Pentoxifyllin

Allgemeines

Pentoxifyllin wird zur Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit im Stadium zwei eingesetzt. In diesem Stadium schmerzen die Beine beim Gehen einer Strecke von weniger als 200 Metern, in Ruhe treten aber noch keine Beschwerden auf. Eine Pentoxifyllinbehandlung kommt jedoch nur dann infrage, wenn ein Gehtraining oder mechanische Verfahren zur Erweiterung der Blutgefäße nicht angewendet werden können. Zu solchen Maßnahmen gehört beispielsweise eine Weitung mittels Ballonkatheter.

 

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Durchblutung fördern
  • Fließfähigkeit des Blutes verbessern
  • Gehfähigkeit bei peripheren arteriellen Durchblutungsstörungen verbessern
  • Durchblutungsstörungen am Auge verringern
  • Hörfähigkeit bei Schwerhörigkeit verbessern
  • Hörfähigkeit nach Hörsturz verbessern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Pentoxifyllin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Pentoxifyllin nicht verwendet werden?

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Pentoxifyllin oder andere Methylxanthine darf der Wirkstoff nicht angewendet werden.

Bei kürzlich erlittenem Herzinfarkt oder einer Gehirnblutung, Netzhautblutungen am Auge sowie anderen krankhaften Blutungen ist Pentoxifyllin ebenfalls nicht einzusetzen. Das Gleiche gilt bei Magengeschwüren und/oder Darmgeschwüren.

Weiterhin sollten Patienten mit erhöhter Blutungsneigung nicht mit Pentoxifyllin behandelt werden. Auch bei Kindern ist der Einsatz verboten. Außerdem sollte eine Anwendung bei schwangeren Frauen und stillenden Müttern sehr sorgfältig vom behandelnden Arzt überdacht werden.

Bei der Autoimmunkrankheit Systemischer Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte) oder anderen Bindegewebsumbauerkrankungen (Mischkollagenosen) ist der Einsatz nur nach ausführlicher Risiko-Nutzen-Einschätzung vom behandelnden Arzt zu beführworten. Das Gleiche gilt bei schweren Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck und schweren arteriosklerotisch bedingten Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße sowie der Hirnarterien.

Patienten mit Herzrhythmusstörungen, zu niedrigem Blutdruck, koronarer Herzkrankheit (Herzkranzgefäßverengung), nach einem Herzinfarkt und nach Operationen sind besonders sorgfältig zu überwachen. Eine strenge ärztliche Kontrolle ist ebenfalls bei einer Kreislaufregulationsstörung beim Aufstehen, Aufsetzen und Aufrichten notwendig.

Treten während der Behandlung mit Pentoxifyllin Netzhautblutungen am Auge auf, muss die Behandlung beendet werden. Der Arzt entscheidet individuell über eine Alternativbehandlung.

 

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bisher liegen nur wenige Erfahrungen bei der Anwendung von Pentoxifyllin in der Schwangerschaft vor. Deshalb sollten Mittel mit diesem Wirkstoff vorsichtshalber nicht von schwangeren Frauen verwendet werden.

Pentoxifyllin geht in geringen Mengen in die Muttermilch über. Wirkungen beim Säugling sind aber wahrscheinlich nicht zu erwarten. Mangels ausreichender Erfahrungen sollte die Anwendung während der Stillzeit dennoch auf ärztlich begründete Fälle beschränkt bleiben.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Pentoxifyllin ist für Kinder nicht geeignet.

Welche Nebenwirkungen kann Pentoxifyllin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Pentoxifyllin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, Völlegefühl, Magendruck, Durchfall.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Gesichtsrötung mit Hitzegefühl, Atemnot, Wassernansammlungen im Gewebe, Schwindel, Kopfschmerzen.

Seltene Nebenwirkungen:
Zittern, Fieber, Herzrhythmusstörungen (beschleunigter Herzschlag), Juckreiz, Hautrötung, Quaddeln (Nesselsucht), Hautblutungen, Schleimhautblutungen, Magenblutungen, Darmbluten, Harnwegsblutungen, Blutungen an Geschlechtsorganen, Schädelblutungen, Netzhautblutungen des Auges, Netzhautablösung, Blutdrucksenkung, Brustengebeschwerden.

Sehr seltene Nebenwirkungen und Einzelfälle:
Unruhe, Schlafstörungen, Gallenstauung, Anstieg von Leberwerten, vereinzelt Blutdruckerhöhung, Blutplättchenverminderung, vermehrtes Schwitzen, Sehstörungen, Bindehautentzündung, Kribbelgefühl und "Ameisenlaufen" in der Haut, Krämpfe, Hautveränderung mit Gewebsauflösung und Blasenbildung, Hautekzeme mit sehr schlechtem Allgemeinbefinden, Blutarmut aufgrund fehlender Produktion von roten Blutkörperchen, Blutarmut aufgrund fehlender Produktion aller Blutzellen.

Besonderheiten:
Bei Netzhautblutungen oder ersten Anzeichen einer Überempfindlichkeit ist das Arzneimittel sofort abzusetzen. Der behandelnde Arzt wird individuell über eine Alternativtherapie entscheiden.

Unmittelbar nach der Gabe sind vereinzelt Überempfindlichkeitsreaktionen mit Verkrampfung der Bronchialmuskulatur bis zum schwer lebensbedrohlichen allergischen Schock aufgetreten. In dieser Situation ist sofort der Notarzt zu alarmieren.

Während der Behandlung kann es zu einer Blutarmut aufgrund mangelnder Blutzellnachbildung kommen. Deshalb sind regelmäßige Blutbildkontrollen erforderlich.

 

Welche Wechselwirkungen zeigt Pentoxifyllin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Pentoxifyllin verstärkt die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln und blutgerinnungshemmenden Medikamenten. Außerdem erhöht eine kombinierte Anwendung von Pentoxifyllin mit Blutgerinnungshemmern das Blutungsrisiko. Eine sorgfältige ärztliche Überwachung und häufige Kontrollen der Blutgerinnungswerte (INR) sind deshalb erforderlich.

Weiterhin wird die Wirkung von Insulin und blutzuckersenkenden Tabletten verstärkt. Damit steigt die Gefahr von Unterzuckerungen. Regelmäßige Blutzuckerkontrollen sind deshalb empfehlenswert.

Pentoxifyllin erhöht die Blutkonzentration von Theophyllin (bronchienerweiterndes Mittel). Eine individuelle Dosisanpassung durch den Arzt kann erforderlich werden.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Cimetidin (Mittel gegen Magengeschwüre) ist eine Wirkungsverstärkung von Pentoxifyllin möglich. Diese Patienten sollten regelmäßig ärztlich überwacht werden.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Dosis ist vom Arzt bei eingeschränkter Nierenfunktion zu reduzieren.
  • Die Dosis ist vom Arzt bei Leberfunktionsstörungen zu reduzieren.
  • Regelmäßige Blutbildkontrollen sind notwendig.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Welche Medikamente beinhalten Pentoxifyllin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Pentoxifyllin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

 
Medikament
Darreichungsform
Filmtabletten
Filmtabletten
Retardtabletten
Retardkapseln
Retardtabletten
Retardtabletten
Retardtabletten
Infusionslösungs­konzentrat
Retardtabletten
Retardtabletten

 

So wirkt Pentoxifyllin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Pentoxifyllin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen durchblutungsfördernde Mittel, Antidementiva, zu welcher der Wirkstoff Pentoxifyllin gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Pentoxifyllin

Pentoxifyllin wird zur Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit im Stadium zwei eingesetzt. In diesem Stadium schmerzen die Beine beim Gehen einer Strecke von weniger als 200 Metern, in Ruhe treten aber noch keine Beschwerden auf. Eine Pentoxifyllinbehandlung kommt jedoch nur dann infrage, wenn ein Gehtraining oder mechanische Verfahren zur Erweiterung der Blutgefäße nicht angewendet werden können. Zu solchen Maßnahmen gehört beispielsweise eine Weitung mittels Ballonkatheter.

Weitere Anwendungsgebiete sind akute und chronische Durchblutungsstörungen der Netzhaut und Aderhaut des Auges. Hörstörungen, die auf durchblutungsbedingte Beeinträchtigungen der Innenohr-Funktion zurückgeführt werden, können ebenfalls mit Pentoxifyllin behandelt werden. Dazu gehören unter anderem Schwerhörigkeit und Hörsturz. Der therapeutische Nutzen für diese Anwendungsgebiete ist aber wissenschaftlich als zweifelhaft anzusehen.

Pentoxyfyllin ist in Form von Tabletten, Spritzen oder Infusionen im Handel. Eine Kombination verschiedener Darreichungsformen (Tablette und Infusion) ist je nach Schweregrad der Erkrankung möglich.

 

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Pentoxifyllin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Pentoxifyllin

Pentoxifillin ist ein durchblutungsförderndes Mittel, welches unter anderem die Blutgefäße erweitert. Die Wirkung aller Anwendungsgebiete kann mit folgenden Wirkmechanismen erklärt werden:

Pentoxifillin hemmt das Enzym Phosphodiesterase. Enzyme sind Funktionseiweiße, die biochemische Reaktionen ankurbeln. Das Enzym Phosphodiesterase baut den in Körperzellen vorhandenen Botenstoff (cAMP) ab. Dieser Botenstoff lässt die Muskelzellen der Gefäßwände erschlaffen. Wenn also Phosphodiesterase gehemmt wird, kann der Botenstoff cAMP länger wirken. Dadurch bleiben die Gefäße länger weit und es fließt mehr Blut hindurch. Die Sauerstoffversorgung verbessert sich so ebenfalls.

Pentoxyfillin soll weiterhin die roten Blutkörperchen leichter verformbar machen. Rote Blutkörperchen enthalten den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Sie transportieren Sauerstoff von der Lunge zu den Geweben. Besser verformbare rote Blutkörperchen können auch enge Blutgefäße schneller und effektiver durchströmen und mit Sauerstoff versorgen.

Pentoxyfillin soll ebenfalls die Konzentration des Blutgerinnungsfaktors Fibrinogen senken. Infolgedessen wird das Zusammenklumpen von roten Blutkörperchen und Blutplättchen vermindert. Des Weiteren wird eine verringerte Anhaftung von weißen Blutkörperchen an den Gefäßinnenwänden diskutiert. Wenn weniger Blutkörperchen an den Gefäßwänden haften, verbessert sich die Fließgeschwindigkeit des Blutes.

In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass Pentoxyfillin die ohne Schmerzen zu bewältigende Gehstrecke bei peripheren arteriellen Durchblutungsstörungen verlängert. Dieser Effekt lässt sich jedoch ebenso gut mit einem Gehtraining erreichen, wenn nicht sogar übertreffen. Darum ist der therapeutische Nutzen dieser Substanz sehr umstritten.

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.