Das Bild zeigt einen jungen Mann, der an einem See sitzt.
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Penisverkrümmung: IPP, Symptome, Diagnose, Ursachen und Behandlung

Wenn der Penis stark zur Seite, nach oben oder nach unten gekrümmt ist, spricht man von einer Penisverkrümmung. Bei einigen Männern ist sie angeboren. Häufiger entwickelt sie sich jedoch erst im Laufe des Lebens - dann lässt sie sich meist auf eine Induratio penis plastica zurückführen, kurz IPP. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten: angefangen von Medikamenten über Injektionstherapie bis hin zur Operation.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Penisverkrümmung: IPP, Symptome, Diagnose, Ursachen und Behandlung

Ein krummer Penis ist an sich nichts Ungewöhnliches. Bei den allermeisten Männern ist der erigierte Penis nicht komplett gerade, sondern ist leicht nach oben, unten oder zur Seite gekrümmt. Wenn Verkrümmungen und Deformationen jedoch über dieses normale Maß hinausgehen, können Schmerzen und Probleme beim Geschlechtsverkehr die Folge sein. Und auch die psychische Belastung für die betroffenen Männer ist nicht zu unterschätzen.

Obwohl Experten davon ausgehen, dass Penisverkrümmungen relativ viele Männer betreffen, ist die Erkrankung im urologischen Alltag noch immer "selten". Manchen Männern ist es unangenehm, mit der Erkrankung zum Arzt zu gehen, andere haben sich mit ihrer Penisverkrümmung arrangiert. Je nachdem, ob die Penisverkrümmung von Geburt an besteht oder sich erst später ausgebildet hat, unterscheiden Ärzte zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Penisverkrümmung. Eine erworbene Penisverkrümmung ist in den allermeisten Fällen die Folge einer Induratio penis plastica (IPP).

Angeborene Penisverkrümmung oder Induratio penis plastica (IPP)?

Angeborene Penisverkrümmung

Eine angeborene Penisverkrümmung besteht schon ab der Geburt. In den ersten Lebensjahren bleibt die Erkrankung in der Regel unbemerkt. Die Probleme zeigen sich häufig erst in der Pubertät, da in diesem Alter Geschlechtsverkehr zum ersten Mal ein Thema wird. Die Ursache für eine angeborene Penisverkrümmung ist wahrscheinlich eine asymmetrische Entwicklung des Bindegewebes, das den Penisschwellkörper und die Hoden umhüllt.

Erworbene Penisverkrümmung: Induratio penis plastica (IPP)

Die erworbene Penisverkrümmung kommt im Vergleich zur angeborenen Form deutlich häufiger vor, insbesondere bei Männern ab dem 50. Lebensjahr. Die Ursache für eine erworbene Penisverkrümmung ist in den meisten Fälle die sogenannte Induratio penis plastica. Nach aktuellem Forschungsstand ist die IPP auf sich wiederholende Mikrotraumen (kleine Verletzungen) im Bereich des Schwellkörpers zurückzuführen. Diese Mikrotraumen hinterlassen im Laufe der Zeit Narben im extrem dehnbaren Bindegewebe der Schwellkörperhülle. Dieses vernarbte, harte Bindegewebe führt letztlich zur Penisverkrümmung. Schätzungen zufolge betrifft die Induratio penis plastica rund 10 von 100aller Männer im Laufe ihres Lebens.

Penisverkrümmung: Diagnose

Ob ein Penis gerade oder krumm ist, lässt sich zwar auch ohne ärztliche Diagnose erkennen. Für die Wahl der richtigen Behandlungsform spielt jedoch eine detaillierte und möglichst frühzeitige Diagnostik der Ursachen, der Beschwerden und des Verkrümmungsgrades eine entscheidende Rolle. So lässt sich eine angeborene Penisverkrümmung beispielsweise ausschließlich operativ behandeln, wohingegen für die erworbene IPP mehrere unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Weil angeborene Penisverkrümmungen fälschlicherweise oft als IPP diagnostiziert werden, sollten Betroffene sich unbedingt an einen Andrologen oder spezialisierten Urologen wenden.

Anamnese: Das Arzt-Patienten-Gespräch

Der Arzt wird den Patienten zunächst nach möglichen Unfällen beim Geschlechtsverkehr und nach Schmerzen während der Erektion befragen. Auch die Ermittlung der Dauer der Erkrankung und der psychischen Belastung für den Patienten können Teil der Anamnese sein. Seit 2013 existiert ein validierter Fragebogen zur IPP, der ebenfalls zur Diagnose eingesetzt werden kann.

Körperliche Untersuchung

Anschließend wird der Arzt eine Tastuntersuchung durchführen. Dabei tastet er den Penis nach möglichen Verhärtungen und Knötchen ab. Da sich kleinere oder “versteckte” Knötchen häufig nur schwer ertasten lassen, können zusätzlich bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen.

Bildgebende Verfahren

Für die Diagnose und die Beurteilung einer IPP ist eine Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) erforderlich. Auf den Ultraschall-Aufnahmen kann der Arzt Vernarbungen und Kalkablagerungen in der Bindegewebshülle des Penis erkennen. Da die Untersuchungsergebnisse allerdings ungenau sein können, führen einige Ärzte eine sogenannte Duplexsonographie durch. Mithilfe der Duplexsonographie kann der Arzt nicht nur vernarbtes Gewebe sichtbar machen. Er kann auch den Blutstrom, den Verkrümmungsgrad und komplexere Deformitäten beurteilen. Nur in sehr seltenen Fällen wird der Arzt neben der Ultraschall-Untersuchung eine MRT in Erwägung ziehen, um Entzündungen im Bereich der Vernarbungen besser darstellen zu können.

Selbstfotografie

Fotoaufnahmen des erigierten Penis aus drei Perspektiven (von oben, von der Seite, von vorne) durch den Patienten selbst sind ebenfalls hilfreich, um das Ausmaß der Penisverkrümmung und die Penislänge zu beurteilen. Insbesondere für Verlaufsuntersuchungen stellt die Selbstfotografie ein einfaches Untersuchungstool dar.

Penisverkrümmung: Ursachen

Bis heute sind die Ursachen für die angeborene Penisverkrümmung und für die IPP nicht endgültig geklärt. Bei der angeborenen Penisverkrümmung, auch kongenitale Penisdeviation genannt, entwickelt sich die Bindegewebshülle des Schwellkörpers in der Fetalphase ungleichmäßig, was schließlich zur Bildung der Penisverkrümmung führt.

In den meisten Fällen besteht die Penisverkrümmung allerdings nicht von Geburt an, sondern entwickelt sich erst im Laufe des Lebens. Dann steckt häufig eine sogenannte Induratio penis plastica dahinter, kurz IPP.

Die genaue Ursache für die Ausbildung einer IPP ist nicht endgültig geklärt. Experten gehen davon aus, dass bei bestimmten, genetisch vorbelasteten Personen eine immer wiederkehrende Belastung am Penisschaft zu kleinen Mikroverletzungen führt, was letztendlich die Bildung einer Vernarbung (Plaque) zur Folge hat. Durch diese „Plaque“ verändert sich die Elastizität der Schwellkörper im Glied und es kommt zu Verformungen und Verkrümmungen des Penis.

Penisverkrümmung: Symptome

Diese Vernarbung wird von vielen Patienten als Knoten wahrgenommen. Durch die Veränderungen der Elastizität der Schwellkörper entstehen die klassische Symptome:

  • Es kommt zu Verkrümmungen der Penisachse,
  • Einkerbungen am Penisschaft,
  • einem Verlust an Penislänge und
  • im fortgeschrittenen Stadium auch zu Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion).

Eine erworbene Penisverkrümmung verläuft in der Regel in zwei Phasen. Zu Beginn steht die "akute" Phase der Erkrankung. Hier kommt es zum Auftreten der Plaque, ebenso beginnt sich der Penis zu verändern und zu krümmen. Es kann zu Einkerbungen kommen bis hin zu einem so genannten Sanduhrphänomen. Viele Patienten berichten zudem über Schmerzen und darüber, dass sie durch die IPP deutlich an Penislänge verloren haben.

Die zweite Phase der Erkrankung ist die "chronische" Phase. Hier kommt es zu einer Stabilisierung der Erkrankung. Die Penisverkrümmung ändert sich nicht mehr und ist stabil. Die Schmerzen lassen nach. Wann sich die chronische Phase einstellt, ist individuell sehr verschieden. Erst wenn die Erkrankung mindestens ein Jahr lang besteht und sich die Symptome seit einem halben Jahr nicht mehr verändert haben, sprechen Ärzte von einer chronischen Phase.

Die Unterteilung in eine akute und chronische Phase wird vor allem getroffen, da sich die Behandlungsmöglichkeiten in den beiden Krankheitsphasen unterscheiden.

Penisverkrümmung: Behandlung

Ab wann Betroffene eine Penisverkrümmung ärztlich behandeln lassen sollten, lässt sich nicht genau sagen. Verschiedene Experten empfehlen die Korrektur einer Penisverkrümmung ab einem Verkrümmungsgrad von 30 Grad. Jedoch sollte der Grad der Verkrümmung nicht das einzige Entscheidungskriterium für eine Behandlung darstellen.

Manche Betroffene haben trotz einer eigentlich stark ausgeprägten Verkrümmung keinerlei Probleme. Bei anderen kann bereits ein geringer Verkrümmungsgrad zu Schmerzen, weitreichenden Problemen im Sexualleben und zu einem verminderten Selbstwertgefühl führen.

Eine Behandlung kommt daher immer dann infrage, wenn man die Verkrümmung als Problem empfindet, auch wenn sie objektiv vielleicht gar nicht so stark ausgeprägt ist. Eine angeborene Penisverkrümmung kann nur durch einen operativen Eingriff begradigt werden. In der Vergangenheit war das auch bei einer IPP der Fall. Heute muss abhängig vom Stadium ein krummer Penis aufgrund einer IPP nicht mehr gleich operiert werden, sondern es können auch konservative Methoden zum Einsatz kommen. Nur in seltenen Fällen verbessert sich die Krümmung des Penis von selbst.

Medikamentöse Therapie

Bei geringem Befund und in der akuten Phase kann der Arzt zunächst versuchen, bestimmte Symptome wie beispielsweise Schmerzen durch Medikamente zu lindern. Außerdem sollen die Medikamente dazu beitragen, die Entstehung neuer Plaques zu hemmen.

Folgende Medikamente beziehungsweise Nahrungsergänzungsmittel kommen dabei häufig zum Einsatz, wobei nur Kalium-Paraaminobenzoat von der Food and Drug Administration (FDA) als “möglicherweise effektiv” beschrieben wurde:

Injektionstherapie

Bei der Injektionstherapie spritzt der Arzt einen bestimmten Wirkstoff direkt in die Plaques. Die Wirkstoffe sollen das verhärtete Narbengewebe auflockern beziehungsweise auflösen, sodass sich letztendlich die Penisverkrümmung verringert. Zu den verwendeten Substanzen zählen vor allem Kollagenase und Verapamil. Die Durchführung einer Injektionstherapie mit Kortison oder die Off-label-Therapie mit Interferon-Alpha (IFN-α) wird aufgrund unerwünschter Nebenwirkungen beziehungsweise hoher Kosten nicht empfohlen.

Seit 2013 sind auch bestimmte kollagenabbauende Enzyme des Bakteriums Clostridium histolyticum als Injektionstherapie am europäischen Markt zugelassen. Die Ergebnisse neuerer Studien sind vielversprechend, hierzulande hat der Hersteller die Vermarktung allerdings eingestellt.

Die Injektionen müssen mehrmals wiederholt werden und führen besonders in Kombination mit mechanischen Penisstreckern und Vakuumpumpen in der Regel zu einer sichtbaren Reduktion der Verkrümmung.

Iontophorese

Die Iontophorese ist ein Verfahren, bei dem der Arzt die Arzneimittel gezielt durch die Haut in das vernarbte Bindegewebe einbringt – und zwar mithilfe von Gleichstrom. Die am häufigsten verwendeten Medikamente in Bezug auf die IPP sind Verapamil, Dexamethason und Lidocain. Zunächst trägt der Arzt die Wirkstoffe von außen auf die Plaques auf. Anschließend leitet er mithilfe kleiner Elektroden Gleichstrom durch die betroffenen Hautareale, damit die Medikamente den gewünschten Wirkungsort erreichen. Aktuelle Daten zeigen, dass man durch die Iontophorese zwar die Schmerzen reduzieren konnte, nicht jedoch die Penisverkrümmung.

Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT)

Bei der extrakorporalen Stoßwellentherapie sollen hoch energetische kurze Schallwellen von außen die verkalkten Strukturen der Bindegewebshülle direkt zerstören. Der mögliche Wirkmechanismus der ESWT ist bislang nicht vollständig geklärt. Studien deuten daraufhin, dass die ESWT bei einer IPP zwar zur Schmerzreduktion beitragen kann, nicht jedoch zur Behandlung der Krümmung.

Operation

Reichen die konservativen Verfahren nicht aus, um die Penisverkrümmung zu heilen, wird der Arzt in der chronischen Phase der IPP eine Operation in Erwägung ziehen. Es gibt verschiedene Operationstechniken, die sich im Grunde in zwei Kategorien einteilen lassen. Welche Methode zum Einsatz kommt, hängt in erster Linie vom Verkrümmungsgrad und von den Symptomen ab.

Zum einen gibt es bewährte Operationsmethoden, wie die Nesbit-Operation, die Tunica-albuginea-underlap-(TAU-)Technik oder die Technik nach Essed-Schröder. Bei diesen Methoden versucht der Arzt, die Penisachse zu begradigen, indem er die Schwellkörperhülle an der nicht betroffenen Seite rafft. In einigen Fällen schneidet er die Plaques keilförmig mit einem Skalpell ein beziehungsweise entfernt sie (sog. Exzision). Dies führt allerdings unweigerlich zu einem deutlichen Längenverlust des Penis.

Um dies zu verhindern, gibt es alternative Methoden, welche Mediziner als “Graft-Operation zusammenfassen. Dabei näht der Arzt zusätzlich ein künstliches Material (Graft) ein, um den Penis ohne Längenverlust zu begradigen. Dieses Graft wird im Laufe der Zeit vom Körper meist abgebaut und durch körpereigene Zellen ersetzt. Da diese Operation ein komplexeres Verfahren darstellt als zum Beispiel eine konventionelle Nesbit-Operation, bedarf sie einer entsprechenden Spezialisierung des Arztes.

In sehr weit fortgeschrittenen Stadien der IPP tritt oft auch eine erektile Dysfunktion auf. In diesen Fällen begradigt der Arzt den Penis nicht nur in der Operation, sondern implantiert gleichzeitig ein Schwellkörperersatz (Penisprothese).