierfür bilden sich ein Ödem und starke Schmerzen in der Eichel.

Phimose: Behandlung

Bei einer krankhaften Vorhautverengung besteht die Therapie darin, die enge Vorhaut zu weiten oder zu entfernen. Ziel der Behandlung ist es, eine ungestörte Körperhygiene, Harnentleerung und sexuelle Funktion zu ermöglichen. Welche Maßnahmen am besten geeignet sind, um die Vorhautenge zu behandeln, hängt vom Einzelfall ab.

Behandlung mit Kortisonsalbe und Dehnübungen

Gegen eine leichte Phimose kann eine kortisonhaltige Salbe ausreichen. Damit die Behandlung wirkt, müssen Sie die Kortisonsalbe konsequent zweimal täglich über einen Zeitraum von vier bis acht Wochen auf die Spitze des Penis auftragen. Nach zwei Wochen können Sie dann damit beginnen, die Vorhaut vorsichtig zurückzuschieben und die Vorhautverengung so nach und nach zu dehnen. Dabei ist das Einreißen der Haut unbedingt zu vermeiden.

In bis zu 75 Prozent der Fälle gelingt es, eine leichte Phimose mit einer Salbe zu beheben.

Wenn die Phimose trotz Behandlung mit der Creme weiterhin besteht, die Harnentleerung durch die Vorhautverengung erschwert ist und wiederholt Harnwegsinfekte auftreten, ist es ratsam, die verengte Vorhaut operativ zu entfernen (Beschneidung) beziehungsweise korrigieren zu lassen.

Vor allem bei Kindern können auch spezielle Dehnübungen helfen, bei denen die Vorhaut vorsichtig geweitet wird.

Wann ist eine Operation (Beschneidung/Zirkumzision) nötig?

Eine Operation ist bei Phimose notwendig ...

  1. ... bei Vernarbungen durch wiederholte Vorhautentzündungen, infolge von Verletzungen oder durch gewaltsame Versuche, die verengte Vorhaut zurückzuziehen
  2. ... bei einer Paraphimose
  3. ... wenn die Harnentleerung behindert ist

Der Eingriff ist klein und kann in der Regel ambulant erfolgen. Meist dauert die Phimose-OP nur wenige Minuten.

OP bei Kindern

Bei Kindern empfiehlt es sich, eine Phimose erst ab dem dritten Lebensjahr durch eine Operation behandeln zu lassen. Zum einen sind viele Kinder dann schon trocken, zum anderen kann die (physiologische) Vorhautverengung beim Kleinkind bis zum dritten Lebensjahr immer noch ohne Behandlung von selbst verschwinden.

Bereits vor dem dritten Lebensjahr ist die Phimose-OP jedoch dann ratsam, wenn eine extreme Vorhautverengung mit Schwierigkeiten beim Wasserlassen, wiederholten Entzündungen oder einer vernarbten Vorhautöffnung vorliegt: Dann kann die Operation Folgeschäden verhindern. Im Anschluss an den Eingriff ist eine Nachbehandlung in Form einer sorgfältigen Wundbehandlung wichtig.

Behandlungstechniken der Beschneidung (Zirkumzision)

Die Phimose-OP kann unterschiedlich aussehen. Meist besteht die operative Therapie der Vorhautverengung in einer Beschneidung (Zirkumzision). Dabei stehen verschiedene Behandlungstechniken zur Verfügung:

  • sparsame Beschneidung, bei der ein Teil der Vorhaut erhalten bleibt
  • radikale (vollständige) Beschneidung der Vorhaut, wonach die Eichel vollständig freiliegt

Eine weitere Behandlungstechnik zur Behebung der Vorhautverengung ist die Abschnürung – zum Beispiel mithilfe der sogenannten Plastikglockenmethode: Hierzu schiebt der Arzt eine Plastikglocke unter der gespreizten Vorhaut über die Eichel und bindet die Vorhaut entlang einer Rinne in der Glockenwand mit einem Faden ab. Der abgeschnürte Vorhautrest stirbt ab und fällt nach einigen Tagen ab. Infrage kommt diese Behandlung vor allem im frühen Kleinkindalter.

Bei sehr starker, narbiger Phimose und verkürztem Vorhautbändchen ist die Plastikglockenmethode meist nicht anwendbar. In Deutschland kommt die Methode jedoch eher selten zum Einsatz, weil sie meist schlechtere kosmetische Ergebnisse erzielt und ein höheres Komplikationsrisiko mit sich bringt.

Ohne Beschneidung? Erweiterungsplastik

Wenn Sie sich nicht beschneiden lassen möchten, können Sie die Vorhautverengung durch eine Erweiterungsplastik behandeln lassen: Bei dieser Behandlungstechnik erweitert der Operateur die Vorhautöffnung durch eine spezielle Schnittführung und Nahttechnik. Die Vorhaut selbst bleibt bei dieser Phimose-OP fast völlig erhalten. Daneben ist es möglich, das Vorhautbändchen zu verlängern (Frenulumplastik), was allerdings meist zusammen mit einer Beschneidung erfolgt.

Eine trotz Phimose gewaltsam hinter die Eichel zurückgestreifte Vorhaut, die sich nicht mehr zurückschieben lässt, stellt einen urologischen Notfall dar. Bei dieser sogenannten Paraphimose ist eine Operation ratsam, bei der an einer Stelle ein kleiner Einschnitt in die Vorhaut erfolgt (sog. dorsale Inzision). Mithilfe dieser Behandlungstechnik kann man akute Schäden durch mangelnde Durchblutung vermeiden. Sobald die Entzündungsreaktion abklingt, ist zusätzlich eine Beschneidung notwendig, um die Vorhautverengung endgültig zu beseitigen.

Wenn eine Phimose ordentlich behandelt wird, kommt es selten zu Komplikationen. Nur sehr selten – in rund zwei Prozent der Fälle – kommt es zu Komplikationen, Rückfällen oder anhaltenden Beschwerden. Nach der Operation ist allerdings eine sorgfältige Wundbehandlung notwendig.

Phimose: Ursachen

Die primäre oder physiologische Phimose ist entwicklungsbedingt. Es ist also völlig normal, dass sich die Vorhaut (Präputium) beim Säugling und Kleinkind nicht zurückziehen lässt. Bei den meisten Jungen verschwindet die Vorhautverklebung im Alter von drei bis fünf Jahren durch natürliche Reifungsvorgänge ganz von alleine. Erst wenn die Vorhaut dann immer noch so verengt ist, dass man sie nicht zurückziehen kann, liegt wahrscheinlich eine krankhafte primäre Vorhautverengung vor.

Für eine sekundäre narbige Vorhautverengung kommen als Ursachen wiederholte Entzündungen oder gewaltsame Einwirkungen mit Einrissen, Blutungen oder entzündlicher oder narbiger Abheilung infrage. Eine sekundäre Phimose kann beispielsweise durch zu frühes und gewaltsames Zurückstreift der Vorhaut bei Säuglingen oder Kleinkindern entstehen. Auch eine häufig entzündete Eichel oder Vorhaut kann der Auslöser für Vernarbungen sein. Das Narbengewebe schrumpft und verhärtet leicht, was die Entstehung einer Vorhautenge begünstigt.

Phimose: Diagnose

Bei Verdacht auf eine Phimose (Vorhautverengung) testet der Arzt auf die typischen Symptome: Wenn sich die Vorhaut ab dem dritten bis fünften Lebensjahr nicht oder nur teilweise zurückziehen lässt oder wenn sich beim Zurückstreifen über die Eichel ein Schnürring zeigt, dann besteht meist ein Missverhältnis zwischen Vorhautweite und Eicheldurchmesser.

In Einzelfällen kann jedoch die in den ersten Lebensjahren normale Vorhautverklebung (sog. physiologische Phimose) auch länger bestehen und so das Zurückziehen der Vorhaut verhindern. Daher ist es wichtig, auf zusätzliche Beschwerden zu achten, um eine krankhafte Vorhautverengung sicher diagnostizieren zu können.

So können mögliche Auffälligkeiten beim Wasserlassen (wie verminderter und von der normalen Richtung abweichender Harnstrahl, aufgeblähte Vorhaut beim Wasserlassen) auf eine krankhafte Phimose hinweisen. Auch Informationen zu vorausgegangenen Entzündungen, Operationen oder Verletzungen der Vorhaut sind für die Diagnose einer Vorhautverengung hilfreich.

Vor allem wenn die Phimose erst bei Erwachsenen auftritt, kann eine Blutuntersuchung darüber Aufschluss geben, ob ein Diabetes mellitus die Ursache für die Vorhautverengung ist.

Phimose: Verlauf

Wird eine Phimose nicht behandelt, kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen. Zum Beispiel können sich die Eichel und die Vorhaut des Penis dauerhaft entzünden. Chronische Entzündungen erhöhen das Krebsrisiko.

Wenn der Harnstrahl durch die verengte Vorhaut behindert und so das Wasserlassen erschwert ist, kommt es häufig zu Harnwegsinfekten. Im ungünstigsten Fall sind Jungen oder Männer mit einer Vorhautverengung nicht in der Lage, ihre volle Harnblase spontan zu entleeren (akuter Harnverhalt).

Eine weitere Komplikation der Vorhautverengung stellt die Paraphimose dar. Diese entsteht, wenn sich eine trotz Phimose gewaltsam hinter die Eichel zurückgestreifte Vorhaut nicht mehr zurückschieben lässt: Ohne rechtzeitige Behandlung kann dann Gewebe in der Eichel absterben (sog. Nekrose).

Phimose: Vorbeugen

Einer angeborenen Phimose (Vorhautverengung) können Sie nicht vorbeugen. Die Vorhaut an der Eichel des Penis kann sich allerdings auch sekundär im Lauf des Lebens (infolge von Vernarbungen) verengen – und dies können Sie verhindern!

Damit keine narbige Phimose entsteht, sollte man Folgendes beachten:

  • Ziehen Sie auf keinen Fall die Vorhaut mit Gewalt zurück, weil dabei die Vorhaut einreißen kann und Vernarbungen zu einer Phimose führen können.
  • Häufige Eichel- und Vorhautentzündungen oder Harnwegsinfekte können zu Vernarbungen und somit zu einer Phimose führen. Daher sind sie frühzeitig zu behandeln.