Eine Ärztin untersucht das Ohr eines Mädchens.
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Mastoiditis

Die Mastoiditis zählt zu den häufigsten Komplikationen einer akuten Mittelohrentzündung. Dabei breitet sich die Entzündung auf einen Teil des Schläfenbeins aus, der sich hinter der Ohrmuschel befindet. Meist sind Säuglinge und kleine Kinder von Mastoiditis betroffen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Wenn eine Mittelohrentzündung einfach nicht abklingen will oder die Beschwerden wieder stärker werden, kann eine Mastoiditis dahinterstecken: Ein Teil des Knochens hinter dem Ohr ist mit Keimen infiziert und eitert.

Neben den typischen Symptomen einer Mittelohrentzündung – wie etwa Ohrenschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit oder eine Hörminderung – kommen bei der akuten Mastoiditis meist weitere Beschwerden hinzu. So kann es beispielsweise sein, dass

  • der Bereich hinter der Ohrmuschel anschwillt und sich rötet,
  • das Ohr aufgrund der Schwellung absteht,
  • das Ohr Sekret absondert oder
  • der entzündete Bereich empfindlich auf Druck reagiert.

Diese Beschwerden sind für den Arzt bereits wichtige Hinweise auf die Diagnose Mastoiditis. Mithilfe einer Ohrenspiegelung, einer Computertomographie und weiteren Untersuchungen kann er seinen Verdacht bestätigen. Eine Mastoiditis kann auch chronisch verlaufen und dabei kaum Beschwerden bereiten.

Bei rechtzeitiger Therapie heilt eine Mastoiditis in der Regel ohne Folgen ab. In den meisten Fällen ist neben der Gabe von Antibiotika eine Operation notwendig. Dabei entfernt der Chirurg die entzündeten Abschnitte und lässt den Eiter ab.

Bei Anzeichen einer Mastoiditis sollte man sofort einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen!

Bleibt eine Mastoiditis unbehandelt, kann sich die Entzündung in umliegende Gebiete ausbreiten. Um Folgeerkrankungen zu vermeiden, muss eine Mastoiditis daher umgehend behandelt werden. Zu möglichen Komplikationen zählen etwa eine Hirnhautentzündung (Meningitis), Infektionen des Innenohrs oder eine Gesichtslähmung.

Definition

Eine Mastoiditis ist eine eitrige Entzündung des sogenannten Mastoids. Das Mastoid – auch Warzenfortsatz genannt – bezeichnet einen knöchernen Abschnitt hinter der Ohrmuschel, der zum Schläfenbein gehört. Das Schläfenbein ist ein Knochen, der zum Schädel gehört.

Das Mastoid ist von luftgefüllten Hohlräumen durchzogen und mit einer Schleimhaut ausgekleidet. In der Regel entsteht eine Mastoiditis, wenn sich eine akute Mittelohrentzündung auf das Mastoid ausgebreitet hat. Dabei gelangt Eiter in die Hohlräume.

Ist nur die Schleimhaut und nicht der Knochen des Warzenfortsatzes entzündet, spricht man auch von einer Begleitmastoiditis.

Häufigkeit

Die akute Mastoiditis zählt zwar zu den häufigsten Komplikationen im Rahmen einer Mittelohrentzündung, tritt insgesamt gesehen aber selten auf. Schätzungen zufolge entwickelt einer von 1.000 Patienten mit Mittelohrentzündung im Anschluss eine Mastoiditis.

Ursachen

Meist zählen Erreger wie Streptococcus pneumoniae / pyogenes oder Staphylococcus aureus zu den Auslösern der Mastoiditis.

Eine Mastoiditis kann durch bestimmte Faktoren begünstigt werden. Hierzu zählen zum Beispiel

  • ein erschwerter Sekretabfluss im Ohr,
  • ein geschwächtes Immunsystem,
  • eine ungenügende Antibiotikabehandlung der Mittelohrentzündung, etwa, wenn das Antibiotikum zu früh abgesetzt wurde, und
  • eine hohe Infektionskraft der Erreger (sog. Virulenz).

Symptome

Ist eine akute Mittelohrentzündung nach zwei bis drei Wochen nicht ausgeheilt, könnte sich eine Mastoiditis entwickelt haben. Die typischen Symptome der Mittelohrentzündung verstärken sich dann oder kehren – nach anfänglicher Besserung – wieder zurück. Solche Symptome sind zum Beispiel

  • zunehmende Ohrenschmerzen,
  • erneutes oder länger anhaltendes Fieber,
  • ein schlechtes Allgemeinbefinden,
  • eine Abnahme der Hörleistung und
  • mit dem Puls synchrones Klopfen im Ohr.

Hinzu treten weitere, für eine akute Mastoiditis charakteristische Symptome:

  • Hinter der Ohrmuschel entsteht eine mit Gewebeflüssigkeit gefüllte rote Schwellung.
  • Die geschwollene Stelle schmerzt bei Druck oder beim Klopfen darauf.
  • Aus dem Ohr fließt ggf. Sekret ab (sog. Otorrhö).
  • Die betroffene Ohrmuschel steht durch die Schwellung leicht ab (v.a. bei Kindern über 2 Jahren).

Verschleierte Mastoiditis

Eine chronische Mastoiditis, etwa als Folge einer lang anhaltenden Mittelohrentzündung, macht sich häufig kaum bemerkbar (sog. verschleierte oder larvierte Mastoiditis). Es zeigen sich dann oft nur geringe und unspezifische Symptome wie Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Bauchschmerzen.

Diagnose

Eine anhaltende Mittelohrentzündung mit zunehmenden oder wiederkehrenden Beschwerden kann auf eine Mastoiditis hinweisen.

Bei typischen Symptomen wie

  • einer abstehenden Ohrmuschel mit Schwellung hinter dem Ohr,
  • Druckschmerz hinter der Ohrmuschel und
  • Ausfluss von Sekret aus dem Ohr

liegt die Diagnose Mastoiditis nahe.

Der HNO-Arzt wird das Ohr gründlich untersuchen und eine Ohrenspiegelung vornehmen, die sogenannte Otoskopie. Während der Spiegelung erkennt der Arzt Anzeichen einer Mittelohrentzündung, zudem kann die hintere Gehörwand bei einer Mastoiditis geschwollen und gerötet sein.

Mithilfe einer Computertomographie kann der Arzt auch mögliche Komplikationen erkennen, etwa, wenn Eiter in umliegende Bereichen eingebrochen ist, etwa in das Innenohr.

Im Blutbild sind Entzündungsparameter erhöht. Hierzu zählen die Anzahl der weißen Blutkörperchen, das C-reaktive Protein (CRP) sowie die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG).

Zu weiteren möglichen Untersuchungsmethoden zählen eine Röntgenaufnahme, Hörtests oder ein Abstrich, um den genauen Erreger zu bestimmen.

Therapie

Eine Mastoiditis muss in jedem Fall umgehend von einem Facharzt behandelt werden.

Der Arzt wird über die Vene Antibiotika verabreichen, um die Entzündung einzudämmen, so zum Beispiel die Wirkstoffe Amoxicillin und Clavulansäure oder Cefotaxim.

Eine alleinige Therapie mit Antibiotika ist nur in Ausnahmefällen möglich – meist ist bei einer akuten Mastoiditis eine Operation notwendig. Dabei entfernt der Operateur den Warzenfortsatz ganz oder teilweise. Dieses Verfahren nennen Mediziner auch "Mastoidektomie". Zudem lässt der Arzt gegebenenfalls über eine Drainage Eiter ab und senkt so den Druck im Mittelohr. Die Operation erfolgt stationär.

Darüber hinaus kann der Arzt Schmerzmittel und abschwellende Nasentropfen verabreichen, um die Beschwerden zu lindern.

Verlauf

Eine Mastoiditis sollte umgehend behandelt werden – dann nimmt sie in der Regel einen günstigen Verlauf. Ein rascher Arztbesuch ist allerdings Pflicht: Der im Rahmen der Entzündung angesammelte Eiter kann in benachbarte Regionen einbrechen und diese schädigen. So können sich unter der Haut, in der Muskulatur oder innerhalb des Schädels Abszesse bilden.

Komplikationen

Insbesondere bei fehlender und ungenügender Behandlung kann eine Mastoiditis in seltenen Fällen zu Komplikationen führen – vor allem, wenn der Eiter sich einen Weg nach außen bahnt. Zu möglichen Komplikationen zählen zum Beispiel:

  • abgekapselte Eiteransammlungen (Abszesse) unterhalb der Knochenhaut des Warzenfortsatzes
  • Einbruch von Eiter in die seitliche Nacken- und Halsmuskulatur (am "Kopfwender"-Muskel; sog. Bezold-Abszess)
  • eine vom Ohr ausgehende Hirnhautentzündung (Meningitis); Abszess im Kleinhirn oder Schläfenlappen
  • Blutgerinnsel in den großen venösen Blutleitern des Hirns (sog. Sinusthrombose) mit Gefahr einer Blutvergiftung
  • Abszess zwischen dem Knochen des Schläfenbeins und der äußersten Hirnhaut (Epiduralabszess)
  • Infektion im Labyrinth des Innenohrs (sog. Labyrinthitis)
  • Gesichtslähmung (Fazialisparese)

Prognose

Bei ausreichender und rechtzeitiger Therapie ist die Prognose günstig. Wenn keine weiteren Komplikationen auftreten, heilt eine Mastoiditis fast immer folgenlos ab und das Hörvermögen bleibt intakt. Verläuft die Mastoiditis kompliziert und wird zum Beispiel das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen, kann dies lebensbedrohlich sein. Daher ist es sehr wichtig, bei ersten Anzeichen einer Mastoiditis den Arzt aufzusuchen.

Vorbeugen

Einer Mastoiditis können Sie nicht sicher vorbeugen. Aber: Wird eine Mastoiditis frühzeitig erkannt, kann der Arzt meist Komplikationen verhindern.

Wenn Sie oder Ihr Kind unter einer Mittelohrentzündung leiden, die nach zwei Wochen nicht völlig abgeklungen ist, sollten Sie umgehend den Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen! Das gleiche gilt, wenn die Beschwerden einer Mittelohrentzündung erneut auftreten oder wieder zunehmen. Eine druckempfindliche Schwellung hinter dem Ohr weist ebenfalls auf eine akute Mastoiditis hin.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass Antibiotika so eingenommen werden, wie sie der Arzt verordnet hat. Nimmt man beispielsweise ein Antibiotikum gegen Mittelohrentzündung nicht lang genug ein, können Erreger dagegen "immun" werden, überleben und zu einem erneuten Krankheitsausbruch führen – welcher auch eine Mastoiditis zur Folge haben kann.