Ein Fahrradsportler ist gestürzt und liegt neben seinem Rad am Straßenrand.
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Schultereckgelenksprengung

Bei einer Schultereckgelenksprengung zerreißen Kapsel und Bänder des Schultereckgelenks unvollständig oder vollständig. Dies passiert fast immer durch direkte Stürze auf die Schulter, beispielsweise bei einem Sturz vom Fahrrad oder beim Skilaufen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Der fachsprachliche Name für das Schultereckgelenk lautet Akromioklavikulargelenk (bzw. Acromioclaviculargelenk, AC-Gelenk), denn: Es verbindet das äußere Ende des Schlüsselbeins (= Klavikula) mit dem Schulterdachfortsatz (= Akromion) des Schulterblatts. Entsprechend bezeichnet man die Schultereckgelenksprengung auch als:

  • AC-Gelenksprengung (bzw. ACG-Sprengung) oder
  • Akromioklavikulargelenkluxation (d.h. Schultereckgelenksverrenkung).

Typische Anzeichen für eine Schultereckgelenksprengung sind:

  • Schmerzen in der Schulter direkt über dem Schultereckgelenk, die sich durch Druck und Armbewegungen verstärken,
  • dadurch bedingt eine Schonhaltung,
  • eine angeschwollene Schulterregion und
  • eventuell (je nach Schweregrad) ein Hochstand des äußeren Schlüsselbeins (sog. Klaviertastenphänomen), was aber durch die Schwellung verdeckt sein kann.

Die Behandlung der Schultereckgelenksprengung richtet sich nach dem Schweregrad der Verletzung: Wenn die Bänder des Schultereckgelenks nur gezerrt oder teilweise zerrissen sind, reichen nicht-operative Maßnahmen: Das kann zum Beispiel bedeuten, die Schulter kurzfristig ruhig zu stellen und anschließend Krankengymnastik zu machen.

Bei vollständig zerrissenen Bändern kann man die Schultereckgelenksprengung mit oder ohne Operation behandeln:

  • Für eine operative Behandlung der Schultereckgelenksprengung spricht, dass man nur so die Anatomie des Gelenks wiederherstellen kann; die Risiken und Unannehmlichkeiten der Operation gelten dabei als vergleichsweise gering.
  • Für die nicht-operative Behandlung spricht, dass eine nach der Verletzung zurückbleibende Gelenkstufe erträglich ist und die Betroffenen später meistens keinerlei Beschwerden haben.

Im Einzelfall sind die notwendigen Behandlungsmaßnahmen immer mit den Betroffenen abzustimmen. Unabhängig von der Behandlung ist es bei fast jeder Schultereckgelenksprengung nach einer Rehabilitation von sechs- bis zwölfwöchiger Dauer möglich, die körperlichen Aktivitäten uneingeschränkt wieder aufzunehmen. Eine seltene Spätfolge der Schulterverletzung ist der vorzeitige Gelenkverschleiß (Arthrose) im Schultereckgelenk.

Definition

Die Schultereckgelenksprengung ist eine Verletzung des Schultereckgelenks, bei der die Kapsel und die Bänder des Gelenks gezerrt beziehungsweise unvollständig oder vollständig zerrissen sind.

Mediziner bezeichnen das Schultereckgelenk auch als Akromioklavikulargelenk (bzw. Acromioclaviculargelenk, Abk. AC-Gelenk). Weitere Bezeichnungen für die Schultereckgelenksprengung lauten:

  • AC-Gelenksprengung oder ACG-Sprengung
  • Schultereckgelenksverrenkung
  • Akromioklavikulargelenkluxation

Das Schultereckgelenk bildet die gelenkige Verbindung zwischen dem äußeren Ende des Schlüsselbeins (Klavikula) und dem Schulterdachfortsatz (Akromion) des Schulterblatts. Zwischen den Knorpelflächen des Gelenks liegt eine Bandscheibe (Discus intraarticularis). Normalerweise stabilisieren die Gelenkkapsel und die zusätzlichen Bänder, die außerhalb des Gelenks liegen, das Schultereckgelenk. Daher kann eine Schultereckgelenksprengung – je nach Ausmaß der Verletzung – dazu führen, dass das Gelenk instabil ist.

Häufigkeit

Die Schultereckgelenksprengung ist eine häufige Verletzung: Bei etwa 10 bis 12 Prozent aller Verletzungen im Bereich des Schultergürtels handelt es sich um ein verletztes Schultereckgelenk. Die Verletzung entsteht fast immer durch einen direkten Sturz auf die Schulter.

Ursachen

Typische Ursachen einer Schultereckgelenksprengung sind direkte Gewalteinwirkungen durch Stürze auf die Schulter selbst. Dazu kommt es meistens beim Sport: Vor allem, wenn der Arm von der Seite zum Körper herangezogen ist, kann ein Sturz auf die Schulter schnell dazu führen, dass das Schlüsselbein (Klavikula) im Schultereckgelenk den Kontakt zum Schulterdachfortsatz (Akromion) des Schulterblatts teilweise oder vollständig verliert.

Am häufigsten entsteht die Schultereckgelenksprengung bei Sportarten wie Radfahren, Motorsport, Skifahren, Reiten oder Kampfsport. Auch wer aus vollem Lauf auf seine Schulter stürzt, kann sich eine solche Verletzung zuziehen.

Indirekte Krafteinwirkungen durch einen Sturz auf den ausgestreckten Arm können ebenfalls eine Schultereckgelenksprengung verursachen. Dieser Entstehungsmechanismus ist jedoch selten.

Symptome

Für eine Schultereckgelenksprengung sind drei Symptome besonders kennzeichnend:

Die mit der Schultereckgelenksprengung verbundenen Schmerzen in der Schulter treten direkt über dem Schultereckgelenk auf; außerdem ist die Schulterregion angeschwollen. Typischerweise verstärken sich die Schulterschmerzen durch Druck und durch Armbewegungen auf der entsprechenden Körperseite. Die meisten Betroffenen nehmen wegen der Schmerzen eine typische Schonhaltung ein: Dabei halten sie den Arm abgewinkelt vor dem Körper und stützen ihn mit der Hand des gesunden Arms ab.

Wenn bei der Schultereckgelenksprengung alle Bänder gerissen sind, ist zudem ein scheinbarer Hochstand des äußeren Schlüsselbeins durch die Haut zu erkennen (dabei steckt eigentlich ein Tiefstand des Armes bzw. Schultergelenks dahinter). Mit dem Finger kann man das verschobene Schlüsselbein leicht nach unten drücken, weshalb dieses Symptom als Klaviertastenphänomen bekannt ist. Ist es nur leicht ausgeprägt, kann es jedoch durch die Schwellung verdeckt sein.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Schultereckgelenksprengung finden zuerst eine körperliche Untersuchung und eine genaue Befragung der Betroffenen (sog. Anamnese) statt. Eine erste Diagnose ergibt sich durch den Verletzungshergang und die vorliegenden Symptome:

  • Eine Schwellung im Schulterbereich, ein örtlich begrenzter Druckschmerz über dem Schultereckgelenk und eine Schonhaltung weisen auf die Art der Verletzung hin.
  • Die Verdachtsdiagnose bestätigt sich weiter, wenn Bewegungen zwischen dem Oberarm und dem Schulterblatt (im Schultergelenk) bei stabilisiertem Schulterblatt keine Schmerzen verursachen.

Sind die Bänder im Schultereckgelenk teilweise oder vollständig zerrissen, nimmt das äußere Schlüsselbein eine Fehlstellung (Luxation) ein. Dies liefert einen weiteren Hinweis auf die Schultereckgelenksprengung: Infolge der Fehlstellung wölbt sich die Haut im entsprechenden Bereich der Schulter nach oben vor. Das verschobene Schlüsselbein lässt sich mit dem Finger leicht nach unten drücken (sog. Klaviertastenphänomen). Manchmal ist auch zu hören, dass die Knochen aneinanderreiben (sog. Krepitation).

Um die Schultereckgelenksprengung sicher zu diagnostizieren, ist eine Röntgenuntersuchung des Schultergelenks nötig. Sind die ersten Ergebnisse nicht eindeutig, können sogenannte Funktionsaufnahmen beider Schultergelenke weiterhelfen: Dazu nimmt man ein etwa zehn Kilogramm schweres Gewicht in jede Hand und steht still, während man beide Schultern röntgen lässt. Anschließend vergleicht der Arzt die beiden Aufnahmen miteinander. Das hochstehende Schlüsselbein zeigt den Schweregrad der Schulterverletzung an.

Wenn noch genauere Ergebnisse notwendig sind, um die Schultereckgelenksprengung zu beurteilen, bietet sich zusätzlich eine Sonographie (Ultraschall), eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) an.

Anhand der Untersuchungsergebnisse kann der Arzt die Schultereckgelenksprengung einem der folgenden Schweregrade (nach Tossy oder Rockwood) zuordnen. Diese Klassifikation ist für die nachfolgende Behandlung wichtig:

  • Grad I: Die Bänder sind eingerissen, ohne dass sich die Gelenkteile gegeneinander verschieben.
  • Grad II: Die Bänder der Gelenkkapsel sind teilweise zerrissen und die Gelenkanteile sind leicht verschoben.
  • Grad III: Alle Bänder des Schultereckgelenks sind zerrissen.
  • Grade IV-VI (nach Rockwood): Diese Verletzungsgrade beschreiben unterschiedliche Spezialformen der vollständigen Bandzerreißung. Schultereckgelenksprengung Tossy 1, 2 und 3

Therapie

Bei einer Schultereckgelenksprengung hängt die Therapie vom Schweregrad der Verletzung ab.

Als Sofortmaßnahme ist es bei einer Schultereckgelenksprengung in jedem Fall hilfreich, den Arm in einer Schonhaltung vor dem Bauch zu stabilisieren: Dadurch spüren Sie die über dem Schultereckgelenk auftretenden Schmerzen meist kaum noch. Um den Arm ruhig zu stellen, ist eine Armschlinge mit einem Dreieckstuch geeignet. Ein aufgelegter Eisbeutel lindert die Schmerzen und verringert die verletzungsbedingte Schwellung. Die weitere Behandlung ergibt sich aus der ärztlichen Diagnose.

Bei Zerrungen oder Teilverletzungen des Schultergelenks beträgt der Schweregrad der Schultereckgelenksprengung (nach Rockwood bzw. Tossy) 1 oder 2: In dem Fall ist in der Regel keine Operation notwendig – nicht-operative (bzw. konservative) Maßnahmen reichen dann völlig aus.

Wenn der Schweregrad der Schultereckgelenksprengung (nach Rockwood bzw. Tossy) 3 lautet, sind alle Bänder vollständig zerrissen: Dann besteht grundsätzlich die Möglichkeit, sich konservativ oder operativ behandeln zu lassen. Die Entscheidung, ob hier eine Schulter-OP sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab und erfolgt in Absprache mit einem Spezialisten (Sportarzt, Unfallchirurg, Orthopäde).

Nicht-operative Therapie

Bei einer leichteren Schultereckgelenksprengung mit Zerrungen oder Teilverletzungen des Schultergelenks (Tossy 1 und 2) sind meist konservative Maßnahmen ausreichend. Diese nicht-operative Therapie darin, das verletzte Schultergelenk für eine Dauer von wenigen Tagen mit einem speziellen Verband (Gilchrist-Verband) ruhig zu stellen, bis der Schulterschmerz nachlässt. Wenn Sie über dem Schultereckgelenk keine Schmerzen mehr haben, schließt sich Krankengymnastik an.

Auch bei einer schwereren Schultereckgelenksprengung (Tossy 3) kann eine nicht-operative Therapie erfolgreich sein: Selbst wenn die Bänder vollständig zerrissen sind und das Schultergelenk vollständig verschoben ist, treten fast immer auch bei rein konservativer Behandlung langfristig keine Beschwerden auf. Auch die dann zurückleibende Gelenkstufe ist erträglich. Allerdings kann besonders bei jungen und körperlich aktiven Menschen (z.B. Sportlern) in diesem Fall eine operative Behandlung empfehlenswert sein.

Schulter-OP

Bei einer Schultereckgelenksprengung ab Grad III kann die Therapie auch in einer Schulter-OP bestehen: Hierfür spricht, dass man das Schultereckgelenk nur durch die Operation in seiner Anatomie wiederherstellen kann und dass die Risiken und Unannehmlichkeiten der operativen Behandlung dabei vergleichsweise gering sind. Entsprechend bietet es sich zum Beispiel bei sportlich aktiven Menschen an, die Schulterverletzung operativ zu behandeln.

Während der Schulter-OP näht der Operateur die Bänder, die bei der Schultereckgelenksprengung zerrissen sind, und stützt das Schultergelenk vorübergehend mit Schrauben, Platten, Drähten oder vom Körper abbaubaren Kordeln. Zusätzlich stabilisiert der Operateur die Bänder, weil die alleinige Bandnaht die auf das Gelenk wirkenden Kräfte nicht aushalten würde.

Nach der Operation der Schultereckgelenksprengung ist es nötig, das Gelenk sechs Wochen lang mit einem sogenannten Gilchrist-Verband ruhig zu stellen – so lange dauert die Heilung der Bänder und der Kapsel. Anschließend ist es ratsam, dass Sie das Gelenk allmählich wieder beweglich machen und die Muskulatur mithilfe von Krankengymnastik kräftigen.

Je nachdem, womit der Operateur das Schultergelenk nach der Schultereckgelenksprengung gestützt hat, kann eine zweite Schulter-OP erforderlich sein, um das Stabilisierungsmaterial zu entfernen. Die nach der Operation zurückbleibende Narbe über dem Schultergelenk ist relativ groß.

Verlauf

Prognose

Bei einer Schultereckgelenksprengung ist die Prognose meist günstig: Wenn die Verletzung des Schultereckgelenks ausgeheilt ist, treten in mehr als 90 Prozent der Fälle keine Beschwerden im Alltag und beim Sport auf. Teilweise können nach Verletzungen von Grad II und Grad III jedoch Schulterschmerzen oder eine dauerhafte (chronische) Gelenkinstabilität zurückbleiben. Der Arm ist dann in seiner Funktion eingeschränkt.

Seltene Spätfolge einer Schultereckgelenksprengung ist ein vorzeitiger Verschleiß (Arthrose) im Schultereckgelenk: Wenn durch diese Veränderung im weiteren Verlauf chronische Schmerzen entstehen, ist es unter Umständen erforderlich, das äußere Ende des Schlüsselbeins operativ zu entfernen.

Nachsorge

Nach abgeschlossener Behandlung einer Schultereckgelenksprengung ist eine geeignete Nachsorge wichtig: Eine konsequente Krankengymnastik ist entscheidend für den Rehabilitationsprozess.

Nach einer leichten Schultereckgelenksprengung (Tossy 1 oder 2) sind, sobald die Schmerzen nachlassen, wieder sportliche Aktivitäten möglich – die Sportart darf die betroffene Schulter jedoch nicht beanspruchen. Meistens dauert die Sportpause ein bis zwei Wochen. Bei den konservativ behandelten Grad-III-Verletzungen ist die Behandlung vergleichbar, die Sportpause beträgt dann etwa drei bis vier Wochen.

Bei einer operativ behandelten Schultereckgelenksprengung ist es ratsam, den Arm nach der Operation ungefähr sechs Wochen lang nur bis zu einem Winkel von 90 Grad vom Körper abzuspreizen. Nach sechs Wochen entfernt der Arzt die eingesetzten Metallteile. Die anschließende Nachsorge besteht aus krankengymnastischen Übungen, bis die Schulter wieder voll beweglich ist. Meist ist die Schulter zwölf Wochen nach der Verletzung wieder vollständig belastbar.

Vorbeugen

Einer Schultereckgelenksprengung können Sie nur bedingt vorbeugen, da diese Verletzung vorwiegend durch Stürze auf die Schulter entsteht. Die einzige Möglichkeit, am Schultereckgelenk eine Verletzung zu verhindern, besteht darin, das Verletzungsrisiko möglichst gering zu halten: Dies erreichen Sie, indem Sie dafür sorgen, dass Ihr Schultereckgelenk bei solchen Stürzen geschützt ist.

Um eine Schultereckgelenksprengung so gut es geht zu vermeiden, ist es daher ratsam, im Verkehr oder beim Sport immer eine geeignete Schutzkleidung zu tragen: zum Beispiel Motorradjacken mit Protektoren oder Schutzpads beim American Football.